Dienstag, Juni 13, 2006

ich bin kriminell

Am heutigen Dienstag nicht über Fussball zu schreiben, ist schon fast kriminell. Das gilt es doch zu vermeiden und darum widme ich die ersten Zeilen dem Spiel mit dem runden Ball. Natürlich werde ich heute Abend auch vor der Kiste sitzen, den Spielern in den roten Trikots die Daumen drücken und freudig bei jedem Treffer aus dem Sitz schiessen.

Doch vorerst sitze ich gemütlich am Ufer des Lej Zuppo auf 1900 m. ü. M., geniesse das Studium der Tageszeitungen, lasse die warmen Sonnenstrahlen auf mich nieder und zelebriere das Nichtstun nach vier anstrengenden Sporttagen im Oberengadin.
Den Zeitungen merkt man langsam an, das die Temperaturen steigen und das Sommerloch unaufhörlich näher kommt. Die Seiten mit den nationalen Themen werden durch Kommentare zu der bevorstehenden Bundesratswahl gefüllt. Da es sich mangels Alternativen mehr um eine Krönung als um eine Wahl handelt, ist aber auch dieses sonst so brisante Thema schnell abgehackt.
Auch Zürich wählt und zwar am Tag des Endspieles. Es ist da fast wie im Fussball. Wer im Endspiel steht, entscheidet letztendlich auch der Zufall. Eine der beiden Kandidatinnen ist zufällig immer in der Nähe, wenn eine Wahl stattfindet und die Andere ist in die Ränge gekommen, weil eine Machtinhaberin ihren Handyspeicher nicht im Griff hat und zufällig ein wichtiges SMS an eine zufällige Adresse schickte.
So ist das Leben, aber viel darüber zu schreiben gibt es wirklich nicht.

Die Zeitungen werden auch ohne Themen gefüllt. Es findet sich immer wieder eine Miss Irgendetwas oder ein Altinternationaler, mit dem man eine Umfrage machen kann. In diesen Tagen stiess ich auf eine solche, weiss aber im besten Willen nicht mehr, wer befragt wurde. Ins Auge gestochen ist mir die Frage, ob der im Blickpunkt Stehende, schon mal kriminell gehandelt habe. Dieser verneinte resolut und der fragende Journalist kam, ohne nachzuhacken, zu seiner nächsten Frage.

Ich hielt inne, dachte kurz nach und kam zum Schluss, dass ich fast täglich kriminell handle! So fahre ich entgegen der Strassenverkehrsvorschriften ohne Schutzblech und ohne Beleuchtung mit meinem Mountainbike durch die Gegend, überquere in New York ständig bei Rot die Fussgängerstreifen, trinke in Florida regelmässig im Freien mein Bier, lüge zwangsläufig beim Ausfüllen von Einwanderungsformularen und füttere die Parkuhren im Engadin nur, wenn die Gemeindepolizisten patrouillieren.

Doch leider kommt es noch dicker. Heute, nein gerade in diesem Moment, habe ich gegen Staatsverträge verstossen. Ein Staatsvertrag zwischen den deutschsprachigen Ländern, zu denen trotz des Dialektes auch die Schweiz zählt, regelt die neue deutsche Rechtsschreibung. In diesem Text hat es Fehler und ich fühle mich schuldig, schuldig einen Staatsvertrag verletzt zu haben.

Wie langweilig muss ein Leben ohne kleine Gesetzesbrüche sein und wie verzweifelt muss ein Redaktor vor seinen weissen Seiten sitzen, dass er ein Interview mit solch zweifelhaftem Inhalt drucken muss. Trotzdem muss ich noch einmal betonen, dass ich nicht mehr weiss, mit wem das Interview geführt wurde. Es hatte, so glaube ich, nichts mit den bevorstehenden Wahlen zu tun – glaube ich.

