Sonntag, April 29, 2007

überfüllter Luftraum

Von wegen grenzenloser Freiheit über den Wolken. Der Luftraum ist überfüllt und viel zu viele leiden darunter. An so schönen und warmen Sonntagen geht es über dem Schweizer Mittelland zu wie im Bienenstock.
Gerade der unkontrollierte Luftraum knapp über dem Boden, wo nach Sicht navigiert wird und die Häuser noch so nah sind, dass man den Kampfgrillmeistern auf die Glut schauen kann, ist vom Flug-Boom gezeichnet.

Gefordert ist die Politik, das Bundesamt für Zivilluftfahrt und Interessengruppen im In- und Ausland. Zugegeben, das Bundesamt versucht seit Jahren mit unverständlichen Vorschriften den Gebrauch des knappen Luftraumes einzuschränken. Mit mässigem Erfolg wie man sieht, es wird geflogen, gegleitet und gesegelt wie noch nie. Es ist doch offensichtlich, wie risikoreich dieser Zustand für Leib und Leben ist.

Ich fordere Massnahmen und zwar solche die auch greifen! Es kann nicht sein, dass ein so rares Gut wie unsere Atemluft zum Spielball von Fluggeräten aller Art verkommt. Unzählige Personen leiden darunter und niemand getraut sich dagegen etwas zu tun. Es ist Wahljahr und keine der politischen Parteien nimmt sich dem brisanten Thema an.

Die Pollen sind überall. Wo man hinsieht Pollen, auf den Autos, auf dem Balkonboden, auf den Möbeln und noch viel schlimmer, in den Atemwegen. Waren es letzte Woche noch die Birken, machen mir heute die Gräser schwer zu schaffen.
Die Nase läuft ununterbrochen, das Atmen fällt deutlich schwerer als sonst und mein Kopf brummt stärker als die Hummel, die gerade eine weitere Portion Blütenstaub hinter unserer Holzfassade deponiert.

Die finanziellen Konsequenzen halten sich dank einer Aktion von Papiertaschentüchern in Grenzen. Ein Pack mit zehn «Zewa Softies» hält ziemlich genau eine Stunde und verschwindet dann als nasse Masse im Abfalleimer neben der Küche. Dass kann doch nicht so weitergehen.

Wenn die Politik versagt, hat vielleicht die Natur erbarmen. Liebe, liebe Wolke am Himmel, werde schwarz und schwärzer und wasche die Pollen vom Himmel. Viele, ausser vielleicht die Aktionäre von «Zewa Softies», werden dir dankbar sein.

Dienstag, April 24, 2007

alles fliesst

Dunkle Wolken sind über Hongkong aufgezogen und in der Ferne hört man den Donner, der immer lauter wird. Tropfen fallen vom Himmel die so gross sind, dass einer genügt um meine verschmutzte Brille zu waschen.
Wer kann bringt sich vor dem Nass in Sicherheit und wartet, bis sich das Schauspiel verzogen hat. Selbst das Laufen auf dem Gehsteig macht Mühe, da einem das Wasser zentimeterhoch entgegenkommt.

In Hongkong ist alles im Fluss, während dieser misslichen metrologischen Verhältnisse sogar wortwörtlich. Die die müssen – und das sind einige, hetzten selbst im Dauerregen von Termin zu Termin. Das Rad muss weiterdrehen, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

Gestern hat eine grosse Lokalzeitung geschrieben, dass die Obrigkeit in Peking das Problem der Umweltverschmutzung in China erkannt hat. Nachhaltigkeit und der Schutz der Ressourcen seien wichtig, Wirtschaftwachstum aber wichtiger. Das Rad wird also immer schneller weiterdrehen. Solange, bis es sich in seine Einzelteile zerlegt.

Seit über zehn Jahren darf ich diese faszinierende Stadt regelmässig beruflich besuchen. Erfreue mich an dem Neuen und geniesse die alteingesessenen Institutionen und Bauten. Mit Freude stelle ich jedes Mal wieder fest, dass weder an der alten Tramlinie noch an der Starferry gerüttelt wird. Das Peaktram ist noch genauso das Gleiche wie die alten Boote, die den hungrigen Copiloten jeden Morgen zum Frühstück auf die Lamma Insel bringen.

