Mittwoch, April 26, 2006

Adieu

Die 'Gedanken eines Fliegenden' ruhen in den nächsten paar Tagen. Für zwei Wochen geht es nach Südfrankreich, wo ich bit- und bytelos das Nichtstun geniessen werde.
Auf mich warten offene Kanus, unentdeckte Schluchten, bergeweise Croissants, viele Pastis, schöne Strände, meine Campingmatte, zu harte Böden für meine Zeltheringe, Pétanqueturniere auf Marktplätzen, Lavendelfelder und Nougatfarmen.

Doch eines werde ich ganz bestimmt nicht machen: FLIEGEN!

Dienstag, April 25, 2006

Morgenrituale

Einen neuen Tag soll man mit Bekanntem begrüssen. Damit meine ich nicht nur den verschlafenen Blick in den Spiegel, der hoffentlich ein vertrautes Gesicht zeigt, sondern die ersten Stunden des Tages im Allgemeinen.
Wegen der Zeitverschiebung und der Sprachbarriere hier am Pearl River Delta, kann ich mich den lokalen Tai Chi Übungsgruppen nicht anschliessen und bin auf eine kräftespendende und wenn möglich nicht allzu anstrengende Alternative angewiesen.
Nicht ganz einfach in dieser pulsierenden Metropole, wo sich die arbeitssamen Chinesen rund um die Uhr auf den Zehen herumstehen. Meine Tankstelle für Koffein und Lebenslust liegt 20 Bootsminuten vom Ferry Pier in Central entfernt und nennt sich Lamma Island.
Eine Oase der Ruhe und Ausgeglichenheit im Vergleich mit der Millionenstadt auf der Nachbarsinsel.
Statt Maßanzügen tragen die Bewohner hier kurze Hosen, statt Handykabel im Ohr baumeln die iPod Drähte unter den langen Mähnen hervor, statt Krawatten trägt man hier verwaschene Shirts und statt nervös zuckenden Händen von den Aufputschmitteln sieht man hier geweitete Pupillen vom Konsum Selbstgepflanztem.

Ich lasse mich auf dem harten Stuhl im Green Cottage Coffeehouse nieder, bestelle eine Badewanne voller Cappuccino, freue mich auf die hoffentlich keimfreien Eier, schlürfe den frisch gepressten Orangensaft und blicke auf das ruhige Meer hinaus.
Es herrscht ein entspanntes Kommen und Gehen. Man kennt sich, begrüsst sich herzlich und vergisst dabei auch nicht, mit dem fremden Besucher dieses Paradieses einige Worte zu wechseln.
In einem gemütlichen Tempo, wie es sich für diese Insel gehört, erwachen meine Lebensgeister und wecken die Lust an körperlicher Betätigung.
Ich packe meine sieben Sachen und schlendere an kleinen Geschäften und wunderschönen Stränden vorbei Richtung Dorfausgang.
Auf mich wartet ein etwa einstündiger Spaziergang von Yung Shue Wan nach Sok Kwu Wan über eine kleine Hügelkette. Obwohl ich diesen Spaziergang schon unzählige Male gemacht habe, bin ich immer wieder überwältigt von der Schönheit dieses Fleckens. Kurz vor dem Hafen erwacht dann auch der auf dem harten Stuhl im Kaffeehaus eingeschlafene Hintern wieder und ich kann getrost Richtung Metropolis in See stechen.

Damit ist mein Morgenritual zu Ende und ich bin bereit für weitere Taten: HONGKONG ICH KOMME!

