Samstag, August 12, 2006

sein und nicht scheinen

Mein Aufenthalt an Kaliforniens Küsten geht langsam aber sicher zu Ende und es gilt sich auf den Abflug heute Abend vorzubereiten. Seit meinem Abflug vor ein paar Tagen haben sich die Rahmenbedingungen in der Luftfahrt etwas verändert und das geht natürlich auch nicht an uns Crewmitgliedern vorbei.
Was noch erlaubt und was neu auf dem Flugzeug verboten ist, das haben die Medien zumindest hier in Kalifornien zur Genüge erklärt. Nun kann es also beginnen, das grosse Handgepäckausmisten.
Eine Massnahme, die uns Männer sichtlich weniger Mühe macht, ist beim weiblichen Teil der Besatzung weit weniger populär. Sowohl visuelle Schutzschilder in Form von Lippenstift, Wangenrouge und Augenmascara, als auch geschmackliche Distanzhalter bekannt unter dem Namen Parfüm oder kölnisch Wasser, verschwinden für einmal im Bauch des Flugzeuges statt in den unförmigen Handtaschen.

Diese Verordnungen haben neben der erhöhten Sicherheit auch andere ganz angenehme Nebeneffekte. Das unter Passagieren und Flugbegleitern beliebte Massenparfümieren vor dem Sinkflug bleibt genauso aus, wie das unhöflich lange Beanspruchen einer Notdurftanlage zwecks Auffrischung der Kriegsbemalung.
Vielflieger kennen die problemmachenden Individuen genaustens. So zum Beispiel die Frau von Welt, die mit einem grossen «Louis-Vitton» Koffer in der Toilette verschwindet und lange Augenblicke später als total veränderte Erscheinung das kleine Kabäuschen verlässt, während die Passagiere in der Warteschlange von einem Bein auf das Andere springen.

Ja, es wird eine neue Erfahrung sein, heute Nacht über den Atlantik zu fliegen. Es duftet an Bord wieder nach Mensch, Frauen sehen wieder nach Frauen aus und nicht nach Fasnachtsmasken, die männliche Haut freut sich auf eine Nacht ohne Rasierwasserdusche und die Toiletten erfüllen vor der Landung wieder den Zweck, wofür sie eigentlich gebaut wurden.

Klar werden die strengen Auflagen und die damit verbundenen Entbehrungen bei einigen Passagieren Entzugserscheinungen hervorrufen. Es soll ja Frauen geben, die sich noch nie ohne Schminke im Spiegel gesehen haben und Männer, die ohne ausgiebige «Fahrenheit-Dusche» die eigenen vier Wände nicht verlassen.
Ich und meine Nase freuen sich auf jeden Fall auf die neue Erfahrung und ich hoffe, dass die reklamierenden Passagiere und Besatzungsmitglieder erkennen, dass das Leben ohne Kampfbemahlung auch lebenswert ist.

Kommentare:

  1. Für jemanden der mit vielen Menschen zu tun hat, muss es schon anstrengend sein die immerwährende parfümierung ertragen zu müssen und zu können.
    Die Gratis-Erfrischungstüchlein die ich im Falle eines Sinkfluges benutze, riechen allerdings auch nicht viel besser.
    ;-)

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  2. Dürfen sie noch Zähne putzen ohne dass ihr Flieger sogleich abgeschossen wird? Oder verkauft Swiss jetzt Zahnpasta in dem "Bordkiosk"?

    Der Terrorismus schafft neue Marktlücken....

    E liebe Grues

    Severin

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  3. Ich frage mich ja, was mit den Bordverkaufsartikeln jetzt passiert. Immerhin waren Parfüms ein Verkaufsschlager. Auf dem Weg in die USA künftig wohl nicht mehr.

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  4. Uh, da bin ich aber überfragt, Frau Klugscheisser.
    Doch so lange die kleinen Massenmörderchen in Marlboro und Camel Verpackung noch geladen sind, sehe ich keinen Grund, riechende Kampfstoffe nicht zu verhöckern....

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  5. If everyone can't 'brush their teeth' or 'touch up - before they touch down' onboard the plane ... if a terrorist trys something nasty... you have hundreds of people who can neutralise them with one of the worlds most deadly weapons... bad breath mixed with B.O. !

    Anyway, tell em He's Dreamin!

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  6. An diesen Vorteil der verschärften Sicherheitsmassnahmen hab ich noch gar nicht gedacht, dabei bin ich eine der ersten, die bei zuviel Parfum an Menschen massive schlechte Laune kriegt.
    Der Mann kriegt sogar zuweilen Atemnot deswegen, daher ist die Kassifizierung 'Parfum=Kampfstoff' so falsch nicht.

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  7. I really don't know what B.O. is - but mate if I can get it:
    IT'S GOING STRAIGHT TO THE POOL-ROOM!

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  8. Ja, zuviel Parfüm kann mir die Laune ziemlich versauen!

    Da zieh ich die dicke Hüttenluft, geschwängert mit dem Duft gebrauchter Socken und geräucherter Würste eindeutig vor.

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  9. Naja, inzwischen darf man in LHR wieder im DutyFree gekauftes Parfum und andere Flüssigkeiten mitnehmen... leider.

    Dafür ist bei BA das Handgepäck nun auf eine Laptop-Tasche 35*45*16 cm beschränkt.

    Tja, ich würde in zwei Wochen lieber mit Swiss als mit BA über LHR in mein Postdoc nach Japan fliegen, da könnte ich die Kamera und die Objektive noch mitnehmen...

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