Samstag, Juli 01, 2006

etwas Lustiges

Die Zeit verrinnt wie Wasser zwischen meinen Fingern. Unweigerlich kommt die Abflugzeit näher und ich sollte noch allerlei erledigen. So steht zum Beispiel das Vorschlafen zuoberst auf meiner Prioritätenliste.
Das ist übrigens ein sehr schöner Nebeneffekt unseres Berufes. Wir zelebrieren den Mittagsschlaf noch wie früher die Bauern, geniessen es während dem Tag die Augen zu schliessen und erhöhen so ganz nebenbei die Flugsicherheit enorm.
Heute ist das aber etwas schwieriger als sonst. Vor meinem Hotelfenster in Hongkong macht ein chinesischer Artist seit 3 (!) Stunden ununterbrochen einen Soundcheck auf der Anlage, die er ab 0800 Uhr in der Früh lauthals aufstellte. Interessant dabei ist, dass die Mikrofone nur auf die Wortfolge „one - two - three – check – check – check“ überprüft werden.
Drei Stunden höre ich die sehr interessanten Floskeln nun schon ununterbrochen. Vielleicht ist der Künstler ein chinesischer Rapper und seine Platte bringt es ganz oben in die Charts.

Darum sitze ich jetzt vor dem Compi und habe mir vorgenommen, etwas Lustiges zu schreiben. Inspirationen für meine Geschichten aus aller Welt hole ich mir in der Regel während meinen Streifzügen durch die Städte. Nur leider bin ich heute im Zimmer geblieben und musste wegen dem bevorstehenden Check im Simulator viel zu dicke Bücher wälzen. Lustiges fällt mir dazu wenig ein.

Dann halt im Internet suchen. Als Erstes die Mailbox leeren und Sockenwerbung von Viagraaktionen trennen. In der Regel bleibt danach nicht viel hängen – wegen dieser blöden Fussball-WM schreibt kein Schwein mehr Mails.
Doch heute sind es gleich mehrere Nachrichten, die sich in meinen Briefkasten verirrten. Alle drei vom Berufsverband und alle drei teilen mir mit, dass ich ab heute ohne Gesamtarbeitsvertrag arbeite. Auch das nicht wirklich lustig.

Weiter zu den Online-Blättern. Fussball klicke ich schnell weg und informiere mich im Sportteil, ob ein Radteam evtl. noch Fahrer für die bevorstehende Tour de France sucht. Ein Karbonfahrrad steht im Keller, etwas 300 Trainingskilometer hätte ich auch anzubieten und statt EPO oder Amphetamine, würde ich den vor Ort leicht erhältlichen Pastis einschmeissen.

Im Lokalteil einer Zeitung entdecke ich einen Artikel zum Zürcher Wahlkampf. Der Autor hat sich einen freudschen Verschreiber erlaubt und benutzt die Überschrift „Walkampf“.
Eigentlich ganz passend finde ich. Auch bei den Meeressäugern gibt es Planktonfresser und solche die sich nur von exklusiven Shrimps ernähren. Ich zappe weiter, finde wenig Lesenswertes und beschliesse, endlich selber etwas zu verfassen.

Da bin ich nun. Das Blatt ist nicht mehr so weiss wie vor ein paar Minuten, aber so richtig unterhaltsam sind meine Zeilen auch wieder nicht. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als das Dilemma nach oft angewendetem Muster aus der Welt zu schaffen. Einen Schuldigen suchen, statt das Problem zu lösen.
Der Schuldige ist der chinesische Popstar, der nach wackerem Soundcheck, der exakt 3:34 Stunden gedauert hat, jetzt sein erstes Lied zum Besten gibt. Er singt trotz englischsprachigem Soundcheck kantonesisches Liedergut, was mich eher nachdenklich stimmt. Schön ist es nicht, aber dafür sehr, sehr laut.

Jetzt ist mir trotzdem noch was Lustiges eingefallen. Ich werde im Flugzeug auch mal einen Soundcheck machen. Wie wäre es mit einem „one – two – three – check – check – check“, welches in voller Lautstärke mitten in der Nacht durch die Passagiergänge dröhnt?
So jetzt ist aber fertig lustig - adieu mitenand.

Kommentare:

  1. na ja... im Notfall sind die komischen Flaschen in der Hotelzimmer Minibar, auch als Wurfkoerper zu gebrauchen.... ob diese jezt den Popstar, oder den Cheftechniker am Kopf trifft ist naebensaechlich, hauptsache der fluessige Innhalt trifft etwas stromfuerendes...

    Gruss
    Andreas

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  2. das mit dem sound check find ich in der tat lustig...mach doch mal :-)

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  3. wer weiss, vielleicht mache ich das wirklich einmal :-)

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  4. Obwohl diese Zeilen jetzt als nicht lustig, übrigens eine geniale Webseite ;-), taxiert sind, habe ich mich doch amüsiert, der Schreibstil ist einfach Klasse

    Gruess tobi

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  5. Danke für die Blumen - ach was den Blumenstrauss!

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  6. Hallo Fliegender - ich hab ein nettes Monitoring-tool entdeckt und bei mir empfohlen. Würde mich interessieren, was Du als Spezi dazu meinst.

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  7. .... wie auf Deiner Seite schon erwähnt: unglaublich, wie viel Blech sich in unserer Luft bewegt..

    Gruss nff

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