Samstag, Januar 26, 2008

Samstag in Hongkong


Draussen regnet es. Ein kühler Wind weht durch die Gassen und vermummte Gestalten schleichen den Häusern entlang. Wer es sich leisten kann, ist in eine Versace Daunenjacke gehüllt, wer es sich nicht leisten kann, in ein Versace Daunenjackenimmitat.
Das Wetter lädt nicht zum Stadtbummel ein und so treibt sich auf der Strasse nur rum, wer unbedingt muss. Dies scheinen an diesem Samstagnachmittag vorwiegend Damen zu sein. Während die Männer zu Hause ihre Aktiendepots umschichten, verteilen die Gattinnen das Geld in den Kleiderläden des Bankenviertels.
Anhand des Kaufverhaltens scheint es so, als hätte noch nicht jeder Banker zu Hause rapportiert, wie es seit dieser Woche um die eigenen Finanzen steht.

Gemütlich rutsche ich auf dem Stuhl im Kaffeehaus hin und her, reibe mir den Schlaf aus den Augen, obwohl es draussen schon wieder allmählich dunkel wird.
Die Zeitung liegt lesebereit auf dem Stuhl neben mir und der Computer wartet auf meine ersten Gedankenblitze. Ich bin nicht der einzige, der das Kaffeehaus zu seinem Wohnzimmer macht. Am Nebentisch sitzen vier Mädchen im Teenageralter gebeugt über ihren Hausaufgaben und zerbrechen sich den Kopf über Englischvokabeln, chemische Grundstoffe und den Satz des Pythagoras. Es wird diskutiert, geholfen und irgendwann fallen einer der Schülerinnen die Augen zu. In dieser Beziehung scheint sich das chinesische vom europäischen Schulsystem nicht zu unterscheiden. Der Schulstoff macht auf beiden Kontinenten müde.

Am Internetterminal sitzen zwei westlich aussehende Gestallten und surfen sich durch die Nachrichten der Heimat. Beide tragen kurze Hosen und Flipflops, was neben dem Berg Daunenjacken der chinesischen Schülerinnen doch eher bizarr aussieht. Ihr Akzent und ihre Aufmachung weisen sie als Besatzungsmitglieder der Air New Zealand aus, die sich wie ich die Zeit um die Ohren schlagen.

Die Leuchtreklame des Restaurants auf der gegenüberliegenden Seite wird eingeschaltet. Grell leuchten die mir unbekannten Schriftzeichen und werben für eine Dienstleistung, die ich nicht deuten kann.
Mein Kaffeehaus leert sich langsam und vor der Türe setzt wieder starker Regen ein. Zum Glück ist es zu meinem Hotel nicht weit, denn 12°C gepaart mit waagrecht fallendem Niederschlag sind nicht sehr angenehm. Ich gönne mir den letzten Schluck Kaffee aus dem Pappbecher und stosse dabei auf ein aufgedrucktes Zitat, das mir beim Überqueren der vielbefahrenen Strasse bei diesen meteorologischen Umständen helfen wird: «If you‘re going thru hell, keep on going!»

Donnerstag, Januar 24, 2008

Sturm auf die Bastille

Es scheint uns Menschen im Blut zu liegen. Gerne belagern wir die verschiedensten Dinge und versuchen diese dann im Sturm zu erobern. Sei dies die Bastille im Paris des 18. Jahrhunderts, das Einkaufszentrum am Samstagmorgen oder das Fussballstadion beim Spiel des Lieblingsvereins.
Wie gut und ob das Vorhaben auch gelingt, hängt im Wesentlichen von der guten Taktik und einer sauberen Vorbereitung ab. Manchmal reicht aber auch ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der sich chaotisch genug verhält, um das System in den Kollaps zu führen.

