Donnerstag, Dezember 28, 2006

der brennende Staubsauger

Morgen ist es wieder soweit, Morgen ist die Zeit des Müssigganges vorbei und es gilt wieder ernst. Zwischen 18 Uhr und 22 Uhr hat die charmante Simulatordisponentin für mich einen Platz in der Geisterbahn reserviert und dann habe ich meinen halbjährlichen Checkflug im virtuellen Raum zu absolvieren. Die Gelehrten meiner Firma meinen im Vorwort des bald hundert A4 Seiten umfassenden Pamphletes, - das man als Vorbereitung von der Homepage herunterladen muss -, dass diese Übung als Standortbestimmung dient. Standortbestimmung für eben diese Gelehrten, für das Bundesamt und nicht zuletzt für sich selber.

Ich fliege jetzt schon über 13 Jahre diese Kisten durch die Atmosphäre und da verstehe ich selbstverständlich auch, dass gerade jetzt, wo meine Firma angeblich das erste Mal in meiner Karriere mit mir Geld verdient, das Können überprüft werden muss.
Mein morgiges Abschneiden am Testflug lässt Rückschlüsse auf die Ausbildung, die Selektion im Speziellen und Verfahren im Allgemeinen zu. Die Resultate werden von Spezialisten ausgewertet und gemäss Richtlinien von ISO 6969 zertifiziert. Selbstverständlich folgt danach ein ausführliches Audit.
Vielleicht können sie sich jetzt erklären, warum ich so nervös bin!

Klar, im vergangenen halben Jahr hatte ich genügend Gelegenheit, mein Können in Ausnahmesituationen unter Beweis zu stellen. Ohne dass ich jetzt gegen die strengen Diskretionsrichtlinien meiner Firma verstosse, kann ich ihnen die Geschichte des brennenden Staubsaugers erzählen.
Als Pilot habe ich natürlich Wohneigentum. Für ein Haus hat es nicht gereicht, dafür bin ich stolzer Besitzer einer Wohnung mit obligatem Kaminofen im Wohnraum. Ab und zu, wenn es die Feinstaubkonzentration in der Luft zulässt, entfache ich ein Feuer und geniesse einen guten Schluck Wein vor der wärmenden Flamme.
Es liegt in der Natur der Sache, dass neben einer leeren Flasche Wein auch etwas Asche im Kamin zurück bleibt. Diese Asche will entsorgt werden und zwar so schnell und einfach wie möglich. Der Griff zum Miele Staubsauger ist schnell getan und noch bevor der Morgenkaffee in der Tasse dampft, ist die Asche aus dem Kamin verschwunden. Soweit die Theorie.
In der Praxis funktionierte mein Plan fast perfekt. Der Ofen war nach Sekunden sauber, aber aus dem Staubsauger entstieg Momente später aus unerfindlichen Gründen ein schwarzer Rauch, der Ungutes ahnen liess.
Zwei Sekunden später stand der Staubbeutel eben dieses Saugers in Flammen und urplötzlich war noch vor dem ersten Schluck Milchkaffee mein Know-how als Katastrophenmanager gefragt. Sofort entfernte ich das brennende Teil vom hölzernen Parkettboden und trug es auf schnellstem Weg auf die Terrasse mit dem hölzernen Rost. Dort wartete zum Glück der Treteimer KNODD (23.95 Fr. in der IKEA) auf meine gefährliche Fracht und rettete den Staubsauger vor einem Flug aus dem ersten Stockwert.

Dieser nicht simulierte Notfall zeigt, wie sich stetiges Üben auszahlen kann. Ein Zwischenfall wie der Geschilderte wünscht sich niemand, trotzdem gibt er einem das Gefühl, dass man alles im Griff hat. Soweit gehe ich also Morgen mit einem guten Selbstvertrauen in die Geisterbahn und blicke fast sorgenlos auf die vier Stunden Turnprogramm. Ob ich die Staubsaugergeschichte meinem Experten vor der Prüfung erzählen soll?

Kommentare:

  1. Kommt mir bekannt vor....

    Vor nicht knapp 4 Jahren haben wir das auch fabriziert. Der Kamin war schon das ganze Wochenende nicht gesäubert worden und bevor man die Ferienwohnung wieder verlässt, wurden die Arbeiten zugeteilt. Mann trägt erst mal Gepäck aus dem 4 Stock ans Auto, Frau räumt derweil den Kühlschrank aus und putzt das Bad und Mann bekommt dann noch Staubsauger in die Hand gedrückt und den Auftrag, wenn er fertig sei, solle er noch schnell die Asche aus dem Kamin kehren... Gesagt getan, Mann (nicht gerade ein Anhänger der häuslichen Pflichten) will sich den Kamin so einfach wie möglich machen. Da das ganze länger dauert was Frau noch so zu erledigen hat, könnte man ja nebenbei noch ein wenig TV schauen, Spengler Cup what else. In aller Ruhe hält er das Staubsauger Rohr erst in den Kamin und saugt dann lustlos weiter in allergrösster Nähe des TV rum, natürlich immer mit einem Auge auf den Fernseher und den Puck. Innert kurzer Zeit stand der Staubsauger in Flammen. Bei uns flog der dann aber aus dem 4. Stock vom Balkon lichterloh brennend in den Schnee... Da hat dann die Erfahrung leider nicht mehr viel genutzt... Aber es wurde festegestellt, dass dieser Staubsauger definitiv brennbar war und so etwas eigentlich gar nicht gut sei :-) männliche Piloten Logik...

