Sonntag, Mai 06, 2007

Orientierungslosigkeit

Miami erwacht langsam, die Palmen wedeln genüsslich im Wind und ich geniesse einen Blick auf das Meer, der mir fast den Atem verschlägt. Noch ist die Sonne nicht sichtbar, dafür leuchtet der Morgenhimmel in verschiedenen Farbtönen. Es wird gejoggt, gehüpft, geradelt oder einfach entspannt.

Neben mit liegt die gestrige Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung und in Griffweite dampft der Milchkaffee in der Tasse und wartet darauf getrunken zu werden. Ein perfekter Sonntagmorgen, zumindest bis Seite 60.

Ein buntes Bild am unteren Bildrand zeugt vom kreativen Gebrauch von Agrarsubventionen und zeigt ein zweckentfremdetes Kornfeld, auf dem ein wildgewordener Bauer mit seinem Rasenmäher ein Parteilogo in die Ären gefräst hat. Einmal abgesehen von den nicht ganz optimal eingesetzten Subventionsgeldern und der Tatsache, dass die werbende Partei in keinster Weise meinen politischen Überzeugungen entspricht, absolut nichts Verwerfliches. Wäre da nicht der Standort in der Anflugschneise der Piste 14 meines Heimatflughafens.

In einer Flugphase, in der nach einem zehnstündigen Nachtflug alle Ressourcen aktiviert werden müssen um die noch fast 180 Tonnen mit ihren über 60 Metern Spannweite auf die knapp über 40 Meter breite Landebahn zu bringen, stellen Parteistrategen eine Werbung mitten in eine unschuldige Wiese, die nur von den links sitzenden Passagieren gesehen werden kann und bringen damit die doch so wichtige Orientierungsfähigkeit der Piloten ziemlich durcheinander.
Der politisch rechte Flügel ist also plötzlich unter dem aviatisch linken Flügel zu finden. Verstehen sie jetzt meine Verwirrung?
«... rechter Hand, linker Hand, beides vertauscht, Strasse wie wunderlich siehst du mir aus ...» , heisst es in einem studentischen Lied und genau so werde ich mich vermutlich beim nächsten Anflug in Zürich fühlen.

Ueli Maurer, der nationale Präsident der Volkspartei, will gemäss Interview in der Neuen Zürcher Zeitung die Ankommenden Schweizer mit einem «Ich bin zu Hause Gefühl» Willkommen heissen. Eine Partei, die allem Fremden gegenüber feindlich eingestellt ist, möchte mit anderen Worten Herrn und Frau Schweizer vom Status des Temporärausländers, den sie in den Ferien zwangsläufig aufgebürdet bekamen, befreien.

Weiter betont der Parteipräsident und Vater eines Hanfbauern, dass diese Art der Parteiwerbung der Parteipolitik der letzten 20 Jahre entspräche. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf und meint mit Sicherheit das oben erwähnte Studentenlied mit dem Titel «Grad aus dem Wirtshaus heraus».

Kommentare:

  1. Keine Angst NFF

    Der Rechte Flügel sitzt im Bundeshaus und im Parlament jeweils auch links! Denn der Bundesrat schaut ja den Parlamentariern ins Gesicht und so schaut es für Ihn dann aus, als ob die Rechten im linken Teil rechts von Ihm sitzen. Also, alles halb sowild!

    Sollte einer deiner Passagiere ebenfalls diese Orientierungslosigkeit äussern, so erläutere ihm doch diese Erklärung!

    E liebe Grues vom Linke!?!?!?!?

    PS: Hast du da schon unterschrieben? (www.menschenfreundlicher.ch

    AntwortenLöschen
  2. Rückenflug wäre auch eine Erklärung, aber ob da das Luftamt mitmacht?

    AntwortenLöschen