Sonntag, Juni 03, 2007

jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

So, das Herumlungern hat ein Ende, mit dem Wandern in den Schneebergen ist Schluss und das Bike bleibt wieder ein für paar Tage im Keller. Alles hat mal ein Ende, leider auch meine Ferien.

Diese schwierige Übergangsphase vom Hobbysportler zum Berufsflieger muss nach 20 Ferientagen vorsichtig geplant werden. Es ist nicht einfach getan mit Koffer abstauben und Klamotten verstauen. Vielmehr müssen die verschiedenen Utensilien mit äusserster Sorgfalt verstaut und vorbereitet werden.

Das beginnt schon mit der Uniform. Die Vorfreude auf die Ferien war nach dem letzten Flug grösser, als die Lust auf einen Besuch in einer chemischen Reinigung. Was Martina Hingis mit ihren Waschmaschinen anstellt, traute ich mir auch zu und so verschwand das blaue Gewand aus edler Manufaktur in der Trommel unserer Waschmaschine. Schongang versteht sich, mit einer extra Portion H2O und körperähnlichen Temperaturen.
Das Resultat war eher durchzogen beziehungsweise durchknittert. Etwas schlaff und unmotiviert hing das Teil mit den goldenen Streifen, - nachdem ich es vom Schleudergang erlöste -, tropfnass am Bügel herunter. Wird schon gut gehen, dachte ich vor knapp drei Wochen und überlies den Sakko seiner Bestimmung.
Jetzt, am Tage vor dem grossen Flug ist die Uniformjacke trocken, aber noch nicht in hundertprozentiger Hochform. Die rechte Schulter hängt ein bisschen runter und der breite Rücken sieht so zerknittert aus wie die Alpen von oben. Das wird schon wieder.

Weiter zum Arbeitskoffer. Crewbag nennen wir das Teil und es ist so gross und sperrig wie es klingt. Gedacht zum Transport vieler Anflugkarten und Papiere vor der grossen Computer-Revolution. Papiere braucht es immer noch, doch diese werden entgegen dem Trend in den angeblich papierlosen Büros immer weniger. Jetzt ist der Crewbag Heimat von so wichtigen Utensilien wie iPod, Kamera, Sonnenbrille, Kreuzworträtselheft, MacBook, Stützkissen für den Power-Nap zwischendurch und Schreibstifte für eben diese Kreuzworträtsel.
Und hier stockt die Flugvorbereitung zum ersten Mal. Während sich die iPod Batterien mit Elektronen füllen, überprüfe ich die Kamera und spitze die Bleistifte im Etui. Schon in der ersten Klasse wurde mir gepredigt: Wer mit stumpfen Bleistiften den Dienst nach den Ferien antritt, aus dem wird nie was. Doch jetzt das erste Problem, die erste Unsicherheit. Haben vielleicht während meiner Abwesenheit das FAA, die Homeland Security oder gar Korpskommandant Keckeis persönlich spitze Schreibwaren an Bord von Linienflugzeugen verboten? Sie lachen jetzt, aber wenn sie wüssten, was wir seit dem Anschlag in New York schon alles erleben mussten! In meinen Unterlagen und in der elektronischen Post finden sich keine Informationen und so mache ich, was ich seit dem Kindergarten nach jeden Ferien machte, ich lasse die Bleistiftspäne fliegen.

Weiter zum Koffer. Hongkong im Juni ist gleichbedeutend mit 24 Stunden Regen. Also Regenschirm, Amphibienschuhe und wasserdichte Unhängetasche nicht vergessen. Die Kleider sind schnell beisammen und des Necessaire, so nennen wir den Kulturbeutel in der Schweiz, ist ja eh schon im Koffer – und da liegt es seit drei Wochen.
Wird ja wohl noch alles vorhanden sein. Falls das Duschgel sich einmal mehr im Innenraum des Beutels verteilt hat, dann kann ich immer noch die hoteleigenen Müsterchen benutzen. Koffer zu – basta!

