Mittwoch, Mai 17, 2006

Wetterkapriolen


Ich friere! Knapp drei Meter von der offenen Pforte, die dieses Kaffee von der tropischen Aussenwelt trennt, sitze ich schlotternd am Tisch und geniesse, wie der wärmende Milchkaffee schlückchenweise meinen Gaumen erwärmt.
Dieser klimatische Effekt ist technologisch bedingt. Schon seit Menschengedenken werden Räume in Hongkong mit aller Macht auf winterpullovertaugliche 18° C heruntergekühlt und die, durch die unangenehm heissen Aussentemperaturen weit offenen Schweissporen, beim Eintritt in die Kühlhalle schockartig geschlossen.
Man gewöhnt sich nie daran. Erschwerend kommt heute dazu, dass draussen der Taifun tobt und mit peitschendem Regen die Passanten bis auf die Haut durchnässt.
Ich will nicht klagen, schliesslich ist jede der Alternativen besser, als im dunklen Hotelzimmer auf den Abflug zu warten.

Matchentscheidend sind bei solchen Wetterkapriolen die persönlichen Ausrüstungsgegenstände. Naheliegend scheint der Gebrauch eines Regenschirmes zu sein. Dieses primitive Drahtgestell mit plastifiziertem Überzug, eignet sich aber nur bedingt bei Windgeschwindigkeiten von im Moment über 60 km/h. Wer nicht den halben Tag damit verbringen möchte, diesen Gegenstand wieder in die ursprüngliche Form zu biegen, sollte ihn besser im Hotel lassen. Auch schützende Jacken aus regenresistenten Stoffen können nur mit Vorbehalt empfohlen werden. Man schützt sich damit zwar gegen das Nass von oben, erlebt nach ein paar Schritten im tropischen Klima dafür am eigenen Leib das Nass von innen. Nicht enden wollende Schweissausbrüche und unangenehme Geruchsemissionen sind die Folgen.
Auch die Füsse verpackt man am besten so leicht wie möglich, denn sowohl Socken als auch Schuhwerk sind nach wenigen Schritten durchtränkt und geben bei jedem Schritt furzähnliche Laute von sich.

So bin ich also mit Shirt, Jeans und Flip Flops unterwegs und hechte von Unterstand zu Unterstand. Als nicht ganz optimal erwies sich meine Kleiderwahl allerdings gestern Abend beim spontanen Besuch in einer russischen Bar im Lan Kwai Fong.
Die Attraktion im Balalaika ist der auf -10°C heruntergekühlte Wodkadegustierraum, den man mit bereitgestellter Pelzkappe und Fellmantel betritt. Sämtliche Einrichtungsgegenstände sind aus solidem Eis und der Wodka wird servierbereit in frostigen Gläsern gereicht. Die Tierhäute sorgten für ein angenehmes Körperklima, die Flip Flop bestanden den arktischen Tauglichkeitstest mit dem Prädikat ‚ungenügend’.

Wie ihr seht, sind Klimaanlagen und das Wetter die beherrschenden Themen in Hongkong. Dass Kühlgeräte Stromfresser sind und sich das negativ auf Natur und Budget auswirkt, haben in der Zwischenzeit auch die Chinesen gemerkt. Ich anerkenne die Anstrengungen der Behörden, musste aber trotzdem schmunzeln, als ich in der Metrostation Central dieses Bild entdeckte. In der, bis zur Hühnerhaut heruntergekühlten Halle, wurde aus Spargründen eine der sechs Rolltreppen abgestellt. Ein Anfang, immerhin.

Obwohl der Taifun leicht nach Osten abgedreht hat, stürmt es immer stärker und die Behörden haben Warnstufe 3 ausgerufen. Zeit für mich zu gehen und im Hotel auf weitere Anweisungen zu warten.
Ich komme nächste Woche wieder und zähle auf besseres Wetter!

Kommentare:

  1. Immer wieder spannend zu lesen. Hier! Jetzt muss ich dann eh mal wieder fliegen

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  2. Ich drücke immer noch ganz fest die Daumen, das Ihr Flug heute Abend in time raus geht....

    Gruss
    A.

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  3. Na das Daumen drücken hat ja genutzt....

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  4. Das mit den Klimaanlagen ist so eine Sache, man müsste den Personen einmal erklären, dass die Regel je kälter desto besser nicht gilt.
    Ich habe schon von Personen gehört, die in ihren 18° Büros hinter sich noch ein kleines Öfelchen in betrieb hatten, na dann prost.

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  5. Hmm andere Welten, andere Temperaturvorstellungen.

    Viel Glück für euren Flug! Ich fliege das mal für swiss-va.com nach ;-)
    Ich hätte so richtig lust nach taifun jetzt, das ist irgendwie paradox :D ich liebe naturgewalten...


    Grüsse,
    Christian
    christian.leduc@swiss-va.com

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  6. So, Herr Ideengeber... sehen Sie mal was Sie anngerichtet haben... nun schreibt auch so ein untalentierter Schreiber, wie Ich in einen Blog...

    Falls doch jemand meinen Schwachsinn nachlesen moechte, bitteschoen:

    http://andi-thoughtsbolgg.blogspot.com

    Gruss aus Athen
    Andreas

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  7. Na dann mal Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!!!!!

    Gruss
    A.

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  8. happy 40-sten, wuensche ich noch..

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