Montag, Januar 21, 2008

Auswertung des Cockpit Voice Recorders

Die in diesem Artikel publizierten Gespräche wurden auf dem Flug LX343 während eines Zwischenfalles aufgenommen.

Allgemeine Angaben:
Flugzeugtyp: a340-300
Immatrikulation: Simulator 1 im Trainings Center
Flugweg: virtuell von Paris Charles de Gaulle nach Zürich
Besatzung: 1 Kapitän; ca. 13‘000 Flugstunden
1 Kopilot; genau 8709 Flugstunden
1 Instruktor; sehr viele Flugstunden
Passagiere: keine realen, aber 221 virtuelle

Beschreibung des Vorfalles:
Am Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe, bei bestem Wanderwetter in der realen Welt und lausigem Flugwetter in der virtuellen Welt, startete der Airbus von der Piste 26R in Paris Richtung Zürich. Ausser dem unerfreulichen Fakt, dass keine benutzbare Nespressomaschine eingebaut war, kam es bis zur Reiseflughöhe zu keinen erwähnenswerten Zwischenfällen. Die Crew harmonierte sehr gut. Beide Piloten haben zusammen schon diverse Motorendefekte und -brände gemeistert, Durchstartmanöver geflogen, doppelte Hydraulikfehler ohne Magengeschwür verdaut und den unwahrscheinlichen Fall eines totalen Stromausfalles erlebt. Und dies alles während den letzten 18 Stunden.
Basel ist schon fast in Sichtweite, als das Licht bis auf eine rote Warnlampe löschte. Totaler Triebwerksausfall. Das folgende Gespräch hat sich so etwas abgespielt. Ein realer Cockpit Voice Recorder war im Simulator nicht eingebaut, dieser stand vermutlich neben der Nespressomaschine im Revisionsraum.

… ein schrilles Läuten

Copilot: Scheisse (kein offizieller Airbusausdruck)
Kapitän: ALL ENGINE FLAMEOUT! (offizieller Airbusausdruck)

… der Copilot nimmt die Papiercheckliste und Flucht über das nicht vorhandene Licht. Er versucht die Motoren wieder zu starten und sollte dazu einen „Timecheck“ machen. Alle eingebauten Stoppuhren sind dunkel - kein Strom! Der Copilot weiss jetzt, warum alle Fliegeruhren eine eingebaute Stoppuhr haben und das einfache Model der Swatch keine Fliegeruhr ist. Und es wird weiter abgesunken.

Copilot: Nummer 2 läuft wieder - Nummer 3 kommt auch und Nummer 4 ist ins Leben zurückgekehrt.
Kapitän: zum Glück!

Der Flughafen Basel wird angesteuert, die virtuellen Passagiere informiert und das Wetter eingeholt. Ein starker Wind weht in der Stadt am Rheinknie und verlangt nach einer Landung auf der Piste 34. Der reale Instruktor bzw. der virtuelle Flugverkehrsleiter verweigert uns aber einen Direktanflug und schickt uns in einem Mix zwischen einem Instrumentenanflug und einem Sichtanflug auf den Flughafen los. Den ersten Teil in dicken Wolken und den zweiten Teil mit mässiger Sicht, wird die Piste letztendlich gefunden. Trotz früher Stunde, langem Arbeitstag, vielen Zwischenfällen und nie enden wollender Checklistenarbeit, setzt der Kapitän das teure Gerät sanft auf die Piste in Basel auf.
Copilot und Kapitän schwitzen.

Instruktor: gut gemacht - Check bestanden! Wir haben noch ein paar Minuten, wollt ihr noch zusätzlich einige Runden um den Flughafen drehen?

Copilot & Kapitän vereint: NEIN!

Kommentare:

  1. Waren das in BSL evtl. die Prescribed Fligh Tracks bzw. MVI/MVL von der IAC 7-90???

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  2. Und ihr müsst immer wieder in diesen Schwitzkasten? Mit einem mit gottähnlichen Vollmachten ausgestatteten Instruktor im Rücken, der nichts anderes zu tun hat, als euch virtuelle oder echte Knüppel zwischen die Beine zu werfen?

    Respekt!

    Und die 221 echten oder virtuellen Passagiere da hinten meinen, ihr hättet nicht viel mehr zu tun als ein paar Knöpfchen zu drücken, da vorne, "weil ja alles automatisch" abläuft.

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  3. Nun, aber ist es nicht normal, dass die Piloten vor dem Maneuver noch informiert werden was sie erwartet? Oder ist das nur so, wenn Instruktoren geprüft werden? Als ich dabei war, wurde dem Virtuellen Captain (ein realer-Ex-Swissair-Pilot, jetzt realer Instruktor) alles erklärt. Aber ins Schwitzen kam er trotzdem, obwohl ich auf dem Jumpseat fror, denn der Thermostat des ERJ-175 war defekt, und zeigte immer eine Temperatur von 20°C an, obwohl es im Cockpit nur bei 16°C war. Doch der Schweiss war trotzdem da.

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  4. hihihihi, in 'nem flugsimulator würde ich auch mal gerne sitzen - nachdem ich ja öfters in 'nem fahrsimulator in der arbeit sitze und mein spieltrieb... äh. lassen wir das. (gibt es eine möglichkeit in einen flugsimulator zu kommen? ;)

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  5. Hallo Peter

    Das ist ja langweilig. Was ist denn das für ein dümmlicher Defekt. All Engine Flame out und lassen sich einfach so wieder anwerfen. Komisches Symptom. Was war die Ursache? Ha der Käptn den Zündschlüssel irrtümlich abgezogen?
    Da lob ich mir doch die BA 777 da bleibt es konsequent ruhig. :-)
    Gruess
    Tom

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  6. Da haben wir ja direkt Glück, im MCC gab es bisher nur Triebwerksausfälle beim A330, bei mir noch gepaart mit einer Captains incapacitation, aber das könnte auch am unterschiedlichen Ausbildungsstand liegen :-)

    Danke einmal mehr für den erheiternden Artikel.

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  7. Danke für die vielen Kommentare!

    @Tom:
    Wenn nicht der Most ausgegangen ist, sollte nach den Wahrscheinlichkeitsgesetzten mindestens einer der vier Motoren wieder kommen. Liegt es am Kerosinmangel, dann bleibt nur noch der Segelflug.

    @tobi:
    Viel Spass auf dem 330er!

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