Freitag, Juni 15, 2007

die Stimme aus dem Cockpit

«Guten Tag meine Damen und Herren, hier spricht ihr Copilot .....». Seit vierzehn Jahren greife ich bei jedem zweiten Flug zum Mikrofon und informiere die Gäste an Bord in drei Fremdsprachen. Dies nachdem der Kapitän schon in Deutsch, Englisch und Französisch die Passagiere vor dem Start willkommen hiess und die Kabinenchefin die allgemeine Begrüssung, die Sicherheitsanweisungen, die Filmauswahl, den Serviceablauf, den Hinweis auf die Sammlung für die SOS Kinderdörfer, den Werbespruch für den «Duty-Free» Verkauf, die Spielregeln beim Erleuchten des Anschnallzeichens, die Ankündigung des «Welcome-Movies» und die Funktion des Telefons in den gleichen drei Sprachen zum Besten gab.

Ich kommuniziere gerne, das gebe ich zu, aber ich bin ganz und gar nicht gerne Kommunikationsopfer. Das Übelste was mir passieren kann, sind Werbetelefonate am Abend, die mit den freundlichen Worten: «hätten sie mal ein paar Minuten Zeit für mich?» beginnen. Da kann ich sehr wütend werden.
Darum frage ich mich ab und zu kritisch, ob die werten Gäste an Bord mich wirklich hören wollen? Soll ich ihnen die Flugroute herunterleiern, die sie auf einem Flachbildschirm vor ihren Augen in schönster Farbe präsentiert bekommen? Soll ich ihnen ein metrologisches Versprechen geben, das ich nicht halten kann? Soll ich ihnen die Flughöhe in Fuss über Meer mitteilen? Was soll ich bloss sagen, damit sich keiner als Kommunikationsopfer fühlt?
Ich kann mich ja nicht bei jedem erkundigen, ob er meine Geschichte hören will. Ich rede einfach drauflos und bin noch nicht einmal so freundlich wie der Herr der Telefonmarketingfirma, der immerhin fragt, ob das Gegenüber ein paar Minuten Zeit habe.
«Guten Tag meine Damen und Herren, hier spricht ihr Copilot, hätten sie mal ein paar Minuten Zeit für mich?» - klingt ja auch nicht wirklich professionell, oder?

Gut, ich gebe zu, die Passagieransagen haben auch ihre guten Seiten. So zum Beispiel im Lebenslauf einer Bewerbung.
«Mehrjährige Erfahrung im mehrsprachigen Dozieren vor bis zu 400 Zuhörern» macht sicherlich einen exzellenten Eindruck in der Kolonne «spezielle Erfahrungen». Das löst aber mein aktuelles Problem nicht wirklich.

Klar haben wir vor einer Ewigkeit einen internen Kurs besucht und lernten dort, wie man
l a n g s a m, laut und deutlich Parolen zum Besten gibt, die zwar niemand versteht, aber ihre Wirkung dennoch nicht verfehlen. Es gibt dazu übrigens auch einen Lehrfilm auf dem Netz.

Das Eintrainierte habe ich jetzt vierzehn Jahre umgesetzt und möchte endlich meine Public-Relation Strategie überdenken. Ich weiss, dass lauter Fachpersonal meine Artikel liest und hoffe, dass sie, liebe Flight-Attendants, Purser, Piloten, Vielflieger, HONs, Senatoren, Aviatikfans, Bundesangestellte, Reisefachfrauen beim Kuoni, Ferienflieger, Spotter und Wenigflieger, mir wertvolle Feedbacks geben könnten, was sie eigentlich von dem Clown da vorne im Cockpit während der Reise hören wollen.

Darum frage ich sie nun ganz ungeniert: «Hätten sie ein paar Minuten Zeit für mich und könnten sie mir freundlicherweise einen Kommentar mit Anregungen und Tipps hinterlegen, was meine Stimmbänder das nächste Mal in zehn Kilometern Höhe von sich geben sollen?»
Herzlichen Dank schon jetzt!

