Freitag, Juni 29, 2007

from dusk till dawn

Noch zwei Mal schlafen, dann bin ich dank der vollständigen Übernahme der Swiss durch die Lufthansa ein Kranich. Ein Vogel, der gemäss Wikipeda in der griechischen Mythologie das Symbol für Wachsamkeit und Klugheit darstellt, in Japan für Glück und Langlebigkeit steht und sogar in der Heraldik (Wappenkunde – musste ich auch zuerst nachschlagen) hat man für das elegante Tier eine Bedeutung gefunden. Dort steht es für Vorsicht und schlaflose Wachsamkeit.

Vorsicht und schlaflose Wachsamkeit - das gefällt mir. Unser Beruf als Pilot ist ja schliesslich nichts anderes und gerade Glück und Langlebigkeit sind im aviatischen Umfeld auch nicht zu verachten.
Über die noch junge und bewegte Geschichte der Swiss wurde schon viel geschrieben und ich werde mich hüten, noch mehr dazu beizutragen.
Von der Abend- zur Morgendämmerung, oder Englisch «from dusk till dawn», passt vielleicht am besten um das Erlebte aus Sicht eines kleinen Mitarbeiters zu beschreiben.

Die Sonne geht also auf am «Swiss Himmel» und das darf man ruhig auch etwas feiern. Es gibt sie, die offiziellen Parties, aber ich bin auf diesen Bühnen selten anzutreffen. Zu gross, zu steif und zu viele Krawatten. Feste soll man feiern wie sie fallen und nicht organisieren.

Gut gibt es da in Hongkong ein kleines Lokal, das unsere Firmengeschichte im Namen trägt. Es bietet alles, was so ein kleines Kranichküken wie ich für ein kleines Fest braucht. Gute Musik, gute Leute, günstige Drinks und viel zu lachen.
Das «dusk till dawn» in Wanchai lockt Airlinecrews, die Sparprogramme wie MOVE, MOVE+, DWHS (double work – half salary) und andere Projekte mit fantasievollen Namen über sich ergehen lassen mussten, mit grosszügigen Ermässigungen von bis zu 30 Prozent.
Das bedeutet nicht automatisch, dass der Abend billiger wird, sondern in der Regel, dass man mehr konsumiert. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Schnell fanden sich die Kranichcrew aus München und die Kranichbrut aus Zürich zusammen und feierten ausgelassen bis in die Morgenstunden. Schön, dass ein nach dem Grounding gekündigter Kollege dabei war, der jetzt bei der Lufti als Copilot arbeitet und sympathisch, dass es bei Mutti Lufthansa noch Flugbegleiterinnen gibt, die lieber ausgiebig tanzen, statt für den Schwiegervater auf dem «nightmarket» Socken einzukaufen.
Auf dem fast gemeinsamen Nachhauseweg kamen wir schnell zum Schluss, dass die Kranichcrew aus Deutschland und die Kranichbrut aus der Schweiz ganz gut ins gleiche Nest passen.

Nicht dass sie jetzt aber glauben, dass ich mit einem hübschen deutschen Kätzchen ins Nest hüpfte. Nein, nein, ich ging alleine ins Bett, erwachte aber mit einem bösen Kater. Dies wiederum zeugt davon, dass ich noch weit davon entfernt bin, ein ausgewachsener Kranich zu sein. Die sollen ja gemäss griechischer Mythologie unter anderem für Klugheit und Weisheit stehen. Zum Glück habe ich noch zwei Tage Zeit.

Samstag, Juni 23, 2007

Robert, Abbele und Jesus


Es herrscht Ebbe am Strand von Dar es Salaam, die Boote liegen auf dem Trockenen, hin- und herschwappender Seetang verteilt einen schweren Geruch über der Bucht und die Hotelgäste verschwinden im gekühlten Restaurant, wo gerade das Lunchbuffet aufgebaut wird.
An der Strandbar unter dem schützenden Strohdach bin ich der einzige Gast. Eigentlich unverständlich, denn der Ausblick auf das ruhige Meer und die im Hintergrund sichtbare Inselgruppe ist einmalig. Palmen, die ab und zu wie wildgewordene Pferde Kokosnüsse abwerfen, sorgen dafür, dass sich die Szenerie hart an der Grenze zum Kitsch präsentiert.

