Freitag, März 09, 2007

Tokio Hotel

Endlich bin ich im Tokio Hotel. Dieses Tokio Hotel ist ja im Moment in aller Munde und eigentlich habe ich keine Ahnung, warum sich Funk und Fernsehen für diesen ovalen Bau so interessieren.
Ununterbrochen wird man im Tokio Hotel mit synthetischer Musik beschallt und in der Lobby hüpfen haufenweise pubertäre Teenager herum, kein Wunder stehen einem die Haare zu Berge!
Ach was mache ich mir Gedanken. So schlaftrunken wie ich bin, vertrage ich schlichtweg diesen Rummel nicht mehr. Dankend nehme ich meinen Zimmerschlüssel entgegen, lasse mich vom Aufzug verschlucken und verschwinde gähnend im Zimmer 483.

Kaum im Duvet eingekuschelt, werden meine Beine schwerer und schwerer, die Gedanken drehen sich noch einen Moment im Kreise und verschwinden schon bald in einer anderen Dimension.
Wahrheit und Fiktion beginnen sich zu mischen und Sigi Freud könnte Bücher füllen mit der Analyse der Bilder, die sich jetzt vor meinem geistigen Auge abspielen.

Plötzlich ein Klopfen an der Türe. Mit einer ausgetragenen Unterhose bekleidet schlurfe ich zur Türe und öffne diese einen kleinen Spalt. „Tokio Hotel – Room 483?“, fragen mich die zwei Mädchen im Teeniealter, ich bejahe und es folgt ein minutenlanges Kreischen. Ich brauche einen Augenblick um die Situation zu begreifen, werfe einen Kontrollblick in den Spiegel und bemerke ausser meiner Frisur, die in alle Himmelsrichtungen schaut, nichts Aussergewöhnliches an mir.
„Sing for me – please!“, bettelt eines der Mädchen und bricht dabei fast zusammen. Wie könnte ich diesem pubertierenden Mädchen, das in der ersten grossen Krise ihres Lebens steckt, einen solchen Wunsch verwehren?
Ich nehme tief Luft, rufe in meinem Speicher die Zeilen der Copiloten-Hymne schlechthin ab und stimme die erste Strophe des Kantus’ an, den ich mit meinem Singlehrer in heimischen Breiten so oft geübt habe. „Nimm mich mit Kapitän auf die Reise, nimm mich mit in die weite weite Welt, ....“.

Ein neues Geräusch, ein neuer Traum. Es klingt nach Arbeit und es will einfach nicht verschwinden. Ich drehe mich nach links und nach rechts, spüre dabei die volle Blase und realisiere wenig später, dass die Quelle dieses ominösen Geräusches der Staubsauger des Zimmermädchens im Raum nebenan ist. Die Träume sind zu Ende, scheinbar ich bin zurück in der Realität.
Der Kontrollblick auf den Wecker zeigt, dass ich knappe zwei Stunden geschlafen habe. Immerhin, in Japan ist man froh über jede Minute Ruhe. Acht Stunden Schlaf verteilt auf 24 Stunden seien genug, behauptet eine Studie der NASA, die sich mit dem Schlaf von Langstreckenpiloten befasste. Wenn die NASA dies behauptet, wird es wohl so sein. Mir fehlen also nur noch 6 Stunden Tiefschlaf, in Tröpfchenform oder am Stück, die Studie legt sich hier nicht fest.

Wie auch immer, mit den unzähligen Sprüngen von Zeitzone zu Zeitzone und den massiv verkürzten Aufenthaltsdauern an den Destinationen, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion in meinem Kopf immer mehr. Es wie mit dieser Geschichte, es ist wie mit diesem omnipräsenten Tokio Hotel.

Was wohl Freud zu dem allem sagen würde?

Kommentare:

  1. Solange sich die Szenen nicht vor dem Cockpit abspielen ;-)

    Noch viel Spass beim Sushi Essen!! Bitte eine Portion für mich mit essen :-)

    Grüsse
    A.