Kommentare:

  1. Wie wärs damit... ;) kurz und bündig...


    "Welcome on board....And now sit back, relax and enjoy the flight - we will be doing the same!"

    arigato

    sm

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  2. (...) käme mir besonders im Französisch entgegen - schlicht & einfach: "bon vol"

    - oder -

    einfach wie ein mir bekannter Yogameister jeweils sagt: "Gentlemen, put your familyjewels away and relax"

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  3. Hallo NFF!

    Mein Wunsch als "Vielflieger" für die Langstrecke:
    Generell: Kurz und bündige Begrüssung , die auch verständlich ist! (Entschuldige bitte, aber einige deiner Kollegen und Kolleginnen "nuscheln" derart, das man leider kein Wort versteht, dies gilt auch für die MC's).

    Da ich auch nach unzähligen Flügen immer noch ein wenig Flugbegeistert bin, freue ich mich auf ein paar gezielte Zusatzinformationen wie z.b Breitengrad der Atlantiküberquerung und Hinweise auf allfällige Besonderheiten (zb Turbulenzen). Bei Verspätungen finde ich es sympathisch wenn die Crew den Grund sowie die ungefähre Dauer nennt und sich unter Umständen dafür noch entschuldigt.

    Wie du siehst, grundsätzlich schätze ich Informationen aus dem Cockpit, aber bitte nicht Mitten in der Nacht, wenn alle versuchen zu schlafen. (ausser es ist wirklich dringend, aber nur zu melden, das wir auf Kurs sind, das Wetter gut ist und pünktlich in Zürich landen werden ist zuviel des Guten. Dies ist kein fiktives Beispiel, sondern vor ein paar Wochen selbst erlebt von LAX-ZRH).

    n.b den Vorschlag von anonym finde ich auch sehr gut :-)!

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  4. "Tips" von mir wären wohl etwa so von der falschen Adresse, wie wenn Jakob Hlasek Roger Federer Tips gäbe. Aber ich lese (natürlich wie immer) gespannt mit, da ich die PAs noch rausschiebe. Schliesslich muss man(n) Abwechslung und öfter was neues haben :-)

    Ach ja: gemäss seiner Webseite ist Sepp Moser Experte für PR - wenn also das Blog nicht weiterhilft... ;-)

    Gutes Gelingen, ich düs noch nach MAD!

    G!

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  5. also ich gehöre zur spezies "nur fliegen wenn es unbedingt sein muss bitte" und darum konzentrier ich mich jeweils schon sehr auf die stimme die da aus dem mikrophon kommt.und wenn sie mir unsympathisch ist dann dreh ich fast durch....lach
    umgekehrt aber deruhigt es mich und mein bauchgefühl kann sich allmählich entspannen:-)
    nix tipps von mir....ausser dass ihr noch mehr verzählen könntet,hauptsache man hört euch und weiss dass ihr dort forne noch atmet gopf:-)

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  6. huch sorry für diese vielen tippfehler,leider kann man es bei blogger nicht mehr selber korrigieren:-(

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  7. Was ich gerne höre, sind Hinweise auf allenfalls sichtbare Sehenswürdigkeiten - "on your left you can see Malaga", wie es so schön im Swiss-Werbespot heisst, welcher bei mir seltsamerweise auch bei der x-ten Wiederholung jedes Mal noch eine Gänsehaut verursacht. Es sind diese ungewohnten Einsichten auf die Welt aus Vogelperspektive, welche für mich dem Fliegen immer noch einen gewissen Reiz abgewinnen und das schlechte Gewissen über den von mir mit verursachten CO2-Ausstoss für einen Moment verblassen lassen.

    Gruss
    BH

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  8. also mal ganz ehrlich, mich als cabin-crew interessiert diese standard-ansage recht wenig. ausgenommen auf sehr kurzen strecken wie MUC-ZRH auf denen wir gespannt auf die verbleibende flugzeit warten damit wir schonmal abschätzen können wie weit wir mitm service noch kommen. aber das dürfte bei dir auf der langstrecke ja wohl eher nicht vorkommen. dafür sind bestimmt ALLE kollegInnen sehr dankbar über turbulenzen schon frühzeitig informiert zu werden damit man sich und das equipment noch in sicherheit bringen kann.
    was euch schweizer wahsrscheinlich net so betrifft: bitte den dialekt zurückschrauben. mußte erst letztens meinem norddeutschen publikum die tiefbayrische ansage meines captains übersetzen. :-)
    lg aus MUC,
    Claudia

