Donnerstag, August 16, 2007

2 fast - 2 furious

Wenn auf königliches Dekret hin die Lichter in den Bars an der Sukumvit langsam ausgehen, ist es Zeit einen Taxi zu suchen, der uns Nachtschwärmer ins weiche Bett bringt. Auch wenn der unvernünftige Teil in uns noch Bereitschaft signalisiert, dass es noch Stunden so weitergehen könnte, schreien die Glieder nach dem langen Nachtflug nach Schlaf.

Ist auch vernünftig so, schliesslich liegen vorsichtig geschichtet im Magen verschiedene Köstlichkeiten aus der thailändischen Küche, die verdaut werden wollen und die Beine möchten nach der langen Fussreflexzonenmassage keinen Marathon mehr laufen. Auch der Hopfensaft, der im Bauch von einer zur anderen Seite schwappt, ist noch nicht in der Blase angelangt und der anstehende Toilettengang kann bei sofortiger Abreise auf die zimmereigene Einrichtung verschoben werden.

Der erste Taxifahrer winkt ab. Entweder ist ihm das Ziel unserer Reise zu weit weg oder die Gruppe ist zu gross. Der Fahrer eines anderen fahrbaren Untersatzes winkt uns zu sich, wir steigen ein und er nickt beim Namen unseres Hotels.
«Pattanapong» heisst unser Gastgeber, hat die Taxilizenznummer 12764 und präsentiert diese auch stolz auf Augenhöhe des Beifahrers. Flüssig geht es los, während mein Kollege auf dem Vordersitz noch verzweifelt den zweiten Teil des Sicherheitsgurtes sucht.
Trotz später Stunde stehen die Autos doppelspurig auf der Ausfallstrasse. Dies kümmert unseren Rennfahrer wenig, er wechselt auf die Gegenfahrbahn und überholt die Kolonne im rasanten Tempo. Während der Beifahrer noch immer fluchend versucht die Gurte zu arretieren, kämpft der Fahrer mit seinen Kollegen um Einlass in die korrekte Fahrspur. Der Grund ist so einfach wie einleuchtend – auf unserer aktuellen Fahrbahn kommt ein schlecht beleuchteter LKW entgegen und macht keinen Anschein, uns nicht mit seiner Stossstange zu zermalmen.
Irgendwie und irgendwann hat es geklappt und wir fanden unseren Platz auf der richtigen Strassenseite. Wie und warum kann ich im besten Willen nicht sagen, denn meine Augen hatte ich wegen des drohenden Aufpralles geschlossen.

Der Verkehr lichtet sich und dies wird zur Tempoerhöhung genutzt. Ich, der in den zürcherischen Banlieus aufgewachsen bin und noch immer dort lebe, bin schon einige Male unfreiwilliger Zeuge eines illegalen Strassenrennens geworden. Immer habe ich diese auf das Schärfste verurteilt und ausgerechnet ich bin jetzt Hauptakteur in einem so unnötigen Spektakel.
Mit 130 km/h jagt unser Taxi über die Strasse und weicht den langsamen Mopedfahrern aus, wie ein Kippstangenvirtuose in den winterlichen Slalomrennen. Es wimmelt von Schlaglöchern und Wellen in den Strassen und jedes Mal schlage ich mit dem Kopf unsanft am Autodach an. Was die Masseurin noch vor Stundenfrist vorsichtig weich geklopft hat, ist in der Zwischenzeit schon wieder hart wie Gotthardgranit.
Als die Leuchtschrift unseres Hotels in Sichtweite kommt, ist der Fahrer noch zusätzlich motiviert. Obwohl die Einfahrt dank zwei scharfen Linkskurven und Verkehrsberuhigungsinseln vom Fahrer äusserste Vorsicht verlangt, geht unser Rennfahrer noch einmal aufs Ganze und nimmt das Hindernis wie ein Abfahrer das «Ziel-S» in der Lauberhornabfahrt. Ich höre im Hintergrund die Stimme vom Sportreporter, wie er begeistert die schnelle Passage der Kompression kommentiert.
Endlich steht das Todesgefährt still und der Fahrer grinst sichtlich stolz zu seinen Gästen herüber. Ich erwäge ernsthaft, ihm als Dank und Anerkennung über die Schulter zu kotzen.

Voll gepumpt mit Adrenalin und durchgeschwitzt erreiche ich mein Zimmer. An Schlaf ist im Moment nicht zu denken. Ich muss zuerst «entschleunigen» und den Puls in tiefere Lagen bringen. Ein paar tausend Schafe später fallen die Augen endlich zu und es bleibt die Erkenntnis, dass sich die grössten Idioten weltweit auf den Strassen finden lassen.


