Freitag, September 28, 2007

voll erwischt

Ich habe die Angewohnheit, im Hintergrund Musik zu spielen, wenn ich meine Gedanken auf den Bildschirm bringe. «Wonderful life» läuft gerade in mittlerer Lautstärke und ich bin nahe daran, laut mitzusingen.
Nein, ich sehe wie der Sänger auch keinen Anlass, mich zu verstecken, zu rennen oder zu schreien – es ist wirklich ein wunderbares Leben - WENN ICH NUR SCHLAFEN KÖNNTE!

Es ist diese Traumkombination Tokio – Los Angeles – Tokio, die mich zum Verzweifeln bringt. Sechzehn Zeitzonen liegen zwischen den beiden Städten. Sechzehn Stunden, die innerhalb vier Tagen verdaut werden sollen. Sechzehn Stunden, die irgendwann, irgendwo fehlen. Sechzehn Stunden, die mich im Moment zum WAHNSINN treiben.
In den vier Freitagen habe ich es immerhin geschafft, EIN MAL durchzuschlafen. Die Nächte davor kamen mir vor, wie eine Dauerübung im Militär. Aufstehen, schlafen, aufstehen – wieder schlafen und so weiter.
Haben sie schon einmal um drei Uhr in der Früh ein Brot gebacken? Ich schon! Es hat mich voll erwischt – VOLL!

Ein Flug liegt hinter mir. Ein Flug über halb Europa und ganz Sibirien. Ein Flug, auf dem alle Besatzungsmitglieder ein paar Stunden geschlafen haben. Alle? ALLE AUSSER MIR! Wie zum Henker soll ich um 13 Uhr MEZ Schlaf finden, wenn an dem Ort, an dem ich noch vor vier Tagen weilte, zum gleichen Zeitpunkt geschlagene zwei Stunden warten musste, bis das Frühstücksbuffet öffnete?
Als einziger in der ganzen Röhre habe ich kein Auge zugetan. Gelandet bin dann ich. JAWOHL ICH! Die Landung war übrigens gut.
Im Bus haben dann alle AUSSER ICH gedöst und sind dann müde ins Bett gefallen. Das war vor etwa drei Stunden..... Und ich? Ich sitze vor dem Computer, noch immer wach und beginne zu rechnen. In Tokio ist es 10:47 Uhr, in Zürich 03:47 Uhr und in Los Angeles 18:47. SCHEISS ZEITVERSCHIEBUNG!

Der geneigte Leser merkt, dass ich leicht gereizt bin. In diesem Zustand kann man bestens motzen und genau das mache ich jetzt. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo ich mal so richtig Dampf ablasse. Jetzt sage ich dort die Meinung, wo ich sonst zu schweigen pflege.

Liebe Japaner, ihr könnt absolut nichts dafür, dass ich «rumpelsurig» bin. Trotzdem ist jetzt der Zeitpunkt, euch allen einmal gehörig die Meinung zu sagen. ICH MAG EURE GEHEIZTEN TOILETTENBRILLEN NICHT! Ich erwarte von einer frisch gereinigten Sitzgelegenheit in einem Badezimmer, dass sie kalt ist. Kalt steht für sauber, frisch und unbenutzt. Ich finde es absolut unnötig, dass ihr Ampèrekäfer durch den Plastik jagt und dem Gast den Arsch erhitzt. Erstens wird unnötig Energie verpufft und zweitens mag ich das schlicht und einfach nicht!
Wenn ihr nicht pariert, dann schicken wir euch den Ogi vorbei und der wird euch schon beibringen, dass nicht zwingend jedes Ei gekocht werden muss.



So, genug Unsinn geschrieben, ich versuche jetzt zu schlafen – nach 20 Stunden das erste Mal. HERRGOTTSTERNESIECH!