Alles scheint bereit, die zerknitterte Uniform hängt herunter und irgendein Gefühl sagt mir, dass ich etwas vergessen habe. Ein Rundgang durch die dunklen Kellergewölbe bringt Licht ins Dunkel. Zwischen den Bordeaux- und den Riojaflaschen liegt mein Uniformhut und zeugt davon, dass ich mir nach der letzten Landung zur Feier des Ferienanfanges einen edlen Tropfen gönnte. Jetzt ist definitiv alles beisammen und ich bin, nicht ganz überraschend, schon ziemlich auf der Schnauze.

Kommentare:

  1. ...der Steigerung des Bruttosozialproduktes und der EBIT unserer Firma stehen demnach nix mehr im Wege!

    Ein gut vorbereiteter Flug ist bekanntlich schon halb geflogen. Da hoffe ich mal, dass sich die minutiöse Vorbereitung auszahlt...

    schönen HKG, G!

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  2. Das BIP, das BSP und der NFF (nff fun factor) werden förmlich explodieren.

    Wünsche auch Dir schöne Flüge!

    nff

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  3. Die ganzen Businessflieger tun mir echt leid, die vorher nur ihn Handgepäck dabei hatten. Das kann man inzwischen ja wohl echt knicken. Ich nehme auf jeden Fall für jeden Flug nun noch eine Zeitung mit. Bin ja mal gespannt, wann sie mir die selbstmigebrachte Zeitung auch noch abnehmen. McGyver könnte da sicherlich eine Bombe draus bauen...aaaaaahhhh er hat das Wort mit B gesagt...jetzt gibt es nich nur ein F Wort was man nicht sagen darf, sondern auch ein B Wort. ;-)
    Wetten diese Seite wird nun schon automatisiert vom FBI überwacht. Fliegen und Bomben auf einer Seite, da schlägt der Algoritmus aber gleich zu. ;-) Pass ab nun auf, was du schreibst. ;-)

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  4. Also so ein Flieger Uniformhut würde ich jetzt schon so einem roten Gesöff vorziehen, ist mir eh alles zu bitter, egal welchen Namen es hat oder findest du nicht?

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  5. Tja, lieber NFF:
    "Aller Anfang ist schwer."

    Wer hat denn bloss all diese hilfreichen Zitate gedichtet? Das beste ist einfach immer noch:

    "Die Zeit heilt alle Wunden." Es ist derart geschmacklos und jeder Mensch weiss, dass dies nicht der Fall ist, trotzdem klingt es gut und lässt sich in alle unangenehmen Konversationen einbauen.

    Übrigens, Smick:
    Die Überwachung von Solcherlei überlässt das Frontal Bureau of Investigation liebend gern der National Security Agency.

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  6. @Kantiblogg:
    Na mit den Behörden da kenn ich mich nicht so aus, für mich sind das nur alle Schnüffler. Bedeutet aber nicht, dass ich ein Problem damit habe. Ich habe nix zu verbergen und ich finde das Traraa um den Datenschutz auch völlig überzogen, ich habe nix zu verbergen, sollen die (wenn es Behörden sind) doch ruhig alles über mich wissen.

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  7. @NFF

    danke. mein höhepunkt des monats lautet KEF (die NA karte habe ich heute grad bekommen, da kommt wieder mal LH feeling auf :-)). gut für ein posting, wenn's dann soweit ist.

    gruess G!

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  8. @ G!

    KEF ist aber auch nicht schlecht! Da mich der Norden eh mehr fasziniert, bin ich fast etwas eidisch! Geniesse die Kühle (und den Wind ...).

    nff, HKG 33°C

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  9. IJVC - ADA - DWIAMWDS - S - PS: OHKGLAXZRHNYCETCDBSEIS! VD






    Ist ja voll cool - alle diese Abkürzungen - da will ich auch mal was dazu schreiben - smile - post scriptum: ob hongkong, los angeles, zürich, new york, et cetera... deine berichte sind einfach immer super! vielen dank


    Cheers

    Die Nachbarn aus SPR 79°F

    SM

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  10. @SM

    .... diese Abkürzungen sind immer noch besser verständlich als die Bezeichnungen all der wohltuhenden Verrenkungen, die ich öppä bei Euch mache :-)

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