Dienstag, April 25, 2006

Morgenrituale

Einen neuen Tag soll man mit Bekanntem begrüssen. Damit meine ich nicht nur den verschlafenen Blick in den Spiegel, der hoffentlich ein vertrautes Gesicht zeigt, sondern die ersten Stunden des Tages im Allgemeinen.
Wegen der Zeitverschiebung und der Sprachbarriere hier am Pearl River Delta, kann ich mich den lokalen Tai Chi Übungsgruppen nicht anschliessen und bin auf eine kräftespendende und wenn möglich nicht allzu anstrengende Alternative angewiesen.
Nicht ganz einfach in dieser pulsierenden Metropole, wo sich die arbeitssamen Chinesen rund um die Uhr auf den Zehen herumstehen. Meine Tankstelle für Koffein und Lebenslust liegt 20 Bootsminuten vom Ferry Pier in Central entfernt und nennt sich Lamma Island.
Eine Oase der Ruhe und Ausgeglichenheit im Vergleich mit der Millionenstadt auf der Nachbarsinsel.
Statt Maßanzügen tragen die Bewohner hier kurze Hosen, statt Handykabel im Ohr baumeln die iPod Drähte unter den langen Mähnen hervor, statt Krawatten trägt man hier verwaschene Shirts und statt nervös zuckenden Händen von den Aufputschmitteln sieht man hier geweitete Pupillen vom Konsum Selbstgepflanztem.

Ich lasse mich auf dem harten Stuhl im Green Cottage Coffeehouse nieder, bestelle eine Badewanne voller Cappuccino, freue mich auf die hoffentlich keimfreien Eier, schlürfe den frisch gepressten Orangensaft und blicke auf das ruhige Meer hinaus.
Es herrscht ein entspanntes Kommen und Gehen. Man kennt sich, begrüsst sich herzlich und vergisst dabei auch nicht, mit dem fremden Besucher dieses Paradieses einige Worte zu wechseln.
In einem gemütlichen Tempo, wie es sich für diese Insel gehört, erwachen meine Lebensgeister und wecken die Lust an körperlicher Betätigung.
Ich packe meine sieben Sachen und schlendere an kleinen Geschäften und wunderschönen Stränden vorbei Richtung Dorfausgang.
Auf mich wartet ein etwa einstündiger Spaziergang von Yung Shue Wan nach Sok Kwu Wan über eine kleine Hügelkette. Obwohl ich diesen Spaziergang schon unzählige Male gemacht habe, bin ich immer wieder überwältigt von der Schönheit dieses Fleckens. Kurz vor dem Hafen erwacht dann auch der auf dem harten Stuhl im Kaffeehaus eingeschlafene Hintern wieder und ich kann getrost Richtung Metropolis in See stechen.

Damit ist mein Morgenritual zu Ende und ich bin bereit für weitere Taten: HONGKONG ICH KOMME!

Kommentare:

  1. Lieber Herr nff,

    gerade aus BOS zurück, traf ich eine Crew aus Ihren Reihen. Erst traute ich mich nicht, dann war die Neugier stärker. Also fragte ich den Co, wieviele von seiner Gilde wohl in Ihrer Firma arbeiten und ob er einen kenne, der als nff bloggt. Er wusste nicht, wovon ich sprach, war allerdings sehr nett. Der Cpt wollte mich sofort engagieren und war bitterlich enttäuscht, dass ich einen Bus später bevorzugte.
    Es gilt ja immer noch das Essen beim Flyingcook. Wie wär´s? Schreiben Sie mir eine Mail (Ihre Mailadresse finde ich nirgends), dann könnten wir uns mal mit Golfox irgendwo in Europa treffen. Ich wäre schon sehr neugierig ;o)

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  2. Logo, Adresse ist im Datendschungel unterwegs.
    Muss aber zuerst in die Ferien :-D

    Gruss nff

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  3. Na ja... also solange Sie sich erst am spiegel, und nicht schon im Bett wundern ob sie ein vertautes Gesicht sehen, und nicht selbst vor dem Flug in den Genuss Selbsgepflanztem kommen, ist ja noch ok... Meine Morgentankstelle befindet sich uebrigens gegenueber des "arbeitsplatzes", und traegt bekannten Namen, in gruenem Schriftzug... denke dass Sie dessen Artgenossen um den Globus schon mehrmals von naeherem sahen...

    Gruss
    Andreas

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