Sonntag, September 23, 2007

Veränderung zum Besseren







Wenn Japan ruft, dann komme ich gerne. Die langen Flüge über die sibirische Steppe mag ich sehr, das Essen bekommt mir ausgezeichnet und sogar das Schlafen klappt immer besser.
Jetzt will es der Zufall, dass auch Japan mich entdeckt hat und immer mehr in mein Leben tritt.
Beim ersten Ereignis musste ich ein wenig nachhelfen, und zwar mit meinen hart verdienten Fränkli. Seit der Unterschrift beim Toyotahändler steht ein roter «Prius» auf dem Abstellplatz und katapultiert mich damit quasi auf die gleiche Ebene wie Cameron Diaz und Brad Pitt.
Die zweite Begegnung mit der japanischen Philosophie war sehr überraschend, nicht ganz freiwillig und hat auch mit dem Industriekonglomerat aus der gleichnamigen japanischen Stadt zu tun.

«Kaizen» heisst der neue Begriff am helvetischen Aviatikhimmel und als ich zum ersten Mal von diesem Slogan hörte, machte ich das, was Ahnungslose in dieser Situation zu tun pflegen, ich schaute auf Wikipedia nach, was dieser Ausdruck auch bedeute.

«Kai» sei die Veränderung und «Zen» bedeute zum Besseren. Da kann man ja nicht wirklich dagegen sein! Jetzt werde ich so richtig neugierig. Es steht viel auf der freien Enzyklopädie im Internet. Managersprache, gespickt mit Schlagwörtern und Marketingbegriffen, macht es schwierig, mich mit meiner latent vorhandenen Müdigkeit richtig einzulesen.
So wie ich es verstanden habe, wollen die Initianten der Idee, dass sich die Mitarbeiter einbringen und sich mit der Arbeit identifizieren. Da kann man auch nicht wirklich etwas dagegen haben. Aber ich habe das Gefühl, dass die Arbeitnehmer das in der Schweiz schon seit Urzeit machen, nur hat das noch niemand gemerkt.

Diese Zen Philosophie kennen wir in diesem Land schon seit Generationen. Der Schweizer ist bekannt dafür, dass er seine Meinung – zumindest in einer kleinen Gruppe – gerne deutlich vorbringt. Das machen wir am liebsten in den BeiZen. Schlage ich das Wort «Bei» auf Wikipedia nach, wird mir die Erklärung geliefert, dass «Bei» das turksprachige Wort für «Herr» ist. Bei-Zen bedeutet also «Herrenveränderung zum Besseren» und wir umschreiben das im Helvetischen mit dem Wort «RanZen».
Angst vor diesem Kaizen müssen wir also keine haben, das Zen-Zeugs wurde uns quasi in die Wiege gelegt.

Trotzdem ist eine gehörige Portion Vorsicht angebracht. Seit ich auf Lohnlisten schweizerischer Unternehmungen stehe, habe ich schon etliche Programme mit wohlklingenden Bezeichnungen über mich ergehen lassen.
Ich erinnere mich gerne an ein Projekt namens TQM, das in einem Unternehmen mit dem Übernamen «fliegende Bank», mit Pauken und Trompeten angekündigt wurde. Zuerst gab es einen Pin für die Uniform, dann eine Lawine von Power Point Präsentationen und zum Abschluss einen Ordner mit doppelt bedrucktem Papier.
Verstanden habe ich die Ideen nie ganz richtig, aber da schien ich nicht ganz alleine zu sein. Selbst in höchsten Managementkreisen – so hört man, hätten die Herren das TQM mit der traditionellen chinesischen Medizin verwechselt. Es wurde geschröpft und geschröpft, bis der Patient dahinraffte. Damals hat der Staat einen Teil der Alternativmedizin noch bezahlt, den Rest berappten die Mitarbeiter.

Zurück zu meinem Flug, zu meiner Arbeit, zu Japan. Ich verschliesse mich nicht gegenüber Neuem und versuche das fernöstliche Leitmotto meines Arbeitgebers zu verinnerlichen. Ich sage Ja zu Kaizen und Ja ist ein Wort, das sogar ich im Japanischen aussprechen kann. «Hei» heisst der Ausdruck und bedeutet auch Zustimmung und Einverständnis.

Also liebe Passagiere, haltet euch fest und lasst uns nach Narita HeiZen.