Montag, April 24, 2006

Happy Hour

Ein frisch gezapftes Bier, ein Platz an einem Tisch im Freien und herrliche 28°C - was will der einfache Copilot noch mehr? Vom bequemen Stuhl aus lässt sich der belebte Platz inmitten von Kowloon wunderbar überblicken, ein laues Lüftchen von Hongkong Island her kommend weht die Rauchschwaden von Nachbars Cohiba in die entgegengesetzte Richtung und rund um uns herum wird geredet, diskutiert und gelacht. Die Fröhlichkeit steckt an und lässt die müden Glieder vom langen Nachtflug vergessen.
Ein wirklich perfekter Frühlingsabend unter den Sternen Südostasiens! Unsere Stimmung steigt mit jedem Drink, den die in ein farbiges Kleid gesteckte Bedienung auf unserem kleinen Tisch deponiert. In Hongkong ist wieder einmal Happy Hour. Happy Hour kann hier alles Mögliche bedeuten. Mal kostet der Drink weniger, mal gibt es einen gratis. Ganz nach dem Gusto des Managers werden Alkoholika verteilt, um die Gäste bei Stimmung zu halten. Wenn dann urplötzlich die letzte Sekunde der glücklichen Stunde geschlagen hat - was in der Regel niemand realisiert - beginnen die Kassen wieder zu rattern.
Geschäftstüchtig sind diese Chinesen, das muss man ihnen lassen. An unserem Tisch drehen sich die Gespräche wie so oft, wenn Flugzeugführer unter sich sind, um alte Fliegergeschichten. Normale Piloten werden plötzlich zu Helden, leichte Brisen im Anflug zu Sturmböen, graue Wölklein zu veritablen Gewitterwolken und kleine technische Störungen zu ernsthaften Zwischenfällen. Fliegergarn wird gesponnen und Zuhörer nicht pilotischen Ursprungs langweilen sich zu Tode.
Und genau das kümmert uns heute Abend kein bisschen, schliesslich haben wir auch mal das Recht so zu sein, wie wir sind und schliesslich ist ja Happy Hour!

Die kurze Pause zwischen zwei Heldengeschichten nutze ich, die Leute an den anderen Tischen zu beobachten. Der Blick bleibt an einem jungen einheimischen Pärchen hängen.
Die Beiden tauschen mit den Füssen Zärtlichkeiten aus, während er auf der Playstation Autorennen fährt und sie mit der linken Hand telefoniert und der rechten Hand ein SMS in ein anderes Handy tippt. Diesen Anblick muss ich zuerst verdauen. Ich schaffe es nicht einmal eine Playstation zu starten, kann nur mit Mühe ein SMS tippen, muss mich beim Telefonieren auf das Gespräch konzentrieren und kann meine Sinne bei zärtlichen Fussspielen kaum ordnen. Wie schaffen die Beiden es bloss, alles synchron zu erledigen? Das fernöstliche Rätsel bleibt ungelöst und während dem Grübeln verpasse ich eine Erzählung eines dramatischen Anfluges aus alter Zeit.

Die Temperaturen weigern sich sinken und weder Fliegergeschichten noch Biernachschub wollen enden. Zeit zu gehen und dem schönen Abend ein Ende zu bereiten. Mir war nach den vielen Eindrücken einfach noch danach etwas zu schreiben. Diese kurze Erzählung ist unvollständig wie ein Satz ohne Verb, aber was spielt dies für eine Rolle? Schliesslich ist ja Happy Hour!

Montag, April 17, 2006

Yorokeikoku


Wer fremde Orte bereist, der will etwas sehen. Spezielle Plätze, die nach dem Urteil eines Experten eines Blickes würdig sind, werden dann in den Reiseführern als Sehenswürdigkeiten gelobt und entsprechend angepriesen.
Interessanterweise sind sich die Fachleute rund um den Globus in der Regel ziemlich einig, was der Besucher unbedingt zu Gesicht bekommen muss. Ob sich die Autoren gegenseitig abschreiben oder Marketingverantwortliche vor Ort die Meinungen so beeinflussen, dass ein Reiseguide dem anderen wie aufs Haar gleicht, sei einmal dahingestellt.
Ich will die Reiseliteratur als solches nicht verteufeln, schliesslich bin ich ein guter Kunde von Städteführern, versuche aber ab und zu die grossen Trampelpfade zu verlassen.

Heute war so ein Tag. Sonnenschein weckte mich am frühen Morgen nach einem typischen ‚Tokioschlaf’, während dem ich mich vier Stunden lang von einer Seite auf die andere drehte und im Stundentakt die Blase von der Last des am Vorabend gezechten Hopfensaftes befreite.
Interessanterweise ist man nach so einer Nacht nicht etwa todmüde, sondern froh, dass man die Stätte der Unrast endlich verlassen darf.