Mit diesem Artikel verabschiedet sich unser Korrespondent NFF in die wohlverdienten Ferien. In den Bergen wird in den nächsten fast vier Wochen das langsame Leben zelebriert - unterbrochen von einem kurzen beruflichen Abstecher nach Tokio.

Kommentare:

  1. ...Na die Ferien sind aber wohlverdient. Treffender hätte man die Alptraumartigen Fahrweise der thailändischen Taxifahrer nicht beschreiben können.
    Nach erfolgreichem Studienabschluss, gigs auf Asienrundreise mit erster Station in BKK und schon nach der ersten Taxifahrt stellte ich mir die Frage, warum ich ausgerechnet nach erfolgreichen Abschluss mein Leben so leichtsinnig aufs Spiel setze!

    Geniess die Ferien und grüss mir Japan!

    Gruss, Tomy

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  2. tolle geschichte - und so wahr!
    auch ich kenne die raser-taxis und tuktuks auf den strassen bangkoks aus eigener erfahrung. dann erhol dich mal gut in der friedlichen bergwelt!

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  3. Vier Wochen keine Berichte, da krieg ich hoffentlich keine Entzugserscheinungen…

    Viel Spass in deinen wohlverdienten Ferien!

    Gruss Christoph

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  4. Ich danke für die Kommentare!

    @Christoph:
    Das hat ich mein Arbeitgeber auch gedacht, darum schickt er mich zwischendurch ja nach Tokio. Auch im Engadin werde ich sicherlich einmal in die Tasten hauen. Entweder erzähle ich, wie ich als Wanderer einen Biker vom Velo holte oder berichte von einer Auseinandersetzung mit einem Wanderer auf einer Biketour.......

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  5. Erholsame Ferien im Engadin!
    (da wäre ich in den nächsten Wochen auch gerne, aber der Nordatlantik ruft (LAX, ORD, JFK).

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  6. ... na dann viel Spass beim Warten am Terminal 1 in JFK :-(

    Gruss aus BKK

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  7. Merci! Unter den Vielfliegern in unserem Büro gibt es ja bereits Wetten, wer mit welchem Flug wie lange am Boden im JFK rumsteht ;-)!

    Ein sehr unrühmliches Kapitel, warum gibt es eigentlich keine Fast-Track-Rollwege (analog der Diamond Carpool Linie der Highways in CA?)

    En Guetä Rückflug und sunnigi Feriä!

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  8. Wieder mal ein seehr geiler Beitrag.
    Wunderbarsten Urlaub wünsche ich!

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  9. @nff: Dann lieber in die Tasten, als in die Wanderer und Biker hauen, gell :-)

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  10. einfach wieder hammermässig dieser bericht... wir wünschen euch ebenfalls schöne ferien! schwärmen immer noch vom letzten sonntag... war einfach toll! bis bald.

    salamaleikum

    sm

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  11. Danke für die unzähligen Kommentare. Wir versprechen Euch, dass wir die Ferien geniessen werden!!!!!!

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  12. Schöne Ferien.
    Passendes Wetter und viele Touren, per Bike oder Pedes ganz nach Belieben, wünsche ich!

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  13. Schöne Ferien!

    Schade nur, dass unsereins jetzt soo lange auf Ihre herrlichen Berichte verzichten muss .. ;)

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  14. ...probier doch mal die Motorrad-Taxi's. Da musst einfach gegen den Dreck in der Luft eine Brille und die schmutzige Helmtasse aufsetzten - ein Erlebnis, das Tom Lüthi als Spazierfahrt bezeichnen würde.
    Mein Adrenalin versuche ich durch Pulsabsenkung wie ein "Deep Blue-Taucher" zu senken, so atme ich auch nur wenig Abgase und schlafe wunderbar nach Ankunft im Hotel ein ...
    Geniess deinen NRT-Ferienunterbruch.
    Gruss Martin

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  15. Interessant, es gibt Sie - entgegen den bisher unbestätigten Gerüchten zufolge - doch, die FERIEN in unserer Firma :-)

    "Was die Masseurin noch vor Stundenfrist vorsichtig weich geklopft hat, ist in der Zwischenzeit schon wieder hart wie Gotthardgranit."

    DAS ist - so aus dem Zusammenhang gerissen - eindeutig zweideutig ;-)

    Schöni Feri,

    G!

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  16. Taxifahren in Bangkok, erlebnisreicher kann man es nicht beschreiben.
    Ich erinnere gern an diese Fahrt vor vielen Jahren.. HIER nachzulesen!

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  17. hmm... errinert mich irgendwie an Athen :G! also sollte ich mich wohl auch zur Fraktion des besagten Taxifahrers zaehlen........ langsam fahren ist eben langweilig;)


    mfg
    Andreas

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