Sonntag, März 30, 2008

I'm so worried about ....

.... my Line Check tomorrow!

Da passt dieses Video ja bestens :-)



(gefunden via flightforum.ch via Thomas Klein)

Montag, März 24, 2008

Ei-Phone Suche

Unser Nachbarsbub hat uns Teigosterhasen gebacken und ich möchte mich für die leckeren Hefetiere revanchieren. Da kommt der österliche Flug nach Hongkong natürlich gelegen. Zehnjährige Jungs interessieren sich für Flugzeuge, Panzer und kriegerische Spielkarten aus japanischer Produktion.

So bin ich mit der Undergrundbahn noch Norden gerast und habe die Strassenmärkte nach Geschenken abgesucht. Selbstverständlich war ich an diesem Ostermontag nicht alleine auf der Suche nach versteckten Geschenken. Österlich korrekt und absolut dem Zeitgeist entsprechend, liefen viele der Passanten mit grossen Augen durch die engen Gassen und hielten Ausschau nach Osternestern. Vor den Telekommunikationsläden bildeten sich die grössten Trauben. Jedermann schien nach dem Ei-Phone zu suchen und da und dort hatten auch Vereinzelte Erfolg. Dass die Chinesen nach den Kultteil aus dem Hause Apple so verrückt sind, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Denn weder der Schwarzmarktpreis noch die technischen Finessen erreichen fernöstliches Niveau, aber scheinbar scheint dies gar nicht so wichtig zu sein.

Darum heisst es vielleicht auch Ei-Phone. Eine einfache, aber geniale Verpackung mit einem noch einfacheren, aber durchaus schmackhaften Inhalt. Ähnlich wie das Naturprodukt aus dem Bauch des Huhns, hat das Schwarzmarkt Ei-Phone eine beschränkte Haltbarkeit, nämlich exakt bis zum nächsten Update der Apfelzentrale. Trotzdem will jedermann so ein Teil haben und darum bekomme ich vor jedem Flug in die USA ein paar Mails mit der Bitte, das Objekt der Begierde nach Hause zu bringen. Diese Marketingstrategie der beschränkten Verfügbarkeit erinnert mich irgendwie an den Swatch-Hype Ende der 80er Jahre.

Mittlerweile habe ich den Markt in «Sham Shui Po» ohne Erfolg abgegrast und auch der «Ladies Market» in Mongok scheint die Bedürnisse der zehnjährigen Jungs aus der Schweiz nicht zu kennen. Eigentlich komisch, denn bei früheren Besuchen wimmelte es nur so von fliegenden Kampfmaschinen und Panzermodellen von allen Armeen. Als ich nicht einmal die kriegeischen Spielkarten fand, erkundigte ich mich bei einem lokalen Fachmann über den unerklärbaren Mangel. «Es stünde alles Kriegsmaterial in einer nördlichen Bergregion», meinte der Kenner und ich verstand den Wink mit dem Zaunpfahl.

So sitze ich einmal mehr in einem Kaffeehaus und blicke auf die Strasse hinaus, während sich das Tageslicht langsam verabschiedet. Gegenüber hat es - wie könnte es auch anders sein - ein Telekommunikationsgeschäft, das die oben beschriebenen Geräte anpreisst. Um mit einem Produkt Erfolg zu haben, muss man also dafür sorgen, dass es schwer zu kriegen ist, dass es kultig ist, dass es einmalig ist und dass der Besitzer sich sicher ist, dass er zu den Ersten gehört, die das Teil im näheren Umfeld besitzen.

Es gibt sie, die Nachfolger der Swatchuhren und der iPhones. Gerade neulich ist wieder so ein Produkt auf dem Markt erschienen. Einfach, aber zweckgemäss verpackt, mit leicht verständlichem Inhalt und nur in versteckten Märkten erhältlich. Man kann es in urbanen Kaffeehausketten genauso lässig präsentieren wie in der Strassenbahn. Es bietet Platz für Notizen, kann aber genauso gut im eigenen Heim ausgestellt werden. Es braucht keine Batterien und ist unabhängig von Funknetzten und WiFi Stationen geniessbar. Wer es jetzt erwirbt, hat noch die Chance zu den ersten zehn Personen zu gehören, die es in den Händen halten. Mein Buch kriegen sie HIER oder HIER.