So zum Beispiel Flugbesatzungen, die nach einem langen Flug ihr Nachtlager beziehen. Nach der Ankunft des grossen Busses werden die Überseekoffer vom Chauffeur unter gütiger Mithilfe des Copiloten entladen. Der Rest steht desinteressiert herum, füttert das Handy mit dem persönlichen Geheimcode oder zieht an einer rauchenden Kippe herum.
Noch bevor der eigene Koffer aber den Asphalt berührt, geht der Sturm auf die Hotellobby los. Nur die bedächtig im Kreise drehende Eingangstüre verhindert eine Kollision zwischen vollbeladener Kundin und Hoteltresen.
Verschiedenste Interessen müssen innert kurzer Zeit unter einen Hut gebracht werden. Um Himmelsgottswillen kein Zimmer näher als 20 Meter vom Aufzug entfernt, bitte auch keines zur Strasse heraus, ein Raucherzimmer soll es aber sein, bitte aber nicht im ersten Stockwerk. Wenn es geht, wäre ein «Kingsize-Bett» nicht zu verachten und 200 lokale Geldeinheiten in kleinen Scheinen soll der Angestellte bei Gelegenheit auch gleich bereitlegen.
Es ist kaum zu vermeiden, dass sich eine Warteschlange bildet, die bis weit in den Eingangsbereich hineinreicht.
Wenn der Copilot den letzten Koffer entladen hat und sich den Staub von den Uniformhosen klopft, sieht die Hotellobby schon aus wie das Hallenstadion nach Spielschluss. Kreuz und quer stehen Koffer, Taschen und Crewbags herum und bringen den Lokalverkehr des Hauses zum Erliegen.
Kaum ein vorbeigehender Gast wagt es, höflich Durchgang zu erbetteln. Man sieht es den Belagerern an den Gesichtsausdrücken an, dass dies wohl keinen Sinn hätte. Zu wichtig ist die Eroberung des richtigen Zimmers und zu wichtig ist das Durchboxen der eigenen Interessen.

Andere Fluggesellschaften kämpfen mit hierarchischen Waffen gegen das Chaos. Immer wieder eindrücklich ist das Materiallager der asiatischen Airlines. Die Koffer stehen sauber aufgereiht in einer abgelegenen Ecke und die Besatzungmitglieder warten höflich, bis sie aufgerufen werden um ihren Schlüssel in Empfang zu nehmen. Beim Anblick der fernöstlichen Kollegen, die in dieser Aufmachung jede Inspektion der Schweizer Armee mit Bestnote bestehen würden, frage ich mich immer wieder, wie die Piloten es schaffen, die Flight-Attendants, die ausschauen als kämen sie alle aus gleicher Produktion, auseinander zu halten.

Eine meiner Kolleginnen zwängt sich an mir vorbei, fährt mit den Kofferrollen über meine Uniformschuhe und meint mürrisch, ich solle doch etwas aus dem Weg gehen. Ich rasple mir den schmutzigen Abdruck vom Schuhleder ab und schreite an die Reception. Endlich bin ich an der Reihe. Die Lage in der Lobby hat sich wieder beruhigt und die freundliche Dame am Empfang wischt sich eine Schweissperle ab. Das Blatt, auf den sich die Besatzungsmitglieder eintragen müssen, präsentiert sich wie ein Schlachtfeld. Die Zimmerzuteilungen, die eine Angestellte vor unserer Ankunft so gewissenhaft gemacht hat, sind Makulatur. Es wurde umgeteilt, neu zugeteilt, gewechselt, geschoben und verändert. Unmengen von Korrekturflüssigkeit zeugen davon.
Nur hinter meinem Namen steht eine Nummer unverändert stolz auf dem Blatt Papier. Schwarz steht die Ziffer wie ein Fels in der Brandung. Ich weiss, dass auf mich ein grosses Bett in einem Nichtraucherzimmer wartet und dieses nicht an eine tobende Kollegin abgegeben wurde. Privileg des Copiloten? Nein, ganz und gar nicht.
Ein e-Mail vor dem Flug und Schokolade nach dem Flug wirken Wunder. Diesem Chaos kann man unbeschadet nur durch List und Charme entkommen.

