Mittwoch, August 29, 2007

Pilotenausflug



Wenn sich zwei Piloten treffen, kann es ganz schön lustig werden. Gut, es muss nicht gerade so zu und her gehen wie in oberen Video, aber heiter darf es schon sein. Das war in der Vergangenheit nicht immer so, besonders in der Schweizer Aviatik nicht.

Es gab da mal eine Zeit - das muss zwei Arbeitgeber her sein, da begrüssten sich die Vertreter zweier Schwesterfirmen wenn überhaupt, dann mit bitterbösen Blicken. Zu aller Verdruss wurden die rivalisierenden Gruppen in das gleiche Tuch eingekleidet und konnten fortan nur noch an den verschiedenartigen Pins und Pilotenkoffern erkannt werden.

Am Konflikt ergötzten sich zahlreiche Schaulustige und Schreiberlinge unterschiedlichen Talents und gossen noch zusätzliches Kerosin in das Feuer. Ja, das waren wirklich graue Zeiten. Bodenständige Beobachter sprachen von infantilem Verhalten, Professoren von normalen Fusionsproblemen, Schreiberlinge verkündeten den Untergang und psychologisch geschultes Hilfs- und Fachpersonal organisierte so viele Kurse, dass in der neuen Firma fast das Fliegen vergessen ging.

Klar, es gab auch kreative Visionäre, die dieses Schauspiel etwas differenziert betrachteten. Mit einem Schmunzeln erinnere ich mich an einen Sketch bei «Viktors Spätprogramm», in dem sich Kapitäne beider Streitparteien aus Kostengründen ein Bett in einem «Low-Budget» Hotel teilen mussten.

Jetzt, unzählige Motivationsseminare später, Milliarden ärmer und wieder Millionen reicher, fliegt es wieder fast wie früher. Wir sind wieder wer und das tut auch gut. Die Wunden sind verheilt, aber da und dort gibt es noch Narben. Zwischen all den gut riechenden, frisch geduschten und aus dem Ei gepellten Angestellten, erblickt man ab und zu noch einen griesgrämigen, nicht grüssenden Kollegen aus dem anderen Lager. Sie sind seltener geworden auf beiden Seiten, bis sie aber ausgestorben sind, dauert es noch ein bisschen länger.

Jetzt, wo die neue Firma herrlich erblüht und die erste Ernte von den neuen Besitzern eingefahren wird, sollte der Konflikt aus der Anfangszeit eigentlich vergessen sein - meint man zumindest.
Doch es gibt sie noch, die Motivationsseminarien. Sie tragen nicht mehr martialische Namen wie aus einer grossen Schlacht, sondern haben schlichte und bescheidene Bezeichnungen. «Wisi» stand heute unter meinem Flugplan und «Wisi» ist nicht der angelsächsische «Brand» eines «wie fühlst du dich»-Seminars, sondern schlicht und einfach der Name eines ehemaligen Kollegen aus dem anderen Lager. Nicht aus dem schlechten Lager, auch nicht aus dem bösen Lager, sondern einfach aus dem anderen Lager.

Jetzt ist es ja nicht so, dass wir Beide in den letzten Jahren Probleme miteinander hatten. Im Gegenteil, wir teilten unsere Begeisterung für den Beruf als Flugzeugführer (so heisst das nämlich im deutschen Sprachgebrauch) und lieferten uns verbale Schlagabtausche in einschlägigen Foren. So hat unser jetziges Zusammensein im feuchtheissen Tokio weniger mit Dissonanzen zu tun, sondern eher mit dem Anfangs beschriebenen heiteren Zusammensein.

Wir teilen uns noch nicht das Bett wie im Sketch von Viktor Giacobbo, aber immerhin schon das Zimmer. Bier wird auch reichlich getrunken und so kann schon vor Abschluss des Seminars eine positive Bilanz gezogen werden. Wenn das nur gut kommt!