Donnerstag, März 20, 2008

die Psyche der Piloten 3

Passagiere, Arbeitgeber und Kollegen im Cockpit haben das Anrecht darauf, dass ich beim Ausführen meiner Tätigkeit körperlich und psychisch stabil bin. Die körperliche Stabilität ist mir schon in die Wiege gelegt worden. Ich war immer der Grösste, der Schwerste ergo bin ich quasi per Definition körperlich stabil.
Es gibt Fachkräfte die behaupten, dass körperliche Ertüchtigung das seelische Gleichgewicht im Lot hält. Dies mag für lange Waldpaziergänge zutreffen, nicht aber für das Schwitzen auf den Depressionsbeschleunigern genannt Laufbändern.

Das stundenlange Starren auf immer die gleiche Fliessenfuge an der gegenüberliegenden Wand kann von Schwermütigkeit bis zu epileptischen Anfällen eine ganze Palette von psychischen Krankheiten auslösen. Flugmedizinisch gesehen ist dem Bier nach dem Flug daher dem Besuch des hoteleigenen Fitnesscenters eindeutig den Vorzug zu geben.
Ich mag Bier, ich mag lange Waldspaziergänge und ich habe mir vor ein paar Monaten einen Hund gekauft, der mich auch bei Regen vor die Türe winselt. So gesehen stehen alle Ampeln auf grün.

Natürlich kommen mit Jack dem Labrador auch neue Sichtweisen und Tagesabläufe in das Leben und man ist im hohen Alter gezwungen, seine Körpersprache, seine Kommunikationsmuster und seine Ansichten über Hundehalter zu hinterfragen. Neben diesen tiefgründigen Selbstanalysen muss auch noch der Hund erzogen werden. Als Newcommer greifft man in seiner Hilflosigkeit gerne zu einem Buch und da ist die Vielfallt verwirrend gross. Weiter gibt es Hundeschulen, Freunde, Hundehalter auf dem Spaziergang, Hundehalter in der Bekanntschaft und Hundehasser, die alle ihre ganz persönliche Meinung zum Thema Hund haben. Ich wählte zuerst den antiautoritären Ansatz, der aber schon nach wenigen Stunden als gescheitert betrachtet werden musste.

Die erste Hundeschule setzte auf Disziplin, knallharte Disziplin - ein Bootcamp für Hunde sozusagen. Der Drillsergant attakierte die Besitzer mit harten Befehlen und die Hunde mit klirrenden Gegenständen. Mit dem Ergebnis, dass der Hund ein wenig und ich stark traumatisiert den Hundekurs verliessen.

Dann blieb nur noch der Psychiater - der Hundepsychiater. Ein begleiteter Spaziergang wurde gebucht und schon Minuten nach dem Verlassen des Hauses war klar, dass nicht der Hund, sondern ich einen Psychiater brauche. Was dramatisch klingt, war in Tat und Wahrheit gar nicht so schlimm.
Seine Seele zu öffnen fällt einem erwachsenen Mann wie mir wesentlich einfacher, wenn das Gegenüber von weiblichem Geschlecht und gleichzeitig auch noch charmant ist.

Passagiere, Arbeitgeber und Kollegen kann ich beruhigen. Die Diagnose der Fachfrau war nicht vernichtend und definitiv nicht lizenzrelevant. Aber sie legte mir nahe, erstens die Bindung zum Hund zu verstärken und zweitens einen Gruppenkurs mit anderen Hunden zu besuchen. Das Zweite macht mir grosse Freude, denn als einziger Mann unter vielen Frauen fühle ich mich naturgemäss sehr wohl. Zum Thema Bindung habe ich auch schon einen Lösungsansatz, den sowohl meine Frau auch die Psychologin akzepieren werden: Ich nenne meinen Hund ab sofort iJack.

Montag, März 17, 2008

Murgh und Marsala

Nichts hat mehr Respekt verdient, als das lokale Essen in seiner ursprünglichsten Form. Die Rezepte sind über Generationen gewachsen, haben sich den Lebensumständen angepasst und spiegeln auch den Charakter und die Seele der Bewohner des jeweiligen Landes wieder. Doch auch innerhalb des gleichen Kulturkreises gibt es erstaunlich viele Unterschiede.