Sieht man einmal von den unzähligen Indern ab, die mir seit zehn Jahren erfolglos versuchen einen Anzug und gefälschte Uhren zu verkaufen, ist der ganze Rest der Stadt einer ständigen Veränderung unterworfen.
Wo sich das letzte Mal noch ein schmackhaftes Thairestaurant befand, werden heute andere thailändische Spezialitäten angeboten, die allesamt im leichtbekleideten, tänzerischen Bereich anzusiedeln sind. Wo gestern noch Meer war, steht heute das höchste Gebäude von Hongkong. Wahrlich eine verrückte Stadt!

Das Tempo kann den ungewohnten Besucher aber auch überfahren. Es gibt Momente, in denen man laut aufschreien könnte und alle vordrängenden Chinesen in die Wüste wünscht. Die Busse sind einem zu voll, die Kaffees sind zu laut und die Mobiltelefone zu zahlreich. Zeit eine der ruhigen Oasen aufzusuchen, Zeit um Kraft zu tanken.

Die Inseln bieten sich da richtiggehend an. Schon die Überfahrt beruhigt ungemein. Der Schiffsdiesel singt einen in den Schlaf und die Wellen der stürmischen See lassen die Barke hin und her wippen. Yoga für die Seele.
Auf dem Eiland angekommen spürt man sofort den langsameren Takt der Einwohner. Plötzlich respektieren die Leute den Mindestabstand, den zwei Personen einhalten sollten, solange sie kein Verhältnis miteinander haben und plötzlich wünscht man sich einen guten Start in den neuen Tag.
Hier lässt man sich gerne nieder, lädt die eigenen Batterien und entlädt die des Notebooks. Der Blick aus Meer hinaus ist traumhaft und der Kaffee schmeckt besser als sonst irgendwo in dieser Ecke der Welt.

Der Regen prasselt wieder stärker auf das Vordach und ich muss meine Füsse auf die Fussraste des Tisches stellen, damit meine Zehen nicht nass werden. Panta Rhei - alles fliesst, gilt selbstverständlich auch hier auf der Lamma Insel. Ich hoffe aber sehr, dass es sich an diesem wunderbaren Ort auf das Regenwasser beschränkt, das im Moment den Gehsteig vom Staub befreit. Bitte lasst mir diese Insel!

Sonntag, April 22, 2007

brenzlige Situationen

Herrlich diese Stille im Hotelzimmer. Irgendwann verträgt man die Leute nicht mehr, irgendwann wird der Lärm zuviel und irgendwann muss auch der stärkste Copilot einmal in Ruhe auf die Toilette. Schön endlich ein paar Quadratmeter für sich alleine zu haben.

Der Rückenwind hat uns heute förmlich nach Hongkong geblasen und uns erstaunlicherweise ziemlich schüttelfrei an den 6500 Meter hohen Gipfeln des Tienschan Gebirges vorbei gebracht. Dieses Gebirge hat es ganz schön in sich. Als nördliche Begrenzung des Himalajas strotzt es nur so von hohen Bergen und Ebenen, auf denen es selbst höhentrainingserprobten Langläufern die Luft verschlägt.
Im Cockpit sind wir in diese Flugphase ständig am bestimmen der Mindestflughöhe und denken uns Varianten aus für den Fall der Fälle. Was wenn der Druck in der Kabine zusammenbricht und wir in lebensfreundliche Höhen absinken müssen? Welcher Flugplatz hat ansprechbares Wetter und welche Himmelsrichtung sollten wir während unseres steilen Sturzfluges tunlichst meiden? Fragen, die jederzeit beantwortet werden müssen und Fragen, für diese wir schon einmal das Sudoku unterbrechen.

Flugbegeisterte Fachleute und Laien fragen mich immer wieder, ob ich schon brenzlige Situationen erlebt habe. Natürlich habe ich das und leider passiert dies praktisch auf jeder Rotation. In unserem Job schweben wir konstant in Lebensgefahr und zwar immer, wenn wir nach dem Flug mit dem organisierten Transportmittel zum Hotel fahren. Wer schon mal im Taxi vom Flughafen JFK nach Manhattan gefahren ist, versteht mich. Wer schon einmal in Afrika den Verkehrsfluss beobachtet hat, kann meine Alpträume nachvollziehen und wer schon einmal am Atem eines Fahrers der Pekinger Taxigesellschaft gerochen hat, weiss wie selbstgebrannter was-auch-immer Schnaps riecht.

