Sonntag, Juli 29, 2007

Odyssee in Queens

Langsam wird der Runway im Dunst erkennbar und 500 Meter über den Häusern fahren die Klappen auf die maximale Position aus. Unser Airbus ist bereit für die Landung und wenige Augenblicke später setzen wir weich auf der Piste 22L auf. Das sanfte Berühren des Bodens freut mich noch Minuten später. Ich lande nicht immer weich, aber immer öfters.

Um 1640 Uhr Lokalzeit stehen wir auf dem Rollweg ‚J’ und erwarten vom verantwortlichen Bodenkontroller Anweisungen zum weiterrollen. Die leicht gereizte Stimme des Herrn im Turm und die unüberhörbare Hektik verheissen nichts Gutes. Noch bevor wir uns gewohnt freundlich am Funk bemerkbar machen können, kassiert ein in Sichtweite stehendes Flugzeug der «Delta» aus Boston kommend eine 60 Minuten Strafe. Alle Gates seien besetzt und er müsse mindestens eine Stunde an dieser Position warten, meint der Herr über alle Rollwege mit einem aggressivem Unterton und staucht Sekunden später eine Crew der «Air China» zusammen, die vergessen hat am vereinbarten Stoppsignal anzuhalten.
So stehen wir und warten, warten, warten......

In der Zwischenzeit ist es 1710 Uhr und von unserem Aussichtsplatz zwischen den Pisten 22L und 22R sehen wir die Flugzeuge aus aller Welt landen. Auch unsere Kollegen von Genf kommend, stehen seit einigen Minuten hinter uns in der Reihe. Eigentlich sollten wir beide schon seit einer Ewigkeit am Gate stehen, aber unsere Flugzeuge besuchten bereits gestern den «Big Apple» und kamen wegen dem Stau am Flughafen «JFK» zu spät in der Schweiz an. Die Probleme kumulieren sich. Um 1720 Uhr kontaktiert mich der Parkplatzeinweiser per Funk und versichert, dass unser Platz jetzt frei sei, sie aber bei der Einfahrt noch ein kleines Problem hätten. Egal, wir verlangen die Freigabe, rollen weiter und hoffen auf ein Wunder. Es ist 1725 Uhr und wir stehen vor der Einfahrt. Vor uns blockieren zwei Flugzeuge amerikanischer Gesellschaften die Rollwege, weil sie wegen der «Air China», die einige Meter zu weit rollte, nicht hineinfahren können. Auf dem anderen Parkplatz will eine A340 der «Olympic» ihre Stellung räumen, kann aber nicht, weil eine 777 der «Air France» noch nicht ganz fertig geparkt wurde.
In der Zwischenzeit haben die Chinesen einen Traktorfahrer gefunden, der das fast 400 Tonnen schwere Gefährt wieder zurückstösst und um 1735 Uhr kommt endlich Bewegung in die Szenerie.

Genau eine Stunde nach der Landung stehen wir am Parkplatz und Passagiere und Crew können die Aluminiumröhre endlich verlassen. Um 1750 Uhr warte ich auf mein Gepäck, um 1805 Uhr halte ich meinen linken Zeigefinder auf das Glasplättchen, um 1806 Uhr meinen rechten. Es ist 1826 Uhr als der Bus das Flughafengelände verlässt und um 1833 Uhr stehen wir auf dem «Van Wyck» Expressway, wo sich der Verkehr vierspurig Richtung Manhattan staut.

Es ist klar, worum sich die Gespräche im Bus drehen. Die eine Gruppe wettert noch immer laut über das Chaos am Flughafen und die Anderen bedauern leise, dass sie in der Hektik beim Verlassen des Flugzeuges vergessen hätten, ein stilles Örtchen aufzusuchen. Logisch, ich ärgere mich auch über die chaotischen Zustände in «JFK», aber muss man denn immer alles Negative bis zum bitteren Ende durchdiskutieren? Schliesslich haben wir heute auch viele schöne und positive Sachen erlebt. Es ist 1908 Uhr, als wir vor dem Hotel anhalten. Niemand hat nur ein Wort über meine schöne Landung verloren - niemand.

Kommentare:

  1. Ja,Ja, Undank ist der Welten Lohn.Das nächste Mal landest extra hart und dann sagst: "Meine Damen und Herren, es ist Happy Hour. Sie erhielten gerade zwei Landungen zum Preis von einer". Wirst sehen, dann sprechen im Bus alle über dich.;-))

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  2. Gut, ich konnte deine Landung nicht mitfühlen, aber gratuliere dir trotzdem, vorallem freue ich mich, dass ich hier wieder einmal etwas über «flüügerlis» lesen darf, das hat doch sicher auch etwas mit deiner weichen Landung zu tun.

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  3. Ohä, MAD für Fortgeschrittene bzw. grosse-Flieger-Flieger :-) Jetzt hast Du mir meine Probleme in MAD relativiert.

    Das Problem mit den Landungen ist, dass die CCMs die letzten Jahre mit feinen Landungen so verwöhnt wurden (die Leute am Stick waren ja allesamt keine Greenhorns), dass sie heute bei jeder nicht absolut feinen Landung reklamieren (Standardfrage in solchen Situationen: "Wer ist gelandet?" oder direkter: "Bist DU gelandet?), als ob man aufgeschlagen hätte!

    Ich weiss wovon ich schreibe, denn mein derzeitiges Ziel ist es unter jeder Bedingung die Distanz sauber einzuhalten, weshalb die Feinheit noch warten muss...Stichwort: Prioritäten setzen. :-)

    In dem Sinne weiterhin HAPPY LANDINGS,

    G!