Vermutlich lässt sich anhand des Essverhaltens auch einiges über den Menschen hinter dem Fressnapf aussagen. Ich mute mir an dieser Stelle keine Expertenmeinung zum Thema zu, mache mir aber aufgrund meiner Vorlieben trotzdem einige Gedanken.

Ich mag Fettnäpfe - und zwar in jeder Form. Ab und zu trete ich in einen, in schöner Regelmässigkeit esse ich aber daraus und verplatze fast aus Vorfreude vor dem nächsten Bissen. Während Lifestylekoriphäen so kurz vor Frühlingsanfang auf Zehenspitzen um Rohkostteller hüpfen und dünne Scheiben Vollkornbrot mit Lätta bestreichen, tunke ich meinen Weissbrotklumpen in eine blubbernde Käsemasse, drehe das Brot nach überlieferter Art und Weise im Kreise herum und führe danach die stinkende Masse mit Wollust an meinen Mund. Der folgende Schluck Weisswein aus einheimischer Produktion vervollständigt den Genuss und kann im Geschmack höchstens noch durch nachschütten von etwas Kirschwasser übertroffen werden. Dieses einfache Mahl schüttet bei einem einfachen Menschen wie mir literweise Glückshormone aus und das erklärt wohl zur Genüge, warum man vor genau diesen lokalen Köstlichkeiten - mögen sie noch so einfach oder fettig sein, Respekt zeigen sollte.
Ärgerlich, wenn man dabei gestört wird. Noch ärgerlicher, wenn es sich beim Störenfried um das Telefon handelt und unerhört, wenn am anderen Ende die eigene Firma lauert. Exakt in dem Moment, als mein kirschwassergetränktes Weissbrot im Caquelon untertauchte, durchbrach der Klingelton die mystische Mischung aus Ausgelassenheit und Ruhe und das andere Ende der Leitung wollte mich über einen Einsatz am folgenden Tag in Kenntnis setzen.

Weil der Copilot, der ursprünglich nach Delhi gebraucht wurde andersweitig gebraucht wurde, wurde ich gebraucht und zwar auf dem Flug nach Delhi. Während ich diese anspruchsvollen Zeilen zu verarbeiten hatte, schwanden im Wohnzimmer in erschreckender Geschwindigkeit die Pegel der Käsemischung, der Weissweinflasche und des Kirschwassers. Soweit die Geschichte des Fondueabends.

So sitze ich jetzt in der Lobby des Hotels in Delhi und versuche, die lokalen Rituale zu ergründen. Ich mache das nicht wie die Touristin am Tisch nebenan, die sich als einzige der zahlreich anwesenden Damen in einen glitzernden Saari gestürzt hat und dazu französisches Mineralwasser trinkt. Ich mache es, wie es sich für einen Vertreter meiner Zunft gehört: Ich widme mich den Fettnäpfchen. Nicht Käse soll es sein - oh nein, «Butterchicken» steht auf dem Speiseplan und dazu Naan mit Knoblauch versetzt.
Lifestylekoriphäen und Diätberater mögen schockiert sein, doch ich kann diese beruhigen. Zum «murgh makhani», wie sich das Hühnchengericht nennt, trinke ich gesunden Marsala Tee, der nur ganz leicht gesüsst ist und nur ganz wenig rahmige Milch enthält. Ich kann mich nur Wiederholen: Vor lokalen Köstlichkeiten soll man Respekt zeigen. Guten Appetit!

Montag, März 10, 2008

Zerfall

Es scheint ein Amerikamonat zu werden. Schon das fünfte Mal innert Monatsfrist habe ich den Nordatlantik überquert und in Amerika meine Zelte aufgeschlagen. Ich gewöhne mich langsam an die Zeitverschiebung, die Einwanderungsbeamten, das nicht immer über alle Zweifel erhabene Essen, das dünne Bier, die oberflächliche Freundlichkeit und das seltsame Selbstbild, das die Einwohner von sich haben.