Donnerstag, September 20, 2007

in fremden Betten

Nun bin ich wieder unterwegs. Lang war die Pause nicht, aber sie genügte sehr wohl, um sich an das regelmässige Schlafen zu gewöhnen.
Schlafen im eigenen Bett, ausgestreckt unter der heimischen Daunendecke mit dem Kopf im zurechtgeknüllten Kissen, gehört doch zu den schönsten Erlebnissen überhaupt. Das ist so eine typische Selbstverständlichkeit, die man erst dann vermisst, wenn sie nicht mehr verfügbar ist.

Auf mich wartet in Los Angeles ein Bett der Extraklasse. Bequem, gross und mit einer wunderbaren Decke bestückt. Zur Auswahl stehen in der Regel acht Kissen mit unterschiedlicher Härte. Nein, zu klagen habe ich wirklich nichts, denn es gibt andere Schlafstätten mit zweifelhafterer Qualität auf unserem Streckennetz, aber eben, das gewohnte Kissen liegt zu Hause und die eigene Decke fehlt.

Eines der schlimmsten Nachtlager in meiner Wertungsskala ist die Herberge in Douala, Kamerun. Seit Kopilotengedenken das gleiche Bett und das gleiche Zimmer. Gross ist er ja, der selten moskitofreie Raum, aber nicht wirklich gemütlich. Auf dem Bett mit den blumigen Laken liegt eine Decke, die aussieht wie aus alten Armeebeständen rekrutiert und im Kopfbereich wartet eine Nackenrolle, in derer sich die menschlichen Ausscheidungen der vergangenen Jahrzehnte langsam kristallisierten und dadurch eine Kopfunterlage hart wie Stahl formten.

Aber was mache ich mir Gedanken über Kamerun? Los Angeles wartet auf mich. Welches Zimmer wird es wohl diesmal sein? King Size oder Giant Size? Neben einer Familie mit ununterbrochenem Fernsehkonsum oder einem viagragesteuerten Manager auf Dienstreise mit seiner Sekretärin? Meersicht Richtung San Diego oder nach Norden? Neben dem scheppernden Eisautomaten oder dem bimmelnden Aufzug? Flachbildschirm oder Röhrenkiste? Auf jeden Fall empfängt mich ein fremdes Bett, frisch bezogen zwar, aber fremd und unpersönlich.

Ich bin ein Kissenknuddler. Einer der die Kopfunterlage während der ganzen Nacht büschelt, zurechtlegt, wieder auseinander schüttelt, weich klopf und dann neuerlich zu einem bequemen Häufchen formt. Das ist nichts anderes als Schwerstarbeit und wo gearbeitet wird, da fallen bekanntlich auch Späne, oder etwas wissenschaftlicher ausgedrückt, da bleiben gehörig DNA Spuren zurück.
Kissenknuddeln ist keine Krankheit und schon gar kein neuer Trend, darum gibt es auch keine fundierten Untersuchungen über die Häufigkeit, die Intensität und die Heilungschancen dieser Verhaltensstörung. Doch ich denke, dass ich damit nicht alleine dastehe.

Da liegen sie nun, die acht Kissen des Hyatts und einen Sekundenbruchteil überlege ich, wie viel Vergangenheit von meinen unzähligen Vorgängern wohl zwischen den flauschigen Daunenfedern lagert. Ein Fehler - klar, wenn schon so ein tolles Zimmer auf einen wartet, dann soll man nicht buchstäblich das Haar im Kissen suchen.

Doch jetzt, wo ich todmüde das Zimmer betrete, ist mir das ziemlich egal. Das erste Mal nach einem zwölfstündigen Flug ausgestreckt dazuliegen ist wie der Himmel auf Erden. Die Beine pulsieren, der Rücken entspannt sich und der Kopf taucht tief in das weichste der acht Kissen ein.
Nichts geht schneller, als das Einschlafen nach einem Nordatlantikflug. Minuten später ist das Stadium des «KO-Schlafs» erreicht und das Kissen wird geknuddelt, gebüschelt und immer wieder neu positioniert – DNA Auswahl hin oder her.