Montag, Januar 21, 2008

Auswertung des Cockpit Voice Recorders

Die in diesem Artikel publizierten Gespräche wurden auf dem Flug LX343 während eines Zwischenfalles aufgenommen.

Allgemeine Angaben:
Flugzeugtyp: a340-300
Immatrikulation: Simulator 1 im Trainings Center
Flugweg: virtuell von Paris Charles de Gaulle nach Zürich
Besatzung: 1 Kapitän; ca. 13‘000 Flugstunden
1 Kopilot; genau 8709 Flugstunden
1 Instruktor; sehr viele Flugstunden
Passagiere: keine realen, aber 221 virtuelle

Beschreibung des Vorfalles:
Am Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe, bei bestem Wanderwetter in der realen Welt und lausigem Flugwetter in der virtuellen Welt, startete der Airbus von der Piste 26R in Paris Richtung Zürich. Ausser dem unerfreulichen Fakt, dass keine benutzbare Nespressomaschine eingebaut war, kam es bis zur Reiseflughöhe zu keinen erwähnenswerten Zwischenfällen. Die Crew harmonierte sehr gut. Beide Piloten haben zusammen schon diverse Motorendefekte und -brände gemeistert, Durchstartmanöver geflogen, doppelte Hydraulikfehler ohne Magengeschwür verdaut und den unwahrscheinlichen Fall eines totalen Stromausfalles erlebt. Und dies alles während den letzten 18 Stunden.
Basel ist schon fast in Sichtweite, als das Licht bis auf eine rote Warnlampe löschte. Totaler Triebwerksausfall. Das folgende Gespräch hat sich so etwas abgespielt. Ein realer Cockpit Voice Recorder war im Simulator nicht eingebaut, dieser stand vermutlich neben der Nespressomaschine im Revisionsraum.

… ein schrilles Läuten

Copilot: Scheisse (kein offizieller Airbusausdruck)
Kapitän: ALL ENGINE FLAMEOUT! (offizieller Airbusausdruck)

… der Copilot nimmt die Papiercheckliste und Flucht über das nicht vorhandene Licht. Er versucht die Motoren wieder zu starten und sollte dazu einen „Timecheck“ machen. Alle eingebauten Stoppuhren sind dunkel - kein Strom! Der Copilot weiss jetzt, warum alle Fliegeruhren eine eingebaute Stoppuhr haben und das einfache Model der Swatch keine Fliegeruhr ist. Und es wird weiter abgesunken.

Copilot: Nummer 2 läuft wieder - Nummer 3 kommt auch und Nummer 4 ist ins Leben zurückgekehrt.
Kapitän: zum Glück!

Der Flughafen Basel wird angesteuert, die virtuellen Passagiere informiert und das Wetter eingeholt. Ein starker Wind weht in der Stadt am Rheinknie und verlangt nach einer Landung auf der Piste 34. Der reale Instruktor bzw. der virtuelle Flugverkehrsleiter verweigert uns aber einen Direktanflug und schickt uns in einem Mix zwischen einem Instrumentenanflug und einem Sichtanflug auf den Flughafen los. Den ersten Teil in dicken Wolken und den zweiten Teil mit mässiger Sicht, wird die Piste letztendlich gefunden. Trotz früher Stunde, langem Arbeitstag, vielen Zwischenfällen und nie enden wollender Checklistenarbeit, setzt der Kapitän das teure Gerät sanft auf die Piste in Basel auf.
Copilot und Kapitän schwitzen.

Instruktor: gut gemacht - Check bestanden! Wir haben noch ein paar Minuten, wollt ihr noch zusätzlich einige Runden um den Flughafen drehen?

Copilot & Kapitän vereint: NEIN!

