Dienstag, April 01, 2008

unter Arrest



Nein, der Titel hat nichts mit meinem «Linecheck» zu tun, den ich im Moment auf meiner Rotation in den mittleren Osten zu bestehen habe, sondern eher mit der Hotelanlage, in der ich zur Zeit weile. Obwohl man natürlich gewisse Parallelen zwischen einem Checkpiloten und einem Gefängnisaufseher nicht von der Hand weisen kann. Beide passen auf, dass die zu beurteilenden Individuen keinen Mist bauen und beobachten, ob die sozialen Verhaltensmuster und die manuellen Kompetenzen genügend ausgeprägt sind, damit die Insassen des Gefängnisses bzw. des Cockpits wieder auf die Allgemeinheit losgelassen werden können. Es gibt nette und böse Wärter und auch bei den Checkpiloten lassen sich die Lager aufteilen. Meiner ist übrigens mehr als OK.

Doch jetzt zurück zur Hotelanlage. Ich bin zu Gast im Sultanat Oman, das so reich an Geschichte und schöner Natur ist. Die Sonne brennt auf den trockenen Boden und das Thermometer hat sich so bei 35 °C eingependelt. Am Meer weht eine leichte Brise, was den Aufenthalt im Liegestuhl zumindest für die Touristen, die ein Hotel am Wasser erwischt haben, recht angenehm macht. Unser Hotel liegt im sandigen Landesinnern. Hotel ist vielleicht der falsche Ausdruck, es ist vielmehr eine äusserst gut bewachte Anlage, die ungefähr einen Kilometer lang und ein paar hundert Meter breit ist.
Stacheldraht und Überwachungskameras geben den Insassen Gästen das Gefühl totaler Sicherheit. Ein Labyrint von Strassen und Wegen schlängelt sich zwischen den Bungalows durch und wer wie ich gerne die Orientierung verliert, kann beim vermeindlich kurzen Marsch zwischen dem eigenen Zimmer und dem Restaurant Pfunde verlieren, die er sich eigentlich mit orientalischen Köstlichkeiten anfressen wollte.
Damit der Heimweg von der Bar oder der Ausflug zum gigantischen Pool bei diesem Wetter nicht zum Marathontraining wird, stehen Fahrräder zur Verfügung, die man sich einfach schnappen kann. Es liegt in der Natur der Sache, dass es an neuralgischen Punkten zu Mangelerscheinungen des Drahtesels kommen kann, was wiederum für den Betroffenen wegen des bevorstehenden Fussmarsches, automatisch mit sehr viel Schweiss verbunden ist.

Gigantisch präsentiert sich das Zimmer. Sicherlich 60 Quadratmeter misst das arktisch heruntergekühlte Temporärheim und beinhaltet Küche, Bad und Wohnraum mit Doppelbett. Grosszügige Fenster geben den Blick auf die mit Stacheldraht verziehrte Mauer frei und vermitteln dem Gast die Wichtigkeit, die sonst nur inhaftierten kolumbianischen Drogenbaronen zuteil wird. Grosszügig auch die Spannweite des Fernsehbildschirmes. Nur ist dieser wegen der Weite des Raumes soweit vom Bett entfernt, dass ohne ein technisches Hilfsmittel wie zum Beispiel einem Feldstecher, das Bild nur schemenhaft erkennbar ist.
Durch die Weitläufigkeit der Anlage ist der Lärmpegel auch angenehm tief, zumindest bist die Kolonie der omanischen Spechte um 5 Uhr in der Früh ihre Schnäbel wetzt.
Als lösungsorientierter Mensch ist man geneigt, den Wachmännern die Schrotflinten zu entreissen und den Vögeln den Garaus zu machen. Ob das allerdings in diesem Land angebracht wäre bezweifle ich, obwohl es im firmeneigenen Verhaltenskodex «Do‘s & Dont‘s» nicht explizit verboten wird.

So lasse ich den Aufenthalt in diesem Wüstenresort über mich ergehen, wundere mich, was die Haut meiner Kolleginnen an Sonne alles erträgt und schleiche von Schattenplatz zu Schattenplatz.

Es ist Zeit diese Zeilen zu beenden und langsam ins 800 Meter entfernte Zimmer zurückzukehren. Mein Fahrrad steht abfahrtsbereit vor der ….. - Scheisse, jetzt ist mein Drahtesel weg!

Kommentare:

  1. Danke fürs mitnehmen in den Knast. Klingt nicht gerade verlockend. Weiterhin gutes gelingen beim Line Check.

    Grüsse ins Wüstencamp, René

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  2. toll, da will ich auch mal hin. ich beneide sie um das wetter.
    [heute in kleinbuchstaben wegen der heissen suppenschüssel vor der tastatur]

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  3. Da erkennt man den routinierten Piloten: auf dem Linecheck Beiträge schreiben statt OM A - Z durchackern ;-)

    Danke und ... wird Zeit, dass ich auf den 330er komme, ich nehm dir MCT gerne ab ;-)

    Witerhin viel Spass und Erfolg...

    G!

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  4. Ein Hammer Bike! Mindestens so sicher wie das Gefängnis, einfach keinen Unfall damit bauen bitte.

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  5. Ach Frau Klugscheisser, wenn sie wüssten wie ich jenseits der 25°C Marke leide!
    Weniger gelitten habe ich am Abend. Das Bier war niederländisch dünn, norwegisch kalt und die Tischnachbarn lufthanseatisch unterhaltsam - kurz ein gelungener Abend äh Morgen.

    @G!
    ... am Linecheck gilt immer das Gesetz der unmöglichen Fragestellung. Kurz vor der Landung an der Destination muss der Prüfling dem Prüfer eine unmögliche Frage stellen. So ist der Prüfer und nicht der Prüfling im Nightstop in den Büchern :-)

    @christoph:
    ... war gar nicht so einfach, das ohne Unfall. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist nicht restlos geklärt, ob im Sultanat Oman Links- oder Rechtsverkehr herrscht....

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  6. Guantanamo is everywhere!

    Wenigstens müsst ihr keine knall-orange-roten Overalls überziehen hinter eurem Drahtzaun.

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  7. Nimmt mich echt wunder was besonderes ausser "no shorts" im Do's and Dont's steht.. Oman ist ja wirklich eins der liberalsten Laender im M.O.

    Tja der mit links- oder rechts spielt eigentlich keine grosse Rolle in Oman... hauptsache schnell genug, dass der Piepser im Dauerklingel-modus laeuft;)

    Viel Glueck mit der Unmoeglichen Frage.. das Pruefer-ego verlangt zwar ziemlich sicher nach einem nicht-antworten desser, also keine Panik!!

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  8. "Grosszügige Fenster geben den Blick auf die mit Stacheldraht verziehrte Mauer frei und vermitteln dem Gast die Wichtigkeit, die sonst nur inhaftierten kolumbianischen Drogenbaronen zuteil wird"
    - ich dachte, dieser Mann kann sich nicht mehr selbst übertreffen.
    Welch ein Irrtum !
    Bitte, bitte, mehr davon ;-))))

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  9. das "Gesetz der unmöglichen Fragestellung" ist mental notiert. Wir haben natürlich keinen N/S, dafür aber eine längere Pause in GVA...die Fragen sind in Vorbereitung :-)

    Wieder etwas gelernt :-D

    Gruess, G!

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