Hinter der Bar sitzt Robert auf einem Bürostuhl und ist von Abbele und Jesus umringt. Robert ist offensichtlich der Chef, postiert sich vor der Kasse und wartet, bis Abbele und Jesus bei den Gästen die Bestellungen einholen und danach einkassieren. Abbele hat ein unglaubliches Lachen und präsentiert die übergrosse Zahnlücke bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Jesus ist eher der ruhige Typ und riecht kräftig nach harter Arbeit.
Ich beobachte die Drei schon längere Zeit und hoffe, dass einer der Angestellten vielleicht bemerkt, dass ich ziemlich durstig bin. Sie bemerken es nicht. Blicke ich freundlich Richtung Bar, grinsen die Drei zurück und die weissen Zahnreihen heben sich deutlich von der dunklen Hautfarbe ab.
Nach kurzer Zeit gebe ich mich geschlagen und schlendere langsam auf das Barpersonal zu. Abbele grinst und ihre Augen leuchten umso heller, je näher ich der Bar komme. «Is it possible to get a bottle of water?», frage ich in die Runde und Robert verneint sofort.
«Why not?», meine Anschlussfrage. «Because the bar is closed», grinst Abbele so, wie nur afrikanische Frauen grinsen können.
Jesus zeigt auf das zehn Meter entfernte Restaurant, wo gerade eine Delegation der WHO über das Buffet herfällt und erklärt mir, dass es dort Wasser gäbe um meinen Durst zu stillen. Ich folge dem Rat, trete in die kalte Halle ein und werde gleich von einer Horde Jesus, Abbeles und Roberts umringt, die selbstverständlich alle lächeln und mir freundlich einen Tisch anbieten. Folgender Dialog zog sich über die nächsten Minuten hin:
«I like a bottle of water» - «Where do you sit?» - «I sit at the pool bar» - «Then you have to order at the pool bar!» - «But they told me that the pool bar is closed.» - «Let me check.»

Der Robert des Restaurants geht hinaus, wechselt ein paar Worte mit dem Robert der Poolbar, kommt zurück und berichtet mir, dass die Bar jetzt offen sei. Mit Hühnerhaut an den Armen verlasse ich den Speisesaal und nähere mich langsam der Strandkneipe. Abbele amüsiert sich über meine angelaufene Brille und verkündet stolz, dass die Lokalität jetzt offen sei. Was ich denn wünsche, fragt mich der riechende Jesus und Robert lässt nach dem Eintippen der Bestellung den Nadeldrucker rattern.

Wenig später sitze ich beim Glas Mineralwasser, schaue auf das Meer hinaus und erschrecke jedes Mal, wenn eine Kokosnuss hart auf dem Boden aufschlägt. Ist es dieser Ausblick - diese Natur, die Afrika so einmalig macht, oder sind es die Begegnungen mit den Menschen, die es immer wieder schaffen, aus einer einfachen Bestellung einer Flasche Mineralwasser ein unvergessliches Erlebnis zu machen?
Robert kann ich nicht fragen, er sitzt stumm vor der Kasse. Abbele lächelt daneben und Jesus ist unterwegs zwischen der Küche und einem Gast. Es ist heiss, Jesus schwitzt und sein Hemd wird morgen noch etwas stärker nach Arbeit riechen. «HAKUNA MATATA» - das macht nichts.