Doch dies ist alles nichts gegen den Verkehr an einem Samstagabend so gegen 2030 Uhr auf dem Zürcher Nordring. Am Wochenende zur «Prime Time» sind die partyhungrigen Teenager auf dem schmalen Streifen Asphalt anzutreffen, die nur eines als Ziel haben: möglichst schnell und cool zur nächsten Disko zu kommen. Papi hat den Tank gefüllt und als Dank dafür hat der Sohnemann das Auto in der Selbstbedienungsbox blitzblank poliert. Mutters Schlagerkassetten sind im Handschuhfach verschwunden und die neusten Gassenhauer aus der Hip Hop Szene lassen in regelmässigen Abständen die Scheiben nach aussen wölben.
Mittendrin im ganzen Getümmel ich. Mein altertümlicher Passat trägt noch Salzspuren vom letzten Schneefall im Dezember, ich halte mich diskret auf der rechten Spur und die Tachonadel zeigt den gleichen Wert an, wie die rot-weisse Tafel es von mir verlangt.
Von hinten rast eine Gruppe Kleinwagen mit bedrohlicher Schräglage heran. Die Kinder der Landstrasse geben zünftig Dampf und erkennen das Hindernis in Form meines Wagens sofort. Die ersten zwei stellen früh genug das Blinkzeichen und belagern die linke Spur. Mit tief ins Gesicht gezogenen Baseballkappen überholen die Teenies ohne mich nur eines Blickes zu würdigen. Nummer drei hatte Pech. Sein roter Alfa fährt viel zu nah auf mich auf und versucht damit erfolglos, dass ich das Tempo etwas erhöhe.
Ich mache in dieser Situation das, was ich immer zu tun pflege. Ich betätige die Scheibenwischanlage und lasse die zähflüssige und giftgrüne Masse auf meiner Scheibe verteilen. Diese Lotion ist ein Geheimtipp und lässt das Wasser selbst bei Temperaturen von Minus 30°C nicht erstarren. Natürlich kriegt auch der Alfa Fahrer etwas davon ab und muss beobachten, wie die giftgrüne Masse seinen mit Schildkrötenwachs polierten Liebling verunstaltet.
Er betätigt die Lichthupe und zeigt mir den Vogel. Noch immer ist die rettende linke Spur belegt und der langsam hyperventilierende Rennfahrer sitzt schräger und schräger im Schalensitz. Mein Tacho zeigt genau hundert Stundenkilometer und ich bin mir keiner Schuld bewusst.
Endlich eine Lücke, der Alfapilot schaltet zwei Gänge tiefer, beschleunigt schnell, lässt dabei den Motor aufheulen, bringt den Stinkefinger in Position und freut sich auf den erlösenden Moment, wenn er das Hindernis endlich überholen kann.
Ich greife in der Zwischenzeit zu meinem Uniformhut, setze diesen mit ernster Miene auf und schaue bösen Blickes auf das Pickelgesicht im anderen Wagen. Mit einem Schlag verschwindet die Farbe des Jünglings aus dessen Gesicht, als er Hut und goldene Streifen an meinem Hemd sichtet. Brav lässt er den Stinkefinger sinken, greift mit beiden Händen an das Steuerrad, drosselt Geschwindigkeit und reiht sich sanft wie ein Lämmchen vor dem angeblichen Polizisten ein.
Idiotisches Spiel ich weiss, aber lasst mir doch wenigstens diese kleine Freude, es ist der einzige Moment, an dem ich meinen Uniformhut mit grosser Lust trage.