Dienstag, August 21, 2007

surfsüchtig




Regen, ein wolkenverhangener Himmel und Schnee in Sichtweite - kein Problem, wenn man wasserdichte Kleidung, genügend Lesestoff und ein offenes Netz zum Surfen hat.
Gratis «internetteln» in ADSL Qualität ist in unserer Ferienwohnung leider nur bei geöffnetem Fenster und weitem Herauslehnen garantiert. Ich beklage mich nicht und bedanke mich herzlich beim Betreiber des ungesicherten Netzes mit dem wohlklingenden Namen «netman»

Sonntag, August 19, 2007

die Schule des Lebens

Es liegt in der Natur der Sache, dass ich bei der Ausübung meines Berufes verschiedenste Länder von Innen sehe. So unterschiedlich die Plätze auch sind, die Begrüssung ist immer die Gleiche.
Ein grimmiger Beamter, gekleidet in eine abschreckende Uniform, schaut einem in die Augen und scheint von der Obrigkeit den Auftrag zu haben, Besucher vom Eintritt abzuhalten. In der Regel handelt es sich bei diesen Beamten um Repräsentanten niedriger Chargen, die mit einem minimen Mass an Kompetenz ausgerüstet sind. Wer wenig hat, verteidigt dies in der Regel mit Wehemenz. Soweit meine einfache Erklärung dafür, warum man sich mit dieser Spezies Mensch nicht anlegen sollte.

Hat man diese Pforte durchschritten und ist damit staatlich geduldeter Gast, geht die Uniformmodeschau wacker weiter. Je nach Land sind die feschen Waffenröcke durchaus eines Blickes würdig. Der Klassiker ist die Polizeimontur der «Officers» in Amerika. Enge Hemden mit unzähligen Emblemen verziert, werden von einem viel zu straff angezogenen Gurt in der genauso viel zu enge Hose gehalten. Am Gurt baumeln diverse Utensilien, die blitzblank geputzt, allzeit Bereitschaft signalisieren.
Genau so uniform wie die Kleider sind die Haarschnitte der «Officers». Kaum einen Millimeter lang, stehen die Haarstoppeln 24 Stunden in einer Achtungsstellung am Kopf und lassen sich nicht einmal vom dem vom Hamburgeressen gestählten Doppelnacken aus der Ruhe bringen.

Sehr gut gefallen mir auch die Kleidungsstücke der chinesischen Soldaten. Eine giftgrüne Grundfarbe wird durchzogen von einem roten Streifen Stoff an der Aussenseite. Diese Farbkombination erinnert stark an die Farbe des Wassers der grossen landeseigenen Flüsse. Obwohl diese Armee die Rangliste der menschenfreundlichsten Organisationen nicht anführt, sind sie doch immer freundlich zu uns Swiss Piloten. Experten vermuten, dass es am ähnlich geformten Uniformhut liegt.

Wie der Leser nicht unschwer erkennen kann, begleiten mich die Armeen dieser Welt auf Schritt und Tritt. Selbst hier in den Schweizer Bergen erblickt man fast täglich einen Wehrmann in Tarnkleidung. In diesem Land, wo die Wehrpflicht zumindest für den männlichen Teil der Bevölkerung vorgeschrieben ist, man in vielen beruflichen Anforderungsprofilen den Zusatz «armeetauglich» als Grundbedingung findet und die Grundausbildung als «Schule des Lebens» gilt, gehört es sich nicht, dass man über den bewaffneten Trachtenverein spottet. Selbstverständlich halte auch ich mich an dieses ungeschriebene Gesetz.

Natürlich habe auch ich diese Schule des Lebens durchschritten. Schon am ersten Tag versuchte man mir anno 1986 die wichtigsten drei Kompetenzen eines Soldaten beizubringen: Den militärischen Gruss, das Kennen der letzten drei Ziffern der persönlichen Gewehrnummer und das Rauchen.
Den Gruss beherrschte ich sofort, die letzten zwei lernte ich bis zu meiner Ausmusterung nie. So blieb ich einfacher Soldat und genoss die Privilegien, wenn ich an freien Abenden meinen Schulterschmuck aus Copilotenzeit an das Soldatenhemd heftete und so im Range eines Obersten getarnt die Gaststuben betrat.
Erwischt wurde ich nie. Denn wenn jemand an meinem Schulterschmuck zweifelte, setzte ich den Blick der Immigrationsbeamten auf und das Gegenüber grüsste zackiger, als ich das je hingebracht hätte.

