Sonntag, September 23, 2007

Veränderung zum Besseren







Wenn Japan ruft, dann komme ich gerne. Die langen Flüge über die sibirische Steppe mag ich sehr, das Essen bekommt mir ausgezeichnet und sogar das Schlafen klappt immer besser.
Jetzt will es der Zufall, dass auch Japan mich entdeckt hat und immer mehr in mein Leben tritt.
Beim ersten Ereignis musste ich ein wenig nachhelfen, und zwar mit meinen hart verdienten Fränkli. Seit der Unterschrift beim Toyotahändler steht ein roter «Prius» auf dem Abstellplatz und katapultiert mich damit quasi auf die gleiche Ebene wie Cameron Diaz und Brad Pitt.
Die zweite Begegnung mit der japanischen Philosophie war sehr überraschend, nicht ganz freiwillig und hat auch mit dem Industriekonglomerat aus der gleichnamigen japanischen Stadt zu tun.

«Kaizen» heisst der neue Begriff am helvetischen Aviatikhimmel und als ich zum ersten Mal von diesem Slogan hörte, machte ich das, was Ahnungslose in dieser Situation zu tun pflegen, ich schaute auf Wikipedia nach, was dieser Ausdruck auch bedeute.

«Kai» sei die Veränderung und «Zen» bedeute zum Besseren. Da kann man ja nicht wirklich dagegen sein! Jetzt werde ich so richtig neugierig. Es steht viel auf der freien Enzyklopädie im Internet. Managersprache, gespickt mit Schlagwörtern und Marketingbegriffen, macht es schwierig, mich mit meiner latent vorhandenen Müdigkeit richtig einzulesen.
So wie ich es verstanden habe, wollen die Initianten der Idee, dass sich die Mitarbeiter einbringen und sich mit der Arbeit identifizieren. Da kann man auch nicht wirklich etwas dagegen haben. Aber ich habe das Gefühl, dass die Arbeitnehmer das in der Schweiz schon seit Urzeit machen, nur hat das noch niemand gemerkt.

Diese Zen Philosophie kennen wir in diesem Land schon seit Generationen. Der Schweizer ist bekannt dafür, dass er seine Meinung – zumindest in einer kleinen Gruppe – gerne deutlich vorbringt. Das machen wir am liebsten in den BeiZen. Schlage ich das Wort «Bei» auf Wikipedia nach, wird mir die Erklärung geliefert, dass «Bei» das turksprachige Wort für «Herr» ist. Bei-Zen bedeutet also «Herrenveränderung zum Besseren» und wir umschreiben das im Helvetischen mit dem Wort «RanZen».
Angst vor diesem Kaizen müssen wir also keine haben, das Zen-Zeugs wurde uns quasi in die Wiege gelegt.

Trotzdem ist eine gehörige Portion Vorsicht angebracht. Seit ich auf Lohnlisten schweizerischer Unternehmungen stehe, habe ich schon etliche Programme mit wohlklingenden Bezeichnungen über mich ergehen lassen.
Ich erinnere mich gerne an ein Projekt namens TQM, das in einem Unternehmen mit dem Übernamen «fliegende Bank», mit Pauken und Trompeten angekündigt wurde. Zuerst gab es einen Pin für die Uniform, dann eine Lawine von Power Point Präsentationen und zum Abschluss einen Ordner mit doppelt bedrucktem Papier.
Verstanden habe ich die Ideen nie ganz richtig, aber da schien ich nicht ganz alleine zu sein. Selbst in höchsten Managementkreisen – so hört man, hätten die Herren das TQM mit der traditionellen chinesischen Medizin verwechselt. Es wurde geschröpft und geschröpft, bis der Patient dahinraffte. Damals hat der Staat einen Teil der Alternativmedizin noch bezahlt, den Rest berappten die Mitarbeiter.

Zurück zu meinem Flug, zu meiner Arbeit, zu Japan. Ich verschliesse mich nicht gegenüber Neuem und versuche das fernöstliche Leitmotto meines Arbeitgebers zu verinnerlichen. Ich sage Ja zu Kaizen und Ja ist ein Wort, das sogar ich im Japanischen aussprechen kann. «Hei» heisst der Ausdruck und bedeutet auch Zustimmung und Einverständnis.

Also liebe Passagiere, haltet euch fest und lasst uns nach Narita HeiZen.

Kommentare:

  1. Willkommen im Club der Toyotafahrer.Meine Erfahrung mit dieser Marke: Ich fahre Autos gerne solange, bis sie kaputtgehen. Aber beim Toyota Carina habe ich nach über 436 000 gefahrenen km entnervt aufgegeben. Er wollte einfach nicht eingehen,obwohl ich mich redlich bemüht habe (ÖLwechsel? Äh..ich warte bis die rote Lampe leuchtet.) also habe ich ihn nach Afrika verkauft.Da hat er es auf seine alten Tage bei guter Pflege schön warm.;-))

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  2. Wow, jetzt gehts aber grad zur Sache. Habe mir den Wikieintrag auch mal - überflugsmässig - zu Gemüte geführt und dabei gesehen, dass die Theorie viele Checklisten beinhaltet...und das kann in unserer Branche ja nicht so falsch sein :-)

    Und bei den 6M (lieber ist mir der M3 oder gar M5) ist der Mensch zuoberst...ohä. Wenn das nur die mit dem - nachträglich hinzugefügten - 7.M, die Mänätschr, auch so sehen.

    In dem Sinne, frohes zurück nach ZRH RoZen :-)

    G!

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  3. Hei Hei. Das sagen die Japaner gern, auch wenn sie es nicht so meinen

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