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  9. @Claudia: Naja, wenn der Kopilot ein Lötschentaler Walliser oder so wäre, würden ihn die Mehrheit der "Insassen" wohl auch nicht verstehen... => http://www.dialekt.ch/mp3/wallis/Bloetzer_Loetschentaler_Mue.htm

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  10. Upps, da hat Blogger den Link etwas verstümmelt:

    http://www.dialekt.ch/mp3/wallis/
    Bloetzer_Loetschentaler_Mue.htm

    und Zeilenumbruch eliminieren

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  11. Hallo Peter

    Einmal mehr ein köstlicher Beitrag auf deiner Seite. Die Idee, nur diejenigen zu "traktieren", welche die Informationen wirklich hören wollen ist doch gar nicht so schlecht. Ich nehme an, es ist in deinem Highend Airbus sicherlich möglich die Ansage nur über die Kopfhörer des Entertainementsystem zu platzieren und den Lautsprecher stumm zu schalten.

    Ich stelle mir das in etwa so vor: "Geschätzte Passagiere, wenn sie gerade mal ein paar Minuten Zeit haben und nichts besseres zu tun haben, legen sie bitten den Kopfhörer an und wählen Kanal xy. Ich werde sie dann mit ein paar Informationen zu unserem Flug versorgen. Selbstverständlich steht es ihnen frei, den Kopfhörer jederzeit abzulegen, sollten meine Ausführungen nicht ihren gewünschten Inforamationsgehalt haben. Ich versichere ihnen auch, dass Informationen, welche ihre Sicherheit oder im Zusammenhang mit einer allfälligen Notlandung und Evakuierung des Flugzeuges hängen, unverzüglich über den gewohnten Lautsprecher zu hören bekommen. Sie verpassen also nichts, wenn sie sich dazu entschliessen mir nicht zuzuhören.
    Wenn sie den Satz: "Kapitän xy und seine Besatzung wünschen ihnen weiterhin einen angenehmen Flug" hören, können Sie die Kopfhörer getrost wieder ablegen, die Ansage ist dann beendet. Sollten im Anschluss noch fragen offen sein, zögern sie nicht nachzufragen. Sie können ihre Frage bei der Kabinencrew platzieren oder per e-mail an die Adresse frageinscockpit@swiss.com. Bitte vergessen sie nicht die richtige Flugnummer anzugeben."

    Allenfalls müsste man diese Initialansage noch etwas kürzen.... ;-)

    Grüsse
    Tom

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  12. Ich finde es immer lächerlich wenn alle die leute willkommen heissen. erst der capitän dann der purser und im reiseflug der copilot.

    Sonst mag ich die ansagen wie sie sind. ich finde es auch schön, wenn man am boden immer auf dem laufenden ist auf was noch gewartet wird. funktioniert aber bei LX eigentlich immer gut.

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  13. Die Wahrheit.... Schuhgrösse, Telefon Nummer, Zivilstand incl. Orientierung, Vorlieben und Hobbies, Augenfarbe und Haarfarbe und wenn die Zeit noch reicht am Rande Flugdauer und Wetter.... Bei Outbound bitte Crew Hotel und bei Inbound den Freitage Faktor :-D

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  14. Hoi!

    Ich finde, das die Durchsagen heute ziemlich gut sind. Ich erhalte gerne Infos ueber Flugrute, Fluginfo, etc., und erfahre auch gerne den Grund der allfaelligen Verspaetung. Wie schon gesagt, mitten in der Nacht ist immer eine sehr schlechte Zeit, aber sonst, sind die Durchsagen immer wilkommen, besonders in den "muehsamen" Phasen des Fluges, z.B. nach dem Service.

    Apropos, 14 Jahre die selbe Begruessung: Weisst Du schon, ob du evtl. waehrend der derzeitigen Expansion Chancen auf einen linken Sitz hast? haettest Du naemlich bestimmt verdient:D

    Gruss
    Andreas

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  15. Bitte weiter die ausführlichen Ansagen, wo man langfliegt, und welche Flugzeiten erwartet werden.