Eine knappe Stunde später liess ich mich widerstandslos vom Pendlerstrom mitziehen und wurde unfreiwilligerweise Teilnehmer des allmorgendlichen Sumokampfes im Vorortszug von Narita nach Tokio. Körperlich etwas im Vorteil, gelang es mir nach zwei Stationen die Wand aus Menschen zur Seite zu drücken und die rollende Fleischkonserve fluchtartig zu verlassen.
Der Provinz entgegen wurden die Züge immer kleiner, die Sitzbänke leerten sich und langsam aber sicher verschwanden auch die für mich lesbaren Schriftzeichen von den Bahnhofschildern. Das Abenteuer konnte beginnen.

Yorokeikoku hatte ich am Vorabend als Reiseziel erkoren. Heisse Quellen soll es da geben und eine schöne Wanderung von zwei Stunden Dauer gäbe gute Fotosujets her, meinte ein Kenner auf einer Internetseite und machte damit diese Stadt mit dem lustigen Namen zumindest für Google-Benutzer zur kleinen Sehenswürdigkeit.

Frohen Mutes und mit spärlichem Kartenmaterial bewaffnet, machte ich mich auf ins Ungewisse. Obwohl Pilot, gehört die Navigation mit konventionellen Hilfsmitteln nicht zu meinen Stärken. Das ist sicherlich ein Handicap auf Ausflügen wie diesem, doch im Gegensatz zu so manchem Leutnant der helvetischen Infanterie, stehe ich zu meiner Schwäche und präge mir zumindest den Rückweg ein.
Prompt irrte ich mich an der ersten Schlüsselstelle in der Himmelsrichtung und folgte einem Pfad durch wunderschöne Reisfelder, der nach gut einer Stunde in einer Sackgasse endete. Ich möchte Euch ein Foto dieses speziellen Ortes nicht vorenthalten und mache damit das bescheidene Feld des Bauern zu einer kleinen Sehenswürdigkeit. Nur auf der Karte kann ich den Punkt nicht markieren, ich weiss beim besten Willen nicht mehr, durch welche Privatgrundstücke ich am heutigen Tag geschlendert bin.

Dem anstrengenden Spaziergang folgte ein Bad in einer heissen Quelle mit einer Wasserfarbe, die mich stark an den amerikanischen Frühstückskaffee erinnerte. Prompt schlich sich ein kleines Hungergefühl ein und dieses wurde auch unverzüglich für wenig Geld in einem gemütlichen Nudelshop um die Ecke gestillt.
Gut genährt von der Suppe und durchgegart vom fast 45° heissen Badewasser, machte ich mich müde, aber glücklich auf zum kleinen Provinzbahnhof.

Der Bahnhof war leer und schien verlassen. Auf dem rostigen Geleise stand ein altes Schienenmotorrad und genoss das Nichtstun. Weder das Unkraut zwischen den Schwellen noch der omnipräsente Rost an allen Ecken und Enden zeugten von grosser Hektik auf dieser Bahnstrecke.
Ein scheuer Blick durch das Stationsfenster brachte Erleichterung. Erschrocken von meiner Erscheinung schoss eine Angestellte der Bahnlinie aus ihrem Sitz, richtete ihre Uniform, die eh schon wie angegossen sass, und überhäufte mich mit japanischen Tiraden.
Handzeichen und Zischlaute meinerseits kombiniert mit bahntechnischer Kompetenz ihrerseits führte zu der Erkenntnis, dass die Bahnstrecke noch in Betrieb ist, der nächste Zug aber erst in 2 Stunden verkehre.

Yorokeikoku scheint wirklich noch nicht eine richtige Sehenswürdigkeit zu sein. Doch ich bin überzeugt, nach diesem Reisebericht wird sich das ändern - ganz bestimmt, mit absoluter Sicherheit!

Dienstag, April 11, 2006

Männerspielzeug

The difference between men and boys are the costs of their toys.

Ich selber hasse eigentlich Verallgemeinerungen, muss aber der englischen Binsenwahrheit in dieser Beziehung recht geben.

Solche Spielzeuge mag ich. Ein elegant gefertigtes Meisterwerk, das dank der umsichtig getätigten Materialauswahl einen unverkennbaren Charakter ausstahlt und den Rider des Kohlenfasergeschosses sicher über die holprigen Wanderwege bringt.
Ich wähle bewusst die Bezeichnung Rider für den Piloten dieses zugegebenermassen etwas protzigen Fortbewegungsmittels.
Ein Velofahrer fährt Dreigänger, im besten Fall ein ungefedertes Fahrrad aus dem Supermarkt, doch dies ist ein Bike und ein Bike dieses Formates wird von einem Rider gesteuert - ach was pilotiert!

