Sonntag, Januar 06, 2008

der Hund und die Cockpittüre


Haben sie einen Hund? Ich schon, - seit drei Wochen genau. Ich befinde mich im Moment in der Phase, wo ich bei Tagesanbruch frierend mit dem Hund unterwegs bin, Häufchen auflese während andere noch tief schlafen, abschätzig in die noch dunklen Schlafzimmer blicke und nicht verstehe, dass ich vor nicht so langer Zeit auch einmal so ein phlegmatischer Zeitgenosse war.
Morgenstund hat Gold im Mund - fürwahr!
Hundebesitzer werden mir Recht geben wenn ich behaupte, dass man mit so einem jungen Tier wieder lernt, genaue Anweisungen zu geben. «Könntest Du dich vielleicht höflichst zu mir an meine Seite stellen?», funktioniert genauso wenig wie die Bitte, sich seine privatesten aller Werkzeuge nicht in aller Öffentlichkeit zu putzen. Es braucht eine starke Hand, klare Befehle und Durchsetzungskraft.
Leider sind mir diese Attribute in der Vergangenheit in den diversen Selbstfindungsseminaren abhanden gekommen und weil ich es nicht immer übers Herz bringe meinen Hund zusammen zu stauchen, schreie ich zu Übungszwecken zwischendurch ein paar Bäume an.
Manchmal hilft aber alles Schreien nicht, der Hund lässt sich dann nur noch mit einem Stück Wurst überzeugen. Noch viel schwieriger ist es allerdings, bei vorhandener Wurst die Aufmerksamkeit des Hundes auf wieder etwas anderes zu lenken. Glauben sie mir, das Herrchenleben ist kompliziert!

Wir Menschen sind da keineswegs besser als die ganz und gar nicht dummen Tiere. Ich merke das an mir selbst. Nehmen wir als Beispiel die Cockpittüre. Die schusssichere Eingangspforte kann nur mit komplizierten und selbstverständlich streng geheimen Prozeduren geöffnet werden. Als Entscheidungshilfe dient uns ein kleines Display, wo wir dank unzähligen Kameras die Eintrittswilligen von allen Seiten (nicht von unten!) begutachten können. Wenn es klingelt, reagieren die Piloten wie unser junger Hund zu Hause. Man freut sich überschwänglich und der Blick geht ruckzuck nach hinten auf den alten und winzig kleinen Flimmerkasten.
Von HD Qualität kann man beim Bildschirm wahrlich nicht sprechen. In 60er-jahr schwarz-weiss Güte erfreut er das Auge nicht gerade, aber das Bild als solches kann dank diffuser Darstellung schon einiges auslösen. In der Mitte präsentiert sich der Kopf der hoffentlich weiblichen Person, die Eintritt verlangt. Gegen aussen wird das Ganze unscharf und leicht neblig.
Selbst erfahrene Kolleginnen erscheinen aus dieser Distanz, - betrachtet mit altersbedingter Sehschwäche -, wie eine der Freundinnen aus David Hamiltons «Bilitis».
Ja wohin ist da wohl der Blick des Copiloten gerichtet? Hinaus auf das weite Meer? Auf den Instrumenten, wo sicherlich die gleichen Parameter angezeigt werden wie ein paar Millisekunden vorher? Sicher nicht. Ruckartig schnellt der Kopf nach hinten und der Gast wird freundlich begrüsst als hätte er einen Zipfel Wurst in der Hand.

Seit ich ein so aktives Haustier habe weiss ich endlich, was ich dem Kapitän antworten werde wenn er verlangt, dass er und nur er die Türe öffnet und ich gefälligst nach vorne schauen soll: «Kauf dir einen Hund, oder besser, lass die einen schenken!»

Kommentare:

  1. ...Hound Dog on the Jump Seat...to keep you awake...ha ha ha
    köstlich, NFF

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  2. Für's Befehle geben (+lernen) helfen sonst noch staatlich verordnete Grünferien...aber dafür ist's bei Dir wohl schon zu spät ;-)

    ...wenn ich beim nächsten Mal nach hinten zum Monitor blicke, werde ich mir ein Lachen nicht verkneifen können...und wenn ich der Kollegin anfangs 20 erkläre, was sie mit einem Cervelat gemeinsam hat, dürftest Du eine harte Zeit haben, wenn ich sie dir auf die Langstrecke schicke :-)))

    G!

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  3. Willkommen im Hundehalterklub, NFF!

    Du hast dich aber auch für die "verfressenste" rasse entschieden. Ich habe auch so ein Exemplar zu Hause (allerdings in Schwarz). Selbst wenn er mit seiner Nase draussen sein Lieblingsspielzeug nicht mehr auffinden kann, essbares findet er immer.... ;-)

    Viel Spass mit dem neuen "Kollegen"! Der freut sich garantiert immer, wenn du wieder nach Hause kommst! ;-)

    Gruss, Tomy

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  4. Coole Asozation: Copi = Hund und weibliches FA = Cervelat...

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  5. Ich verspreche dir, du wirst noch mehr von und mit deinem Hund lernen ;-) und noch mehr deine Verhaltensweise sowie die deines Hundes auf Menschen übertragen.

    Dann wünsche ich mal viel Wurst.

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  6. Na ja, so lange es den Herren im Cockpit dann nicht so geht wie dem Pavlovschen Hund, ist es ja noch im Rahmen. Nicht dass bei Ertönen des Entrance request beide die gleichen Reaktionen aufweisen in der Hoffnung der Klingelton sei noch mit was anderem verbunden ;-)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_
    Konditionierung

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  7. streng geheimen Prozeduren :)

    vor allem wenn der Kaffee schon sehnsüchtig erwartet wird, öffnet sich die Tür wie von selbst :))

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  8. Das ist ja ein prima Weihnachtsgeschenk! Gratulation Hunde geben einem wahnsinnig viel ( nebst den Häufchen und horrenden Tierarztkosten). Unser ist mittlerweile das jüngste Familienmitglied und wir sprechen mit ihm fast auch wie mit einem Kleinkind. Schon lustig wie schnell man in Muster verfällt. Nur den Hundeblick, denn bringt nicht einmal das kleinste Kleinblick so perfekt hin wie unser Hund...

    Viel Spaaaass und nicht verzweifeln wenns wieder mal regnet. Meine Eltern schicken dann jeweils uns zum Hundespaziergang ( Heisser Tipp)

    Liebi Grües,

    Severin

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  9. Aber Herr NFF

    ich bin schon erstaunt, dass sie mit Btten und Befehl nicht weiterkommen. Ich bin sicher, dass sie in ihren vielen CRM MCC und was weis ich was Semiren, bestimmt schon mal was von Lob gehört haben. Oder bleibt das den Kapitänen vorbehalten? ;-)
    Wie auch immer. Wenn Hundi was gut macht: LOBEN :-)

    Danke für die köstlichen Geschichten im vergangenen Jahr!

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  10. Also mein Hund Schläft bis 11Uhr.

    Wenn ich bereits gestriegelt und gesattelt in der Türe stehe, denkt er noch lange nicht ans aufstehen. Das mag unheimlich sein, aber er soll sich das bitte nicht abgewöhnen.

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  11. Kann man nicht durch den Lüftungsschacht eindringen?

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