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  2. Tokio Hotel? Dabei steht der ovale Bettenbau doch in Narita... ;)

    Passender, und vor allem entspannender als Room 483, finde ich übrigens dieses starke Stück:
    http://www.last.fm/music/Stark/_/Narita

    Sayonara,
    airoli

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  3. Vorweg: die Sushi waren köstlich!

    Ich verspreche auch hoch & heilig, dass ich den einzigen Song den ich im Moment aus dem ff beherrsche nicht vor der Cockpittüre singen werde!

    "Nimm uns mit Kapitän ....."

    nff, schon wieder am packen :-(

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  4. Na also lieber singt ein charmanter Schweizer den Kapitäns Song, als 4 halbgare leicht schwachsinnige Teenies irgendeinen Müll :-))) Ist eine Frage der Kultur... Oder wie wäre es mit Käpitän komm bald wieder.... Käme beim Boarding evtl. ganz nett, so als Einstimmung auf die lange Reise...

    Grüsse
    A.

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  5. Zum Thema "Tokyo Hotel" fällt mir nur folgendes Zitat von unserem Bundesrat Dr. Christoph Blocher ein:
    Zu Moritz: "Solang du als Medieminischter toleriersch dass so gschtörti, missbildeti Mänsche wie die Musiggruppe Tokyo Hotel im Staatsfernsee döfed ufträtte, dänn verträit das Land au än Autorännschtreki."
    Moritz: "Das äh chamer doch nöd äh. vergliche, Christoph, und überhaupt, äh die Tokyo Hotel sind doch amüsant und en Ufschteller für eusi Bevölkerig. Häsch nöd müesse Lache wo die im äh Benissimo ufträtte sind?"

    Blocher: "Über so Mänsche wo usgsend wie die Tokyo Hotel, do lacht mer ned. Nöd im Gedenkjahr 2006."

    Leuenberger: "Was für es Gedänkjahr, Christoph?"

    Blocher: "Zwänzg Johr noch Tschernobyl."


    Zugegeben, es war nicht der echte Blocher der da Sprach. Die Rede ist nachzhören auf der "Radio 24 Best of Bundesrat Vol.2"

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  6. Ja, Blog-Therapie ist sicherlich besser. Erstens sind die Therapeutinnen charmanter und Zweitens, äh Zweitens ...?
    Ach was soll's, hübsche & charmante Therapeutinnen reichen eigentlich!

    Gut, dieser Blogger hat noch eine andere Idee, aber ich weiss nicht so recht ....... :-)

    Gruss nff

    (gerade von der morgendlichen Biketour zurück)

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  7. PEINLICH, jetzt habe ich den falschen Kommentar gelöscht :-(

    Piloten sollten nicht bloggen :-/

    Frau ANGEL, ich bin untröstlich!!!!!

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  8. Kann passieren, aus der Antwort auf den gelöschten Kommentar kann man ja noch erschliessen was drin stand ;-)

    Ich werden *nicht* zu Rache-Aktionen übergehen. Piloten sollten im Übrigen sehr wohl Bloggen, das gibt denjenigen von uns, die auf dem festen Boden leben, mal einen etwas luftigeren Blickwinkel :-)

    Ähem, von einer Bike-Tour? Ich plan grad Skitouren (OK, im Ötztal und Saas Fee, das ist dann doch ein kleines Bisserl höher). Trotzdem: *Neid!*

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  9. Hallo NFF
    Mal eine Frage...

    Was genau haben diese drei Buchstaben zu bedeuten?
    NFF = Norbert fon friedrichshafen (kaum, ich nehme nicht an, dass der Röschtigraben, respektive Bodensee so tief ist)

    NFF = Nicht-freie-Flugwahl

    NFF = Neue-fliegerische-Freude

    Es gäbe sicherlich hunderte solch sinnloser Kombinationen. Was trifft zu?

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  10. nff ist germanischen Ursprungs!

    In der Fliegerschule der Lufthansa in Bremen heissen die Kurse NFF.
    NFF steht für NachwuchsFlugzeugFührer. Als Copilot mit erst 14 Jahren Erfahrung (...) bin ich schliesslich so ein nff :-)

    Gruss

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