Seit gestern ist dieses wundervolle Teil mein Eigen. Wunderbare Stunden habe ich im Sportgeschäft verbracht und beobachtet, wie alles Mögliche auf meine imposanten Körpermasse eingestellt wurde. Der Fachmann hat mir alle Hebel erklärt und ich bin mir fast so vorgekommen wie im Airbus Umschulungskurs. So hat es zum Beispiel am Lenker einen unscheinbaren Schalter, wo während der rasanten Fahrt justiert werden kann, wie gut der Allerwerteste gefedert wird. Es gibt das die Einstellung Selbstkasteiung, die Positionen Mittel und Komfort.

Bei der Selbstkasteiung ist der hintere Dämpfer blockiert und das soll bei Aufstiegen einen minimen Vorteil bringen. Mittel ist ein Kompromiss und in der Position Komfort droht der Fahrer bei einer längeren Abfahrt seekrank zu werden.
Als knallharter Rider werde ich vermutlich nur die Machostellungen benutzen und damit zumindest verbal meinen Kontrahenten um die Ohren düsen.

Ihr merkt, ich bin hell begeistert! Ich könnte noch seitenweise über Details schwärmen und den Lesern wertvolle Zeit rauben. Besser verschone ich Euch mit weiteren technischen Einzelheiten und versuche die Frage zu beantworten, die sicherlich schon lange unter den Nägeln brennt: Wie war die erste Ausfahrt?

Tja, jetzt werde ich etwas verlegen. Das Engadin zeigte sich gestern von der etwas garstigen Seite. Zuerst hat es geregnet, dann geschneit und schliesslich wollte ich nicht, dass mein neues Spielzeug schmutzig wird. Der erste Ausritt ist auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden und mein karbonschwarzes Hightechteil wartet jetzt im trockenen Keller auf die erste grosse Tour mit seinem tough Rider.

Freitag, April 07, 2006

Welcome USS Abraham Lincoln

The United States' largest naval aircraft carrier, USS Abraham Lincoln, and three support ships arrived in Hong Kong early Thursday for a routine port visit.

Die lokale Nachrichtenagentur sprach von einem Routinebesuch. Routinebesuch würde ich die Operation aus meiner Sicht nicht gerade nennen. Schon gestern haben alle Lokale vor lauter Vorfreude auf den heutigen freien Abend der zahlreichen Matrosen ihre eigenen vier Wände auf den amerikanischen Besuch vorbereitet und vor jeder noch so kleinen Spelunke hing ein Schild mit einem netten Begrüssungsspruch.
Wenn eine Füsilierkompanie im Napfgebiet im Ausgang den Bären stürmt, die Serviertochter mit ungewohnten Komplimenten eindeckt und den Keller leer säuft, kann man von einem eindrücklichen Ereignis sprechen. Überschwemmen aber 7000 muskulöse und entsozialisierte ‚Sailors’ das Ausgangsviertel Wanchai, dann muss der Ausnahmezustand ausgerufen werden.

Ich hatte von allem natürlich wieder einmal keine Ahnung. Gemütlich habe ich mit meinen Kollegen bei einem kleinen und schnuckeligen Thai-Restaurant an der Lockard Road ein viel zu scharfes Curry gegessen, als die Lawine der kahlrasierten und vergnügungshungrigen Masse über uns hereinbrach. Im Nu waren hektoliterweise Bier und Schnaps vernichtet, die Gespräche wurden lauter und ich vermied tunlichst meine Meinung zum amtierenden amerikanischen Präsidenten kundzutun.
Noch bevor wir unsere Rechnung begleichen konnten, flog ein Soldat in Zivilkleidern aus uns unbekannten Gründen aus dem Lokal und prallte unsanft auf dem chinesischen Asphalt auf. Bewusstlos blieb der im Zwist Unterlegene liegen und Blut floss aus seinem Hinterkopf. Kein schöner Anblick und gemäss meinen Erfahrungen aus dem Nothelferkurs vor 23 Jahren absolviert wusste ich, dass der Patient jetzt zumindest eine Seitenlagerung braucht.
Doch es vergingen keine 2 Minuten, bis der verletzte amerikanische Held von einer Horde Militärpolizisten umgeben war, die vor allem darauf achteten, dass niemand die Polizei rief. Natürlich durfte Heerespolizei der Navy im Lande des ehemaligen Klassenfeindes nicht in ihren schnittigen Uniformen herumlungern und waren in denimfarbene Kombis mit der unübersehbaren Überschrift S.L.G. gekleidet. Diese drei Buchstaben stehen sinnigerweise für Ship Liaison Group.