Freitag, Juni 15, 2007

die Stimme aus dem Cockpit

«Guten Tag meine Damen und Herren, hier spricht ihr Copilot .....». Seit vierzehn Jahren greife ich bei jedem zweiten Flug zum Mikrofon und informiere die Gäste an Bord in drei Fremdsprachen. Dies nachdem der Kapitän schon in Deutsch, Englisch und Französisch die Passagiere vor dem Start willkommen hiess und die Kabinenchefin die allgemeine Begrüssung, die Sicherheitsanweisungen, die Filmauswahl, den Serviceablauf, den Hinweis auf die Sammlung für die SOS Kinderdörfer, den Werbespruch für den «Duty-Free» Verkauf, die Spielregeln beim Erleuchten des Anschnallzeichens, die Ankündigung des «Welcome-Movies» und die Funktion des Telefons in den gleichen drei Sprachen zum Besten gab.

Ich kommuniziere gerne, das gebe ich zu, aber ich bin ganz und gar nicht gerne Kommunikationsopfer. Das Übelste was mir passieren kann, sind Werbetelefonate am Abend, die mit den freundlichen Worten: «hätten sie mal ein paar Minuten Zeit für mich?» beginnen. Da kann ich sehr wütend werden.
Darum frage ich mich ab und zu kritisch, ob die werten Gäste an Bord mich wirklich hören wollen? Soll ich ihnen die Flugroute herunterleiern, die sie auf einem Flachbildschirm vor ihren Augen in schönster Farbe präsentiert bekommen? Soll ich ihnen ein metrologisches Versprechen geben, das ich nicht halten kann? Soll ich ihnen die Flughöhe in Fuss über Meer mitteilen? Was soll ich bloss sagen, damit sich keiner als Kommunikationsopfer fühlt?
Ich kann mich ja nicht bei jedem erkundigen, ob er meine Geschichte hören will. Ich rede einfach drauflos und bin noch nicht einmal so freundlich wie der Herr der Telefonmarketingfirma, der immerhin fragt, ob das Gegenüber ein paar Minuten Zeit habe.
«Guten Tag meine Damen und Herren, hier spricht ihr Copilot, hätten sie mal ein paar Minuten Zeit für mich?» - klingt ja auch nicht wirklich professionell, oder?

Gut, ich gebe zu, die Passagieransagen haben auch ihre guten Seiten. So zum Beispiel im Lebenslauf einer Bewerbung.
«Mehrjährige Erfahrung im mehrsprachigen Dozieren vor bis zu 400 Zuhörern» macht sicherlich einen exzellenten Eindruck in der Kolonne «spezielle Erfahrungen». Das löst aber mein aktuelles Problem nicht wirklich.

Klar haben wir vor einer Ewigkeit einen internen Kurs besucht und lernten dort, wie man
l a n g s a m, laut und deutlich Parolen zum Besten gibt, die zwar niemand versteht, aber ihre Wirkung dennoch nicht verfehlen. Es gibt dazu übrigens auch einen Lehrfilm auf dem Netz.

Das Eintrainierte habe ich jetzt vierzehn Jahre umgesetzt und möchte endlich meine Public-Relation Strategie überdenken. Ich weiss, dass lauter Fachpersonal meine Artikel liest und hoffe, dass sie, liebe Flight-Attendants, Purser, Piloten, Vielflieger, HONs, Senatoren, Aviatikfans, Bundesangestellte, Reisefachfrauen beim Kuoni, Ferienflieger, Spotter und Wenigflieger, mir wertvolle Feedbacks geben könnten, was sie eigentlich von dem Clown da vorne im Cockpit während der Reise hören wollen.

Darum frage ich sie nun ganz ungeniert: «Hätten sie ein paar Minuten Zeit für mich und könnten sie mir freundlicherweise einen Kommentar mit Anregungen und Tipps hinterlegen, was meine Stimmbänder das nächste Mal in zehn Kilometern Höhe von sich geben sollen?»
Herzlichen Dank schon jetzt!

Samstag, Juni 09, 2007

Gourmetblog

Michael Vetter, begnadeter Gourmet und Betreiber des Gourmet-Blogs, hat mich vor geraumer Zeit einmal gebeten, einige Zeilen über die Verpflegung und die Menus in der ersten Klasse an Bord unserer Flugzeuge zu verfassen. Ich nehme diese Aufforderung gerne an und lasse die Leser mit diesem Aufsatz Einblick nehmen in die Genusswelt auf 11'000 Metern Höhe. Bon Appetit!

