Sonntag, Oktober 08, 2006

die Schlacht am Ballenberg

Das Freilichtmuseum Ballenberg mit seinen Orginalbauten aus allen Teilen der Schweiz, gehört zu den beliebtesten Sonntagsausflügen des Landes. Für läppische 18.- SFr. Eintritt bekommt der Besucher einen Einblick in das Handwerkerleben vergangener Jahrhunderte, trifft auf traumhafte Wanderwege, kann falls gewünscht kleine Ferkel streicheln und lässt sich danach in der museumseigenen Schokoladenfabrik die frischen Köstlichkeiten auf der Zunge vergehen.

Die Bauten faszinieren und ich ertappe mich dabei, dass ich mich trotz eindrücklich dokumentierter Armut in vergangenen Tagen, in die alte Zeit zurücksehne.
Die heimeligen Räume, die historischen Holzbauten und die gemütlichen Sitzgelegenheiten am Kachelofen steigern diese Sehnsucht noch zusätzlich.
Umliegende Berggipfel und die saftigen Wiesen mit grasendem Braunvieh machen die Idylle perfekt und diese Idylle will verteidigt werden.

Wer könnte diesen eidgenössischen Wehrwillen besser beschreiben als der bekannte Schriftsteller Jeremias Gotthelf. Kein Wunder, dass seine Erzählung „das Fähnlein der sieben Aufrechten“ hier in Ballenberg verfilmt wurde.
Heutzutage kämpfen die tapferen Eidgenossen nicht mehr mit Langgewehr und Vorderlader, sondern stellen eine moderne und vor allem sehr teure Milizarmee, die diesen Flecken Land mit Dolchen zwischen den Zähnen verteidigt.

Aus dem Fähnchen von einst ist eine Staffel geworden und diese Ansammlung von gestandenen Eidgenossen demonstriert ihren Wehrwillen mit schnittigen F5-Kampfflugzeugen.
Der Zufall will es, dass das Schützenhaus aus der Gotthelfverfilmung keinen Steinwurf vom Pistenende des Militärflugplatzes in Meiringen entfernt ist.

Es ist knapp nach Ende der Mittagspause, ein unangenehm lautes Donnern lässt die alten Balken im gerade besichtigten Simmentaler Bauernhaus erzittern und der Staub fällt aus den Ritzen zwischen den alten Holzböden über mir.
Ich eile hustend nach draussen und sehe Kampfjets, die von links und rechts über die Gipfel schiessen. In regelmässigen Abständen ertönen Maschinengewehrsalven und hunderte von Geschossen löchern die saftigen Wiesen auf der Axalp.

Mir ist es deutlich zu laut und die Amerikanerin neben mir beobachtet ängstlich die Reaktion der einheimischen Besucher. Ein beruhigendes Nicken Richtung des weitgereisten Gastes genügt, um ihren Puls wieder auf einen nichtlebensbedrohlichen Wert zu senken.

Die Besucherschar stürmt wieder in die Häuser, schliesslich gibt es keinen Grund zur Panik. Beim ohrenbetäubenden Schauspiel handelt es sich lediglich um eine ganz gewöhnliche Übung „der Staffel der sieben Aufrechten“. Oder anders gesagt, der ganz normale tägliche Wahnsinn im wehrhaften Ländchen Schweiz.

1 Kommentar:

  1. Tja, jedes Jahr ein Schauspiel. Kleine Jungs spielen mit kleinen Spielzeugen und grosse Jungs mit grossen Spielzeugen.... Und diejenigen welche auch gern spielen würden und nicht dürfen, nehmen gerne einen Marsch bergauf in Kauf um mit grossen und sehnsüchtig glänzenden Augen den anderen grossen Jungs beim Spielen mit neiderfüllten und zugleich bewundeterten Blicken zu zuschauen.

    Gruss
    A.

    AntwortenLöschen