So gesehen ist die Bezeichnung «Schule des Lebens» nicht ganz ungerechtfertigt. Ich habe in der Armee vor allem eines gelernt: Ungehorsam, und genau dieser Ungehorsam hat mir schon einige Male den Kragen gerettet.

Der junge Rekrut, der hier im Engadin neben einer Gaststätte im strömenden Regen ein fast antikes Fahrzeug bewacht, hat diese Lektion noch nicht gelernt. Aber vermutlich kennt er dafür seine Gewehrnummer.

Donnerstag, August 16, 2007

2 fast - 2 furious

Wenn auf königliches Dekret hin die Lichter in den Bars an der Sukumvit langsam ausgehen, ist es Zeit einen Taxi zu suchen, der uns Nachtschwärmer ins weiche Bett bringt. Auch wenn der unvernünftige Teil in uns noch Bereitschaft signalisiert, dass es noch Stunden so weitergehen könnte, schreien die Glieder nach dem langen Nachtflug nach Schlaf.

Ist auch vernünftig so, schliesslich liegen vorsichtig geschichtet im Magen verschiedene Köstlichkeiten aus der thailändischen Küche, die verdaut werden wollen und die Beine möchten nach der langen Fussreflexzonenmassage keinen Marathon mehr laufen. Auch der Hopfensaft, der im Bauch von einer zur anderen Seite schwappt, ist noch nicht in der Blase angelangt und der anstehende Toilettengang kann bei sofortiger Abreise auf die zimmereigene Einrichtung verschoben werden.

Der erste Taxifahrer winkt ab. Entweder ist ihm das Ziel unserer Reise zu weit weg oder die Gruppe ist zu gross. Der Fahrer eines anderen fahrbaren Untersatzes winkt uns zu sich, wir steigen ein und er nickt beim Namen unseres Hotels.
«Pattanapong» heisst unser Gastgeber, hat die Taxilizenznummer 12764 und präsentiert diese auch stolz auf Augenhöhe des Beifahrers. Flüssig geht es los, während mein Kollege auf dem Vordersitz noch verzweifelt den zweiten Teil des Sicherheitsgurtes sucht.
Trotz später Stunde stehen die Autos doppelspurig auf der Ausfallstrasse. Dies kümmert unseren Rennfahrer wenig, er wechselt auf die Gegenfahrbahn und überholt die Kolonne im rasanten Tempo. Während der Beifahrer noch immer fluchend versucht die Gurte zu arretieren, kämpft der Fahrer mit seinen Kollegen um Einlass in die korrekte Fahrspur. Der Grund ist so einfach wie einleuchtend – auf unserer aktuellen Fahrbahn kommt ein schlecht beleuchteter LKW entgegen und macht keinen Anschein, uns nicht mit seiner Stossstange zu zermalmen.
Irgendwie und irgendwann hat es geklappt und wir fanden unseren Platz auf der richtigen Strassenseite. Wie und warum kann ich im besten Willen nicht sagen, denn meine Augen hatte ich wegen des drohenden Aufpralles geschlossen.

Der Verkehr lichtet sich und dies wird zur Tempoerhöhung genutzt. Ich, der in den zürcherischen Banlieus aufgewachsen bin und noch immer dort lebe, bin schon einige Male unfreiwilliger Zeuge eines illegalen Strassenrennens geworden. Immer habe ich diese auf das Schärfste verurteilt und ausgerechnet ich bin jetzt Hauptakteur in einem so unnötigen Spektakel.
Mit 130 km/h jagt unser Taxi über die Strasse und weicht den langsamen Mopedfahrern aus, wie ein Kippstangenvirtuose in den winterlichen Slalomrennen. Es wimmelt von Schlaglöchern und Wellen in den Strassen und jedes Mal schlage ich mit dem Kopf unsanft am Autodach an. Was die Masseurin noch vor Stundenfrist vorsichtig weich geklopft hat, ist in der Zwischenzeit schon wieder hart wie Gotthardgranit.
Als die Leuchtschrift unseres Hotels in Sichtweite kommt, ist der Fahrer noch zusätzlich motiviert. Obwohl die Einfahrt dank zwei scharfen Linkskurven und Verkehrsberuhigungsinseln vom Fahrer äusserste Vorsicht verlangt, geht unser Rennfahrer noch einmal aufs Ganze und nimmt das Hindernis wie ein Abfahrer das «Ziel-S» in der Lauberhornabfahrt. Ich höre im Hintergrund die Stimme vom Sportreporter, wie er begeistert die schnelle Passage der Kompression kommentiert.
Endlich steht das Todesgefährt still und der Fahrer grinst sichtlich stolz zu seinen Gästen herüber. Ich erwäge ernsthaft, ihm als Dank und Anerkennung über die Schulter zu kotzen.