    Ich fühl mich einfach besser, wenn ich in der Röhre weiß, wo ich bin.

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  16. @anonym

    Schuhgrösse, Crew-Hotel.......
    DIESER MANN HAT IN SEINER JUGEND GEDOPT!!!! ;-)

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  17. Hallo

    Als Fluglotse bin ich natürlich immer gespannt, etwas zu den Departure/Arrival routes, requested levels, routings, slot restrictions etc. zu hören. Leider wären dadurch die übrigen Passagiere sicher gelangweilt. Könnte man aber einfach à la United Channel 9(?) lösen, auf dem man den Funk live mithören kann. Will ja schliesslich wissen, ob die Kollegen ihre Arbeit machen:-)
    Viele freundliche Controller wünscht
    MY

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  18. Na wenn er in seiner Jugend gedopt hat, dann kann das ja nur zum Vorteil sein :-D.... bezüglich Schuhgrösse und Crew Hotel ;-)

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  19. Hallo lieber Leser

    Bin überwältigt von den vielen Kommentaren und werde versuchen, meine "Lärmbelästigungsaktionen" im Flugzeug anders zu getallten.
    Einfach wird es nicht, das sage ich Euch. Während wir auf dem Nachhauseflug von Japan bei bestem Wetter die einzigartige Flusslandschaft der "Lena" überfliegen, studiere ich ernsthaft, ob ich die Passagiere an den Fensterplätzen an meiner Begeisterung teilhaben lassen sollte.

    Ich zögere, weil 80% der Passagiere Schlitzaugen haben und der Herr auf 1A so konzentriert über seinem "Stern" Kreuzworträtsel sitzt und durch meine Ansage gestört werden könnte, während er intensiv nach einem sibirischen Flussnamen mit 4 Buchstaben sucht.

    Man kann es nie allen Recht machen :-)

    Bin vol!

    nff

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  20. (...) bin vol? ---> bon vol!! (ach mein Französisch...)

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  21. Also, es kommt ja weniger auf die Informationen an, die es zu berichten gilt, als auf die Art.

    Ich habe zwar keine Bedenken, dass ein solch wortgewandter Mann wie du Mühe damit hast, aber hier ein Tipp:

    An Stelle von: "Meine Damen und Herren, aus technischen Gründen wird sich unser Abflug etwas verspäten, vielen Dank für Ihr Verständnis."
    könntest du ganz einfach sagen:
    "Meine Damen und Herren, sie dürfen nun die Zeit etwas länger geniessen."

    "Meine Damen und Herren, aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse sehen wir zur zeit keine Möglichkeit, die Mahlzeiten zu servieren."

    "Meine Damen und Herren, das Essen lässt heute etwas auf sich warten, dafür erleben Sie eine kleine Akrobatikvorführung. Lehnen Sie sich zurück und geniessen sie es."

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  22. Es ist schön zu sehen, dass sich endlich auch mal jemand im Cock.. äh, Flight Deck Gedanken dazu macht, was seine Passagiere eigetlich hören wollen. In diesem Sinne schon mal bravo und dankeschön.

    Meine Wenigkeit wünscht sich jeweils:
    a) Name von Captain und 1st Officer (es kommt oft vor, dass der Captain seinen Copi nennt, aber sich nicht vorstellt)
    => Vielleicht kenne ich ja jemanden
    b)Wheels-Up und Wheels-Down Time
    => Die "echten" Zeiten sind mir lieber als Schätzungen und Flugpläne (ist das ein Pleonasmus?)
    c) Wetter unterwegs
    => Soll ich es überhaupt mit Schlafen probieren, und natürlich gibts die Turbulenzen wieder während dem Essen
    d) Gut sichtbare kreuzende Flieger
    => Neulich mal über dem Atlantik: "On your left you can now see a Lufthansa 747. They are faster, but we are higher." :D
    e) Sofern angebracht, Art und Dauer von Verspätungen inkl. regelmässiger Statusupdates.