Im Moment ist Amerika etwas abgelenkt vom Wahlkampf, der wie immer hart und gnadenlos geführt wird. Selbstverständlich interessieren die Äusserlichkeiten und die Prominenten im Hintergrund wesentlich mehr, als die politischen Inhalte der Kandidaten. Aber vielleicht tue ich den Amerikanern unrecht wenn ich behaupte, dass dieses Verhalten so typisch ist für dieses Land. Ist es bei uns nicht auch so?

Und überhaupt, darf ich mir als Gast ein Urteil über das politische System eines Gastlandes erlauben? Darf ich politische Führer kritisieren, die mit meiner Heimat nicht verbunden sind? Ich beantworte diese Fragen für einmal mit einem verhaltenen Ja. Schliesslich beinflusst der amerikanische Präsident paradoxerweise mein Leben mehr, als ein helvetischer Parlamentarier dies tut.

Ich mag Amerika am Morgen am meisten. Zu einer Zeit, wo das ganze Land Anlauf holt für einen neuen Tag. Einige fokussieren sich dabei auf die Maximierung ihres Gewinnes, die meisten versuchen aber einfach über den Tag zu kommen, - zu überleben. Am frühen Morgen lässt sich herrlich durch die Strassen schlendern. Aus einigen Ritzen strömt Dampf, grosse Auto fahren gemächlich durch die Gassen und vermummte Gestalten eilen mit heissen Kaffeebechern in den Händen vor der Kälte fliehend von Tür zu Tür. Es ist die Zeit, wo noch Emotionen gezeigt werden, wo noch nicht funktionniert werden muss, wo noch gelebt wird. Ist einmal der Arbeitsplatz erreicht, hat man zu reagieren und zwar nicht wie ein Mensch, sondern wie ein Roboter. Ein künstliches Lächeln zaubert jeder auf die Lippen, das am Abend regelrecht abgeschminkt werden muss. Andrea Köhler hat dies vor nicht so langer Zeit in der NZZ auf den Punkt gebracht:

«Wer wie die Amerikaner dem Zwang nach Glücklichsein unterliegt, verdrängt die Melancholie. Eine Nation, die alles Grübeln mit «Prozac» austreibt, verliert nicht nur eine wichtige Quelle der Inspiration, sondern auch die Reflexionsfähigkeit.»

Dabei täte diesem Land etwas mehr Selbstreflexion gut. Aber eben, ich sehe die Probleme als Gast etwas anders als die Einwohner und als Gast sollte ich vielleicht etwas mehr Respekt vor der eigenen Kultur der Amerikaner zeigen. Ich wandere weiter. Hinein in neue Gassen und in neue Quartiere. Überall das gleiche Bild. Öffentliche Infrastruktur hat in diesm Land keinen grossen Stellenwert. Was privat ist und durch angeheuerte Hände gepflegt wird erstrahlt im besten Licht, öffentliche Einrichtungen verfallen regelrecht.
Warum fehlen in einem Land, das durch Innovation und Mut gross geworden ist, die Mittel und der Wille, die Struktur zu erhalten? «Erfolg gibt recht», sagt der Volksmund, nur leider haben die Erfolgreichen den Spruch zu ernst genommen und nehmen sich für sich jetzt jedes nur erdenkliche Recht heraus.

Liebes Amerika, ich gehe wieder hart mit dir ins Gericht, ich weiss. Aber du präsentierst dich im Moment wie ein Junkie, ein sterbender Schwan, dem man beim Verfall zusehen kann. Nimm dich endlich zusammen! Ich komme wieder, vielleicht schon nächste Woche.

Winterlandschaften...

... auf dem Weg nach Chicago.









Freitag, März 07, 2008

der Marathon



Vor mir liegt die «Engadiner-Post» mit der Vorschau auf den Skimarathon vom nächsten Sonntag und neben mir wartet das Handy stummgeschaltet auf einen Anruf meiner Firma. Wieder einmal steht der Reservemonat an und wieder einmal beherrscht das Ungewisse meine Gegenwart.