Samstag, September 15, 2007

Alles hat ein Ende

Achtung liebe Flugverkehrsleiter, Flight Attendants, Kollegen im Cockpit und sonstige Betroffene am Flughafen ZRH, ich bin aus meinen Ferien zurück.

Der Platz auf der Terrasse bei der Es-Cha Hütte ist ab sofort wieder frei.

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Dienstag, September 11, 2007

auch ein Ausländer

Der Winterflugplan meines Arbeitgebers ist publiziert und beim genaueren Studium der Schrift habe ich nachgezählt, dass ich Destinationen in 20 Ländern anfliege.

Nationen, die verschiedener nicht sein könnten. So zum Beispiel Amerika, das so faszinierend wie manchmal auch abstossend wirkt und Trendsetter spielt für einige positive und unzählige negative Verhaltensmuster. Die Länder in Afrika mit ihren unendlichen Gerüchen und einer Armut, die einem die Schamröte ins Gesicht treibt. Dann Asien, voller Leben und Energie. Ein Kontinent, der schneller zu drehen scheint, als der Rest der Welt. Oder Südamerika, Hauptquartier der Lebensfreude, aber auch Zentrum von Gewalt und Elend. Und «last but not least» natürlich der mittlere Osten, Lieferant des Rohstoffes aus denen unsere Träume sind und Wiege einer Glaubensrichtung, die in letzter Zeit Mittelpunkt von angsteinflössenden Politkampagnen in so manchem westlichen Land wurde.

In meinem Job habe ich das Privileg, die Länder regelmässig zu besuchen und die Kultur in homöophatischen Dosen zu studieren. Klar sind mir dabei Grenzen gesetzt. Grenzen in Form von Sprachbarrieren und natürlich ein Zeitlimit. Unsere Aufenthalte sind zu kurz, um tief in ein Land einzutauchen.
Trotzdem habe ich die Chance, zumindest etwas vom Fremden einzuatmen, zu spüren, zu essen und zu geniessen. Dazu braucht es nur etwas: der Wille das Fremde zu erkennen, zu sehen und zu akzeptieren.

Natürlich habe auch ich meine Phasen, in denen ich die Bereitschaft nicht aufbringe, die zu meiner eigenen Kultur verschiedenen Lösungsansätze zu akzeptieren, sondern im Gegenteil, ich verurteile sie. Selbstverständlich werde ich dann abgewiesen, links liegen gelassen und als Ausländer im konservativ schweizerischen Sinne behandelt. Oft bin ich dann frustriert, stelle das Gastgeberland in ein schlechtes Licht oder bezeichne alle Bewohner des Landes «in corpore» als Idioten. Ausländer bin ich so oder so. Eigentlich bin ich, wenn ich meinen Arbeitsplan betrachte, den meisten Teil des Jahres Ausländer.

Inländer, also Einheimischer, bin ich nur dort wo ich lebe. Ich kann dort wo ich lebe aber nur Einheimischer sein, wenn ich den Dialekt akzentfrei beherrsche. Meine Frau gilt im Berner Oberland als Einheimische, obwohl sie dort seit über 10 Jahren nicht mehr wohnt. Zusammen verbringen wir über 70 Tage im Jahr im Engadin. Einheimische sind wir dort nicht (höre ich die Engadiner im Hintergrund schon lachen?).