    Nichts anfangen kann ich mit
    a) Streckenangaben. Dafür gibt es die Airshow.
    b) Wetter an der Destinantion. Wennn ich im Flieger bin, ist es zum Umpacken eh zu spät.

    Noch etwas: Auf LX haben mich die Durchsagen aus dem Führerstand noch nie sehr gestört. Äusserst nervig sind hingegen die elend langen, drei- bis viersprachigen und komplett überflüssigen M/C-Durchsagen zu allen möglichen und unmöglichen Dingen. Manchmal kommt mir das echt vor wie eine Dauerwerbesendung für Debile. Bei SQ und OZ hat man es geschafft, trotz nur 2 Ansagen auf 13h Flug einen tollen Service hinzulegen.

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  23. Sälü NFF,

    Ich mag die Ansagen, vor allem wenn es mehr ist als nur das Standard-Geleier. Schön in Erinnerung blieb' mir die Ansage kurz vor der Landung in JFK dass man "bei der momentanen Landepiste" "einen wunderschönen Ausblick auf Manhattan habe". Leider gab's dann eine andere Bahn. Auch ganz nett letzthin der Abendflug VIE-ZRH wo uns die Resultate der Wahl in Frankreich serviert wurden.

    Eher bemühend finde ich die vielfach sehr schleppende Ausdrucksweise. Wird das während dem Kurs so gelehrt? Einige quälen sich durch die Ansage unmotivierter als früher der Montag-Morgen-Früh-Tramschofför auf dem Wagen in's Fischermätteli z'Bärn.

    "...daaas Wetter...in *ähhh*...Zürich....*äääh*....Neeebel....*seufz*...bei...*ääääh*...5 Grad....*lufthol*....und....etwas Regen"

    Neiaberou!

    Es muss ja nicht gleich der zackige Kasernenton von Oberst Schneider in Payerne sein und auch das geschulte Mundwerk der Irina Schönen wäre auf der anderen Seite der Skala über das Ziel geschossen. So etwas dazwischen wäre schön.

    Viu gfröit's!

    IndiaHotel

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  24. Nun, ein Positives Beispiel dazu wäre, als ich mit LX nach Las Palmas geflogen bin. Über die Insel möchte ich mich nicht äussern. Der Flug war jedoch genial. Ich konnte auch in den Führerstand, da ich die Piloten per Zufall kannte. Wie auch immer, der Kollege hat damals auf 11000feet gesagt:
    "Meine Damen und Herren, wir sind nun gestartet und haben bereits das Cruisinglevel erreicht. Während dem Start haben wir bereits zwei Tonnen Kerosin verbrannt, und es werden bis zur Landung noch weitere fünfzehn dazukommen."

    An dieser Stelle liess er eine kleine Pause, und ein Staunen und ein "whoa" ging durch die Kabine, wie der Applaus nach der Landung auf Charterflügen.

    "Diese hoch scheinende Zahl lässt sich jedoch rechtfertigen, wenn man bedenkt, dass wir hier zu hundertfünfzigst sind und mit dem Auto etwa gleich viel verbrannt würde."


    Über die Sprechweise muss ich auch sagen:

    Die meisten Piloten sprechen etwa so, wie Moritz L. an seiner Bundespräsidentenansprache. "Meine Damen und ähh Herren."

    Der Anteil, welcher das Deutsch erfolgreich hinter sich gebracht hat, stolpert dann meistens beim Französischen, vor allem bei Zahlen, Zeiten, und den Artikeln "Le und La".

    Erst von Athen nach Zürich geschah es, dass ein Pilot eine perfekte Ansprache in Deutsch, Englisch und Französisch zurückgelegt hat, und als Sahnehäubchen eine aus meiner Sicht perfekte griechische Ansprache gehalten hat. Chapeau.

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  25. In einer Beziehung hat sich mein Beitrag schon gelohnt. Ich dachte immer, dass sich die Passagiere grösstenteils über mein Gelabber nerven. Scheinbar scheint dies nicht immer der Fall zu sein.

    Ich werde mich bessern - versprochen, und meine Ansagen blumiger, besser und ideenreicher gestalten.

    Danke für Euren Einsatz!

