Samstag, Mai 27, 2006

Chief Executive Soldier

Freitagabend im Lan Kwai Fong in Hongkong ist was Besonderes. Tausende von vergnügungssüchtigen Leuten stürmen die steil ansteigende Strasse und suchen heitere Abwechslung vom strengen Berufsleben.
Die Behörden zeigen Verständnis und sperren die wichtige Verkehrsachse für das wöchentliche Spektakel.
So stand ich gestern zusammen mit dem anderen Copi gemütlich in einer Bar, als eine Bande hübscher junger Frauen zielstrebig auf mich zusteuerte. Die Grösste und Attraktivste der Gruppe fokussierte mich mit ihren hübschen Augen und ich blickte in meiner Unsicherheit nach links und nach rechts, weil ich aufgrund der ungewohnten Aufmerksamkeit David Beckham hinter meinem Rücken wähnte.

Dass ihre Aufmerksamkeit tatsächlich meiner Person galt, bestätigte sich in den nächsten Sekundenbruchteilen. Doch statt sich nach meinem Namen zu erkundigen oder etwas Nettes zu sagen, fragte die jugendliche Schönheit nach meiner Visitenkarte. Visitenkarte? Noch nie im Leben habe ich so ein Dokument besessen und noch nie habe ich diese kleinen Karten aus dickem Papier vermisst. Warum gerade heute Abend?
Meine Nachforschungen ergaben, dass sich das junge Ding viel zu früh in die Arme eines Mannes geworfen hat und demnächst heiraten wird. Die Gruppe fideler Weiber feierte also einen Polterabend und meine Businesscard hätte als Beweis für zwischengeschlechtliche Bekanntschaften den Weg ins Erinnerungsalbum gefunden.

Die Frauenzimmer zogen ab und wir nippten wieder gemütlich und einsam an unserem Bier weiter. Trotzdem hat mich die Visitenkartengeschichte noch weiter beschäftigt. Was sollte bloss auf meiner Karte alles stehen? Der Name, das ist klar, aber was sonst noch? Aufgrund des fehlenden Mittelnamens, fällt bei mir der dominante Buchstabe zwischen Tauf- und Familienbezeichnung weg, was wiederum nur mit einem eindrücklichen Titel wettgemacht werden kann.
Soll es Copilot oder gar die offizielle angelsächsische Bezeichnung Senior First Officer sein? Eher nicht, beide klingen nach zweiter Geige und haben in den letzten Jahren enorm an Erosfaktor eingebüsst.
Vielleicht Lebemann, Geniesser oder gar Connaisseur? Passt irgendwie auch nicht und im Grunde bin ich ja ein ziemlicher Spiessbürger.

Es muss was Epochales, was Eindrückliches, was Einzigartiges sein, was sowohl nach heroischen Taten als auch nach Einfluss riecht. Mein Hirn dreht sich im Kreis, während der Kollege noch ein zweites Bier bestellt.
Was passt zu mir und was gibt mir bei ach so wichtigen Anlässen das notwendige Gewicht? Es muss international sein und sowohl Führungspersönlichkeiten als auch Polterabendweiber beeindrucken.
Der Geistesblitz kommt fast gleichzeitig wie das frisch gezapfte Bier:der Titel Chief Executive Soldier wird meine erste Visitenkarte schmücken!

Kommentare:

  1. Dabei ist doch völlig klar was im Geiste der jetzigen Zeit für ein fantastischer, mit allen möglichen Fantasien verbundener Titel auf der Karte stehen muss: Blogger.

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  2. Das Problem mit dem Mittelname lässt sich relativ einfach lösen (auch meine Eltern waren schon bei einem Namen hart an ihre Grenze gestossen). Man nehme einfach den Name des Vaters und setze ihn in die Mitte!

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  3. Mein Titelfavorit ist ja immer noch Global Operations Director. Abgekürzt ist das dann... :-)

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  4. Bei Abkürzungen wäre ich vorsichtig...

    Siehe:
    http://www.chickenwingscomics.com/archives/content/strips/20060516.jpg

    Gruß,

    Golfox,
    Future Director of Enerving Poorperformance Plane (D. E. P. P.)

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  5. Ansonsten einfach mal hier auf "Schnell, ich brauch nen Titel" klicken. Dann kommen so schöne Titel wie der Head of Junk and Trash Administartion Officer dabei raus :)

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  6. na ja... Senior First Officer toent ja eigentlich nicht schlecht..Wuenche natuerlich dass moeglichst bald mal Captain, oder gar so etwas imposanteres, wie Fleet Chief A330/A340

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  7. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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