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  4. Ok, nächstes Mal hoffst du, dass du einen Charter-Flug erwischt, auf dem Passagiere ihre Flugjungfräulichkeit verlieren und aus diesem Grund nach der Landung einen Applaus von sich geben. Sonst machst du eine Durchsage: "Ladies and Gentlemen, this is your Captain speaking. Wasn't this a very nice landing? Huh, was it????" Vielleicht erhältst du dann mehr beachtung.

    Der Rangierbetrieb in JFK erinnert mich geradezu an das Spiel "Rush-hour" bei welchem es darum geht, die Autos auf einen Brett nach einer bestimmten Anordnung ins Ziel zu bringen.

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  5. Vorfreude ist die doch schönste Freude, oder? Also ein wenig musst noch warten.Ob es sich lohnt?Ähm... Aber ich freue mich, dass du einen Kommentar auf meiner noch jungfräulichen Seite hinterlassen hast, denn dein Blog war der erste, den ich je gelesen habe und ist auch der Grund dafür, dass ich beschlossen habe, selbst zu bloggen. So gesehen passt das doch wunderbar. Ich hoffe,du kannst damit leben.;-)

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  6. @ Lloyd:
    Happy Hour ist eine gute Idee. Muss das mal mit dem Bundesamt abklären, ob ich dann auch zwei Landungen aufschreiben darf ;-)
    PS: sind alle gespannt auf Deinen Blog :-)

    @Christoph:
    Flügerlis kommen doch immer wieder vor - oder?

    @G!:
    .... wie schon einmal ein Instruktor sagte: "Deine Landungen sind wie deine Haare: etwas zu lang, aber dafür gepflegt...."

    @kantiblog:
    ... wir haben nichts gegen Applaus - allerdings sind uns Naturalspenden lieber :-)

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  7. @Lloyd:
    Cool, jetzt haben wir gleichzeitig kommentiert - Österreich hat allerdings um eine Hundertstelsekunde gewonnen - wie beim Skifahren :-)

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  8. Wer ist "alle" und somit gespannt auf meinen Blog? Das setzt mich jetzt aber gewaltig unter Druck ;-)Abgesehen davon ist das ganz bestimmt nur ein Gerücht! Auf meine Blogs warten nur Masochisten.
    Tatsächlich schreibe ich gerade an einem "seriösen" ersten Eintrag.(Du weißt ja: Der erste Eindruck...) Mutig wie ich nun mal bin, veröffentliche ich den gleich, obwohl er noch sehr stümperhaft ist und auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt zumindest einen Leser ganz gewaltig enttäusche. Aber bedenke:ich übe ja noch und aller Anfang ist schwer.....vor allem, wenn man nicht weiß, womit man anfangen soll.

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  9. Kleine Berichtigung:Mittlerweile gehört dieser idyllische Fleck zur Gemeinde Velden am Wörthersee.Stichwort: Eingemeindung des Umlandes.Aber ich sollte mal wieder nach Spittal fahren..*fg*

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  10. liebe mitlesende piloten, lieber herr nff,
    es ist an der zeit das sich hier auch einmal eine stewardess zu wort meldet:
    erstens habe ich mir das sehr zu herzen genommen was Sie schreiben und mir ganz fest vorgenommen ab jetzt die super-sanft-lander und vorsichtig-roller zu LOBEN anstatt die zu schimpfen die beides nicht soooo toll hingekriegt haben. ihren kranich-crj-kollegen und die kranich-avronauten werden ab morgen in den genuss dieser neuen piloten-motivations-methode kommen! :-)))
    aber zweitens: diese kollegen müssen sich das lob auch wesentlich härter verdienen als Sie auf Ihren französischen high-tech-spielzeugen. oder? ;-)
    in diesem sinne, many happy landings und viele liebe grüße von der mini-kranich-stewardess aus MUC,
    Claudia

    PS: vielen dank fürs regelmäßige schreiben, immer schön von Ihnen zu lesen!

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  11. Hallo Claudia

    Die Avronauten haben es wirklich nicht einfach. Mit nur zwei charmanten Kranichdamen in der Besatzung, ist der Knatsch im Führerhaus ja vorprogrammiert......

    Wünsche schöne Flüge!

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  12. Wurde zwar schon gesagt, aber ich will mich gern anschliessen: Tolle Landung!
    (auch wenn ich nicht dabei war :-))

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  13. Danke, dass ihr alle so aufmerksam sind und mir die Bauchpinseleien schenkt, die ich doch so dringend brauche ;-)

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  14. Ich bin jedem Piloten für eine saubere Landung dankbar. Ich liebe Starts - aber Landungen kommen mir manchmal etwas unheimlich vor.

    Ich persönlich finde den Flughafen in Atlanta ganz furchtbar. Da ist Hektik, Chaos und Verwirrtheit. Am JFK kommt man zumindest leicht ans Gepäck und an den Ausgang

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  15. Na ja, smooth landing in Ehren, aber ab und an ist mir dann das Gegenteil auch lieb, damit das Tamagotschi auch weiss, dass es auf dem Boden ist....

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  16. Hallo nff,

    auch wenn lobende Worte gefragt wären, muss ich offen zugeben, dass ich beim Lesen des letzten Satzes laut lachen musste. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel ;)

    Vielleicht solltest du das nächste Mal in JFK einfach eine harte Landung hinlegen. Der Tower könnte Mitleid mit deinen Passagieren bekommen und zusammen mit den Groundverantwortlichen eine Schnellstrasse zum Gate freiarbeiten. Als positiver Nebeneffekt bliebe dann weniger Zeit für den Rest der Crew, über die harte Landung zu diskutieren...

    Gruss,
    Michael

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  17. @nff: alles tip top so, es heisst ja auch «Gedanken eines Fliegenden», ich als high-tech-spielzeug-fan freue mich halt ab zu wieder, wenn ich etwas über eure Kisten erfahren kann.

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