Freitag, August 03, 2007

Mai pen rai

Wenn Bangkok im Einsatz steht, dann ist dies in verschiedener Hinsicht speziell. Speziell darum, weil einem Neid und Missgunst sicher ist, das berufliche und private Umfeld allerlei von einem denkt und schon beim Anbringen der Gepäcketikette zweideutige Worte fallen. Warum genau weiss ich auch nicht, ich habe noch nicht einmal herausgefunden, warum es die Schar von Leuten überhaupt in diese Stadt zieht.
Klar, es gibt Handtaschen aus edler chinesischer Kopiermanufaktur; DVD Filme, die billiger sind als die Parkgebühr vor dem heimischen Videoverleih; Uhren, die deutlich schneller laufen als die zu Hause; Software, die mehr Ungeziefer hat als das Handtuch in der Bahnhofstoilette; Fussballshirts des FC Bayern mit dem Namenszug «Beckham» auf dem Rücken und dann eben diese zarten Wesen, nach der die Stadt der Engel benannt ist.

So spürt man schon förmlich die Erwartung der einzelnen Crewmember beim Anflug auf die Hauptstadt Thailands. Auffallend ist, dass die Meisten etwas erledigen müssen und nicht wollen. «Ich muss noch dies und das kaufen oder erledigen», ist der wohl der meistgehörte Satz nach der Landung. Zeit ist zumindest für einen Teil der Kollegen genügend vorhanden.

Jetzt muss man allerdings wissen, dass innerhalb einer Bangkok Crew eine Zweiklassengesellschaft herrscht. Die eine Gruppe kann den Aufenthalt ruhig angehen, die Besorgungen, die Massagen, die Nahrungsaufnahme und das «Laisse-Faire» gut planen und daneben trotzdem einen Sonnenbrand am Hotelpool einfangen. Die andere Gruppe besteht ausschliesslich aus mir und muss nach einer Nacht wieder nach Hause - one night in Bangkok!

Man darf an dieser Stelle jetzt Mitleid haben. Eine Nacht in dieser Stadt ist der blanke Stress. Gut, die Handtaschen kann ich aus Mangel an Interesse weglassen und Uhren habe ich schon genug. Software brauche ich als Apple Benutzer keine und Schuhe gibt es nur bis Grösse 43. DVD Filme kann ich während des Besuchs im Restaurant kaufen und den Hotelpool werde ich mit Bestimmtheit nicht beglücken. Von Fussball habe ich keine Ahnung und Golfleibchen muss ich wegen meiner Golfallergie auch nicht besorgen.

Es bleiben mir also noch knapp 23 Stunden um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu entdecken und auch noch etwas zu schlafen. Morgen treffe ich dann wieder die neue Crew. Zwischen grossen Koffern und Bergen von Orchideenschachteln versuche ich die sonnengegerbten Wesen ausfindig zu machen und mich freundlich vorzustellen. Mitledig werden sie mich dann anschauen und richtigerweise feststellen, dass ich bedauernswerte Person nur eine Nacht im vermeintlichen Paradies verbringen durfte. Mai pen rai – macht nichts. Mir ist es eh viel zu heiss in dieser Stadt – dies meine ich in vielerlei Hinsicht.

Kommentare:

  1. Hallo NFF

    Reicht es nicht einmal mehr für ein gemeinsames Nachtessen im 'Gärtli'?

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  2. .... ach ja, das Essen hätte ich fast vergessen. Diesmal war es ein ziemlich echtes Thaimahl unter freiem Himmel auf einem Plastikstuhl - einfach und extrem lecker!

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  3. Hallo Peter, höchst amüsante Vergleich, die du da anstellst (Uhren, die schneller laufen...). irgendwie werde ich aber den Eindruck nicht los, dass du nachdenklicher und etwas ungeduldiger (oder evtl auch älter?) wirst. Ein kritischer Geist warst du ja schon zu früheren Zeiten, das ist nichts neues. Da du aber - wie kürzlich erst geschildert - eine Abneigung gegen grosse Gruppen entwickelt hast, sollte es dich eigentlich nicht weiter stören, wenn die lieben Crewmembers "dies und das kaufen oder erledigen" müssen. So bleibt genügend Freiraum für ein intimes Dinner im "Gärtli"...

    Gruss
    Dide

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  4. Hallo Dide

    Hast schon recht damit, das ich älter werde ;-) Ich hatte schon immer eine Abneigung gegen festgefahrene Strukturen und Traditionen die hochgehalten werden, nur weil es schon immer so war.
    Darum habe ich in den vergangenen sieben Jahren vielleicht noch nie im Gärtli gegessen...

    Aber keine Angst, ich werde nicht zum Einzelgänger. Ich liebe es Leute um mich zu haben und zu plaudern und zu diskutieren. Nur müssen es nicht immer die gleichen Themen sein. An diesem Punkt ist meine Geduld in den letzten Jahren eindeutig kleiner geworden. Da sitze ich lieber auf Plastikstühlen um einen wackligen Tisch, quatsche den unbekannten Nachbarn an und erfreue mich am Tohuwabohu, das um mich herrscht.

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  5. Gute Antwort - da bin ich beruhigt. Die Gefahr, als Eremit in den Zürcher Wäldern zu enden, scheint also nicht zu bestehen. Und wer weiss, vielleicht schaffen wir es ja einmal, bei einem Bier gemeinsam einige Gedanken zu diesem Thema auszutauschen...

    Auf dass du weiter vielen interessanten " unbekannten Nachbarn" begegnen mögest...

    Dide

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  6. Unbedingt Dide - ein gemeinsames Bier ist schon längst fällig! Zuerst muss ich aber nächste Woche noch einen kurzen Hüpfer nach Muskat machen.
    Konsultiert habe ich im Vorfeld schon einmal die Wetterseite im Internet. Da wird eine gefühlte Temperatur von 42°C versprochen.....

    Brauche Tipps, wie ich als Bergler (wohne auf 450 ü. M.) in der Hitze überleben kann!

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  7. Trinken, trinken, trinken.
    Die Wahl der Flüssigkeit überlasse ich dir. Die Jeans zuhause lassen und gegen eine leichte Khaki-Hose (!) tauschen.
    Bin übrigens gerade gestern Nacht nach Muskat geflogen, und habe - der Zufall wollte es - sowohl beim Anflug wie auch beim Start die SWISS-Maschine in unserem Nacken gehabt. In beiden Fällen habe ich einen Spruch in "Schweizerdeutsch" fallen gelassen. Doch wer immer es auch war: trockener und spröder hätte man kaum reagieren können...
    Schade
    Das wäre doch bei dir sicher anders...

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  8. @nff: In welchem Pfadfinderverein spielst du jetzt? Ich würde mich da vielleicht auch anmelden.

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  9. Bangkok ist anstrengend. Aber auch irgendwie total schön. Länger als ein paar Tage halte ich es dort aber nicht aus.

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  10. Genau BeGu, darum geniesse ich es, wenn ich nur eine Nacht dort bin.

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  11. Tönt ja richtig nach Stress. - Da hift eine Thai Massage sicher.

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