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  26. Hallo Peter

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Verbesserung deiner Ansagen. Ich empfehle dir ein Hörbuch zu produzieren. Ich bin sicher viele deiner Kolleginnen und Kollegen wären dir dankbar. ;-) und für dich schneits noch ein paar Batzeli für ein neues Bike rein. :-))

    Gruess
    Tom

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  27. War gerade bei deinem Bloggerkollegen(http://www.airbuspilot.ch) und habe mich da einfach mal ungefragt über das Thema ausgelassen, da ich da gerade vorgestern ein interessantes Erlebnis und dadurch einen schönen Flug hatte. Der Kollege(nicht der Blogger, sondern der Pilotenkollege ;-) ) hat ausgesprochen viel erzählt und vor allem sehr viel interessantes. Das wichtigste DEUTLICH gesprochen. ;-)
    Vielleicht poste ich einfach hier noch mal meinen Beitrag und du wirst dadurch vielleicht dann mal inspieriert neben dem vielen funken auch mal nen Funkspruch mehr in die Kabine zu geben ;-)

    ...aber es war trotzdem der beste Flug den ich bisher hatte. Der Kollege(aber andere Airline) mit dem Namen Sonnenschein(den würd ich heiraten, wenn ich eine Frau wäre ;-) ) war der beste Pilot, den ich je hatte. Also ich mein wie gut der fliegt bekommt man ja so nicht mit, aber er hatte was, was ich kaum noch erlebe…Spaß am fliegen.

    Vielleicht interessiert dich, oder die anderen Piloten die mitlesen ja mal wie das so aus der Passagiersicht aussieht und wie sich manches so anfühlt, was sich so reinschleift, wenn nicht, einfach überlesen.

    Ich fand bis vor einiger Zeit alte Piloten immer ganz toll. Das ist wie der alte Kapitän auf einem Schiff. Sehr erfahren und über alles erhaben. Leider haben die aber häufig eine Eigenschaft, die ich schade finde. Sie scheinen die Leidenschaft fürs Fliegen verloren zu haben. Es ist nur ein Job. Vielleicht einer der einem gefällt und man will nichts anderes machen, es gefällt einem auch, aber es ist nicht mehr so diese Besonderheit wie am Anfang. Vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem Auflegen, was ich mal fünf Jahre gemacht habe. Die ersten Jahre wo du das machst da stehen da 500-750 Leute, du legst auf und denkst dir nur “Mensch Hammer”. Später merkste die Leute gar nicht mehr so. Du findest das zwar immer noch toll, aber dieses überwältigende fehlt. Das krazt dich nicht mehr so, ob da jetzt mal 500 oder auch 1000 Leute sind. Das Auflegen ist immer noch toll, aber anders. Du hast nicht mehr automatisch dieses Grinsen im Gesicht. Oder halt nicht mehr so stark.

    Die Ansage am Anfang(häufig die einzige) sieht dann meist sehr trocken, sachlich und kurz aus: “Sehr geehrte *Rausch* Passagiere wir starten in *nuschel* wenigen Minuten und *nuschel* in Alicante/Kuba/London/Madrid/was auch immer sind es 28 Grad und Sonnenschein. Wir sind um x:xxh da.

    Vorgestern. Smick, Flughafen Alicante, Mist, das ist ja ne Air Berlin Maschine…na prima. Wir setzen uns und der Pilot fängt an zu erzählen, wer er so ist, sein Co-Pilot und wie die Strecke dann verläuft. Er fliegt erst mal hierlang, dann da lang und meldet sich dann später noch mal.

    Später meldet er sich und berichtet über das Wetter am Zielflughafen und dass alles prima ist mit dem Wetter. Dann erspäht er rechts einen Turm und fängt an zu erzählen, dass man da ein ganz interessante Wetterphänomen sehen kann, nämlich die Entstehung eine Gewitterwolke. Blabla(kürze mal ab ;-)) steigt auf, Luft von der Seite hier steile Flanke usw.

