Donnerstag, Juni 07, 2007

das Wetter

Wer nichts zu sagen oder zu schreiben hat, der äussert sich am besten über das Wetter. Man beleidigt niemanden, man ist immer politisch korrekt - obwohl nirgends so gelogen wird wie in der Metrologie - und irgendwer interessiert sich immer dafür.

So schreibe ich heute also über das Wetter in Hongkong. Die Elemente und die Metropole passen hier bestens zusammen. Beide sind launisch wie Schweizer Fussballer, beide können in Sekundenschnelle beliebig von einem zum anderen Extrem wechseln und beide fordern vom Besucher dieser Stadt alles ab.

Nicht einmal unter dem Daunenduvet hat man seine Ruhe vor den Stimmungen der Natur. Nach einer langen Nachttour durch die Kneipen von Lan Kwai Fong, zusammen mit einer ehelich bewilligten Freundin und ihrem Partner, möchte man eigentlich nicht zu früher Morgenstunde geweckt werden.
Als ob mir die Natur heute etwas mitteilen wollte, ertönte zu früher Morgenstunde ein Schuss so laut, als ob ich im Schiessstand genächtigt hätte. Mein Puls raste und aufgrund des fehlenden Donners brauchte ich einen Augenblick um zu realisieren, dass vermutlich der Blitz eingeschlagen hat.
Die Blase, gereizt durch die statischen Entladungen in der Luft, verlangte sofort nach Erlösung und so verliess ich todmüde meine Bettenstadt, um das Unausweichliche zu erledigen. Kaum wieder eingekuschelt und im Reich der Träume entschwunden, der nächste Blitz. Wieder schiesst der Puls auf Höchstwerte hoch und diesmal sinkt gleichzeitig das Glukoseniveau in meinem Blut auf Tiefstwerte. Hunger ist die Folge und an Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Also raus in den Stadtdschungel. Hongkong ist ein Regenwald ohne Bäume. Von der Feuchtigkeit übermannt beschlagen sich meine Brillengläser, das Deo unter meinen Armen kapituliert schon nach wenigen Augenblicken, der Schweiss rinnt an mir herunter und nasse Stellen auf meinem Shirt zeugen von meiner Tropenuntauglichkeit.

Der Wind, der unaufhörlich in beinahe Sturmstärke bläst, bringt etwas Erleichterung. Bald wird das grünweisse Logo einer mir sehr gut bekannten Kaffeekette sichtbar, meine Stimmung verbessert sich merklich und ich vergesse für Sekundenbruchteile die akute metrologische Bedrohung, in der ich mich im Moment befinde. Kurz vor dem Eingang der Zaubergrotte prasselt aus heiterem Himmel ein Platzregen hinunter wie es ihn nur hier in Hongkong gibt. Die Tropfen sind so gross, dass es auf der Kopfhaut schmerzt und dank des Windes ist meine linke Seite im Nu klatschnass.

Mein Verstand sagt mir dass es keinen Sinn hat und dennoch betrete ich die Einrichtung, in der leckere, koffeinhaltige Getränke serviert werden. Wieder behindert etwas meine Sehfähigkeit und beim Abwischen der Regentropfen realisiere ich, dass wenn die Klimaanlage noch zwei Grad kälter eingestellt wäre, ich die Tropfen mit dem Eisschaber von der Brille meisseln müsste.
Dann halt zurück zum Hotel und ein trockenes Shirt anziehen. Den Regenschirm kann ich getrost im Hotel lassen, wenn es in Hongkong regnet, dann waagrecht.

Ja, ja das Wetter (...)

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