Freitag, Juni 08, 2007

der Furz

Es regnet, also schreibe ich. Obwohl das himmlische Nass an die Scheibe prasselt, lässt sich das nie ruhende Leben auf den Strassen Hongkongs besten aus dem Sitz beobachten, auf dem ich mein wertes Hinterteil zurzeit parkiert habe.

Die Fussgänger suchen an den Hauswänden und unter noch so kleinen Vordächern Schutz oder preschen in Laufschritt von Unterstand zu Unterstand. Dazwischen ab und zu ein Handwerker, der den Kampf gegen die tobenden Elemente schon lange aufgegeben hat und «oben ohne» die angenehm warmen Regentropfen auf seiner Haut geniesst.

Ein bisschen getrübt wird meine durchaus komfortable Lage durch die Nachbarin am Tisch links von mir. Sie entschied sich für das Tagesmenü bestehend aus einer trüben Suppe und einigen Teigwaren an roter Sauce. Eine nicht sehr chinesische Wahl für eine chinesische Landsmännin. Umso einheimischer dafür ihre Tischsitten. Die Suppe wird genüsslich und gut hörbar zwischen den Lippen in den Mund gezogen. Auch die in der heissen Flüssigkeit schwimmenden Feststoffe hebelt die durchaus gut aussehende Nachbarin sportlich auf den unförmigen Porzellanlöffel. Am Zerkleinerungsvorgang der Fleischklösschen lässt mich die Geschäftsfrau grosszügigerweise akustisch teilhaben und noch bevor die charmante Zeitgenossin die Teigwaren in Angriff nimmt, ziehe ich meinen Laptop aus dem Gefahrengebiet ab und verlasse das Lokal.

Ich bin weder verärgert noch entsetzt. Schliesslich bin ich in diesem Land zu Gast und habe mich als Ausländer den Gebräuchen und Sitten unterzuordnen. Auch wenn es als Zuhörer schwer fällt, Nebengeräusche bei der Nahrungsaufnahme gehören in dieser Ecke der Erde nun mal zum guten Ton.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und betrachte es als Kompliment, wenn sich mein Nachbar so benimmt, als wäre das Gegenüber ein Landsmann von ihm. Es gibt allerdings auch Grenzen.
Wenn der Taxifahrer, während er mit fast einhundert Stundenkilometern über die Strassen Hongkongs donnert, genüsslich seine linke Arschbacke hebt und gut hörbar Methangase in meine Richtung ablässt, ist mein Wille zur kulturellen Anpassung am Ende. Zum Leidwesen der Taxiinsassen folgte wenige Meter nach dem Gasalarm ein Stau und das rettende Ziel war wieder um einige Minuten weiter entfernt.

Wem ist nicht schon einmal diskret und ungewollt ein peinlicher Furz entwichen? Das kann passieren und ich will es an dieser Stelle auch nicht dramatisieren. Aber extra seine Arschbacke Richtung Gast zu heben und dann mit viel Anlauf abzudrücken, das geht mir persönlich wirklich zu weit!

Natürlich kann es sein, dass ich die lokale Körpersprache einmal mehr missverstehe und ab etwas entsetzt bin, das vielleicht sogar als Kompliment gedacht war. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass der freundschaftlich Furz Teil der «taxi hospitality» Kampagne des ansässigen Tourismusbüros ist.

Ich für meinen Teil habe die Konsequenzen aus dem duftigen Zwischenfall gezogen und werde mich in Zukunft hüten, in Hongkong vorne beim Fahrer Platz zu nehmen.

Donnerstag, Juni 07, 2007

das Wetter

Wer nichts zu sagen oder zu schreiben hat, der äussert sich am besten über das Wetter. Man beleidigt niemanden, man ist immer politisch korrekt - obwohl nirgends so gelogen wird wie in der Metrologie - und irgendwer interessiert sich immer dafür.