Voll gepumpt mit Adrenalin und durchgeschwitzt erreiche ich mein Zimmer. An Schlaf ist im Moment nicht zu denken. Ich muss zuerst «entschleunigen» und den Puls in tiefere Lagen bringen. Ein paar tausend Schafe später fallen die Augen endlich zu und es bleibt die Erkenntnis, dass sich die grössten Idioten weltweit auf den Strassen finden lassen.


Mit diesem Artikel verabschiedet sich unser Korrespondent NFF in die wohlverdienten Ferien. In den Bergen wird in den nächsten fast vier Wochen das langsame Leben zelebriert - unterbrochen von einem kurzen beruflichen Abstecher nach Tokio.

Freitag, August 10, 2007

Brief an eine heisse Dame

Liebes Muskat

Unsere Beziehung stand in den letzten Jahren nicht unter dem besten Stern. Obwohl ich zugegebenermassen schon zwei ganz heisse Nächte mit Dir verbracht habe, werden wir nicht richtig warm miteinander. Zu gross sind unsere Unterschiede, zu gross die einzelnen Vorlieben.

Ich gebe ja durchaus auch zu, dass Du gute Seiten hast. Ohne grosses Vorspiel öffnest Du Deine feuchtheisse Pforte und lässt mich hinein. Als alter Pilot schätze ich diese Eigenart besonders. Es gibt genügend Andere, die die Ouvertüre dermassen übertreiben, dass einem danach die Lust vergeht, sich in ihnen zu vergnügen. Vielleicht hast Du schon davon gehört, aber im einem Land ganz weit im Westen, muss ich vor dem Eindringen sogar Fingerabdrücke abgeben – irgendwie pervers oder?

Im Gegensatz zu Deinem pubertierenden Bruder Dubai, der sich als Beweis für seine ungebändigte Art ein Phallussymbol von x-hundert Metern in Form eines Hochhauses hinstellt, hast Du Deine ursprüngliche, wilde und exotische Natur beibehalten.
In Deinem Schoss riecht man die Düfte des Orients und man spürt die ehrliche Hingabe, wie Gäste hier verwöhnt werden. Geschichtsträchtige Orte sind genauso greifbar, wie neugeborenes Leben in der farbenfrohen Unterwasserwelt.
Wenn dann die Nacht ihre Schleier über die Landschaft legt, zeigst Du Deine wilde, erotische und exotische Seite. Das Blut pulsiert in den Adern und wärmt sich dabei an der Hautoberfläche auf. Wallungen sind die Folge.
Trotzdem möchte ich nicht 1001 Nacht in Deinem Schoss verbringen.

Klar verstehe ich junge Leute, die den Versuchungen erlegen, Dir ihre halbnackten Körper regungslos präsentieren und sich dabei wollüstig mit glitschigen Salben bedecken. Ich beobachte dieses Schauspiel gerade von meinem gekühlten Hotelzimmer aus. In Posen, die nicht weit von hier Auspeitschungen zur Folge hätten, liegen sie aufgereiht an der Sonne und sind dir vollkommen ergeben.
Wenn ich diese Auswahl von epilierten, rasierten und durchtrainierten jungen Körpern sehe, die Dich offensichtlich verehren, frage ich mich ernsthaft, warum Du mich immer wieder herbestellst.

