Montag, März 03, 2008

die Psyche der Piloten 2

Es ist noch nicht lange her, da habe ich mich an gleicher Stelle über einen Satz gefreut, den ein Psychologe auf einer Fachseite im Internet über Piloten geschrieben hat. Weil die Zeilen so schön über die Lippen gehen und im Ohr wie eine Arie klingen, möchte ich diesen hier noch einmal publizieren und das geht ja heute ganz bequem mit der Kopierfunktion des Textprogramms:

«Die Psychologie verzichtet darauf, eine Psyche des Piloten zu isolieren, und begreift Pilot und Flugzeug als Black Box, deren Reiz-Reaktionsverhalten sie aufzeichnet: Der Pilot ist ein Instrument unter Instrumenten, ein Maschinenelement, dessen Psyche in die Flugdaten eingewandert ist.»
(Tobias Nanz, Psychologe)

Gerne würde ich diese Abfolge von Buchstaben auf meine Visitenkarte drucken, aber erstens habe ich keine und zweitens wäre der Satz vermutlich zu lange für das kleine Kartonkärtchen. Gründe genug, einen neuen Slogan zu suchen, der - falls ich einmal die Karriereleiter erklimme und ich einen Stapel Kärtchen bekomme, dann direkt unter meinem Titel des «global operation directors» - kurz GOD, erstrahlt.

Einmal mehr hat der Zufall mir geholfen und in der Ausgabe der NZZ vom Schalttag erschien eine Beilage zum Thema Traumberufe. Logisch durfte da die Brücke zum Pilotenberuf nicht fehlen und logisch meldeten sich haufenweise Fachmänner zu Wort. Nicht ganz zufällig verzichte ich an dieser Stelle auf die Bezeichnung Fachfrauen, denn diese haben im Artikel bewusst oder unbewusst keinen Einzug gefunden.

Ein in der helvetischen Aviatiklandschaft nicht unbekannter Journalist mit dem urschweizerischen Vornamen Sepp wird zu Rate gezogen und er klärt den interessierten Leser auch gerne auf, wie es um die Psyche der Piloten so steht. Das Wort «steht» darf hier ausdrücklich auch zweideutig verstanden werden, wenn man das bemerkenswerte Zitat des Schreiberlinges analysiert:

«Wer wird eigentlich Pilot? Mehrere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Wer sich zu diesem Beruf hingezogen fühlt, ist oft überdurchschnittlich extrovertiert, dominant und aggressiv, betont hetrosexuell veranlagt und übernimmt gerne Aufgaben, welche Kraft und Kompetenz verlangen»
(Quelle gemäss NZZ: Sepp Moser: Wie sicher ist Fliegen?)

Ich schlage vor, dass sie einen Moment den Lesefluss unterbrechen, etwas zu trinken holen (Piloten schicken die Frau zum Kühlschrank und sie soll gefälligst etwas zu Trinken bringen) und den Satz noch einmal in Ruhe geniessen. Ich werde in der Zwischenzeit den Druckauftrag für meine neuen Visitenkarten in Auftrag geben.

Hat das Bier geschmeckt? Hoffentlich, denn es geht noch weiter:
«Piloten haben die Tendenz, ihr Gefühlsleben unbewusst durch Handlungen statt durch Worte auszudrücken.»

Hoppla, der sass tief. Da ich mich gerne mit Worten ausdrücke muss der Umkehrschluss gezogen werden, dass ich ein schlechter Pilot bin. «Leute, stoppt die Druckmaschinen!»