Freitag, Februar 23, 2007

same same but different

Oh wie bin ich vor zwei Tagen noch über die bestens präparierten Loipen des Oberengadins geschossen und habe mich über das horrende Tempo gefreut. Es ist gelaufen wie noch nie und dabei stimmte einfach alles zusammen. Das Wetter war perfekt, meine Form an diesem Tag war perfekt, meine standesamtlich beglaubigte Begleitung war perfekt, der Rückenwind war perfekt, mein Stockeinsatz war perfekt und das Gleitmittel unter den Brettern war perfekt. Ich wage noch heute zu behaupten, dass wenn an diesem einen Tag der Engadin Skimarathon über die Bühne gegangen wäre, hätte ich das Steinbockgeweih - das dem stolzen Sieger zusteht - mit einem Lächeln am Ziel entgegengenommen.

Gerne hätte ich die Form weiter verbessert und meinen Abstand zum Rest der Langlaufelite noch weiter vergrössert. Doch leider wie so oft, stand dem ausgeklügelten Trainingsplan ein Flugeinsatz im Weg. „One Night in Bangkok“ stand auf meinem Tagesbefehl und diesem bin ich trotz allem gerne gefolgt.
Wenn ich meinen männlichen Kollegen von einem geplanten Flug in die Metropole in Südostasien erzähle, werden die Augenbrauen regelmässig nach oben gezogen, der rechte Mundwinkel steigt etwas an und das Sprechorgan kommentiert nicht ohne Zwischentöne:
„ Aha, Bangkok!“
Weibliche Kolleginnen sorgen sich berechtigterweise eher um meine Gesundheit, die durch die zwei Nachtflüge, die Zeitverschiebung und den Temperaturunterschied von fast 40°C doch ziemlich strapaziert wird.

Doch eigentlich sind die Destinationen Engadin und Bangkok nicht allzu sehr verschieden und der Thailänder würde dies sehr treffend mit dem Ausdruck „same same but different“ beschreiben.
An beiden Orten ist es im Moment viel zu warm, an beiden Orten werden haufenweise Prada, Gucci, Lacoste, und andere Kleider verkauft, Rolex-Uhren gehen wie die warmen Semmeln weg und auch Breitling-Wecker finden trotz Fluglärmgegnern noch reissenden Absatz.
Wie auch im Engadin, stehen die Touristen in Bangkok auf folkloristische Darbietungen und Tänze, die aber hier in Thailand aus klimatischen Gründen mit sehr viel weniger Stoff um den Leib vorgeführt werden. Und wer hätte das gedacht, nicht nur im langlaufverrückten Engadin, nein auch im tropischen Bangkok werden haufenweise Gleitmittel eingesetzt.

Same same but different!

Zum Glück sind wir Besatzungen immun gegenüber etwelchen erotischen Anreizen, die der unvorsichtige Leser in diesen Text hineininterpretieren könnte. Dies liegt nicht etwa daran, dass unser Liebesleben - natürlich über das ganze Corps betrachtet – üppiger wäre als das des Durchschnittsschweizers, aber bei uns kommen die zahlreichen Sicherheitschecks dazu. Ganz neu im Angebot ist die Zusatzüberprüfung an unserer Heimbasis in der Weltstadt inmitten der Schweiz.
Nach dem intensiven Screening, das jeder Passagier auch kennt, werden wir noch einmal vor dem Betreten unseres Arbeitsgerätes untersucht. Mit fehlt gerade das richtige Wort dafür, ich nenne darum einfachhalber einmal „Unique“.
Es wird kontrolliert, abgetastet und dies so gründlich, wie es die Vorschriften vorsehen. Als der junge Mann gefährlich nahe an meine Kronjuwelen heran kam, wagte ich die Bemerkung, dass wenn er nach Mordgeräten suche, er das doch bitte in der Waffenkammer und nicht in der Spielwarenabteilung machen solle.

Die Schweiz ist in gewisser Sicht halt auch Dritte Welt – same same but different!

Kommentare:

  1. Hatte gestern auch das erste Mal das "Vergnügen" diese besondere Serviceleistung des Sicherheitspersonals zu "geniessen". Offensichtlich fehlt mir dazu die richtige sexuelle Orientation um das Verfahren richtig zu geniessen, aber das nächste Mal schick ich halt lieber meinen Purser nach draussen, der freut sich sicher :)

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  2. Geschmunzet habe ich, als mit ein Polizist erzählte, das ihn der Secutira Mann trotz zücken aller verfügbaren Ausweise nicht auf das Flugzeug gelassen hat.
    In der Macht seines Amtes tadelte der KaPo Mann seinen "Kollegen" des Sicherheitsdienstes, wobei dieser Verstärkung holte.
    Diese kam auch prompt und erkannte ihren Kollegen vom Schreibtisch nebenan umgehend.
    Unique, gäll!

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  3. Warum wird man als Pilot einem massiv härteren Check mit Leibesvisitation unterzogen? Ist das Bombenrisiko bei Piloten höher als bei Passagieren? Ich denke es liegt an Qualität und Quanität.
    Passagiere kommen in einer 3 Stelligen zahl ins Flugzeug. Diese können aus zeitgründen nur lausig überprüft werden.
    Die Piloten hingegen treten nur zu dritt auf. Wer sich bei Unique einmal ein gelbes Ticket besorgt hat, hat danach freien Zutritt in alle nötigen Sicherheitszonen um eine Waffe an Board zu nehmen...

    Ist das so?

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  4. Ja leider ist es tatsächlich so, dass die Piloten als Sicherheitsrisiko am Flughafen unique eingestuft wurden.
    Nach dem ausführlichen Check nach dem Verlassen des OPS wurden wir vor dem Betreten des Flugzeuges im Gegensatz zu Rampern u.a. noch einmal überprüft (unser Gepäck übrigens nicht ..).

    Die Reklamation unsererseits hat zum Glück gefruchtet - der unsinnige Check gehört der Vergangenheit an.

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