Montag, Januar 14, 2008

vom Älterwerden

Nie musste ich im Kindergarten meine Pantoffeln suchen. Schon gar nie meinen Verpflegungsbeutel. Mein Trottinett stand immer am gleichen Ort und das Fahrrad hatte seinen festen Platz im Keller. Der Fussball war immer prall mit Luft gefüllt und der Eishockeystock für die Schlacht am Mittwoch Nachmittag allzeit bereit. Ich pflegte den Schulranzen am Vormittag zu packen und den Turnsack mit einer vollen Flasche Duschgel zu versehen.
Auch in der Rekrutenschule verstand ich die Bettnachbarn nie, wenn sie bei der Inspektion ihre Nadeln im Nähzeug suchten. Warum man Nadeln nicht dort verstaute wo sie hingehören, war mir ein Rätsel. Dass mein Onkel seinen Schlüsselbund mit einem Peilsender versah und andauernd pfeifend durch das eigene Büro lief um das Teil zu orten, löste bei mir Kopfschütteln aus.
Einzig für meinen Grossvater brachte ich Verständnis auf, wenn er den Geldbeutel, den er Sekunden zuvor im Hosensack verstaute, nicht mehr fand und dabei die Grossmutter in den Wahnsinn trieb. Er war demenzkrank.

Beim Lesen der ersten paar Zeilen könnte der Verdacht aufkommen, dass ich ein ziemlicher Spiesser war. Ich bestreite dies vehement. Schlicht und einfach zu faul war ich. Zu faul um zu suchen und zu faul um auf mich selber wütend zu werden, weil ich ständig alles verlege.

Jetzt hat aber auch bei mir der Verfallsprozess schleichend eingesetzt. Immer öfters kommt es vor, dass ich lästige Uniformteile wie den Hut und die Krawatte vergesse. Ersteres ist nur bei starkem Regen und den jährlichen Routecheck ärgerlich und für Zweiteres haben die Engel vom Service Center immer Ersatz.
Suboptimal ist auch der Verlust der Parkkarte, wenn man an der Spitze einer Kolonne in das Parkhaus einfahren will. Vor der totalen Blamage rettet einem das Ziehen eines regulären Tickets, was mit erheblichen Kosten verbunden ist. Nicht ganz kollegial, aber extrem zeitsparend ist das Verlegen des Handys um den Jahreswechsel. Als das filigrane Teil vorgestern wieder auftauchte, quillte die sms Box fast über. Gut waren die Verfasser der Jahreswünsche zum Zeitpunkt, als die Nachricht in den Äther geschickt wurde nicht ganz nüchtern, so war auch niemand beleidigt, dass ich auf die gut gemeinten Worte nicht geantwortet habe.
Den Vogel abgeschossen habe ich aber an dem Tag, als ich diese Zeilen verfasst habe. Ein kleines, schmuckes und weisse Modem, dass in der ganzen Schweiz den Internetzugang ermöglicht, war einfach nicht in der Schachtel wo es eigentlich hingehörte. Ich war mitten im schönsten Tal der Welt, das meterhoch zugeschneit ist, total vom Internet abgeschlossen. Hocherfreut meine Frau und der Hund, tiefbetrübt ich selber.
Eine Suche, wie sie unser Haushalt seit dem Verlust meines Handys vor zwei Wochen nicht mehr erlebt hat, wurde subito gestartet. Obwohl ich nach ein paar Stunden unter dem Teppich des Autorücksitzes die schon lange vermisste Parkkarte wieder gefunden habe, blieb die Suche nach dem Schlüssel zum Internetuniversum erfolglos. Gut ist der für zwei Jahre abgeschlossene Vertrag nur noch 18 Monate gültig….

«Der Kleingeist hält Ordnung und das Genie überblickt das Chaos.» Ein Genie bin ich noch nicht, aber ich befinde mich auf dem besten Weg dazu!

