Donnerstag, März 20, 2008

die Psyche der Piloten 3

Passagiere, Arbeitgeber und Kollegen im Cockpit haben das Anrecht darauf, dass ich beim Ausführen meiner Tätigkeit körperlich und psychisch stabil bin. Die körperliche Stabilität ist mir schon in die Wiege gelegt worden. Ich war immer der Grösste, der Schwerste ergo bin ich quasi per Definition körperlich stabil.
Es gibt Fachkräfte die behaupten, dass körperliche Ertüchtigung das seelische Gleichgewicht im Lot hält. Dies mag für lange Waldpaziergänge zutreffen, nicht aber für das Schwitzen auf den Depressionsbeschleunigern genannt Laufbändern.

Das stundenlange Starren auf immer die gleiche Fliessenfuge an der gegenüberliegenden Wand kann von Schwermütigkeit bis zu epileptischen Anfällen eine ganze Palette von psychischen Krankheiten auslösen. Flugmedizinisch gesehen ist dem Bier nach dem Flug daher dem Besuch des hoteleigenen Fitnesscenters eindeutig den Vorzug zu geben.
Ich mag Bier, ich mag lange Waldspaziergänge und ich habe mir vor ein paar Monaten einen Hund gekauft, der mich auch bei Regen vor die Türe winselt. So gesehen stehen alle Ampeln auf grün.

Natürlich kommen mit Jack dem Labrador auch neue Sichtweisen und Tagesabläufe in das Leben und man ist im hohen Alter gezwungen, seine Körpersprache, seine Kommunikationsmuster und seine Ansichten über Hundehalter zu hinterfragen. Neben diesen tiefgründigen Selbstanalysen muss auch noch der Hund erzogen werden. Als Newcommer greifft man in seiner Hilflosigkeit gerne zu einem Buch und da ist die Vielfallt verwirrend gross. Weiter gibt es Hundeschulen, Freunde, Hundehalter auf dem Spaziergang, Hundehalter in der Bekanntschaft und Hundehasser, die alle ihre ganz persönliche Meinung zum Thema Hund haben. Ich wählte zuerst den antiautoritären Ansatz, der aber schon nach wenigen Stunden als gescheitert betrachtet werden musste.

Die erste Hundeschule setzte auf Disziplin, knallharte Disziplin - ein Bootcamp für Hunde sozusagen. Der Drillsergant attakierte die Besitzer mit harten Befehlen und die Hunde mit klirrenden Gegenständen. Mit dem Ergebnis, dass der Hund ein wenig und ich stark traumatisiert den Hundekurs verliessen.

Dann blieb nur noch der Psychiater - der Hundepsychiater. Ein begleiteter Spaziergang wurde gebucht und schon Minuten nach dem Verlassen des Hauses war klar, dass nicht der Hund, sondern ich einen Psychiater brauche. Was dramatisch klingt, war in Tat und Wahrheit gar nicht so schlimm.
Seine Seele zu öffnen fällt einem erwachsenen Mann wie mir wesentlich einfacher, wenn das Gegenüber von weiblichem Geschlecht und gleichzeitig auch noch charmant ist.

Passagiere, Arbeitgeber und Kollegen kann ich beruhigen. Die Diagnose der Fachfrau war nicht vernichtend und definitiv nicht lizenzrelevant. Aber sie legte mir nahe, erstens die Bindung zum Hund zu verstärken und zweitens einen Gruppenkurs mit anderen Hunden zu besuchen. Das Zweite macht mir grosse Freude, denn als einziger Mann unter vielen Frauen fühle ich mich naturgemäss sehr wohl. Zum Thema Bindung habe ich auch schon einen Lösungsansatz, den sowohl meine Frau auch die Psychologin akzepieren werden: Ich nenne meinen Hund ab sofort iJack.

Kommentare:

  1. Jaja, die lieben Hunde, unserer will mir auch nicht so richtig folgen, ausser natürlich es gibt etwas zu fressen, aber auch da ist er sehr wählerisch.
    Immerhin hört er schon auf den Namen "Köterchen" :-D

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  2. ... so falsch ist das gar nicht Frau Klugscheisser. Denn wenn man beobachtet, wie ich manchmal mit gespannter Hundeleine durch die Geografie gezogen werde, muss das "H" vor iJack akzeptiert werden :-)

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  3. Nff, Du hast mich köstlich unterhalten mit Deinem Beitrag. Vielen Dank und frohe Ostern.

    Gruess, Zugi

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  4. Und was sagt Ihre iWife dazu?

    Ihnen und Ihrer Familie frohe Ostern !!

    lg from berlin, cbs

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  5. Die Psyche der Piloten - sehr interessant, vor allem wenn aus dem Hund IJack wird, dann kann es wohl nicht mehr lange dauern bis das Bücherregal IRack heisst und die Jogging-Schuhe heissen plötzlich IRun. ;-)

    Danke für den köstlichen Beitrag.

    Schönen Sonntag

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