Freitag, Mai 12, 2006

Nordic Walking

Zusammen mit vielen anderen Anhängern der neuen Freizeitbewegung trafen wir uns gestern in Dietlikon zum grossen Nordic Walking Treff.
Für mich eine neue Disziplin. Da ich mich normalerweise joggend, radelnd oder wandernd durch die Gegend bewege, stellte ich mich anfangs ziemlich ungeschickt an. In regelmässigen Abständen rammte ich mit meiner Gehhilfe eine Mitstreiterin oder ein in den Weg gelegtes Hindernis.
Obwohl vom kleinen Baby im Kinderwagen bis zum Greis an diesem Morgen alles mitlief, war das angeschlagene Tempo enorm. Noch bevor ich mich an die neue Fortbewegungsart und die unglaublich vielen Eindrücke, die auf mich einprasselten gewöhnt hatte, stieg das Terrain das erste Mal an.
Ein kleiner Stau war die Folge und es fielen die ersten bösen Worte. So friedlich wie es die Werbung uns einreden will, scheint diese Freizeitbeschäftigung auch nicht zu sein.
Den ersten Sattel erreicht, beschleunigte ich leicht und wurde sogleich von meiner Frau zurückgehalten. Am Wegrand türmten sich die ersten Sehenswürdigkeiten und die wollten genau betrachtet werden. Meine Mitkämpfer teilten die Begeisterung für diese Nebensächlichkeiten nicht und das Feld zog langsam aber sicher davon.
Als uns schliesslich der Greis, den wir gleich zu Anfang des Parcours abgehängt hatten überholte, verlor ich die Geduld und drängte auf ein Weitergehen.
Diese erste Anhöhe entpuppte sich als erstaunlich gross und die Organisatoren haben sich Mühe gegeben, einen verwinkelten und originellen Pfad auszustecken.
Wo es raufgeht, da geht es auch runter, dieses Naturgesetz gilt überall ausser am Malojapass und schon bald folgte der erste heikle Abgang.
Wieder ein kleiner Stau, den wir Dank Erfahrung und ausgeklügelter Technik missbrauchten, um einige Positionen gut zu machen.
Die nächste Ebene folgte und auch die war viel zu verwinkelt und mit Sehenswürdigkeiten voll gestopft. Dann endlich der erste Verpflegungsstand. Getränke und exotisch klingende Speisen wurden angeboten und vor dem Toilettenhäuschen mit der Aufschrift ‚Wickeltisch’ stauten sich unendlich viele Kinderwagen. Eine schöne Geste vom Organisator, dass er an dieser Sportveranstaltung speziell an die Familien denkt.
Wir haben auf eine Pause verzichtet, was ich prompt auch einige Minuten später bereute. Mit zittrigen Knien wartete ich auf einer Sitzgelegenheit darauf, bis meine Partnerin eine weitere Attraktion der Strecke genaustens betrachtete.
Von jetzt an war ich froh über die Gehilfen des Nordic Walkings. Ich stützte mich auf diese und sehnte mich dem Ziel entgegen.
Nach meinem Gefühl sollte das Ende des Parcours jeden Moment hinter der nächsten Ecke erscheinen. Es folgte noch eine Ecke, dann noch eine und plötzlich wieder eine Steigung, ein paar weitere Ecken und ein steiler Abgang.
Völlig erschöpft und am Rande des Zusammenbruchs erspähte ich dann das erlösende Ziel.
Von den 15 IKEA-Kassen waren deren Drei geöffnet und die Schlangen davor waren entsprechend lang.
Der Schweiss rann an mir herunter, als ich nach dem Verstauen des 45kg schweren HÖGLÖFÖ Gestelles und den 12 Schubladen mit dem harmonisch klingenden Namen BLÖMÖ im Autosessel versank.
Was finden die Leute nur so toll am Nordic Walking?

Kommentare:

  1. sehr schön und wunderbar zu lesen und dann noch dieses unerwartete Ende, ein Genuss

    AntwortenLöschen
  2. Genauso genial geschrieben wie die "Unbequeme Passagierin" die sich als Wintereinbruch entpuppt. SUPER.

    En liebe Gruss
    A.

    AntwortenLöschen
  3. Einfach köstlich. Ein wunderbarer Vergleich. Eigentlich gar nicht so abwegig wenn man denkt

    Ich hoffe Sie wurden für die durchlittenen Strapazen entschädigt.

    Grues

    Severin

    AntwortenLöschen
  4. moin schön...klasse geschrieben wieder köstlich gelacht..

    AntwortenLöschen
  5. ich hab so etwas von Mittleid mit dir... und verstehe es gaentzlich... machte solch ein Nordic Walking schon mehrmals, nicht-gantz-freiwillig mit...

    AntwortenLöschen
  6. Noch während ich das lese, wandern meine Gedanken zu den Reaktionen, die ich ein jedesmal wieder ernte, wenn ich bekenne, diese Stöcke zu besitzen. Das sie lediglich "Gehilfen" bei Querfeldein-Märschen mit meinem Hund sind, dringt nicht mehr durch die Wand von Spott und Gelächter. Und dann erwischen Sie mich kalt mit diesem Kniff. Toll! Habe gut gelacht und das zweite Mal lesen umso mehr genossen. So weit sind diese beiden Welten tatsächlich nicht voneinander entfernt.

    AntwortenLöschen
  7. Zuhause angekommen ging das Drama weiter. Kann ich mich nach einer langen MTB-Zour gemütlich vor die Glotze setzen, musste ich das Ganze erstandene noch zusammenbauen .....
    Schwielen, Blasen und blutige Finger waren das Ergebniss.

    Die Entschädigung dafür war umso schöner. Ein neues Regal und eine Frequent-Flyer-Karte von IKEA, die mich als Familienmember ausweist!

    Juhui

    AntwortenLöschen
  8. Na wenn das nicht eine Entschädigung ist. Was braucht man mehr...

    AntwortenLöschen
  9. wenn ich mich recht entsinne kam letztes jahr zusammen mit dem üblichen family prospekt ein blatt auf dem stand wann an stelle des "nordic walking's" sich eher ein "ausgedehnter sonntagsspaziergang" praktizieren lässt :) wenn ich mich nicht täusche war es der dienstag abend, der den kunden ans herz gelegt wurde.
    freitags und / oder samstags in die ikea zu gehen ist absolute selbstgeisselung und grenzt resp. führt zu wahnsinn. daher: chapeau herr nff - vor allem für das nachherige zusammenschrauben ;) das zeugt von durchhaltewillen!

    grüsse
    die macerkiste

    AntwortenLöschen
  10. immer dieses gejammere :-)
    dann fährt doch zu pfister und lasst euch das zeugs bringen, de und montieren :-)
    (sorry das musste jetzt kurz raus....aber die story ist herzerfrischend)

    AntwortenLöschen
  11. Sehr geehrter Herr NFF

    An wen bei Ihrem Arbeitgeber muss man sich denn wenden um eine Liste zu erhalten welches Flugzeug welchen Taufnamen hat. Es wäre toll einen Tip zu erhalten.

    Vielen Dank im voraus für Ihre freundlichen Bemühungen.

    Mit freundlichen Grüssen

    AntwortenLöschen
  12. Vielen Dank für die zahlreichen Kommentare.

    Bin im Moment in Hongkong und werde mich nach meiner Heimkehr schlau machen, ob ich eine Liste mit den Taufnamen der Flugzeuge finden werde.

    Gruss nff

    AntwortenLöschen