Mittwoch, Januar 09, 2008

ein bisschen wie früher

Im Laufe eines Arbeitseinsatzes wird früher oder später über die guten alten Zeiten geredet. In der Regel beginnt die Diskussion mit den Worten: „Weisch na früener?“ Sonst eher ruhige Kolleginnen und Kollegen kommen plötzlich ins Schwärmen, Meere werden blauer und blauer, Strände weisser und weisser und Aufenthalte an den schönsten Orten der Welt länger und länger.
Bis anhin habe ich bei solchen Gesprächen die Augen verdreht, mich zum jüngeren Teil der Besatzung gesellt und über die Alten geschmunzelt. Doch jetzt scheine ich mich an einem Scheideweg meines Lebens zu befinden. Immer mehr ertappe ich mich dabei, dass ich hie und da auch von den alten Zeiten rede und Kollegen zitiere, die ich zwar nie gekannt habe, mir aber dank den unzähligen Geschichten wie Verwandte vorkommen.
Beliebte Themen sind die Segeltörns in Karachi, die Caipirinas an der Copacabana, die wöchigen Aufenthalte in Peking in der «Post-Mao-Ära» oder das Eros-Center in Genf. Gesprochen wird natürlich auch über unmögliche Piloten und ewig junggebliebene Kolleginnen aus der Kabine (was eigentlich wieder beweist, dass man als Mann nur unvergesslich bleibt, wenn man sich wie ein Arschloch aufführt).

Auch das Strandleben in Dar es Salaam bringt es immer wieder zu hoher Tischpräsenz.
Das «Früher» habe ich nicht mehr erlebt, als die Kolleginnen und Kollegen fast eine Woche in Bungalows hausten, das Essen aus Hygienegründen aus der Heimat mitnahmen und sich den ganzen Tag um die Surfsegel und die Taucherbrillen stritten. Wenn man den Geschichten glaubt, muss es in den guten alten Zeiten im östlichen Afrika wild zu und her gegangen sein.
Zufälligerweise sitze ich im Moment in diesem Dar es Salaam und finde die Stimmung, die Lokalität und das Klima perfekt. Ich darf auf das blaue Meer hinausschauen, wo sich Surfer tummeln und die Fischer das Nachtessen für uns Gäste organisieren. «Wunderschöne Stimmung», sage ich zu meiner Kollegin am Nebentisch während ich die frische Mango geniesse. «Nicht schlecht, aber nicht mehr so wie früher!», kommt prompt die Antwort.
Ich lasse den Satz unbeantwortet verstummen und versuche herauszufinden, was denn jetzt in diesem Moment noch besser sein könnte. Die Ruhe hält nicht lange und meine Nachbarin fährt mit ihren Geschichten fort.
«Früher war Afrika ganz anders. Wir sind Destinationen angeflogen die du nicht mehr kennst. Accra, Brazzaville, Kapstadt und natürlich Lagos. Lagos war immer speziell. Ein schönes Hotel, ein herrlicher Pool und überhaupt.»

Natürlich schmeichelt es mir, dass mich die Kollegin so viel jünger einschätzt, aber ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass die Holde nie in Lagos war. Ungern erinnere ich mich an die Stromausfälle im Hilton Lagos, die aufsässigen Frauen, die mit lauten Klopfzeichen Einlass ins Zimmer verlangten, und den Marsch vom 8. Stockwerk in die Lobby, den wir aus Angst vor einem steckengebliebenen Lift mit dem schweren Koffer und in Uniform gekleidet bei über 30° C vor dem Abflug absolvierten. Nein, die Dame war nie in Lagos!

Überhaupt habe ich jetzt keine Lust mit jemandem, der den Moment nicht geniessen kann und ständig in der Vergangenheit schwelgt, über alte Zeiten zu plaudern. Sie wird Afrika nie begreifen. Afrika ist Gegenwart -, der Moment -, der Augenblick. Die Einwohner können es sich hier nicht leisten, sich mit der Vergangenheit zu befassen. Was zählt ist das Jetzt.

