Samstag, August 19, 2006

Verkehrserziehung

Mein Amerikamonat nähert sich langsam, aber sicher der Ziellinie und ich bin zur Abwechslung wieder einmal in Los Angeles.
Seit meinem Abflug vor ein paar Tagen hat sich hier wenig ereignet. Noch immer scheint die Sonne, noch immer jogge ich mit anstössig engen, aber umso funktionelleren Laufhosen durch die Gegend und noch immer warte ich auf den wohl unvermeidbaren Augenblick, wo mich ein freundlicher, aber ernsthafter Officer zurechtweisst und mein Vergehen mit einem Bussgeld bestraft.

Keine Angst, dies wird kein amerikafeindlicher Artikel mit Rundschlägen gegen Politik und Volk dieses Staates, aber es lohnt sich einmal mehr, potenzielle Besucher dieses Fleckens Erde vor möglichen Fettnäpfchen und Gefahren zu warnen.

Schon bei der Einreise als Crew ist Vorsicht geboten. Ich rede nicht vom Procedere mit Fingerabdrücken und gespeicherten Fotos, an das wir uns mittlerweile gewöhnt haben und zugegebenermassen auch recht gut funktioniert – ich meine die letzten Meter vor dem rettenden Bus, der die todmüde Crew nach dem langen Flug zum Hotel bringt.

Unser internes Informationsblatt meint zu den entscheidenden 12 Metern:

It's advisable to use the pedestrian crossing at the airport to avoid corrective measures (such as having to attend traffic school) being enforced by the police…..

Ignoriere ich also den Fussgängerstreifen beim Überqueren der Strasse, droht mir Ungemach der Polizei und zwar nicht in Form von Bussgeld, sondern als regelrechtes Nachsitzen bei den örtlichen Behörden.
Das kenne ich aus meiner Jugendzeit. Unsere Kleinstadt leistete sich einen Verkehrsgarten zwecks Verkehrserziehung für sündige Fahrradrowdies im kindlichen Alter. Wurde man vom Duo M&M (Polizist Mäder und Polizist Meier) bei einer groben Übertretung erwischt, war der freie Mittwochnachmittag Geschichte.
So schlimm waren diese Stunden im Verkehrsgarten auch wieder nicht und irgendwie denke ich mit einem lachenden Auge an diese Zeit zurück.
Und genau hier beginnt mein Dilemma. Das Kind in mir juckt es natürlich beim Studium dieser Zeilen und ich stelle mir vor, dass so ein Nachmittag mit anderen Verkehrssündern der Weltstadt Los Angeles ein ganz amüsantes Unterhaltungsprogramm sein könnte. Statt sich einsam im teuren Mietauto durch die Staus von Südkalifornien zu kämpfen, sässe ich mit sicherlich interessanten Leuten aus allerlei Ländern in einem Raum, würde amerikanisches Strassenrecht büffeln und Berge von Bagel mit Creme Cheese verdrücken.

Zwei Sachen halten mich dann doch davon ab. Erstens sehe ich schon jetzt die Schlagzeile im heimatlichen Schweizerländli vor mir, die mit grossen Lettern verkünden würde:

Swiss Copilot in L.A. verhaftet und in Verkehrserziehung
geschickt! Was für Verbrecher fliegen unsere Jets?


Und zweitens hat unsere geschätzte Arbeitgeberin im Wissen um die infantilen Adern ihrer Copiloten die nette Geschichte verbreitet, dass es sich bei der Strafe nicht um eine Einzelabreibung handelt, sondern um eine sonst nur noch in der Schweizer Armee praktizierte Kollektivzüchtigung.
Gemäss unbestätigten Angaben aus unbekannter Quelle musste einmal eine ganze Crew zur Verkehrserziehung antraben, weil der Copilot leichtsinnig und vorsätzlich quer über die Strasse lief.

Damit wäre auch der ganze Sinn der Veranstaltung, nämlich neue Leute kennen zu lernen und fremde Kulturen zu studieren, auf einen Schlag dahin.

Aber ich muss schon ehrlich zugeben, irgendwie reizt mich das Ganze schon ……….

Kommentare:

  1. Ich wüsste da noch ein paar Schlagzeilen mehr:

    Ausbeulung in Schritt:
    Swiss Copilot beim Joggen verhaftet

    oder:

    Swiss Copilot stellte Weichteile zur Schau:
    Fehlts unseren Piloten an Spannkraft?

    Darf ich die Exklusivstory haben? :-)

    Ich zwinkere Ihnen zu, Herr nff.

    swissaviation

    AntwortenLöschen
  2. Sie haben die Story.

    In meinem ersten und einzigen Telefongespräch, das ich nach drei Tagen Beugehaft machen darf, werde ich sie anrufen und ihnen ein Exklusivinterview geben!

    AntwortenLöschen
  3. Abermals ein Lesegenuss der obersten Güteklasse. Bravo!

    AntwortenLöschen