Dienstag, Januar 09, 2007

il flöch da naiv

Ach wie herrlich, mit freien Atemwegen gleite ich über die perfekt präparierte Loipe und lüfte meinen Kopf aus, während die Sonne auf mein schweissgetränktes Gesicht brennt. Einige hundert Meter über mir düst alle paar Minuten ein Businessjet über mich hinweg und tauscht am Flughafen Samedan die reichen Italiener gegen die noch reicheren Russen aus.

Ich fühle mich gut in Form und falle bald in einen meditationsähnlichen Zustand. Unter meiner Baumwollkappe drehen sich die Gedanken im Kreis und trotzdem kann ich mich nach ein paar Minuten an nichts erinnern, was mir beim Ballet auf Langlaufskiern durch den Kopf gegangen ist. Es ist ein totaler Glücksmoment, ein Gefühl, dass wohl Langläufern beim Skaten im Engadin vorenthalten ist.

Das Nirvana ist von kurzer Dauer. Unter meinem Hightechbelag befindet sich üna terrenzla (ein schneefreier Flecken), ich strauchle und mit viel Glück kann der Unterländer Zentnermann einen Sturz mit Höchstgeschwindigkeit vermeiden. Nur ein bischina (leichtes Schneegestöber) zeugt Sekunden später von dieser akrobatischen Einlage. Ich raffe mich auf, versichere mich, dass niemand diesen peinlichen Zwischenfall bemerkt hat und gleite, als nichts gewesen wäre, wie ein alter Profi weiter.

Die Bergwelt könnte schon ein paar flöchs da naiv (Schneeflocken) vertragen. Obwohl die chanun da naiv (Schneekanonen) fast ununterbrochen laufen, brauchen die Hauswarte ihre taglianaivs (Schneefräsen) in näherer Zukunft nicht aus den Kellern zu holen. Sonnenschein ist angesagt und das ist ja auch nicht grundsätzlich falsch.

So geniesse ich die Ferien, skate weiter, hoffe auf dichtes sbischaduoir (Schneegestöber), schreibe in unregelmässigen Abständen meine Kurzgeschichten und halte mich an den Grundsatz, dass wenn man nichts zu sagen hat, man wenigstens die Geschichte mit möglichst vielen Fremdwörtern spickt, um ihr die notwendige Wichtigkeit zu geben.
Die Fremdwörter sind für einmal rätoromanischer Natur und ich hoffe, dass es trotzdem gefallen hat.

Kommentare:

  1. hat gut gefallen! Weist in der mit Fremdwörtern gespickten Art, trotzdem noch auf die nicht übersehbaren Konsequenzen der Klimaerwärmung hin. Ich hoffe bei uns in Wil fällt immerhin noch ein minimü Schnee das würde mich scho freuen! Von den Mücken und Zecken die diesen Sommer bestimmt kommen werden, brauche ich mich NOCH nicht zu fürchten!

    Abgeschweift...:D Sorry! Ihnen noch viele weitere schöne Langlaufstunden ohne allzuviele braune Flecken!

    E liebe Grues

    Severin

    AntwortenLöschen
  2. Hallo NFF
    Ich hoffe, du geniesst deine Ferien.
    In der Zwischenzeit habe ich es dir gleich getan und meinen Blog eröffnet.
    Für alle, die etwas von meinem Beruf in Erfahrung bringen möchten, besucht doch bitte:
    www.schuelerblog.blogspot.com

    Der Beruf ist zwar nicht halb so spannend oder Abwechslungsreich wie der Beruf des Piloten, doch ich könnte mir vorstellen, dass er doch bei einigen etwas nostalgische Gefühle erwecken mag.

    AntwortenLöschen