Sonntag, April 15, 2007

Blockschlaf

Regelmässig schlägt mir Bewunderung entgegen, wenn ich meinen Kollegen bei der Flugplanung erzähle, dass ich freiwillig und gar nicht ungern nach Tokio fliege. Ich schwärme dann von den Flügen bei Tageslicht, dem grossartigen Essen, das den Weg bis in die hintersten Trendlokale Europas gefunden hat, dem würzigen Bier aus dem hohen Norden und den netten Leuten, mit der für uns so seltsam anmutenden Gestik.
In der Regel prallen meine Begeisterungsstürme am Gegenüber ab, wie der Squashball an der Hallenwand. Die Ursache ist einfach, es ist ein ganz menschliches Bedürfnis, das in diesem Teil des Erdballes aus unerfindlichen Gründen nicht befriedigt werden kann – der Schlaf.

Ich kann die Vorbehalte meiner Kollegen gut verstehen. Seit unser Aufenthalt in der Metropole im Land der aufgehenden Sonne auf 24 Stunden zusammengestrichen worden ist und die Zeit knapp noch reicht, um ein paar rohe Fische zu verspeisen, macht die Reise ins ferne Japan nur noch halb soviel Spass.

Was waren das noch für Zeiten, als wir uns in den verschneiten Bergen Nippons noch zusammen mit wilden Affen in heissen Bädern tummelten, durch die geheimnisvollen Strassen Shinshukus schlichen und in Kameido frische Gyosas genossen. Tempi passati, jetzt wird geflogen statt gereist und dabei kräftig in die Hände gespuckt.

Damit der Kurzaufenthalt auch überlebt werden kann, müssen die Kräfte gut eingeteilt werden. Das beginnt schon bei Arbeitsbeginn in Zürich am Flughafen. Cockpitbesatzungen mit dem Ziel Japan erkennt man in der Regel am langsamen Gang und den leicht hängenden Schultern. Auf dem Weg zur Flugplanung werden sie regelmässig von Artgenossen mit tief ins Gesicht gezogenen Hüten und straff sitzenden Uniformen überholt. Der Japanflieger vermeidet solche Hektik, es könnte ja Kraft kosten.

Kaum an Bord des Arbeitsgerätes, wird einer der Piloten mit dem Schlafparadox konfrontiert. Er muss sich für vier Stunden aufs Ohr legen, obwohl der Zeiger der Uhr die Mittagsstunde erst vor kurzer Zeit erreicht hat. Schlafen auf Befehl geht zwar nicht, aber immerhin sind den Ruhevorschriften damit Genüge getan.
Dieses Schlafparadox begleitet den Japanflieger bis zur Heimkehr nach Zürich. Denn immer wenn er schlafen könnte, muss er entweder Arbeiten, Pinkeln oder Nahrung zu sich nehmen. Gerne reden verantwortliche Stellen von der Wichtigkeit des richtigen Schlafmanagements. Nur leider existiert das richtige Schlafmanagement so wenig wie das todsichere System beim Roulette. Was letzten Monat noch bestens funktionierte, kann heute Schlaftechnisch gewaltig in die Hose gehen.

Ich huldige dem «laisser faire» Prinzip und schlafe, wenn ich zufälligerweise gerade müde bin. Das kann jederzeit und an einem beliebigen Ort sein. Lange sind dabei die Augen in der Regel nicht geschlossen. Mal sind es dreissig Minuten, mal ganze zwei Stunden. Ich nenne das «Blockschlaf», arbeite noch hart an der Perfektionierung des Systems und werde mit Sicherheit einmal reich damit.

Die Chance, dass ich folgende Nacht mehr als die üblichen zwei Blöcke à zwei Stunden schlafe ist gross, seit ich Zürich verlassen habe sind doch schon zwanzig Stunden vergangen und meine Augen waren noch keine sechzig Minuten geschlossen. Ich bin zuversichtlich-, alles wird gut!

Samstag, April 07, 2007

Rechtschreibung

Schlaftrunken sitze ich an diesem Ostersamstag in der Lobby des Hiltons in Narita und lausche dem Wasserspiel des hoteleigenen Brunnens. Ich habe mich unter Aufbringung aller Kräfte nach nur vier Stunden Schlaf gezwungen, die warme und weiche Bettenstadt zu verlassen.
Zu gross ist die Angst vor einer weiteren zeitverschiebungsbedingten Freinacht vor dem langen Nachhauseflug morgen früh. Ob meine Schlaftaktik allerdings aufgeht, steht noch in den Sternen.

