Freitag, September 29, 2006

zum scharfen Eck

Der Flug nach São Paulo ist lang, anstrengend und ermüdend. Verständlich, dass Körper und Geist nach so einem Effort nach Abwechslung schreien. Den Körper zieht es auf dem schnellsten Weg ins Bett, dem Geist ist es nach einer einsamen Nacht hinter schusssicheren Türen aber eher nach sozialen Kontakten.
Obwohl Vertreter der Pilotenzunft das in den letzten Tagen nicht unbedingt bewiesen haben, ist der Geist in Pilotenköpfen nach wie vor vorhanden und siegt in der Regel über den schwächeren fleischlichen Teil.

So kommt es, dass sich ein Teil der Besatzung am frühen Morgen nach einem langen Nachtflug zu einem kleinen Umtrunk im Bistro 'zum scharfen Eck' trifft. Man sitzt draussen auf unbequemen Holzstühlen, trinkt vitaminreichen Saft, geniesst die berühmten 'pão do queijo' und philosophiert über Gott und die Welt.
Ganze Fluggesellschaften wurden dabei schon umstrukturiert, Ehen geschieden, Ehen geschlossen, Gerüchte verbreitet, Wahrheiten dementiert und Dampf in allen Formen abgelassen.

Die aufmerksamen Kellner tänzeln um die Tische und sorgen dafür, dass die redseligen Kehlen nicht trocken bleiben. Kaum ist der zuckerreiche Saft, der trotz des Süssstoffes leicht bitter schmeckt und beim Schlucken etwas kratzt, ausgetrunken, steht auch schon wieder ein Neuer da.
Das Reden fällt immer leichter und die Stories werden mit jedem Nippen am Glas unglaublicher. Räubergeschichten machen die Runde und man lacht über Gegebenheiten, die so sicher nie passiert sind, aber jeder am Tisch dabei gewesen sein will oder zumindest einen kennt, der es mit Sicherheit war.

Spätestens nach dem dritten Vitaminsaft verschwinden die Ersten wortlos und die Stimmung am Tisch kippt schlagartig. Es wird diskret bezahlt und noch diskreter zum Hotel verschoben. Nicht immer gelingt es den Beteiligten, das Zimmer auf dem kürzesten Weg zu erreichen. Ob es wohl am Vitaminsaft liegt?

Am Abend trifft man sich dann wieder im sympathischen Lokal zum Apéro. Mit kleinen Augen wird wortlos am Kaffee genippt und da und dort hört man den Satz 'nie wieder Caipirinhia'. Ich kann mich dem nur anschliessen!

Kommentare:

  1. Und wie lange hält der Vorsatz dann an ;-)

    Nicht dass ich den schon mal in Sao Paolo getrunken hätte, aber bei mir hält so ein Vorsatz genau bis zum nächsten gemütlichen Kneipenabend ;-))

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  2. das schöne an dem vorsatz ist: man muss nicht dafür nicht extra nach sao paolo, UND man kann ihn sich immer wieder von neuem stellen :-).

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  3. Angesichts des hier herrschenden trüben Wetters wäre diese Mischung aus Caipi und den ach so leckeren Käse Brötli gerade recht :-). 800 m höher müsste man sein und die Sonne sehen können...

    Grüssli
    A.

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  4. Hi nff,

    mich würde mal interessieren, wie du die Diskussion zu Flüssigkeiten an Bord siehts und den Schnellschuss aus Brüssel dazu.
    Sollten da nicht die Airlines aktiv werden?
    Irgendwann darf man nur noch nackt an Bord?! ;-)

    Gruß

    Andi

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  5. Frage mich natürlich schon, warum die Passagiere den ganzen Hausrat in die Kabine nehmen. Unsere Frachträume sind geheizt und haben eine Druckkabine....

    Dutyfree ist in der Regel nicht viel billier und auf dem Flugzeug haben wir genügend Getränke geladen.

    Ich appeliere an die Passagiere, Flüssigkeiten nicht zu transportieren. Erstens ist es bequemer, zweitens sicherer und drittens schont es die Umwelt.

    Eine Weinflasche (ca 2 kg) von Südafrika nach Zürich zu transportieren, kostet etwa 0.7 ltr. Kerosen!

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  6. Hi,

    das mit den Flüssigkeiten sehe ich ein wenig anders. Ich nehme gerne, besonders bei längeren Flügen noch eine Flasche Wasser mit an Bord. Zwar bekommt man immer Nachschub aus dem kleinen eckigen Wägelein, aber bei der Trockenen Kabinenluft kratzt es auch öfters mal bei längeren Wartezeiten am Boden schon kurz nach dem Start oder im Landeanflug... Ich genehmige mir auch gerne mal einen größeren Schluck, was bei den 0,2 Bachern nicht so richtig möglich ist....

    Dass das Mitnehmen einer Kiste Roten aus der entlegensten Ecke der Welt recht unsinnig ist leuchtet mir allerdings ein ;)

    Schönes Wochenende noch...

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  7. Mensch, GRU! Da bin ich aber neidig. Wird wohl noch dauern, bis ich das Vergnügen habe. Einstweilen genehmige ich mir einen Caipi in meiner Stammlokalität.

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  8. Ja sehr geehrte Frau Klugscheisser, der Caipi schmeckt hier wirklich *hicks* sehr gut.
    Bei dem scharfen Zeug läuft man aber Gefahr zu erblinden......

    GRUss aus GRU

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