Samstag, Juni 23, 2007

Robert, Abbele und Jesus


Es herrscht Ebbe am Strand von Dar es Salaam, die Boote liegen auf dem Trockenen, hin- und herschwappender Seetang verteilt einen schweren Geruch über der Bucht und die Hotelgäste verschwinden im gekühlten Restaurant, wo gerade das Lunchbuffet aufgebaut wird.
An der Strandbar unter dem schützenden Strohdach bin ich der einzige Gast. Eigentlich unverständlich, denn der Ausblick auf das ruhige Meer und die im Hintergrund sichtbare Inselgruppe ist einmalig. Palmen, die ab und zu wie wildgewordene Pferde Kokosnüsse abwerfen, sorgen dafür, dass sich die Szenerie hart an der Grenze zum Kitsch präsentiert.

Hinter der Bar sitzt Robert auf einem Bürostuhl und ist von Abbele und Jesus umringt. Robert ist offensichtlich der Chef, postiert sich vor der Kasse und wartet, bis Abbele und Jesus bei den Gästen die Bestellungen einholen und danach einkassieren. Abbele hat ein unglaubliches Lachen und präsentiert die übergrosse Zahnlücke bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Jesus ist eher der ruhige Typ und riecht kräftig nach harter Arbeit.
Ich beobachte die Drei schon längere Zeit und hoffe, dass einer der Angestellten vielleicht bemerkt, dass ich ziemlich durstig bin. Sie bemerken es nicht. Blicke ich freundlich Richtung Bar, grinsen die Drei zurück und die weissen Zahnreihen heben sich deutlich von der dunklen Hautfarbe ab.
Nach kurzer Zeit gebe ich mich geschlagen und schlendere langsam auf das Barpersonal zu. Abbele grinst und ihre Augen leuchten umso heller, je näher ich der Bar komme. «Is it possible to get a bottle of water?», frage ich in die Runde und Robert verneint sofort.
«Why not?», meine Anschlussfrage. «Because the bar is closed», grinst Abbele so, wie nur afrikanische Frauen grinsen können.
Jesus zeigt auf das zehn Meter entfernte Restaurant, wo gerade eine Delegation der WHO über das Buffet herfällt und erklärt mir, dass es dort Wasser gäbe um meinen Durst zu stillen. Ich folge dem Rat, trete in die kalte Halle ein und werde gleich von einer Horde Jesus, Abbeles und Roberts umringt, die selbstverständlich alle lächeln und mir freundlich einen Tisch anbieten. Folgender Dialog zog sich über die nächsten Minuten hin:
«I like a bottle of water» - «Where do you sit?» - «I sit at the pool bar» - «Then you have to order at the pool bar!» - «But they told me that the pool bar is closed.» - «Let me check.»

Der Robert des Restaurants geht hinaus, wechselt ein paar Worte mit dem Robert der Poolbar, kommt zurück und berichtet mir, dass die Bar jetzt offen sei. Mit Hühnerhaut an den Armen verlasse ich den Speisesaal und nähere mich langsam der Strandkneipe. Abbele amüsiert sich über meine angelaufene Brille und verkündet stolz, dass die Lokalität jetzt offen sei. Was ich denn wünsche, fragt mich der riechende Jesus und Robert lässt nach dem Eintippen der Bestellung den Nadeldrucker rattern.

Wenig später sitze ich beim Glas Mineralwasser, schaue auf das Meer hinaus und erschrecke jedes Mal, wenn eine Kokosnuss hart auf dem Boden aufschlägt. Ist es dieser Ausblick - diese Natur, die Afrika so einmalig macht, oder sind es die Begegnungen mit den Menschen, die es immer wieder schaffen, aus einer einfachen Bestellung einer Flasche Mineralwasser ein unvergessliches Erlebnis zu machen?
Robert kann ich nicht fragen, er sitzt stumm vor der Kasse. Abbele lächelt daneben und Jesus ist unterwegs zwischen der Küche und einem Gast. Es ist heiss, Jesus schwitzt und sein Hemd wird morgen noch etwas stärker nach Arbeit riechen. «HAKUNA MATATA» - das macht nichts.

Kommentare:

  1. Arbeiten Robert, Abbele und Jesus auch als Controller in MAD? :-D

    Hoffe, dass Dich die 3 nicht verdursten haben lassen und Du nicht von einer Kokosnuss erschlagen wurdest, schliesslich braucht die Firma jeden einzelnen Mann :-D

    G!

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  2. Ich habe mich erfolgreich gegen jede Kokosnussattacke gewehrt und jedesmal zurückgegrinnst, wenn die drei Barangestellten für mich den Arsch bewegen mussten.

    MAD scheint wirklich etwas besonderes zu sein :-) Ich freue mich aber erstmal auf den nächsten HKG Flug, wo der Controller nach einem 12h Reisli so gerne fragt: "can you make it?"

    Gruss nff

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  3. Da erinners Du mich an was: Es werden jährlich mehr Menschen von Kokosnüssen erschlagen, als von Haien erledigt. Ich habe in Thailand beobachtet, wie ein totel betrunkener Kerl mit dem Kopf auf einem Tisch lag. Eine Kokosnuss verfehlte nur knapp seinen schwerden Schädel. Er war ruckzuck hellwach. Und ich habe gefeixt. Gemein

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  4. (...) der Versicherungsrapport wäre sicherlich lustig zu lesen!

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  5. Köstlich!! African LIFE, da kommt mir doch gleich die Geschichte eines Gahnaischen Bahnschrankenwärters in den Sinn. Dieser Wärter wird von der Gahnaischen Regierung also seit sieben Jahren dafür bezahlt, den Strassenverkehr anzuhalten wenn ein Zug vorbei kommt. Er wartet also ganz pflichtbewusst bei seinem Bahnübergang und macht seinen Job ganz gut.

    Kleines Detail: Die Zugstrecke ist schon seit 10 Jahren nicht mehr in Betrieb:D

    Naja hauptsache der Wärter tut seinen Job!

    E grues a die viele Roberts und a dich!

    Sevo

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  6. Hups habe Ghana doch glatt falsch geschrieben...

    der übermüdete Musiker, Sevo

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  7. Afrika ist wirklich einmalig. Wie man einen Ländernamen schreibt ist eigentlich auch egal, die Staaten ändern eh alle paar Jahre ihre Namen.

    Hakuna matata

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