So schreibe ich heute also über das Wetter in Hongkong. Die Elemente und die Metropole passen hier bestens zusammen. Beide sind launisch wie Schweizer Fussballer, beide können in Sekundenschnelle beliebig von einem zum anderen Extrem wechseln und beide fordern vom Besucher dieser Stadt alles ab.

Nicht einmal unter dem Daunenduvet hat man seine Ruhe vor den Stimmungen der Natur. Nach einer langen Nachttour durch die Kneipen von Lan Kwai Fong, zusammen mit einer ehelich bewilligten Freundin und ihrem Partner, möchte man eigentlich nicht zu früher Morgenstunde geweckt werden.
Als ob mir die Natur heute etwas mitteilen wollte, ertönte zu früher Morgenstunde ein Schuss so laut, als ob ich im Schiessstand genächtigt hätte. Mein Puls raste und aufgrund des fehlenden Donners brauchte ich einen Augenblick um zu realisieren, dass vermutlich der Blitz eingeschlagen hat.
Die Blase, gereizt durch die statischen Entladungen in der Luft, verlangte sofort nach Erlösung und so verliess ich todmüde meine Bettenstadt, um das Unausweichliche zu erledigen. Kaum wieder eingekuschelt und im Reich der Träume entschwunden, der nächste Blitz. Wieder schiesst der Puls auf Höchstwerte hoch und diesmal sinkt gleichzeitig das Glukoseniveau in meinem Blut auf Tiefstwerte. Hunger ist die Folge und an Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Also raus in den Stadtdschungel. Hongkong ist ein Regenwald ohne Bäume. Von der Feuchtigkeit übermannt beschlagen sich meine Brillengläser, das Deo unter meinen Armen kapituliert schon nach wenigen Augenblicken, der Schweiss rinnt an mir herunter und nasse Stellen auf meinem Shirt zeugen von meiner Tropenuntauglichkeit.

Der Wind, der unaufhörlich in beinahe Sturmstärke bläst, bringt etwas Erleichterung. Bald wird das grünweisse Logo einer mir sehr gut bekannten Kaffeekette sichtbar, meine Stimmung verbessert sich merklich und ich vergesse für Sekundenbruchteile die akute metrologische Bedrohung, in der ich mich im Moment befinde. Kurz vor dem Eingang der Zaubergrotte prasselt aus heiterem Himmel ein Platzregen hinunter wie es ihn nur hier in Hongkong gibt. Die Tropfen sind so gross, dass es auf der Kopfhaut schmerzt und dank des Windes ist meine linke Seite im Nu klatschnass.

Mein Verstand sagt mir dass es keinen Sinn hat und dennoch betrete ich die Einrichtung, in der leckere, koffeinhaltige Getränke serviert werden. Wieder behindert etwas meine Sehfähigkeit und beim Abwischen der Regentropfen realisiere ich, dass wenn die Klimaanlage noch zwei Grad kälter eingestellt wäre, ich die Tropfen mit dem Eisschaber von der Brille meisseln müsste.
Dann halt zurück zum Hotel und ein trockenes Shirt anziehen. Den Regenschirm kann ich getrost im Hotel lassen, wenn es in Hongkong regnet, dann waagrecht.

Ja, ja das Wetter (...)

Sonntag, Juni 03, 2007

jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

So, das Herumlungern hat ein Ende, mit dem Wandern in den Schneebergen ist Schluss und das Bike bleibt wieder ein für paar Tage im Keller. Alles hat mal ein Ende, leider auch meine Ferien.

Diese schwierige Übergangsphase vom Hobbysportler zum Berufsflieger muss nach 20 Ferientagen vorsichtig geplant werden. Es ist nicht einfach getan mit Koffer abstauben und Klamotten verstauen. Vielmehr müssen die verschiedenen Utensilien mit äusserster Sorgfalt verstaut und vorbereitet werden.

