Samstag, Juli 07, 2007

die Unschuldsfarbe Weiss

Siebter siebter Nullsieben - ein Datum, das auch an mir nicht spurlos vorbei geht. Heiraten muss ich nicht, das hab ich schon - ans Zürifäscht möchte ich nicht, auch wenn ich könnte und Wimbledon schauen will ich nicht, weil ich im Moment den Fernsehsport aus medizinalethischen Gründen boykottiere.

Zum Glück hat mich die Firma übers Wochenende nach Südafrika geschickt und da wird die Lust an so abartigen Gelüsten wie Fahrradrennen kucken oder zwei weiss gekleideten Herren zuzuschauen, wie sie den Ball maximal zwei Mal über das Netz knallen, von vornherein im Keime erstickt. Gut ich bin ehrlich, für das Tennis hatte ich nie besonders viel übrig. Das ewige hin und her (Sandplatz) und das gegenseitige Abknallen mit Aufschlägen (Hallenboden), empfand ich immer als etwas seltsam. Ausserdem gibt es da Kinderarbeit (Balljungen) und das gehört heutzutage sowieso verboten.
Trotzdem muss ich betonen, dass meine Wenigkeit das alterwürdige Turnier in England als das Ehrlichste und Ursprünglichste empfindet. Es wird in Weiss gespielt und dies ist nicht etwa zufällig die gleiche Farbe, wie sie die Mediziner seit Jahren gerne tragen.
Früher verdienten die Ärzte Unsummen und kannten sich in der Medizin gut aus, heute sind es die Spitzensportler, die in beiden Disziplinen die Rangliste anführen.

Auch der beste Jungprofi erhält heute an der ersten Etappe der Tour de France ein weisses Trikot. Dies garantiert zumindest, dass sein Anzug tadellos sauber ist. Wussten sie übrigens, dass auf diesem Oberteil mit weisser Schrift auf weissem Grund der Werbeschriftzug einer Gynäkologiepraxis irgendwo in Spanien aufgedruckt ist?
Selbst der beste Kletterer bekommt so ein spezielles Velokleid. Seines ist weiss grundiert und mit roten Punkten verziert. Die roten Punkte symbolisieren kleine Blutstropfen, die einerseits von den Einstichen der Infusionen und andererseits von denen der Dopingkontrollen stammen.
Der erste des Klassements und der unumstrittene Chef des Feldes, präsentiert sich in der wenig schmeichelhaften Farbe Gelb. Mir fällt so auf die Schnelle kein anderes Gebiet auf, wo die Farbe Gelb einen so hohen Symbolwert hat wie im Radsport. Gut, vielleicht in der Fliegerei, wo wir Piloten seit Wochenfrist stolze Besitzer einer gelben Warnweste mit dem Aufdruck «Crew» sind.
Wenn ich so nachdenke, sehe ich da einige Parallelen zwischen der Langstreckenfliegerei und dem Langstreckenradeln. Beide stehen wir nach getaner Arbeit unterzuckert, mit grossen Pupillen und zittrigen Beinen auf dem Asphalt und warten auf den Besenwagen bzw. den Crewbus, der uns todmüde in irgendeine Herberge auf dieser Welt karrt.
Mit dem kleinen Unterschied, das wir Besatzungen dann gelbes Bier zu uns nehmen, während die Radler mit gelbem Fremdurin hantieren.

Ja, die Sportwelt ist verrückt. Zum Glück gibt es da die Amateure. Startet da nicht heute noch ein Event mit dem Namen Gigathlon? Hat es da nicht Athleten, die alleine die ganze Schweiz in sieben Tagen durchqueren? Aber die lieben Freizeitsportler sind ja sicherlich sauber. Auch so eine verrückte Geschichte am siebten-siebten-Nullsieben.

Kommentare:

  1. Von wegen Rennhöseler, Ärzte in weissem Unschuldskleid habe ich heute auch noch was zu erzählen.
    Ich war mit meinem Stadtvelo schnell unterwegs, weil ich mich auf die Badi an der Aare freute. Irgendwann bin ich so einem weissen Rennhöseler mittleren Alters vorbeigefahren, er wollte scheinbar plötzlich auch schnell sein (warum weiss ich nicht, wahrscheinlich weil er so ein weisses Trikot trug, ich weiss nicht was er mir zeigen wollte). Er hat sich dann nahe an mein Velo geheftet, was ich zuerst gar nicht bemerkte, erst als er mich im Kreisel von hinten "abschoss", weil er zu nahe kam. Ich lag überrascht am Boden, er schockiert. Sein Schockzustand legte sich aber zum Glück bald wieder und er kam wieder zu Selbstbewusstsein. Beim Adressentauschen: "Also mich findest du ganz leicht, ich bin Herr xy findest du unter Psychiater. So im Sinn, von denen gibts im Fall nicht viele, so besonders wir ja auch sind…

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  2. Ich habe meinen Prolog bzw. Flug ohne aus der gynäkologischen Anwendung stammende Mittel - aber mit einem Stoff, der auch Air Races veranstaltet - hinter mich gebracht. Da ich die Augen kaum mehr offen halten kann und kein Testosteronpflaster zur Hand habe (und falls, es auch sicher nicht an meine heiligste Stelle kleben würde), gehe ich jetzt ins Bett und erhole mich von meinem (nunmehr zweiten!) KEF-"Nacht"flug.

    Gruss in den Süden,

    G!

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  3. G!, das hast Du verdient! Die letzte Nacht im Cockpit hat mich so geschlaucht, dass ich praktisch den ganzen Layover in JNB im Bett lag.
    Sogar das 500g T-Bone ist ohne mich ausgekommen und das gibt mir schon ziemlich zu denken.
    Ich lasse besser die roten Bullen in den Büchsen aus uns halte mich gleich an die Mittelchen aus dem Necessaire der Radler.
    Guet Nacht!

    nff, dessen Crewcall für die nächste Nacht in 2h komm

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  4. Gab es da nicht allerneueste Studien zum Thema Übermüdung im Cockpit und Viagra :-)

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  5. Die gibt es in der Tat. Allerdings "bloss" an Mäusen ausprobiert. Vielleicht meldet sich ja ein Pilot freiwillig zur Pilleneinnahme...? Müsste jedoch ein mutiger Kerl sein, der auch bereit wäre, die diversen Nebeneffekte zu akzeptieren (klaustrophobische Zustände im Crewbunk oä).

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