Dabei wäre ich doch jetzt viel lieber auf den Loipen im Engadin, würde auf den vereisten Spuren Wachs und Skier testen, einen sportlichen Eindruck machen, unschlagbar wirken und so tun, als ob ich am Sonntag in der ersten Reihe stehen dürfte. Hoch erhobenen Hauptes durch das Werbedorf laufen tät ich genauso, wie einen Moment bei der Startnummernausgabe so tun, als ob ich zur Elite der Eliten gehörte. Im Wachsgeheimnisse horten käme ich genauso kompetent herüber, wie beim Nippen an farbigen Glasfläschchen mit zauberhaftem Inhalt. Und die längsten Stöcke hätte ich! Mindestens doppelt so lang wie das Podest und das Hirschgeweih zusammen, das jedem Sieger nach dem Zieldurchlauf zusteht.

Ach der Marathon im Engadin. Ich liebte ihn und ich mag ihn noch immer. Fünfzehn Mal habe ich das Spektakel mitgemacht, das erste Mal mit sechzehn Jahren und das letzte Mal mit der runden Zahl Dreissig auf dem Altersblatt. Es war nicht nur der Lauf der faszinierte, es war vielmehr das Ritual vor und nach dem Lauf, das süchtig machte.
Immer die gleichen Sprüche, immer die gleichen Abläufe, immer die gleiche Taktik vor und immer die selbe Ausreden nach dem Lauf.

Mit der Zeit und wachsender Erfahrung perfektionniert man das Vorgehen bei der Vorbereitung richtiggehend. Da es sich beim Engadiner weniger um einen Volkslauf, sondern mehr um einen Sturm nicht ganz friedlicher Gesellen handelt, spielt auch die psychologische Kriegsführung eine wichtige Rolle.

Auch wenn man wie ich nur ein Paar Skier hat, muss man beim grossen Skitest auf der Loipe unbedingt mitwirken. Kenner testen ihre Latten zur Tageszeit, wenn das Rennen gestartet wird. Amateure zeichenen sich dadurch aus, dass sie ihre Skier in der Mittagssonne testen. Mit guten Sprüchen gelingt es einem Routinier wie mir, genau diese Zielgruppe leicht zu demoralisieren. Steht man nämlich interessiert und in edle Stoffe gekleidet da, kommt nach ein paar Minuten unweigerlich die Frage, wie schnell man das letzte Jahr gelaufen sei. «Knapp über 1 Stunde 30» ist nie die falsche Antwort, denn auch mit einer Laufzeit von 2:45 Std. hat man dabei nicht gelogen. Das Gegenüber ist in der Regel tief beeindruckt.

Ach wie gerne wäre ich jetzt im Engadin! Es ist Freitag Abend und die Sportler studieren Wachstipps, essen soviele Teigwaren und Bananen, dass sie noch bis mindestens Ostern verstopft sind und legen schon jetzt Startnummer und Wettkampfdress für den Sonntag bereit. Es wird diskutiert, ob man am Stau bei der Schanze links oder rechts vorbei soll, ob der Wachstipp von Toko auch sicher bis Mittag einen schnellen Ski garantiert und ob der Wind von vorne oder von hinten blässt.

Morgen dann der Countdown. Es wird gelaufen, als ob man am letzten Tag noch Trainingssünden wettmachen könnte und es werden noch einmal die gestern gefassten Vorsätze bezüglich Wachs auf den Skiern und Ernährung vor dem Start über Bord geworfen. Körper werden am Abend mit Kampfersalben eingerieben, Wehwechen gepflegt und vereinzelt auch Blasen behandelt, die vom Laufen mit dem am gleichen Tag neu erworbenen Schuh herführen.

Ach wie gerne wäre ich im Engadin. Ich würde mitfiebern, mitlachen und wer weiss, vielleicht sogar mitlaufen. Heja!
Doch oh weh, ich schiebe Reserve. So interessiert mich der Wachstipp von Toko weniger, der des Speakers aber umso mehr. Wie sagte er jeweils ein paar Minuten vor dem Böllerschuss: «Das beste Wachs für jeden Schnee, das ist ne Flasche Beaujolais!» Prosit und Heja!