    Dann berichtet er von Tolouse(hmmm wie schreibt man das noch mal? Sprechen kann man es einfacher ;-) ) über das wir fliegen und Später meldet er sich und erzählt von Paris da unten. An Köln vobei verweist er dann auf dieses und zeigt die beiden Braunkohletagebauten Garzweiler I und II und dass wir gleich wieder zurück über den Rhein fliegen um dann in einem Bogen in Dus landen. Dann noch, dass wir soundsostark Rückenwind haben und deshalb etwas schneller sind und dies und das.

    Also er hat bestimmt 6-7 mal interessante Dinge erzählt. Vielleicht mag es den ein oder anderen Business-Reisenden stören, aber ich fand das klasse. Ich interessiere mich sehr für all diese Dinge. Schade, dass da sonst vieles an einem vorbei geht. Halt auch viele Geschichten die man sonst nur hier im Blog liest, weil man nicht hinter die Kullissen sehen kann.

    Er war sehr motviert und hat auch Spässchen gemacht. Sehr unterhaltsam und er machte den Eindruck er macht das alles sehr gerne. Natürlich sind fliegerische Fähigkeiten wichtiger, als das, aber dass er über die verfügt, das setze ich ja mal voraus. Und es muss ja nicht gleich so viel sein, aber die ein oder andere Information ist schon ganz interessant. Auf jeden Fall besser, als zum hundertsten mal Mr. Bean zu sehen…;-)
    Übrigens im Bordprogramm lief “Das Dschungelbuch” auf einem Hörkanal. Aber nicht diese neue für die Kinder von heute gemachte Version mit viel Aktion und so, sondern die ganz ganz alte Originalversion. Da konnte ich nicht wiederstehen, das war echt zu köstlich. ;-)

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  28. Hallo Herr NFF,

    ich finde es immer ganz beruhigend, zu hören, dass die Piloten das Wetter am Zielflughafen kennen und meine vermutliche Reisezeit interessiert mich auch. Überhaupt finde ich es nett, begrüßt zu werden. Es ist auch gut, dass diese Durchsagen in mehreren Sprachen und damit mehrfach durgegeben werden, i.d.R. vertehe ich sie nämlich nicht beim ersten Mal.

    Und das ist DAS Hauptproblem: Genuschelte, geleierte, zu schnell und viel zu leise Durchsagen sind schlecht! Die Aussage, die man als Passagier versteht ist: Ihr seid mir egal, aber ich muss diese Ansage machen. Gerade die Cabin Crew ist spitze im Herunterleiern von Ansagen, die Flight Crew ist meist zu leise.

    Dabei ist es einfach: Gerade hinsetzen (tut ihr wohl sowieso), lächeln, _laut_ und deutlich reden.

    Grüße
    Kermit

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  29. gestern auf EasyJet, Rom-Basel, zwar nicht vom Flight Deck, aber was die FAs abgeliefert haben, war auch nicht schlecht...

    Zuerst die übliche Begrüssung, Flugdauer etc, dann gings in den Steigflug. Bald waren wir oben und der "Service" begann, d.h. die FAs begannen, aufzuzählen, was man denn alles bei ihnen kaufen könne... das ging so: ein FA hob vorne in der Kabine eine FAnta-Büchse hoch und ein anderer FA sagte hinten: "also... wir haben Fanta..." (vorne hebt er eine Cola hoch)..." und wir haben Cola"... (vorne zeigt er ein leeres Sandwich-Papier)..."und leider keine Sandwich mehr"... das ging dann so weiter über Alkohol (der freilich ein bisschen enthusiastischer beworben wurde) bis hin zum Duty Free. Die FAs haben echt Spass an ihrem Job gezeigt und die Kabine toll unterhalten. Als es dann noch ein paar Turbulenzen gab, wurde das Spiel noch lustiger... Thumbs up! :-)

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  30. ich bin zwar wohl etwas jünger als die meisten hier, aber war schon sehr früh als passagier oft unterwegs (als fliegen noch etwas exklusives war). vielleicht bin ich deshalb etwas altmodisch (oder eher "traditionalistisch"), was die ansagen aus dem cockpit angeht.

