Freitag, August 11, 2006

körperliche Ertüchtigung mit Hindernissen

Der Tag in Los Angeles beginnt für mich wie immer. Ein kurzer hoffnungsvoller Blick auf den Radiowecker verbunden mit der meistens unerfüllten Bitte, dass dieser einen Wert weit über der 0300 Uhr Grenze anzeigen möge. Was ich schon über diese Zeitverschiebung von neun Stunden geflucht habe……
Heute hatte das kleine elektronische Ding erbarmen und die Leuchtziffern begrüssten meine müden Augen mit dem Traumwert von 0447 Uhr. Nichts hielt mich noch in den Federn und ich stürzte mich so schnell wie möglich in meine Jogging Klamotten und tauchte in die noch dunkle Welt von Long Beach ein.
Just vor den Türen des Hotels beginnt der Fitnesspfad, der Richtung Süden der Küste folgt und gerade in den Morgenstunden von den gesundheitsbewussten Einwohnern rege benutzt wird.
Ein Wald voller Hinweisschilder begrüsst die Sportbegeisterten am Beginn der Laufstrecke und weist diese darauf hin, dass es auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Regeln zu befolgen gibt. Die Wichtigste gleich vorweg, der Strandabschnitt ist von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang für alle nicht autorisierten Personen gesperrt. Mit meinem schnittigen Dress fühle ich mich trotz Dunkelheit extrem autorisiert und lese vorsichtig weiter. Der etwas über fünf Meter breite Pfad ist in drei Sektionen eingeteilt. Eine Sektion ist für Fussgänger und wird durch eine doppelte Sicherheitslinie von den anderen zwei Sektoren getrennt, die ausschliesslich der radelnden und skatenden Bevölkerung vorenthalten sind. Die beschriebenen zwei «Rollsektoren» werden wiederum durch eine gelbe Linie unterteilt, die für die entsprechenden Fahrtrichtungen reserviert sind.
Auf den Radlerspuren gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 15 Meilen pro Stunde, die bei viel Fussgängerverkehr auf 5 Meilen heruntergesetzt wird. Die Polizei von Long Beach wünscht viel Spass, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Nichteinhaltung der Höchstgeschwindigkeiten Schwierigkeiten zur Folge habe.

Ich jogge locker los, vergesse die Vorschriften und finde schnell meinen Rhythmus. Wenige Personen begegnen mir bei meinem Frühsport bei noch stockdunklem Himmel und ich falle in eine Art Trancezustand. Ohne es zu merken, verlasse ich meinen Laufsektor und beanspruche die mittlere Spur. Es geht nicht lange, bis von hinten ein Radfahrer angeschossen kommt, der mich mit unfreundlichen Worten darauf hinweist, dass ich ab subito keinen meiner Füsse mehr in seinen Sektor setzen soll. Ich zeige ihm den Vogel und laufe weiter.
Es wird heller und die Anzahl Jogger steigt. Überholen, ohne den Laufsektor zu verlassen, wird schwieriger und ich wechsle wieder auf die Radspur. Militante Radfahrer scheinen zu meiner Erleichterung in der Minderheit zu sein und die nächsten Begegnungen mit den Armstrongs und Landis' in spe verlaufen absolut unspektakulär.
Es läuft mir gut und ich erhöhe die Pace. Nach einigen Kilometern merke ich, dass mir sowohl Männlein als auch Weiblein beim vorbeilaufen erstaunlich oft in den Schritt schauen. Es braucht einige Zeit, bis ich merke, dass es meine engen Laufhosen sind, die Aufmerksamkeit erregen.
Es liegt in der Natur der Sache, dass bei rhythmischen Bewegungen die beweglichen Teile trotz doppelter Verpackung etwas hin und her springen. Was sonst nirgends stört, ist im prüden Amerika eine Provokation sondergleichen. Es bewegt sich etwas an einem Ort, wo gemäss konservativ christlicher Weltanschauung gar nichts sein dürfte. Aus anatomischer Sicht wäre es viel stossender, wenn das bewegliche Teil starr wäre, aber an das darf der einheimische Sittenwächter frühmorgens schon gar nicht denken.
Ich schmunzle, erhöhe das Tempo zu meiner Sicherheit noch etwas und verstehe endlich, warum sich der weibliche Teil Amerikas Lippen und andere bewegliche Äusserlichkeiten füllen lässt, bis diese hart wie schockgefroren jeder noch so starken Bewegung trotzen.
Glücklich, ausgepumpt und tropfnass komme ich im Hotel an und verschwinde in meinem Zimmer, bevor ich in der Lobby mit meinem Dress zu viel Aufsehen errege. Ich werde auch Morgen wieder meine 10 km abspulen und hoffe, dass mir das Glück hold bleibt und ich neuerlich einer Verhaftung entgehen kann.

Kommentare:

  1. Genau, nur nicht unterkriegen lassen.

    Obwohl - könntest wegen der enganliegenden Laufhosen vielleicht wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses eingesperrt werden?

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  2. Hallo, auf welchem Muster fliegen Sie denn? Ist das alles Passage oder auch Cargo?

    Gruß

    Andi

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  3. Zu Eurer Beruhigung: bin auch vom 2. Laufabenteuer zurück und konnte der Verhaftung entgehen :-)

    Ich fliege übrigens auf dem A330 & A340.

    Gruss aus L.A.

    nff

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