Montag, März 03, 2008

die Psyche der Piloten 2

Es ist noch nicht lange her, da habe ich mich an gleicher Stelle über einen Satz gefreut, den ein Psychologe auf einer Fachseite im Internet über Piloten geschrieben hat. Weil die Zeilen so schön über die Lippen gehen und im Ohr wie eine Arie klingen, möchte ich diesen hier noch einmal publizieren und das geht ja heute ganz bequem mit der Kopierfunktion des Textprogramms:

«Die Psychologie verzichtet darauf, eine Psyche des Piloten zu isolieren, und begreift Pilot und Flugzeug als Black Box, deren Reiz-Reaktionsverhalten sie aufzeichnet: Der Pilot ist ein Instrument unter Instrumenten, ein Maschinenelement, dessen Psyche in die Flugdaten eingewandert ist.»
(Tobias Nanz, Psychologe)

Gerne würde ich diese Abfolge von Buchstaben auf meine Visitenkarte drucken, aber erstens habe ich keine und zweitens wäre der Satz vermutlich zu lange für das kleine Kartonkärtchen. Gründe genug, einen neuen Slogan zu suchen, der - falls ich einmal die Karriereleiter erklimme und ich einen Stapel Kärtchen bekomme, dann direkt unter meinem Titel des «global operation directors» - kurz GOD, erstrahlt.

Einmal mehr hat der Zufall mir geholfen und in der Ausgabe der NZZ vom Schalttag erschien eine Beilage zum Thema Traumberufe. Logisch durfte da die Brücke zum Pilotenberuf nicht fehlen und logisch meldeten sich haufenweise Fachmänner zu Wort. Nicht ganz zufällig verzichte ich an dieser Stelle auf die Bezeichnung Fachfrauen, denn diese haben im Artikel bewusst oder unbewusst keinen Einzug gefunden.

Ein in der helvetischen Aviatiklandschaft nicht unbekannter Journalist mit dem urschweizerischen Vornamen Sepp wird zu Rate gezogen und er klärt den interessierten Leser auch gerne auf, wie es um die Psyche der Piloten so steht. Das Wort «steht» darf hier ausdrücklich auch zweideutig verstanden werden, wenn man das bemerkenswerte Zitat des Schreiberlinges analysiert:

«Wer wird eigentlich Pilot? Mehrere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Wer sich zu diesem Beruf hingezogen fühlt, ist oft überdurchschnittlich extrovertiert, dominant und aggressiv, betont hetrosexuell veranlagt und übernimmt gerne Aufgaben, welche Kraft und Kompetenz verlangen»
(Quelle gemäss NZZ: Sepp Moser: Wie sicher ist Fliegen?)

Ich schlage vor, dass sie einen Moment den Lesefluss unterbrechen, etwas zu trinken holen (Piloten schicken die Frau zum Kühlschrank und sie soll gefälligst etwas zu Trinken bringen) und den Satz noch einmal in Ruhe geniessen. Ich werde in der Zwischenzeit den Druckauftrag für meine neuen Visitenkarten in Auftrag geben.

Hat das Bier geschmeckt? Hoffentlich, denn es geht noch weiter:
«Piloten haben die Tendenz, ihr Gefühlsleben unbewusst durch Handlungen statt durch Worte auszudrücken.»

Hoppla, der sass tief. Da ich mich gerne mit Worten ausdrücke muss der Umkehrschluss gezogen werden, dass ich ein schlechter Pilot bin. «Leute, stoppt die Druckmaschinen!»