Das beginnt schon mit der Uniform. Die Vorfreude auf die Ferien war nach dem letzten Flug grösser, als die Lust auf einen Besuch in einer chemischen Reinigung. Was Martina Hingis mit ihren Waschmaschinen anstellt, traute ich mir auch zu und so verschwand das blaue Gewand aus edler Manufaktur in der Trommel unserer Waschmaschine. Schongang versteht sich, mit einer extra Portion H2O und körperähnlichen Temperaturen.
Das Resultat war eher durchzogen beziehungsweise durchknittert. Etwas schlaff und unmotiviert hing das Teil mit den goldenen Streifen, - nachdem ich es vom Schleudergang erlöste -, tropfnass am Bügel herunter. Wird schon gut gehen, dachte ich vor knapp drei Wochen und überlies den Sakko seiner Bestimmung.
Jetzt, am Tage vor dem grossen Flug ist die Uniformjacke trocken, aber noch nicht in hundertprozentiger Hochform. Die rechte Schulter hängt ein bisschen runter und der breite Rücken sieht so zerknittert aus wie die Alpen von oben. Das wird schon wieder.

Weiter zum Arbeitskoffer. Crewbag nennen wir das Teil und es ist so gross und sperrig wie es klingt. Gedacht zum Transport vieler Anflugkarten und Papiere vor der grossen Computer-Revolution. Papiere braucht es immer noch, doch diese werden entgegen dem Trend in den angeblich papierlosen Büros immer weniger. Jetzt ist der Crewbag Heimat von so wichtigen Utensilien wie iPod, Kamera, Sonnenbrille, Kreuzworträtselheft, MacBook, Stützkissen für den Power-Nap zwischendurch und Schreibstifte für eben diese Kreuzworträtsel.
Und hier stockt die Flugvorbereitung zum ersten Mal. Während sich die iPod Batterien mit Elektronen füllen, überprüfe ich die Kamera und spitze die Bleistifte im Etui. Schon in der ersten Klasse wurde mir gepredigt: Wer mit stumpfen Bleistiften den Dienst nach den Ferien antritt, aus dem wird nie was. Doch jetzt das erste Problem, die erste Unsicherheit. Haben vielleicht während meiner Abwesenheit das FAA, die Homeland Security oder gar Korpskommandant Keckeis persönlich spitze Schreibwaren an Bord von Linienflugzeugen verboten? Sie lachen jetzt, aber wenn sie wüssten, was wir seit dem Anschlag in New York schon alles erleben mussten! In meinen Unterlagen und in der elektronischen Post finden sich keine Informationen und so mache ich, was ich seit dem Kindergarten nach jeden Ferien machte, ich lasse die Bleistiftspäne fliegen.

Weiter zum Koffer. Hongkong im Juni ist gleichbedeutend mit 24 Stunden Regen. Also Regenschirm, Amphibienschuhe und wasserdichte Unhängetasche nicht vergessen. Die Kleider sind schnell beisammen und des Necessaire, so nennen wir den Kulturbeutel in der Schweiz, ist ja eh schon im Koffer – und da liegt es seit drei Wochen.
Wird ja wohl noch alles vorhanden sein. Falls das Duschgel sich einmal mehr im Innenraum des Beutels verteilt hat, dann kann ich immer noch die hoteleigenen Müsterchen benutzen. Koffer zu – basta!

Alles scheint bereit, die zerknitterte Uniform hängt herunter und irgendein Gefühl sagt mir, dass ich etwas vergessen habe. Ein Rundgang durch die dunklen Kellergewölbe bringt Licht ins Dunkel. Zwischen den Bordeaux- und den Riojaflaschen liegt mein Uniformhut und zeugt davon, dass ich mir nach der letzten Landung zur Feier des Ferienanfanges einen edlen Tropfen gönnte. Jetzt ist definitiv alles beisammen und ich bin, nicht ganz überraschend, schon ziemlich auf der Schnauze.