Freitag, Februar 09, 2007

Afrika? Afrika!


Flüge nach Afrika sind irgendwie immer etwas Besonderes. Über keinem anderen Kontinent kann einem das Wetter solche Schnippchen schlagen wie in der Äquatorgegend Afrikas, nirgendwo anders sind die Gewitterwolken höher und gewaltiger, in keiner Gegend der Welt muss ich lauter ins Mikrofon schreien, wenn ich einen Beamten der Flugsicherung erreichen will und noch kenne ich keinen anderen Ort der Welt, der von oben so majestätisch wirkt, wie die grossen Regenwälder im ehemaligen Zaïre.

Es lässt sich leicht schwärmen von einer Gegend, wenn man diese aus 11 Kilometern Höhe von einem gut temperierten Cockpit aus betrachtet. Unter mir tobt der tägliche Kampf ums Überleben. Sei es in der Tierwelt oder unter der einheimischen Bevölkerung, die nächste Mahlzeit ist für die Bewohner so wenig selbstverständlich, wie für uns ein schneesicherer Winter in den Bergen.

Ja, man kommt leicht ins Philosophieren über dem Kontinent, der in den vergangenen Jahrhunderten so manches Leid erfahren musste. Ich ertappe mich dabei, dass ich Rezepte formuliere, die diesen riesigen Landstrich weiter bringen könnten. Ich ertappe mich dabei, den Einwohnern Versäumnisse in die Schuhe zu schieben, ohne dass ich die Geschichte und die Gegebenheiten vor Ort genauer kenne. Ich ertappe mich dabei zu glauben, dass ich Land und Leute kenne, weil ich ein paar afrikanische Grossstädte aus der Perspektive der Hotellobby kenne und auch schon Krankheiten aufgelesen habe, die Fachleute am Tropeninstitut in heimischen Breiten vor ein Rätsel gestellt haben.

Nein, ich kenne Afrika nicht und ich darf mir auch nicht anmassen, die Probleme mit der typisch populistischen Haltung lösen zu wollen.
Mit dem Philosophieren ist es schlagartig zu Ende. „Gabarone Control“ schreit etwas Unverständliches ins Mikrofon und schick mich begleitet von viel Hintergrundgeräusch auf die Frequenz von „Johannesburg Radar“.
Das für die Ohren schmerzhafte Ächzen und Krächzen hört augenblicklich auf und in bestem Englisch begrüsst uns der Flugverkehrsleiter unseres Zielflughafens. Zackig und gänzlich unafrikanisch effizient dirigiert er uns über Township Soweto Richtung der Hauptlandepiste 03R.

Gänzlich unafrikanisch Effizient? Schon wieder so ein Vorurteil meinerseits! So sind wir eben erzogen worden. Zackige Befehle verbinden wir mit Effizienz, obwohl zumindest wir Männer es besser wissen sollten. Die erste wirkliche Erfahrung mit zackigen Befehlen machen die meisten meiner Geschlechtsgenossen im Militär und diese Institution ist wohl das pure Gegenteil von Effizienz.

Die Landung ist vollbracht, das Adrenalin verlässt schleichend den Körper und langsam und bedächtig schlurft die müde Crew durch die Einreisekontrolle Richtung Gepäckband. In diesem Zustand der Trance sind wir Europäer vermutlich am Afrikanisten.
Das Wirrwarr in der Ankunftshalle ist gross. Überall stehen Leute herum und überall versperren Koffer die Ideallinie zum eigenen Gepäcksstück. Es ist chaotisch, sympathisch und erstaunlich effizient. Viel schneller als erwartet sitze ich im Bus zum Hotel und viel schneller als erwartet falle ich im Bett in einen tiefen Mittagsschlaf.

