Dienstag, November 07, 2006

Sesselfurzer HF

Bald muss ich in den halbjährlichen Simulatorcheck und dann sollte ich gegenüber dem Bundesamt wieder Rechenschaft über meine Flugleistungen abgeben. Ein Blick in das Flugbuch zeigt, dass ich in meiner Karriere schon 7692 Stunden sitzend in Cockpits verbracht habe. Gut informierte Leser werde jetzt den Taschenrechner starten, diese stolze Zahl durch Anzahl meiner Dienstjahre teilen und feststellen, dass der Schreiber dieser Zeilen ein fauler Hund ist. Zu meiner Verteidigung könnte ich jetzt argumentieren, dass ich während meiner Karriere vier Umschulungen machte, stundenlang in Simulatoren sass und unzählige Tests am Computer absolvierte. Lieber zitiere ich aber den bekannten Soziologen Ulrich Beck, der am Samstag in der NZZ meine Lebenseinstellung treffend auf den Punkt brachte: »Nie wieder Vollbeschäftigung – wir haben Besseres zu tun!«

Das Bundesamt für Berufsbildung BBT möchte meine Leistungen in der Vergangenheit anerkennen und hat entschlossen, dass Piloten in der Zukunft den Titel einer höheren Fachschule tragen dürfen. Damit soll die berufliche Mobilität der Piloten verbessert werden (…).
Ich bin mir im Moment noch nicht ganz im Klaren, was mit der Steigerung der beruflichen Mobilität gemeint ist? Sollen wir in Zukunft statt einmal in der Woche zwei Mal um den Planeten fliegen?
Erwähnenswert ist sicherlich auch die Tatsache, dass sich das Bundesamt für Berufsbildung dafür einsetzt, dass Luftkutscher endlich ein eidgenössisch anerkanntes Diplom erhalten, während uns die Kollegen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt halbjährlich in die Geisterbahn jagen, damit das weltweit anerkanntes Flugzeugführerdiplom in Form einer Lizenz erneuert wird.

Ich möchte mich nicht beklagen, schliesslich bekomme ich einen neuen Titel geschenkt. Neben dem Ritterschlag zum Sesselfurzer HF, sind vor allem die Weiterbildungsmöglichkeiten im Rahmen der Bologna-Reform sehr interessant. So erhalten die Langstreckenpiloten nach drei Dienstjahren automatisch das angelsächsische Anhängsel MSR (Master of sitting & reading), Swisspiloten werden nach drei Dienstjahren zum MRO (Master of revision of OM B) geschlagen und wer Instruktionsarbeit leistet, bekommt je nach Qualifikation den Titel des MSQ (Master of silly questions).

So sitze ich hier und grüble über die Zahl 7692 nach. So lange bin ich also schon in Sesseln gesessen, die für schnauztragende und 160 cm grosse Franzosen konzipiert wurden. Ich als 196 cm langer Lulatsch habe da natürlich einige Nachteile in Kauf zu nehmen und das spürt vor allem mein geplagter Rücken.
Glauben sie mir, ich habe es schon mit allem probiert. Joggen durch die Wälder, Rudern an Ort, Langlauf im Engadin, Massagen in Bangkok und vielem Anderen. Wirklich geholfen hat bis jetzt nur Yoga. Mein absolut genialer Yogalehrer bringt es immer wieder fertig, das Brett aus meinem Rücken zu entfernen und mir in 90 Minuten geschmeidige Muskeln zu schenken.

Also liebes Bundesamt für Berufsbildung, wenn sie meine berufliche Mobilität verbessern möchten, dann schenken sie mir ein Yoga-Abo und nicht einen Wisch, der im Rundordner verschwindet.

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