Ich versuche mich in meiner privilegierten Lage an diesen Grundsatz zu halten, teile den wunderschönen Moment mit Euch und lasse in Form dieser kleinen Fotografie etwas Sonne nach Europa.

Sonntag, Januar 06, 2008

der Hund und die Cockpittüre


Haben sie einen Hund? Ich schon, - seit drei Wochen genau. Ich befinde mich im Moment in der Phase, wo ich bei Tagesanbruch frierend mit dem Hund unterwegs bin, Häufchen auflese während andere noch tief schlafen, abschätzig in die noch dunklen Schlafzimmer blicke und nicht verstehe, dass ich vor nicht so langer Zeit auch einmal so ein phlegmatischer Zeitgenosse war.
Morgenstund hat Gold im Mund - fürwahr!
Hundebesitzer werden mir Recht geben wenn ich behaupte, dass man mit so einem jungen Tier wieder lernt, genaue Anweisungen zu geben. «Könntest Du dich vielleicht höflichst zu mir an meine Seite stellen?», funktioniert genauso wenig wie die Bitte, sich seine privatesten aller Werkzeuge nicht in aller Öffentlichkeit zu putzen. Es braucht eine starke Hand, klare Befehle und Durchsetzungskraft.
Leider sind mir diese Attribute in der Vergangenheit in den diversen Selbstfindungsseminaren abhanden gekommen und weil ich es nicht immer übers Herz bringe meinen Hund zusammen zu stauchen, schreie ich zu Übungszwecken zwischendurch ein paar Bäume an.
Manchmal hilft aber alles Schreien nicht, der Hund lässt sich dann nur noch mit einem Stück Wurst überzeugen. Noch viel schwieriger ist es allerdings, bei vorhandener Wurst die Aufmerksamkeit des Hundes auf wieder etwas anderes zu lenken. Glauben sie mir, das Herrchenleben ist kompliziert!

Wir Menschen sind da keineswegs besser als die ganz und gar nicht dummen Tiere. Ich merke das an mir selbst. Nehmen wir als Beispiel die Cockpittüre. Die schusssichere Eingangspforte kann nur mit komplizierten und selbstverständlich streng geheimen Prozeduren geöffnet werden. Als Entscheidungshilfe dient uns ein kleines Display, wo wir dank unzähligen Kameras die Eintrittswilligen von allen Seiten (nicht von unten!) begutachten können. Wenn es klingelt, reagieren die Piloten wie unser junger Hund zu Hause. Man freut sich überschwänglich und der Blick geht ruckzuck nach hinten auf den alten und winzig kleinen Flimmerkasten.
Von HD Qualität kann man beim Bildschirm wahrlich nicht sprechen. In 60er-jahr schwarz-weiss Güte erfreut er das Auge nicht gerade, aber das Bild als solches kann dank diffuser Darstellung schon einiges auslösen. In der Mitte präsentiert sich der Kopf der hoffentlich weiblichen Person, die Eintritt verlangt. Gegen aussen wird das Ganze unscharf und leicht neblig.
Selbst erfahrene Kolleginnen erscheinen aus dieser Distanz, - betrachtet mit altersbedingter Sehschwäche -, wie eine der Freundinnen aus David Hamiltons «Bilitis».
Ja wohin ist da wohl der Blick des Copiloten gerichtet? Hinaus auf das weite Meer? Auf den Instrumenten, wo sicherlich die gleichen Parameter angezeigt werden wie ein paar Millisekunden vorher? Sicher nicht. Ruckartig schnellt der Kopf nach hinten und der Gast wird freundlich begrüsst als hätte er einen Zipfel Wurst in der Hand.

Seit ich ein so aktives Haustier habe weiss ich endlich, was ich dem Kapitän antworten werde wenn er verlangt, dass er und nur er die Türe öffnet und ich gefälligst nach vorne schauen soll: «Kauf dir einen Hund, oder besser, lass die einen schenken!»