Freitag, Oktober 05, 2007

Strandferien im Ramadan

Planungsstrategisch gesehen sind wir eine Crew vom Verlierern. Ich kenne keinen Ungläubigen und schon gar keine Ungläubige, die während der Fastenzeit gerne in ein muslimisches Land reist.
So versuchen die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen Destinationen wie Riad, Jeddah oder Muskat zu vermeiden. Es liegt in der Natur der Sache, dass dies nicht bei allen klappt.

Schon beim Studium der Flugunterlagen im heimischen Operationszentrum (wir nennen unseren Planungsraum Operationszentrum, weil wir da Flugplanoperationen durchführen – hört, hört!) werfen uns die Kollegen mitleidige Blicke zu. Auf ihren Planungsmappen stehen Namen wie Los Angeles, New York oder Tokio – auf unserem Tisch liegt ein Papierstapel beschriftet mit JED. JED steht für Jeddah.

Unter dem Deckblatt die ersten Informationen zu den Verhaltungsregeln während des Fastenmonats Ramadan. Die Liste ist lang und schon nach der ersten Seite muss ich kapitulieren. Unmöglich sich das alles zu merken, unmöglich die nächsten Tage nicht in ein Fettnäpfchen zu treten.

Zum Nachdenken bleibt keine Zeit und ehe ich mich besinne, stehe ich einen Steinwurf vom Mekka entfernt auf dem sandigen Boden vor dem Flughafen von Jeddah. Falls Datenschützer, Religionswächter, Sicherheitsleute und andere Individuen mitlesen, die dem Deutschen nicht ganz mächtig sind, möchte ich betonen, dass ich nicht bezwecke Steine auf Mekka zu werfen. Es handelt sich hier um eine Metapher und nicht um eine Ankündigung eines religionsfeindlichen Aktes.



Mittlerweile ist die Nacht Geschichte und ich sitze hier gut genährt in einem abgeschotteten Ressort am Strand vom Roten Meer. Um mich herum plantschen leicht gekleidete Ungläubige in knackigen Bikinis und mein Tisch ist übersät mit leeren Kaffeetassen, Speisetellern und Brotkrümeln.
Soeben habe ich ein alkoholfreies Bier geöffnet, im Hintergrund schaukeln die Palmen im Wind, das offene Internet ist schnell und beschallt werden wir mit der Musik von Radio Top aus Winterthur, empfangen übers Internet. Mit einem leicht schlechten Gewissen (warum eigentlich?) komme ich zum Schluss, dass ungläubig sein gar nicht so schlecht ist.
Neu ist diese Erkenntnis ja auch wieder nicht. Schon während meiner Ausbildung zum vollständigen Mitglied der reformierten Gemeinde vor fast dreissig Jahren, machte ich mir im Stillen Gedanken, warum so viele unnötige Zwänge mit dem Glauben und der Religion verknüpft sind.
Damals hielt ich es für besser die Schnauze zu halten. Heute an diesem sonnigen Tag am Strand von Jeddah ist das auch keine schlechte Strategie.

Kommentare:

  1. Hallo! Wie geht's? Ihre Photos sind auf http://play.blogger.com gegangen... ich dachte ich sollte guten Tag sagen ...

    GUTEN TAG!

    Bis spaeter!

    von
    Gledwood
    Vol 2...

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  2. Asche auf Dein Haupt, du Sünder!

    Dir wird erst verziehen, wenn Du für Deine Kurzstreckenkollegen einen Camparisoda trinkst und 3x das letzte HELLO SWISS gelesen hast :-)

    In dem Sinne, AMEN!

    G! (leider zurück aus ATH, wo's keinen Ramadan, aber Strand hat ;-))

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  3. @G!:

    Danke für die Reinwaschung! Ich werde in zwei Tage ein paar Maguro, Ebi und wie die Sashimi auch alle heissen, für die lieben Kurzstreckenkollegen bestellen. Der Sake wird fliessen und die Gedanken sind bei Euch!

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  4. Hallöle und einen wunderschönen guten Abend. Hab ich nun nen Knick in der Optik oder wird am roten Meer neuerdings von rechts nach links gelesen?
    Lach ... auch alkoholfreies Bier birgt so seine Tücken, gell?

    Beste Grüße

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  5. Holsten alkoholfrei!
    So lässt es sich doch aushalten, oder nicht?

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  6. .... ja, ja, dieses Holsten ist ganz ok.

    Gut geht es Morgen nach Tokio und gut versuchen sich die japanischen Brauereien mit besserem Bier zu übertrumpfen ;-)

    KAMPAI!

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  7. Ganz ohne Bezug zum Thema hätte ich da mal eine Frage...

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  8. Auch ich musste soeben in Dubai die Erfahrung machen, dass "Ramadan" keine Hotelkette ist und das Verpflegungsangebot in den Shopping Malls tagsüber eher dürftig war. Dafür weiss ich jetzt, weshalb ich immer ein paar dieser Swiss-Schöggeli horte!

    Jeweils eine Minute nach Iftar ging dann das grosse Fressen los... das Einschlafen gelang danach nicht so gut.

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