Langer Rede, kurzer Sinn, ich bin ein Fremder wo immer ich auch bin. Ich fühle mich in meinem Status die meiste Zeit willkommen und gut aufgehoben.
Jetzt bin ich aber verwirrt, denn es ist Wahlkampf in der Schweiz. Es ist von schwarzen Schafen die Rede und von kriminellen Energien, die im Lager der Fremden vorhanden sind. Damit muss ich gemeint sein. Schliesslich bin ich in der Nachbargemeinde ein Fremder, weil die Gemeinde zum Kanton Aargau gehört, in der Wohngemeinde bin ich ein Fremder, weil ich wieder in einer anderen Nachbarsgemeinde aufgewachsen bin. Politik ist kompliziert und so frage ich einen Vertreter der Volkspartei, die schwarze Schafe nicht mag, aber einen Geissbock verehrt, was sie denn gegen mich haben? Gegen mich hätten sie nichts, ich sei ja Schweizer, aber gegen die Ausländer, die unsere Kultur unterwandern, müsse etwas getan werden. Ich erklärte ihm, dass ich die meiste Zeit auch Ausländer sei und er entschuldigt sich, ich sähe halt so schweizerisch aus.
Er versteht mich nicht, oder will mich nicht verstehen. Ich verstehe ihn auch nicht und bedauere zu tiefst die Sichtweise seiner Partei. Denn was wäre die Schweiz ohne den Einfluss des Fremden.
Die Rösti würde uns genauso schnell zum Hals heraushängen wie das Frühstück ohne Kaffee. Ich würde es ihm gerne sagen, doch er ist schon weg und versucht einen Anderen zu überzeugen, dass seine Partei die urschweizerische Demokratie rettet. Eine Demokratie, die uns die Franzosen gebracht haben. Auch Fremde, auch Ausländer.

Samstag, September 08, 2007

Sagra dei Grotti

Immer am zweiten Freitag im September, kurz vor unserem Hochzeitstag, verwaisen die Wanderwege im Engadin und das Bike bleibt für einmal im Keller.
Unten - weit unten im Tal, in einer Stadt in einem fremden Land, werden die feuchten Lagerräume in den Felsen herausgeputzt, die süffigen Rotweine hervorgeholt, Salami geschnitten, Polenta gekocht, Gnoggi hingezaubert und die Grotti geschmückt. Kurz, Chiavenna lädt zum Grottofest und das will besucht werden.

Glücklich, wer einen Parkplatz ergattert; noch glücklicher, wer einen Tisch findet; ein Glückspilz, wer ein Nachtlager hat und ein kleiner König, wer eine nette Familie kennt, die alles im Rundumpaket organisiert. Und genau so fühlten wir uns.

Sekundiert von zwei Übersetzern links und zwei Übersetzerinnen rechts, die allesamt den Spagat zwischen der italienischen und der deutschen Sprache wesentlich besser beherrschten als ich, eroberten wir das Festgelände. Mit meinem Wortschatz, der aus den drei Wörtern «amore», «birra» et «pizza» besteht, wäre ich am Fest glatt verhungert.

Kaum am Tisch Platz genommen, türmten sich die leckeren Speisen vor meinen Augen auf. Eine kalte Platte, gefüllt mit Wurstwaren aus der Region, stillte den ersten Hunger und half, dass der reichlich fliessende Rotwein nicht ungefedert im Magen auftraf. Die Gläser füllten sich wie von Geisterhand gesteuert und schon einen Halbliter später dampften die selbstgemachten Gnoggi an einer Salbeibuttersauce vor meiner Nase. Schnell leerte sich der Teller und ein Augenzwinkern genügte, und die charmante Serviertochter brachte eine neue Portion.

Das war ja erst die Vorspeise! Plötzlich fanden gegrillte «Costini», saftige Rindssteaks, gebratene Kartoffelscheiben, Polenta mit Bergkäse und was weiss ich noch alles den Weg auf unseren Tisch und dies in einer Geschwindigkeit und Menge, als ob in der Küche ein Damm gebrochen wäre. Und wie das schmeckte!

Ein paar Karaffen Rebensaft nachher erweiterte sich mein Vokabular um den Satz «non che più fame» und das Verhalten des Küchenpersonals bestätigte mir Bruchteile später, dass ich an meiner Aussprache noch feilen muss. Käse war an der Reihe und nicht davon zu kosten, wäre eine glatte Beleidigung gewesen.

Der Bauch füllte sich stetig und noch war die heikle Kombination «Essen – Wein» im Gleichgewicht. Dann endlich die heiss ersehnte Frage nach Kaffee. Die Bedienung fragte mich etwas, ich antwortete gekonnt mit «Si», noch eine Frage – wieder ein «Si», dann verschwand sie in den Katakomben des Grotto.