Liebes Muskat, lass Dir ein für allemal sagen, dass ich auf Dich verzichten kann. Du bist mir schlicht und einfach zu heiss. Vierzig Grad und eine Luftfeuchtigkeit die so hoch ist, dass der Wert 100 Prozent dies nur unvollständig beschreibt, sind einfach zuviel für mich. Nimm doch die in Deine Arme auf, die Dich verehren. Falls du bei der Auswahl Mühe hast, werde ich Dir gerne helfen. Aber in Prinzip ist es ganz einfach. Die Liebhaber des sommerlichen Muskats verlassen das Emirat Oman in der Regel vorsichtigen Schrittes, sind dabei bedacht, dass die Kleidung sowenig Haut wie möglich berührt und tragen im Gesicht die feuerrote Farbe zur Schau, die den ganzen Körper bis auf ein paar delikate Stellen bedeckt. Mach es gut Muskat, ich werde Dich heute Nacht einmal mehr verlassen.

Dienstag, August 07, 2007

gekühlter Pool

muscat

Hoffentlich ist der Pool in Muscat gut gekühlt - wer erträgt schon gefühlte 47 °C?

Sonntag, August 05, 2007

Soi 8

Die Bar ist einfach eingerichtet. An der Wand eine «Coca-Cola» Werbung, ein selbst gezimmerter Tresen steht im Freien und darum herum stehen Stühle, die jedes Brockenhaus abgewiesen hätte.

Es ist noch ein Platz frei am klebrigen Tisch und das Bier kommt ohne es zu bestellen. Mein Gegenüber heisst Klaus. Seine Visitenkarte weist ihn als Doktor der Medizin und Geschäftsführer einer Pharmafirma aus. Zwischen seinen Lippen hängt eine rauchende Marlboro, der Schweiss tränkt sein weit geöffnetes Hemd und eine übergrosse Brille verunstaltet sein Gesicht.

Neben ihm Greg aus Sydney. Eine Karte hat er nicht, dafür aber einen zünftigen Rausch. Er sieht aus, als sässe er seit Wochen auf dem gleichen Stuhl und beobachte unaufhörlich die kleine Seitenstrasse an der Sukumvit Road in Bangkok. Trotzdem wirkt er friedlich und aufgeräumt.

Hannes ist der dritte Stammgast an der Stehbar und schwärmt vom Handeln und Reisen in Asien. Folgerichtig weist er sich als Handelsreisender aus und eine weitere Karte findet ihren Weg in meinen Geldbeutel.

Wir alle haben Muttersprachen, die für ihre Vielfältigkeiten bekannt sind. Dennoch unterhalten wir uns in einer Art Babyenglisch und geben uns keine Mühe, einen Wortschatz von mehr als Hundert Wörtern zu gebrauchen.

Immer wieder werden die belanglosen Gespräche unterbrochen und wir beobachten Zeitgenossen, die nicht aussehen, als hätten sie die Zeit je genossen. Ein paar verschwinden zielstrebig und verschwitzt im Eingang unter der Leuchtreklame mit der Aufschrift «Lolita» und kommen nach Stundenfrist frisch gepudert oder gut geölt wieder heraus. Zumindest diese Zeit scheinen die Zeitgenossen genossen zu haben.

Es ist weit nach Mitternacht und die Augen fallen allmählich zu. Da die Geschichten von Klaus und Hannes immer abenteuerlicher werden und die Wirtin das Lokal eh schliessen will, mache ich einen Zahlungsversuch. Drei kleine Bier in drei Stunden stehen auf meiner Rechnung. Der Endbetrag ist klein, der Abend war gut und ich beschliesse den ganzen Tisch einzuladen. Klaus winkt ab, zeigt seine Quittungen und ich sehe, dass sicherlich 20 Getränke aufgeführt sind. Auch eine thailändische Geschichte – eine eher tragische allerdings.