Was mache ich mir auch Gedanken, der japanische Tag hat seinen Höhepunkt schon überschritten und ich tröste mich der Tatsache, dass ich zumindest zeitzonenmässig der heimischen Gegenwart ein ziemliches Stück voraus bin. Seit mein Arbeitgeber entschieden hat, dass ich nur noch knapp für 26 Stunden Gast im Land der aufgehenden Sonne bin, ist dieser herrliche Flecken Erde für mich vom Reiseland zum Leseland geworden.
Neben mir stapeln sich Bücher, Wochenzeitungen und wichtige Artikel, die einfach einmal studiert werden sollten. Diese Ansammlung von Lesestoff macht mir keineswegs Angst, im Gegenteil, als Buchstabensüchtiger spüre ich sogar so etwas wie Vorfreude. Doch noch ist mein Nervenkostüm noch zuwenig koffeingetränkt, um konzentriert anspruchsvolle Artikel in «der Zeit» zu lesen.

So überfliege ich die mitgebrachten Computerausdrucke, die allesamt die Publikation von Texten zum Thema haben. Es geht darin um Rechtschreibung, Schreibstil, Satzlängen, Schriftarten, neue versus alte Rechtschreibung und andere germanistische Feinheiten. Keine Angst, ich habe nicht schon wieder ein Studium neben meiner Flugtätigkeit begonnen, sondern die ehrenvolle Aufgabe erhalten, in einer monatlichen Publikation eine Kolumne mit meinen so heiss geliebten Buchstaben zu füllen. Darum die Regeln, darum die Stilfragen.

Je länger ich aber die Vorschriften studiere, weiss ich, dass ich nichts weiss. Eigentlich gilt ja jetzt die neue Rechtschreibenorm, die Alte hat aber noch immer seine Daseinsberechtigung. Neben den schweizerischen, österreichischen und plattdeutschen Ausnahmen, möchte die Minderheit der Sudetendeutschen auch noch Spezialfälle geltend machen. In den Schulstuben wird darum mal nach der 15. Ausgabe des Dudens und mal nach der 23. korrigiert. Ich sehe ja ein, dass es ein Mindestmass an Regeln braucht, damit die Ansammlung der Schriftzeichen überhaupt interpretierbar bleibt, aber sollte die Sprache nicht auch leben, sich weiterentwickeln und Grenzen überschreiten? Wenn ich etwas mit verschachtelten Sätzen erklären möchte hat das seinen Grund. Bei diesen langen Wortgebilden kann man Gefühle, Stimmungen, Prioritäten und Nebensächlichkeiten einbauen und macht das Geschriebene dadurch interpretierbar.
Ein gutes Wortspiel ist für mich wie ein genial herausgespieltes Tor in einem Fussballspiel. Über viele Stationen erreicht der Ball plötzlich und unerwartet das Ziel. Zuschauer fallen in Ekstase und die Stimmung steigt auf den Höhepunkt. Mal resultiert aus einem schönen Spielzug nur ein Lattenschuss und manchmal gar ein Offside. Prägnante, kurze Sätze sind wie Elfmeter. Partien werden zwar dadurch gewonnen und ihre Aussagen sind unmissverständlich klar, doch welcher Sportfan wünscht sich ein Spiel, dass nur durch solch emotionslos zustande gekommene Treffer entschieden wird?

«Die Rechtsschreibung dient dazu, dass nicht alle wagen, zu ihrem Recht zu kommen.» Diesen schlauen Satz habe nicht ich erfunden, er stammt von Peter Bichsel, einem anderen buchstabensüchtigen Zeitgenossen.
Wie Recht er doch hat!

Will man sich gegen Ungerechtigkeit wehren, macht man das eingeschrieben und der Gegenspieler muss Stellung beziehen. Bringt man seine Probleme verbal zum Ausdruck, heisst es schnell, man hätte sich das eingeredet.

Das geschriebene Wort hat mehr Macht und Macht macht Angst. Darum wird reglementiert, korrigiert, gekürzt und eingeschränkt.
Ich habe mich entschieden, dass ich bei meinem Schreibstil bleibe. Obwohl ich von einem Weltklasseschreiberling weit entfernt bin, versuche ich meine Aussagen weiterhin über viele Stationen und mit viel Spielraum zu formulieren.
Ich bin sicher, dass ich beim einen oder anderen Leser damit ankomme, schliesslich gibt es immer noch Leute die einen Text nur darum lesen, um Rechtschreibefehler zu finden.

