Sonntag, November 26, 2006

Schnee!

Wenn man in der Adventszeit von Hongkong nach Hause kommt und bei der Anfahrt ins Engadin in Sargans die höheren Temperaturen als in Kowloon misst, dann gibt das schon etwas zu denken.
Eigentlich sollte sich in dieser Jahreszeit am Frühstückstisch die Frage «Snowboard oder Langlauf?» stellen, wenn aber selbst die Schneekanonen die Produktion des wertvollen Rohstoffes verweigern, dann kommen Gäste und Tourismusverantwortliche kräftig ins Grübeln.

Gut, Glückspilze wie ich haben immer ein Paar Wanderschuhe oder Laufschuhe im Keller stehen und geniessen die Wanderwege statt auf knirschendem Schnee auf weichen Lärchennadeln, aber für die weit hergereisten Gäste, die den Kofferraum mit winterlichem Sportsperrmüll gefüllt haben, sind die braunen Hänge eine Katastrophe.
Hört man sich beim vorsaisonalen Brötcheneinkauf am Sonntagmorgen im Hanselmann um, dann bemerkt man doch, dass einige der Einwohner dieses Tals den Mangel an Weiss auf den Hängen fast noch begrüssen.
Eigentlich sind ja nur die Wintersportler auf eine dicke Schneedecke angewiesen und Wintersportler, die sich im Engadin Ferien leisten können, gehören nur dem gehobenen Mittelstand an und genau dieser gehobene Mittelstand gehört nicht zu der Zielgruppe der Galerie- und Haute-Couture-Ladenbesitzer.
Für die Luxusläden gilt also die einfache Formel: je weniger Schnee, desto langweiliger ist es den Gästen, desto länger stehen sie im Laden herum und desto mehr wird sinnlos stilvoll eingekauft.

Nur die milliardenschweren Russen schwimmen hier etwas gegen den Strom. Gerne gesellen sich die Naturburschen und Mädels zum skifahrenden Proletariat auf die Pisten und rutschen wodkagestärkt die eisigen Hänge herunter oder gönnen sich im Pistenrestaurant ein Brötchen, dickbelegt mit Kaviar aus heimischen Beständen. Klar, auch sie konsumieren kräftig und auch sie zeigen sich gerne bei Prada am Lagerfeuer. Aber eben, nur pulverschneeüberzogene Nasen sind glücklich und nur im glücklichen Zustand erträgt Ivan die einkaufsüchtige Ehefrau im Luxusrausch.

Galerie- und Haute-Couture-Läden tun sich gut daran, sich für die Schneeproduktion einzusetzen. Nur genügend Schnee kurbelt die Geschäfte an und nur, wer genügend Schnee bereitstellen kann, darf sich Mitte Januar im Geldbad wälzen.
Die Luxusgilde im Engadin ist unter Druck. Ist der Schnee bis Weihnachten nicht da, werden ihn die Russen in ihren Privatjets selber mitnehmen und dann geht ein grosses, sehr grosses Geschäft flöten!

Kommentare:

  1. Hallo NFF
    Falls Du grosses Heimweh nach Schnee und Kaelte hast, komm doch mal ueber den Teich zu uns....hatten gerade einen Wintertag mit Hoechsttemparatur -23 C und den ganzen Tag Schneefall.

    Gruss aus Calgary
    BLG

    AntwortenLöschen
  2. Ja ja.
    Die macht des Schnees. Sie wird häufig unterschätzt, vorallem in den Niederungen (Zürich etc.) und in der Wirtschaft. Was wäre die schon ohne Schnee...

    Ich freu mich auf das Weiss von Frau Holle!

    E liebe Grues

    Severin

    AntwortenLöschen