Montag, Juni 05, 2006

Ferien vom Fussball

Lange habe ich es mir überlegt, ob ich mit einem gemeinen, ja ganz hinterlistigen Satz beginnen soll. Klar, man fängt so Leser ein und das Provozieren liegt doch irgendwie im Trend. Trotzdem - soll ich wirklich?
Also gut, hier ist er:

Die Sonne scheint, der Himmel ist stahlblau und das Thermometer hat die 28°C Marke schon fast erreicht.

War das jetzt zu brutal?

Ja, ich bin wieder einmal in Miami, geniesse an der Southbeach meinen Morgenkaffee und philosophiere in das Blaue hinaus. Florida im Allgemeinen und Miami im Speziellen ist die Feriendestination schlechthin. Auch ich mache Ferien und zwar Ferien vom Fussball.
Ich bin wahrlich kein Anhänger des Fussballspiels, interessiere mich aber im Moment zwangsläufig für das Rasengetümmel, das Millionen begeistert. Klar, ich werde auch Spiele oder zumindest Teile davon begutachten und das mit steigender Begeisterung, möchte aber ab und zu auch von etwas anderem reden.
Darum geniesse ich die Stunden in Miami. Hier kann man Ferien machen, Ferien vom Fussball.

In Florida interessiert sich niemand für die neuste Frisur von Zuberbühler; den Pfnüsel von Hakan; ob rasierte Beine schönere Tore schiessen als behaarte; wie sich Sexualenthaltsamkeit auf die Torlust auswirkt; warum Köbi mit der ganzen Nation, aber nicht mit den Spielern per Du ist; ob Gigi Oeri eine Sonnenbank in die VIP-Lounge mitnimmt; wie sich die deutsche Küche auf die Spielermoral auswirkt; wer den Matadoren die Zehennägel schneidet; und, und, und….

In der Schweiz scheint im Moment jedes noch so kleine Detail brisant zu sein, hier in Florida liegen die sportlichen Prioritäten etwas anders. Natürlich hat der Sport in Amerika auch einen sehr hohen Stellenwert. Die Disziplinen scheinen auf den ersten Blick ziemlich verschieden zu sein, entpuppen sich beim genaueren Hinschauen aber um artverwandte Tätigkeiten.

Wie in Europa treffen sich die Gladiatoren in den USA in grossen Stadien, schütteln sich zuerst die Hände, verprügeln sich dann auf dem Platz und geniessen den Applaus der Zuschauer, die horrende Geldsummen für das Mitfiebern ausgeben.
Die Gebräuche scheinen in Europa etwas komplexer und härter zu sein. Während man in den USA die Gruppe mit den Holzschlägern und die Fussballspieler trennt, diese in verschiedene Sportarten einteilt, den Dingen so schöne Namen wie Baseball und Football gibt, Athleten Helme verteilt und das Ganze relativ geordnet ablaufen lässt, kombiniert man die Disziplinen in Europa und nennt es Fussball.
Die Einen jagen 90 Minuten dem Ball nach und die andere Gruppe mit den Holzschlägern spurtet nach dem Schlusspfiff auf das Feld, versucht das Spielresultat mit aller Gewalt noch zu ändern und trifft dabei ab und zu statt dem Ball einen Mitakteur. Wie ich gehört habe, scheint Basel dieses Spiel recht gut zu beherrschen.

Was mache ich mir wieder Gedanken! Schliesslich bin ich in Florida und habe Ferien vom Fussball. Mein Blick schwenkt über die Wiese mit Palmen und bleibt am Sandstrand hängen. Dort tummeln sich bereits in den frühen Morgenstunden die sonnenhungrigen Damen und versuchen noch dunkler zu werden, als sie eh schon sind. Zwei Sachen fallen mir an den weiblichen Strandnixen auf. Erstens haben alle geschwollene Lippen, die auf häusliche Gewalt schliessen lassen und zweitens erblicke ich überdimensionierte Körperteile, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen.
Ich ertappe mich selber, wie mein Blick auf den unnatürlichen Erhebungen hängen bleibt und überlege, woran mich die Dinger erinnern.
Ach klar, logisch – von wegen Ferien vom Fussball……

Kommentare:

  1. Fussballfreie Zonen gibts ja mitlerweilen weltweit...

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  2. Hallo nff,

    das eine oder andere Fussball-WM-Spiel würde ich auch gerne gegen 28° und Sonne in Miami Beach tauschen...
    Ob das am sommerunwürdigen Wetter hierzulande oder an der Fussballüberdosis liegt, die ich in den letzten Wochen und Tagen zwangsweise verabreicht bekommen habe, weiss ich nicht.
    Natürlich kann man dem Rumgekicke (auf vielfachen Wunsch ist auch Bier im Kombination mit Kicken erhältlich) von Köbis Mannen einen gewissen Reiz nicht absprechen, vor allem seit sie das Rumkicken wirklich überzeugend gestalten. Dennoch bin froh, dass die WM endlich anfängt. Das mag paradox erscheinen, doch was mich an der WM momentan ernsthaft psychisch belastet, sind die ewigen Vorberichte und Geschichten und Blablablas. Scheinbar muss jeder Pass und jeder Einwurf seit der Erfindung des Fussballs oder zumindest seit Erfindung der Fussballübertragung analysiert und von möglichst vielen eidg. dipl. Fussballexperten mit inhaltslosem Geschwatz unterlegt werden.
    Wieviel Fussball ein normaler Mensch erträgt scheint von der FIFA und der UEFA übrigens im grossen Stil erforscht zu werden, findet doch schon in zwei Jahren (fast) das gleiche Experiment noch ein Mal statt.
    Im Moment bleibt uns anscheinend nichts anderes übrig, als den Fussballbereich im Hirn abzuschalten. Bei mir wird er wieder angeschalten beim Anpfiff des Eröffnungsspiels und bei dir spätestens dann, wenn du deinen Passagieren das neuste der Schweizer Partien durchgeben musst. Sollte das wundersamerweise ausbleiben, werde ich dich in Kloten mit einem Schweizer Fähnchen winkend erwarten und dir nach einem 10 Stundenflug als Autogrammwunsch einen Original Adidas-WM-Ball unter die Nase halten. Spätestens dann sollten deine Fussballkentnisse reaktiviert werden um mir entweder den Ball schnellstens aus der Hand zu kicken oder das Spiel durch ein elegantes Köbi-äähhh...jaaa...also....ääähh zu verzögern.

    In dem Sinne viel Spass im weit entfernten Miami,
    Michael

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  3. HAHAHA!!... dieses mal war's WIRKLICH koestlich! Mesi fuer das Lachen, dass momentan von links nach rechts ueber mein Gesicht erstreckt..

    Gruss
    Andreas

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