Sonntag, März 02, 2008

schlafraubende Gedanken

Orte, die man von Zeit zu Zeit besucht, bekommen einen Platz im eigenen Bewusstsein. Zu Douala, der Hafenstadt in Kamerun, wo es im Moment während gewalttätigen Demonstrationen zahlreiche Tote gibt, habe ich genauso Bilder, Gerüche und Menschen in meinem Kopf gespeichert, wie zu der kenianischen Hauptstadt Nairobi, in der es seit Wochen zu Gewaltexzessen übelster Art kommt. Auch zu Sao Paulo, dem Moloch in Brasilien, wo es gemäss einer Statistik von 2005 im Jahr über 10‘000 Morde gibt, sind viele Erinnerungen in meinem Denkzentrum abgelegt.
Ich könnte noch weitere Städte aus unserem Streckennetz aufzählen, in der Leib und Leben von Besuchern und Einwohnern gefährdet sind. Diese Destinationen verlangen von uns Besatzungsmitgliedern besondere Verhaltensregeln und eine gewisse Vorbereitung. In der Regel verlaufen die Besuche an diesen Orten trotz latenter Bedrohung unproblematisch und das Leben in geschützter Hotelumgebung ist nicht weit entfernt von dem in anderen Ländern.
Wird man aber einmal selber mit direkter oder indirekter Gewalt konfrontiert, dann kommt nach der Angst und der Wut die Frage nach dem Warum. Im unbekannten Ausland keine einfache Sache. Aus ferner Warte betrachtet ist die Gefahr gross, dass wir pauschal aburteilen. Tote bei Demonstrationen in Afrika: Was kann man von diesen Wilden schon anderes erwarten? - Hohe Mordrate in Brasilien: Sind halt impulsive Menschen.

Und wie ist das bei uns in der heilen Schweiz? Auch wir teilen voreilig in Gruppen von guten und schlechten Menschen ein. Das eine Geschlecht kann prinzipiell nicht Autofahren, die eine Ethnie ist kriminell und Drogen dealen ausschliesslich Menschen mit gut unterscheidbarer Hautfarbe. Dies sind Vereinfachungen, die diskriminierender, zum Teil auch rassistischer Natur sind und die Probleme in keiner Art und Weise weder beschreiben noch lösen.
Es ist halt einfacher zu pauschalisieren, einen Schuldigen zu bestimmen und mit so vielen Fingern wie möglich auf die zum Teil willkürlich ausgewählte Person zu zeigen. Konfliktlösenden Diskussionen wird dabei genauso aus dem Weg gegangen, wie der eigentlichen Beseitigung des Problems.

Wir leben leider in einer Zeit, in der langjährige Beziehungen mit einer SMS aufgelöst werden und das Verfassen einer elektronischen Nachricht so schnell von Statten geht, dass zwischen dem Tippen der Zeilen und dem Drücken des SEND Knopfes nicht genügend Millisekunden liegen, um noch einmal kritisch den eigenen Text zu studieren. Irgend jemand redet uns andauernd ein, dass wir immer schneller werden müssen, ständig mit dem Drehzahlmesser am Anschlag funktionieren sollen und Zeit vergeuden, wenn wir unsere Kinder nicht schon mit drei Jahren ins Frührussisch stecken oder selber einmal die Füsse hängen lassen.

Irgendwie ist dadurch die Zeit zum Streiten abhanden gekommen - oder wie es der Schriftsteller Peter Bichsel beschrieben hat: «Die Zunahme der Gewalt könnte unter vielem anderen auch damit zu tun haben, dass wir das Streiten verlernt haben. Wir können nur noch hassen oder lieben – streiten können wir nicht mehr.»

Und genau dieser Hass führt bei mir zu diesen schlafraubenden Gedanken. Hass hat immer etwas Zerstörerisches, etwas Verletzliches und ist nie konstruktiv. Diese letzte der Konfliktstufen dient ausschliesslich dazu, dem Gegenüber Schaden zuzufügen. Ich bin erschüttert, wie viele Menschen sich in Diskussionen hemmungslos bereit erklären, sofort und ohne langes Zaudern zu Waffen und Gewalt zu greifen. Ich bin sprachlos wenn ich höre, wie leicht erwachsenen und nach gängigem Muster gut ausgebildeten Personen beleidigende und verletzende Worte über die Lippen gehen. Und ich bin zutiefst betroffen und schockiert, wenn wie letzte Woche geschehen, Menschenleben in Kauf genommen werden und mitten in der Nacht ein unter einem Holzhaus parkiertes Auto eines gewählten Volksvertreters angezündet wird.

Damit mir diese Gedanken nicht noch eine dritte Nacht den Schlaf rauben, gehe ich jetzt auf einen langen Spaziergang entlang der Southbeach in Miami. Ich muss meine Gedanken ordnen und dazu nehme ich mir Zeit. Würden sich doch andere nur auch etwas mehr Zeit nehmen!