Freitag, April 07, 2006

Welcome USS Abraham Lincoln

The United States' largest naval aircraft carrier, USS Abraham Lincoln, and three support ships arrived in Hong Kong early Thursday for a routine port visit.

Die lokale Nachrichtenagentur sprach von einem Routinebesuch. Routinebesuch würde ich die Operation aus meiner Sicht nicht gerade nennen. Schon gestern haben alle Lokale vor lauter Vorfreude auf den heutigen freien Abend der zahlreichen Matrosen ihre eigenen vier Wände auf den amerikanischen Besuch vorbereitet und vor jeder noch so kleinen Spelunke hing ein Schild mit einem netten Begrüssungsspruch.
Wenn eine Füsilierkompanie im Napfgebiet im Ausgang den Bären stürmt, die Serviertochter mit ungewohnten Komplimenten eindeckt und den Keller leer säuft, kann man von einem eindrücklichen Ereignis sprechen. Überschwemmen aber 7000 muskulöse und entsozialisierte ‚Sailors’ das Ausgangsviertel Wanchai, dann muss der Ausnahmezustand ausgerufen werden.

Ich hatte von allem natürlich wieder einmal keine Ahnung. Gemütlich habe ich mit meinen Kollegen bei einem kleinen und schnuckeligen Thai-Restaurant an der Lockard Road ein viel zu scharfes Curry gegessen, als die Lawine der kahlrasierten und vergnügungshungrigen Masse über uns hereinbrach. Im Nu waren hektoliterweise Bier und Schnaps vernichtet, die Gespräche wurden lauter und ich vermied tunlichst meine Meinung zum amtierenden amerikanischen Präsidenten kundzutun.
Noch bevor wir unsere Rechnung begleichen konnten, flog ein Soldat in Zivilkleidern aus uns unbekannten Gründen aus dem Lokal und prallte unsanft auf dem chinesischen Asphalt auf. Bewusstlos blieb der im Zwist Unterlegene liegen und Blut floss aus seinem Hinterkopf. Kein schöner Anblick und gemäss meinen Erfahrungen aus dem Nothelferkurs vor 23 Jahren absolviert wusste ich, dass der Patient jetzt zumindest eine Seitenlagerung braucht.
Doch es vergingen keine 2 Minuten, bis der verletzte amerikanische Held von einer Horde Militärpolizisten umgeben war, die vor allem darauf achteten, dass niemand die Polizei rief. Natürlich durfte Heerespolizei der Navy im Lande des ehemaligen Klassenfeindes nicht in ihren schnittigen Uniformen herumlungern und waren in denimfarbene Kombis mit der unübersehbaren Überschrift S.L.G. gekleidet. Diese drei Buchstaben stehen sinnigerweise für Ship Liaison Group.

Die 6980 anderen Matrosen kümmerten sich herzlich wenig um den kleinen Zwischenfall und suchten in den Lokalen ihre eigene Liaison. Der Armeeerfahrene weiss, wie schwierig es ist, im voll besetzten Bären im Napfgebiet die Aufmerksamkeit der einzigen Serviertochter zu erlangen. Die Situation ist auch für die im Mittelpunkt stehende nicht einfach. Plötzlich von 180 Zürchern belagert zu werden, die anders reden und anders flirten als der von Allmen Kari, kann verlegen machen und durchaus Aggressionen bei der lokalen ledigen, männlichen Bevölkerung auslösen. Unsere Kultur, unsere Erziehung und die Tatsache, dass wir nicht 3 Monate Enthaltsamkeit auf See hinter uns hatten sorgten dafür, dass die Abende immer friedlich und mit dem Segen des lokalen Pfarrers zu Ende gingen.

Die Situation heute Abend in Wanchai präsentierte sich etwas anders. Die 7000 Matrosen waren auf Vollgas programmiert und die Hormone schlugen Salti bei jedem Anblick eines weiblichen Geschöpfes. Apropos weibliche Geschöpfe, es fiel mir erst relativ spät am Abend auf, dass es von leichtgekleideten Frauen aus allen Herren Ländern an diesem Abend nur so wimmelte.
Kopfschüttelnd liefen wir durch die Strassen und schauten dem sprichwörtlichen Treiben zu. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt auch hier und wieder einmal zeigte sich sehr deutlich, dass sich in dieser Stadt alles, und wirklich alles um den rollenden Rubel dreht.

Auch wenn ich das Schweizer Militär abgrundtief gehasst habe, ziehe ich die nasskalten Wiederholungskurse im angelegenen Napfgebiet dem Lebensstil der amerikanischen Navy vor.
Trotz allem verstehe ich noch immer nicht, dass wir das ganze Militär noch nicht abgeschafft haben. Der Welt, der Serviertochter im Bären und den leichten Mädchen von Wanchai ginge es um einiges besser!

Kommentare:

  1. ahallwachs@bluewin.ch08 April, 2006 08:51

    Lieber NFF

    Ihre Art zu schreiben begeistert mich einfach immer wieder aufs Neue. Einfach klasse! Ich hoffe noch viele gute Beiträge von Ihnen lesen zu können!!!

    Viele liebe Grüsse
    Ariane

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  2. Danke für das Lob! Ich verspreche, dass ich fleissig in die Tasten hauen werde :-)

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