Freitag, Juni 08, 2007

der Furz

Es regnet, also schreibe ich. Obwohl das himmlische Nass an die Scheibe prasselt, lässt sich das nie ruhende Leben auf den Strassen Hongkongs besten aus dem Sitz beobachten, auf dem ich mein wertes Hinterteil zurzeit parkiert habe.

Die Fussgänger suchen an den Hauswänden und unter noch so kleinen Vordächern Schutz oder preschen in Laufschritt von Unterstand zu Unterstand. Dazwischen ab und zu ein Handwerker, der den Kampf gegen die tobenden Elemente schon lange aufgegeben hat und «oben ohne» die angenehm warmen Regentropfen auf seiner Haut geniesst.

Ein bisschen getrübt wird meine durchaus komfortable Lage durch die Nachbarin am Tisch links von mir. Sie entschied sich für das Tagesmenü bestehend aus einer trüben Suppe und einigen Teigwaren an roter Sauce. Eine nicht sehr chinesische Wahl für eine chinesische Landsmännin. Umso einheimischer dafür ihre Tischsitten. Die Suppe wird genüsslich und gut hörbar zwischen den Lippen in den Mund gezogen. Auch die in der heissen Flüssigkeit schwimmenden Feststoffe hebelt die durchaus gut aussehende Nachbarin sportlich auf den unförmigen Porzellanlöffel. Am Zerkleinerungsvorgang der Fleischklösschen lässt mich die Geschäftsfrau grosszügigerweise akustisch teilhaben und noch bevor die charmante Zeitgenossin die Teigwaren in Angriff nimmt, ziehe ich meinen Laptop aus dem Gefahrengebiet ab und verlasse das Lokal.

Ich bin weder verärgert noch entsetzt. Schliesslich bin ich in diesem Land zu Gast und habe mich als Ausländer den Gebräuchen und Sitten unterzuordnen. Auch wenn es als Zuhörer schwer fällt, Nebengeräusche bei der Nahrungsaufnahme gehören in dieser Ecke der Erde nun mal zum guten Ton.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und betrachte es als Kompliment, wenn sich mein Nachbar so benimmt, als wäre das Gegenüber ein Landsmann von ihm. Es gibt allerdings auch Grenzen.
Wenn der Taxifahrer, während er mit fast einhundert Stundenkilometern über die Strassen Hongkongs donnert, genüsslich seine linke Arschbacke hebt und gut hörbar Methangase in meine Richtung ablässt, ist mein Wille zur kulturellen Anpassung am Ende. Zum Leidwesen der Taxiinsassen folgte wenige Meter nach dem Gasalarm ein Stau und das rettende Ziel war wieder um einige Minuten weiter entfernt.

Wem ist nicht schon einmal diskret und ungewollt ein peinlicher Furz entwichen? Das kann passieren und ich will es an dieser Stelle auch nicht dramatisieren. Aber extra seine Arschbacke Richtung Gast zu heben und dann mit viel Anlauf abzudrücken, das geht mir persönlich wirklich zu weit!

Natürlich kann es sein, dass ich die lokale Körpersprache einmal mehr missverstehe und ab etwas entsetzt bin, das vielleicht sogar als Kompliment gedacht war. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass der freundschaftlich Furz Teil der «taxi hospitality» Kampagne des ansässigen Tourismusbüros ist.

Ich für meinen Teil habe die Konsequenzen aus dem duftigen Zwischenfall gezogen und werde mich in Zukunft hüten, in Hongkong vorne beim Fahrer Platz zu nehmen.

Kommentare:

  1. Nette Sitten. Besonders des Taxifahrers Freundlichkeit würde mir ebenfalls den Aufenthalt verleiden. Gerüche treffen mich hart, Geräuschen gegenüber bin ich, glaube ich, eher unempfindlich.

    Im Taxi vorne sitzen mag ich eh nicht, ich hab dann immer das Gefühl ich müsse mich unterhalten - SmallTalk gehört definitiv nicht zu meinen Stärken.

    Aber ob es hinten weniger gestunken hätte?

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  2. Auch ich habe meine Mühe mit den Gerüchen. Doch leider gehören gerade diese in meinem Beruf dazu ....

    Das Schlimmste sind aber nicht etwa die Fürze, sondern frisch parfümierte Flight Attendants, die kampfwassergebadet das Cockpit betreten!

    Meine Nas läuft dabei regelmässig AMOK!

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  3. 4711 ist doch immer noch der Klassiker, oder? Olfaktorische Belästigungen auf Reisen finde ich auch sehr unangenehm. Oder der Schnarcher neben einem.

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