Kommentare:

  1. Wie hoch ist wohl die Dunkelziffer dieser Kleinkriminellen. Ich bin zur Zeit gerade an der Autoprüfung. Und wenn Sie nun hier Ihre kleinen Kleinkriminalitäten beschreiben, so müssten wohl etliche Leute ins Gefängnis...Der Staat hat reagiert und nicht allzuviele Polizisten eingestellt. Unsere Gefängnisse wären ja dann überfüllt und das würde die Staatskosten erhöhen :P

    Trotzdem wundere ich mich, dass ein Polizist heute noch die Zeit hat einen Velofahrer beim überrollen der Fussgängerzone (wohlgemerkt nicht längs der Strasse sondern quer) anzuhalten und ihn zu Recht zu weisen.


    E grues vom Sevo

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  2. also da muss ich mich zu später stunde hier melden!
    ich konnte leider nur die erste halbzeit schauen (wegen der weiterbildung und erst noch obligatorisch)habe aber von kompetenter seite resultat übermittelt bekommen natürlich via SMS:-)
    aber was ich jetzt hier und jetz loswerden möchte ist
    *ich habe keine roten trikots gesehen* nur so nebenbei ............
    und jetzt ist zeit fürs bett denn morgen gehts nach bern............auch echt patriotisch:-)

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  3. Herr NFF seien Sie froh, daß Sie in der Schweiz leben, wo noch der gesunde Menschenverstand regiert:

    Ich vermute, in meinem nördlich der Alpenfeste gelegenen Geburtsland - das dank des ehemaligen Terroristenverteidigers Otto Schily langsam zum Überwachungsstaat mutiert - hätte Sie dieses Bekenntnis zur Kriminalität gepaart mit dem öffentlich eingestandenen Schwarzfahren
    http://splitduty.blogspot.com/2006/03/mnnerabend.html
    die für das Führen von Luftfahrzeugen erforderliche Zuverlässigkeitsüberprüfung kosten können.

    Sie hätten dann noch nicht einmal mehr ein Segelflugzeug bedienen dürfen...
    (Der LKW-Führerschein, die Berechtigung für Gefahrguttransporte im Straßenverkehr und der Sprengmeisterschein wären von dieser Maßnahme übrigens nicht betroffen. Und zum Führen eines MG als Reservist wären Sie auch weiterhin sogar gezwungen worden... Hoch lebe die behördliche Konsequenz!)

    Die Personenkontrollen für Flugzeugbesatzungen können es in D mittlerweile an Genauigkeit und Schikane übrigens locker mit denen unserer amerikanischen Freunde aufnehmen... Gut, daß ich momentan nur in den Simulator muss...

    Wünsche noch eine angenehme Nacht im Engadin!

    Golfox

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  4. Da müsste man jetzt überlegen, wie genau "kriminell" definiert ist. Die meisten Vergehen, deren wir uns schuldig machen sind Ordnungswidrigkeiten. Ich halte mich z.B. nicht für kriminell, wenn ich bei Rot über die Ampel gehe. Und natürlich komme ich dafür nicht ins Gefängnis.

    Das mag in den USA anders sein ;-).
    Wie es in der Schweiz ist, weiß ich natürlich auch nicht.

    Kermit

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  5. Moin,

    Gesunder Menschenverstand in der Schweiz??...sie kenne das BAZL noch nicht..;-)

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  6. Macht es nicht unheimlich Spass, so kleinkriminell zu sein?

    Ich beispielsweise geniesse es sehr, in München mit dem Radl jede Strasse in der Richtung zu befahren die mir grad genehm ist und das auf genau der Strassenseite die mir grad passt und rote Ampeln akzeptiere ich grad mal am mittleren Ring (ich bin ja nicht lebensmüde), sonst scheren sie mich herzlich wenig :-)
    Das Schönste dabei - zumindest hier: die Herren und Damen in Grün nehmen es meistens nicht allzu genau mit uns Kleinkriminellen, man kann also unegbehlligt tun und lassen was man will.

    Disclaimer: Natürlich rechne ich beim Autofahren mit Leuten wie mir und genauso natürlich beobachte ich den Verkehr um mich rum mit Argusaugen. Klappt bisher ganz gut :-)

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