    kurz: ich bin sehr dankbar für solche ansagen, auch wenn sie für einen piloten vielleicht langweilige routine sind! es tönt vielleicht lächerlich, aber zu hören, dass mindestens einer im cockpit weder besoffen ist, noch ein terrorist, noch direkt aus dem dschungel rekrutiert wurde sondern eine solide ausbildung hinter sich hat (d.h. wenigstens de/en/fr spricht), ist sehr beruhigend! mich persönlich beruhigt das vor und während einem flug wirklich.

    ebenfalls schätze ich die allgemeinen informationen zum erwarteten flug (flugzeit, route, ob man verspätungen aufholen kann, wetter unterwegs und am zielort usw.). und am allermeisten bin ich dankbar, wenn ein pilot sich bereits 5-10 min _vor_ erwarteten turbulenzen oder sonstigen besonderheiten (welche fürs cockpit meist keine besonderheiten sind, mich als passagier aber trotzdem beunruhigen, wenn sie einfach so auftreten.. z.b. das sehr laute einziehen der räder in gewissen flugzeugtypen) kurz aus dem cockpit meldet und darauf hinweist. wenns dann "bumpy" wird oder starke korrekturen beim landeanflug nötig sind, ist man als passagier darauf vorbereitet und weiss auch, dass die piloten darauf vorbereitet sind und das ganze folglich voll unter kontrolle ist. dies sind wertvolle informationen, welche auch das inflight entertainment system noch lange nicht geben können wird. und es ist ein psychologischer trick, der erstaunlicherweise wirkt.

    ich gebs ja zu, ich bin etwas flugängstlich (v.a. wenn man das statistische unfallrisiko anschaut), weil ich beim fliegen schon so einige beunruhigende situationen erlebt habe (einmal einen triebwerksausfall kurz nach dem take-off, mehrmals haarsträubende anflüge bei starken gewitterturbulenzen, mehrere go-arounds, einmal einen turbulenten anflug mit einem neigungswinkel, der für diesen flugzeugtyp und flughafen später verboten wurde)

    bitte bleibt also bei der netten, sinnvollen und beruhigenden tradition der ansagen aus dem cockpit! vielen dank.

    (ich bin immer recht irritiert, wie öfters bei z.b. amerikanischen fluggesellschaften sich das cockpit vom abdocken bis zum wiederandocken nicht meldet.)

    p.s. auch gut fände ich, wenn man die map, höhe, speed, temp, allenfalls live-kameras nach vorne und unten usw. stets verfügbar hätte, also inbesondere auch während start und landung. den übrigen inflight entertainment mist (wie computergames, werbefilme mit ausnahme der musikkanäle und der spielfilme) könnte man hingegen von mir aus ruhig weglassen, würde ich überhaupt nicht vermissen und ich fänds wesentlich angenehmer, wenn nicht nach dem einsteigen jedesmal dieses nervöse rumfingern der anderen fluggäste an ihrem inflight entertainment device losginge, um jede wache minute mit pokern oder dem millionenspiel zu verbringen.

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  31. Danke für die unendlich vielen Kommentare! Ich werde mir die Wünsche und Anliegen zu Herzen nehmen!

    cu on board!

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  32. Die schönste Ansage, die ich bislang aus dem Cockpit hören durfte war auf dem Anschlussflug FRA-HAJ. Es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber das meiste bringe ich noch zusammen:
    "Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, hier spricht das Cockpit. Mein Name ist blablabla und ich freue mich Sie auf dem heutigen Flug nach HAJ bei uns an Bord begrüssen zu dürfen. All diejenigen die früh aufstehen mussten um diesen Flug zu erreichen oder diejenigen, die bereits einen anstrengenden Langstreckenflug hinter sich haben, können sich nun zurücklehnen und den Flug geniessen. Seien Sie versichert, dass mein Co-Pilot (Name) und ich alles in unserer Macht stehende dafür tun werden, dieses Flugzeug entsprechend der gesetzlichen Vorgaben, Richtlinien unserer Company, den aktuellen Luftverkehrsbestimmungen sowie den entsprechenden Arbeitsschutzbestimmungen sicher an sein Ziel zu bringen."
    Ach ja, es war eine namhafte deutsche Airline mit einem Vogel im Logo, von der ich diese Lockerheit nicht erwartet hätte. Natürlich kam die Ansage zweisprachig...

    Ralf, FDH

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