Samstag, Mai 31, 2008

periodische Schutzraumkontrolle

Die Schweiz ist gewappnet! Damit meine ich nicht, dass wir breit sind für die Fussball-Europameisterschaft - nein, wir sind bereit für den Atomkrieg und zwar jederzeit. Anno 1999, als wir einen Neubau planten, war ich das erste Mal konfrontiert mit der zivilen Schutzbereitschaft der Helvetier.
Unser Architekt eröffnete uns vor mehr als zehn Jahren fluchend, dass meine neue Wohngemeinde auf die Erstellung eines Schutzraumes mit bombensicheren Wänden, Chemietoilette, Luftfilteranlage, Schlafplätzen für sechs Personen und normiertem Holzkeil zur Fixierung der speziell an Ort gegossenen Eingangstüre beharrt.
Ich drohte meinerseits mit dem totalen Krieg, musste aber wegen dem übermächtigen Gegner schnell meine Waffen strecken.

Nach Erstellung des Werkes begutachtete ein älterer Herr, der in jedem gut gebräunten Zeitgenossen eine Bedrohung des schweizerischen Kulturgutes sah, meinen frisch betonierten Copilotenbunker. Alles schien perfekt, bis auf die Farbe des Betontürgriffes. Seine Gesetzessammlung über die fachgerechte Inbetriebnahme eines Schutzraumes betonte auf Seite 17 deutlich, dass der Griff der tonnenschweren Türe in dezentem Grau zu halten sei. Uns gefiel die orange Grundierung besser, was später mit Fr. 400.- für die Nachkontrolle in Rechnung gestellt wurde.

Der Ärger war schnell verflogen und die Weinflaschen vom Nachbarn fanden subito den Weg in die temperaturstabile Grotte. Die Jahre zogen ins Land, die Flaschen wurden in regelmässigem Abstand ausgewechselt und das chemische Abort diente den Hausspinnen als neue Heimat.

Am 7. Mai dann der Brief vom älteren Herrn, der sich mittlerweile an die dunklen Hautfarben gewöhnt hat, aber hinter jedem Baugespann ein Projekt für eine Moschee zu erkennen glaubt. «Anmeldung zur periodischen Schutzraumkontrolle», steht in grossen Lettern auf dem Stück Papier.
Gopferdammisiechnamal (für Deutsche Leser nicht übersetzbar)!

Fein säuberlich aufgelistet sind die Arbeiten, die ich im Vorfeld zu erledigen habe. Bei sämtlichen Punkten geht der Verfasser der Zeilen davon aus, dass ich noch weiss, wo alle die notwendigen Gegenstände sich befinden. Der Zustand der Bauhülle wird genauso überprüft wie der «Überdruck-Aufbau» mit vorhandenen Ventilationsanlagen und das Vorhandensein der Schlafplätze und der Notfalltoiletten. Auffällig häufig finden sich die Wörter «ausnahmlos» und «vollständig» im Marschbefehl der Kontrollstelle.

Ein Blick auf die Homepage der nachbarschaftlichen Grossstadt (für helvetische Verhältnisse) bringt Überraschendes ans Tageslicht. Da wird einem nicht nur verbal erklärt was für einen Schutzraumtyp man hat, sondern auch wie die Kontrolle vonstatten geht. Ein Schutzraum-Rap sozusagen. Ich würde mich gerne totlachen, leider meinen die es ziemlich Ernst. Die Schweiz kennt kein Pardon bei der Verteidigung des eigenen Landes. Ich freue mich schon jetzt auf die Nachkontrolle.