    Toi, toi für den Sim Check!

    Gruss
    A.

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  2. Viel Glück und alles Gute beim Test!

    PS: Und Dein Schätzeli soll dich dafür von oben bis unten und von links nach rechts fehlerlos nach ISO-Vorschrift Kapitel/Stellung 69 (nicht 6969) verwöhnen, damit auch sie die Zertifzierung als gute Ehefrau für ein weiteres halbes Jahr erhält! Ist doch ausgleichende Gerechtigkeit ;)

    Kuss und Tschüss Ihr zwei

    SM

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  3. Nein, es soll schon doppel 69 heissen - schliesslich bin ich auch im Rückenflug ausgebildet.

    Damit solche brennenden Staubsauger nicht mehr vorkommen, verlange ich folgende Gesetzesänderungen:

    1. Haushaltsverbot während Spengler-Cup
    2. eine IKEA in den Bergen!

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  4. Bloss nicht, bitte keine IKEA in den Bergen. Ich habe während dem Studium dort in der Logistik gearbeitet und träume heute noch von IVAR und Co, Aufbauanleitungen und Schrauben die man ständig nachziehen muss ;-)

    Generelles Hausarbeitsverbot während Eishockey ist machbar, da ich dann eh selbst schauen will :-), am besten vor Ort.

    Ich hoffe mal es brennen heute Abend evtl. nur die Treiber und keine Staubsauger oder andere obskure Dinge im Cockpit... Und noch viel Spass im "Rückenflug"!!!!

    Gruss
    A.

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  5. Salü NFF

    Ich drück dir die Daumen!! wird schon schief gehen :-)

    Gruess Chregu (der, der dich mal wegen Charles Bachmann angequatscht hat :-)...)

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  6. Du machst das schon. Ich weiss wie hart diese Checks sind. Mein Onkel war einer der Folterknechte.

    Im Fall Kamin greife ich oft auf die Staubsaugvariante des 20. Jahrhunderts zurück. Das heisst, ich nehme ein Plastikschäufeli (wohl doch eher 21.JH) und ein Bäseli. Danach transportiere ich die Asche in einem Plastiksack durch das halbe Haus und setze das ganze dann vor die Tür. Das Cheminée ist zwar sauber, was den Marmor anbelangt...
    Aber das lässt sich ja dann mit dem Staubsauger des 21. Jahrhunderts ganz leicht bereinigen.

    Viel Glück.

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  7. Guete Aabe,

    Als ebenfalls stolzer Besitzer einer Romantik- und Feinstaubschleuder habe ich mir mal Staubsauger-Add-On gekauft: Eigentlich eine simple Erfindung: Ein Metallkübel (ca. grösse eines grösseren Farbkübels) mit einem +/- luftddichten Deckel. Darin eingelassen einerseits ein Metallrohr (welches - wen erstaunt's - zum saugen der Asche gedacht ist) sowie einem Loch mit Dichtung in welches das eigentliche Staubsaugerrohr eingeführt werden kann.

    Durch den mit dem Staubsauger erzeugten Unterdruck wird die Asche in den Kübel gesogen und bleibt - dank einem angebrachten Gitter - auch dort wo sie soll.

    Ich habe noch keine Staubsauger flambiert, bisher :-)

    SchöneAabeGruess,
    IndiaHotel

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  8. Wo kriegt man dieses Add-on her?

    Falls bei genauerer Untersuchung die Kosten dem Nutzen unterliegen, könnte ich mir vorstellen, ebenfalls ein solches anzusaffen.

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  9. Grüessech mitenang,

    Diese Aschekübel kriegt man in jedem mittelprächtigen Baumarkt oder dann garantiert in jedem Cheminée-Fachgeschäft. Im Web habe ich hier ein Modell gefunden:

    http://www.ruegg-cheminee.com/ww/de/pub/produkte/accessoires.cfm

    => bis zuunterst scrollen.

    Heisse Kohlen wünscht,
    IndiaHotel

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  10. Hi,
    bin zufällig hier bei deiner Staubsugerstory gelandet. Das gleiche ist meiner Frau letztes Jahr passiert als sie aus Versehen beim Staubsaugen eine Glut eingesogen hat und diese sofort den Staubbeutel in Flammen setzte. Ich musste dann ebenfalls schnell handeln und bin sofort mit dem Sauger raus in den tiefen Schnee gerannt und hab ihn dort löschen können. Sogar heute noch verteilt der Staubsauger beim saugen einen leichten Brandgeruch! :-)
    Gruß aus dem Schwarzwald
    Alex

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