Durch die kleine Seitenstrasse laufe ich gegen die Sukumvit und suche ein Taxi. Die Leuchtreklame des «Lolita» ist dunkel, darunter steht ein enttäuschter Tourist und verlangt vergeblich Einlass. Noch auf den letzten Metern erinnere ich mich an den Roman «das Parfüm» von Patrik Süskind. Jean-Baptiste Grenouille, der finstere Held der Geschichte, würde jetzt sicherlich tief einatmen und die Geruchsnoten analysieren. Aus dem «Lolita» kommend würde er eine Duftwolke bestehend aus Putzmittel, billigem Eau de Toilette und Massageöl erkennen. Die stinkende Windel vom Kleinkind, das zu später Stunde immer noch auf der Strasse herumtollt, würde er genauso riechen wie der Mundgeruch vom mittlerweile an der Bar schlafenden Greg.

Das Taxi wird bestiegen und der freundliche Thai bringt mich ganz ohne Umwege über Blumentopfmanufakturen und Massagesalons zurück ins Hotel. Ich bin ihm ewig dankbar dafür.

Freitag, August 03, 2007

Mai pen rai

Wenn Bangkok im Einsatz steht, dann ist dies in verschiedener Hinsicht speziell. Speziell darum, weil einem Neid und Missgunst sicher ist, das berufliche und private Umfeld allerlei von einem denkt und schon beim Anbringen der Gepäcketikette zweideutige Worte fallen. Warum genau weiss ich auch nicht, ich habe noch nicht einmal herausgefunden, warum es die Schar von Leuten überhaupt in diese Stadt zieht.
Klar, es gibt Handtaschen aus edler chinesischer Kopiermanufaktur; DVD Filme, die billiger sind als die Parkgebühr vor dem heimischen Videoverleih; Uhren, die deutlich schneller laufen als die zu Hause; Software, die mehr Ungeziefer hat als das Handtuch in der Bahnhofstoilette; Fussballshirts des FC Bayern mit dem Namenszug «Beckham» auf dem Rücken und dann eben diese zarten Wesen, nach der die Stadt der Engel benannt ist.

So spürt man schon förmlich die Erwartung der einzelnen Crewmember beim Anflug auf die Hauptstadt Thailands. Auffallend ist, dass die Meisten etwas erledigen müssen und nicht wollen. «Ich muss noch dies und das kaufen oder erledigen», ist der wohl der meistgehörte Satz nach der Landung. Zeit ist zumindest für einen Teil der Kollegen genügend vorhanden.

Jetzt muss man allerdings wissen, dass innerhalb einer Bangkok Crew eine Zweiklassengesellschaft herrscht. Die eine Gruppe kann den Aufenthalt ruhig angehen, die Besorgungen, die Massagen, die Nahrungsaufnahme und das «Laisse-Faire» gut planen und daneben trotzdem einen Sonnenbrand am Hotelpool einfangen. Die andere Gruppe besteht ausschliesslich aus mir und muss nach einer Nacht wieder nach Hause - one night in Bangkok!

Man darf an dieser Stelle jetzt Mitleid haben. Eine Nacht in dieser Stadt ist der blanke Stress. Gut, die Handtaschen kann ich aus Mangel an Interesse weglassen und Uhren habe ich schon genug. Software brauche ich als Apple Benutzer keine und Schuhe gibt es nur bis Grösse 43. DVD Filme kann ich während des Besuchs im Restaurant kaufen und den Hotelpool werde ich mit Bestimmtheit nicht beglücken. Von Fussball habe ich keine Ahnung und Golfleibchen muss ich wegen meiner Golfallergie auch nicht besorgen.

Es bleiben mir also noch knapp 23 Stunden um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu entdecken und auch noch etwas zu schlafen. Morgen treffe ich dann wieder die neue Crew. Zwischen grossen Koffern und Bergen von Orchideenschachteln versuche ich die sonnengegerbten Wesen ausfindig zu machen und mich freundlich vorzustellen. Mitledig werden sie mich dann anschauen und richtigerweise feststellen, dass ich bedauernswerte Person nur eine Nacht im vermeintlichen Paradies verbringen durfte. Mai pen rai – macht nichts. Mir ist es eh viel zu heiss in dieser Stadt – dies meine ich in vielerlei Hinsicht.