Es brauchte mehrere Personen, um den finalen Gang an den Tisch zu bringen. Zwei verschiedene Kuchen, einer etwas hart mit Zucker darauf, der andere weich, luftig, süss und mit Anis bedeckt, landeten vor meiner Nase. Für den kleinen Hunger zwischen den Kuchenportionen gehörten ein paar Kekse zum Aufgebot. Gebranntes kam zum Schluss, eskortiert von einem dunklen Espresso.

Geschlafen habe ich danach gut, wenn auch in den Jeans. Nur aufgewacht bin ich etwas früher als geplant. Ein Kater schlich um meine Bettstadt, der – ich schöre es - am Vortag noch nicht zum Hausinventar gehörte. Auch das ist das Grottofest. Nächstes Jahr wieder!

Sonntag, September 02, 2007

mein bestes Stück

Bloggen, also diese Internettagebücher mit Text und netten Geschichten füllen, hat viele Ursachen. Wer wie ich im regelmässigen Rhythmus in die Tasten haut, macht dies aus verschiedensten Beweggründen.
Ich liebe es meine Geschichten zu erzählen; zu beschreiben, wie ich die Welt aus meiner Warte sehe; zu klagen, wo ich Leid erblicke, zu jubeln, wo es was zum Jubeln gibt. Oder mit Max Frischs Worten: « Schreiben ist nicht Kommunikation mit Lesern, auch nicht Kommunikation mit sich selbst, sondern Kommunikation mit dem Unaussprechlichen.»

Natürlich freut sich der Schreiberling auch, wenn das Geschriebene gelesen wird. Applaus ist der Lohn der Schauspieler, Belletristikranglisten das Mass aller Dinge für Romanautoren und Kommentare steigert das Blogger-Ego ungemein. Fallen die Kommentare spärlich aus, bleiben immer noch die Anzahl Seitenaufrufe, um sich selber auf die Schulter zu klopfen.

Und glauben sie mir, da gibt es herrliche Werkzeuge, um das Surfverhalten der Leser zu beobachten. Wenn sie das kleine Kästchen auf der rechten Seite mit der Aufschrift SITEMETER anklicken, dann sehen sie, was ich meine. Woher die Leserschaft kommt – und zwar im geografischen Sinne, sieht man genauso wie der Pfad, der auf die eigene Homepage führte.
Einige Schreibkollegen haben meine bescheidene Seite als Geheimtipp aufgeführt und bringen so neue «Kunden» zu mir. Die weitaus grössere Leserschaft verirrt sich über eine Suchmaschine auf den Blog des schreibenden Copiloten. Zu meiner Freude lässt sich dank dem Hilfsprogramm auch bestimmen, mit welchen Suchbegriffen die Leute zu mir gelangten. «Erotische Geschichten» ist der absolute Renner unter den Google Eingaben, gefolgt von «Tokyo Hotel». Abgeschlagen auf dem 3. Platz liegt die Wortkombination «scharfe Brasilianerinnen» - im Ernst!

Neben den flugbegeisterten Pilotenfreunden, Verwandten und Kollegen, die meine Texte nur lesen, damit sie noch bei mir eingeladen werden, sind die sexbesessenen Nachtsurfer eine der wichtigsten Ansprechgruppen meines Werbekonzeptes. Und genau die Wortkombination «sexbesessener Nachtsurfer», die in diesem Text jetzt schon zum zweiten Mal vorkommt, wird mir wieder viele Klicks bringen. Es ist also «Blog-Marketing-Technisch» ungemein wichtig, dass man schlüpfrige Wortkombinationen im Text einbaut.
Nur spricht man so ausschliesslich den männlichen, heterosexuellen Surfer an, der zwar schnell die Seite anklickt, aber aus Mangel an pornografischen Darstellungen (wieder so ein Ausdruck der Leser bringt) sofort wieder abhaut.

Darum der Text mit dem Titel «mein bestes Stück». Er soll neue Leser, ach was Leserinnen bringen! Nie hatte ich im Sinn über mein bestes Stück zu schreiben – dafür bin ich viel zu scheu -, so gesehen ist dieser Text überflüssig. Aber wie hat Roberto Bennini im Film «la vita e bella» einmal gesagt: «Nichts ist notwendiger als das Überflüssige.»

Äh, was wollte ich eigentlich sagen?