Donnerstag, April 05, 2007

erotische Abenteuer im Flugbetrieb

Ein reisserischer Titel - ich gebe es zu, aber ab und zu muss man auch den schlüpfrigen Tatsachen ins Auge blicken. Über das Leben von Flugbesatzungen im Allgemeinen kursieren allerlei Geschichten, geht es dann um die erotische Komponente unseres Berufes, kennt die Kreativität in der Regel keine Grenzen mehr. Selbst EhepartnerInnen sollen angeblich vor solchen Phantasieattacken nicht gefeit sein.

Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, muss man in der Zeit etwas zurückblättern. Früher, als ein Flug noch etwas Aussergewöhnliches war, steigen die Besatzungen dann und wann auch mal fern der Heimat aus der Aluminiumröhre aus und erholten sich vom Stress des Fluges in einem flauschigen Hotel irgendwo am Meer. Sonnenuntergänge wurden bestaunt und nach 10 Tagen fern des heimischen Futtertroges, weidete so mancher auch mal in einem fremden Gärtchen.

Tempi passati, zum Glück - ehrlich! So wie ich es von alten Fliegerassen gehört habe, sollen die Drei-, Vier- oder gar Fünfeckbeziehungen ziemlich an die Substanz gegangen sein - finanziell und körperlich.
Heute ist alles anders. Den Flieger verlässt man nur noch auf den Felgen oder am heimischen Flughafen und falls man dennoch einmal ein Hotelzimmer von Innen sieht, reicht die Kraft kaum noch aus zum Zähneputzen. Und trotzdem hat die Erotik noch Platz im Leben eines Piloten und natürlich erlebt man ab und zu auch unsittliche Abenteuer unterwegs.

So zum Beispiel letzte Woche in Los Angeles. Nichts ahnend stolzierte ich wie einst Leonardo im Film in der Uniform durch die Flughafenhallen und traf nach wenigen Minuten auf eine Menschenansammlung vor einem Metallgitter. Leicht irritiert hat die Tatsache, dass sich die Personen aller ethnischen Gruppen mitten im prüden Amerika langsam entkleideten. Einem einstudierten Vorspiel gleich, entledigte sich die Menschenmasse zuerst der Schuhe, dann der Mäntel und zum Schluss streiften sie sich Gürtel und Schmuck vom Körper ab.
So standen sie nun, diszipliniert, halbnackt und schwitzend in einer Reihe und warteten auf den Höhepunkt in Form einer zärtlichen Abtastmassage. Im Raum roch es ähnlich wie in einer Alphütte nach einem Käsefondueschmaus einer Wandergruppe, leicht säuerlich und nicht wirklich appetitanregend.

Endlich kam auch ich in die „Gurtweg-Zone“. Elegant streifte ich das lederne Teil von meinen Hüften und versuchte durch geschickte Spreizung der Beine das herunterrutschen der absichtlich zwei Nummern zu gross gewählten Uniformhosen zu verhindern. Es gelang mal besser, mal weniger und die Damen hinter mich schienen sich an der Farbe meiner gelben Unterhosen zu belustigen, die ich letzte Woche im H&M im Ausverkauf erstand.

Als dann endlich das entscheidende Tor näher kam und sich entschied, ob ich mit oder ohne Weichteilmassage meinen Arbeitsplatz betreten durfte, vergass ich aus lauter Nervosität, meinen Ausweis mit Metallhalter vom Hemd zu nehmen. Es piepste, ein schwitzender und übergewichtiger Afroamerikaner sprang auf und zerrte mich in eine verdunkelte Zelle.
Was dann folgte war eine ziemlich unsensible und aufdringliche Durchsuchung meiner Person. Angeblich der Sicherheit dienend, aber nicht unbedingt einer Zivilisation würdig. Immerhin gehörte diese Leibesvisitation in den Bereich „safer sex“, sieht man einmal vom Ansteckungsrisiko der feuchten Aussprache des Beamten ab.