Jetzt nach dem Schönheitsschlaf, wo ich vor einem feinen Kaffee sitzend diesen Artikel verfasse, werde ich immer wieder von den charmanten Mitarbeitern des Cafés unterbrochen. Es ist nicht, dass mich diese beim Schreiben stören würden, es ist vielmehr die Tatsache, dass mich der Rhythmus ihrer Bewegungen fasziniert. Langsam und bedächtig mit tief hängenden Armen laufen die Angestellten in einer Art durch das Restaurant, die jeden europäischen Patron zur Weissglut treiben würde. Charmant wird die Bestellung aufgenommen und langsam wie sie gekommen sind, verschwinden sie mit ihrem unverkennbaren Gang in der Küche. Das Georderte kommt schnell, zuverlässig und stets mit einem Lächeln begleitet auf den Tisch. Von europäischer Hektik keine Spur. Was auf den ersten Blick nach Effizientsteigerung und Optimierung schreit, lässt einem auf den zweiten Blick fast neidisch werden.
Der Not und der grossen Probleme dieses Kontinentes bewusst, wünsche ich mir trotz allem, dass unser überhektisches Europa etwas afrikanischer wird!

Kommentare:

  1. Wie sagte einmal ein afrikanischer Häuptling: Ihr Schweizer habt die Uhren, doch wir, wir haben die Zeit!

    Passt noch irgendwie, nicht?

    E liebe Grues usm Schneefreie, über zähgrad warme Fürsteland

    Severin

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  2. Ich muss sagen, ein sehr hübsches Foto.

    Ich weiss noch, als ich in Afrika war... Die Zöllner hatten eine etwas grosse Allyre. Sie waren halt die Besten. Sie hatten Sturmgewehre, eine Uniform, Macht... Diese liessen sich bei der Kontrolle reichlich Zeit. Ansonsten waren die Menschen sehr hilfsbereit und freundlich... Aber das kann ich wohl kaum beurteilen, als Durchschnittstourist. Als wir Mombasa und Nairobi besichtigten, waren auch alle Nicht-Hotel-Angestellten sehr freundlich, aber auch die rochen den Zaster.

    Am letzten Tag vor der Abreise bemerkte ich dann auch den Grund, warum alle so freundlich waren. Kurz vor der Abreise stöberte ich ein letztes Mal im Reiseführer herum und entdeckte eine Empfehlung, den Angestellten fürs Koffertragen nicht mehr als 35KSH zu bezahlen. Bis zu diesem letzten Tag, wusste ich gar nicht, dass es Kenianische Münzen gibt. Zuvor waren Hunderternötli (ca. CHF 1.50) das Kleinste, was ich in den Händen hielt. Deshalb gingen sie dann auch immer mit einem Lächeln aus dem Zimmer.

    Afrika ist und bleibt für mich der faszinierendste Kontinent, dicht gefolgt von Asien. Es war für mich sehr eindrücklich, wie die Bewohner der Slums am Sonntag trotzdem weisse Kleidchen trugen, und vor allem wie die Kinder, welche kaum was hatten trotzdem lächeln konnten.
    Ich genoss natürlich auch die Wildnis.

    Trotzdem, so etwas Asien müsste auch noch interessant sein.

    Gruss
    Philipp

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  3. @Severin:
    (..) warum schreibe ich eigentlich einen ellenlangen Bericht, Du hast es mit einem Satz auf den Punkt gebracht!

    @Maturabüffler:
    Ein bisschen Afrika, etwas Europa und dazu eine gehörige Portion Asien - wahrlich keine schlechte Mixtur!

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  4. Da kommt mir ein kurzes Sprichwort in den Sinn, aufgeschnappt von einem unserer Instruktoren bei der Skyguide (hat in Südafrika gearbeitet...)
    Humba Gashle!
    Heisse angeblich "Chamäleon" übersetzt, wird aber oftmals für die Lässigkeit und "easy going" verwendet

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  5. ....jealous at all to yr experiences...keep on bloggin'- you've saved my life**Hopp Schwyz**

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