Die 6980 anderen Matrosen kümmerten sich herzlich wenig um den kleinen Zwischenfall und suchten in den Lokalen ihre eigene Liaison. Der Armeeerfahrene weiss, wie schwierig es ist, im voll besetzten Bären im Napfgebiet die Aufmerksamkeit der einzigen Serviertochter zu erlangen. Die Situation ist auch für die im Mittelpunkt stehende nicht einfach. Plötzlich von 180 Zürchern belagert zu werden, die anders reden und anders flirten als der von Allmen Kari, kann verlegen machen und durchaus Aggressionen bei der lokalen ledigen, männlichen Bevölkerung auslösen. Unsere Kultur, unsere Erziehung und die Tatsache, dass wir nicht 3 Monate Enthaltsamkeit auf See hinter uns hatten sorgten dafür, dass die Abende immer friedlich und mit dem Segen des lokalen Pfarrers zu Ende gingen.

Die Situation heute Abend in Wanchai präsentierte sich etwas anders. Die 7000 Matrosen waren auf Vollgas programmiert und die Hormone schlugen Salti bei jedem Anblick eines weiblichen Geschöpfes. Apropos weibliche Geschöpfe, es fiel mir erst relativ spät am Abend auf, dass es von leichtgekleideten Frauen aus allen Herren Ländern an diesem Abend nur so wimmelte.
Kopfschüttelnd liefen wir durch die Strassen und schauten dem sprichwörtlichen Treiben zu. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt auch hier und wieder einmal zeigte sich sehr deutlich, dass sich in dieser Stadt alles, und wirklich alles um den rollenden Rubel dreht.

Auch wenn ich das Schweizer Militär abgrundtief gehasst habe, ziehe ich die nasskalten Wiederholungskurse im angelegenen Napfgebiet dem Lebensstil der amerikanischen Navy vor.
Trotz allem verstehe ich noch immer nicht, dass wir das ganze Militär noch nicht abgeschafft haben. Der Welt, der Serviertochter im Bären und den leichten Mädchen von Wanchai ginge es um einiges besser!

Donnerstag, April 06, 2006

es geht mir gut!

Soll man nach einem Nachtflug, drei Stunden im Restaurant und fünf Mal sechzig Minuten in Bars etwas niederschreiben, das auch noch tiefgründiges Beschreiben soll und den Anspruch hat, die Leser zu unterhalten?
Die Antwort ist JA! Genau diese Momente, wo das Hirn als teigige Masse wahrgenommen wird, die Müdigkeit unendlich gross ist und der Körper dennoch nicht einschlafen will, gehören zu den typischen Aggregatszuständen des fliegenden Personals.
Ich sitze jetzt also in meinem Zimmer mit der kaum merkbaren Nummer 1308 in der wunderschönen Stadt Hongkong und philosophiere in meiner Müdigkeit gefangen vor mich hin. Die wunderschöne Stimme von Katie Melua summt mir aus dem iPod ein Nachtlied vor und das Blut wird spürbar durch die im Joe Banana müde getanzten Beine gepumpt.

Es geht mir gut!

Der Abend war gut und erhielt durch die Anwesenheit eines Jugendfreundes das Prädikat Klasse. Obwohl man sich immer an einen gewissen Ablauf im Nachtleben in dieser Grossstadt hält, wird regelmässig Neues entdeckt. Hippe Bars werden geöffnet, vertraute Spelunken sind geschlossen – ein Kreislauf in einer Metropole, der nie zu enden scheint.
Doch warum schreibe ich das? Irgendwie muss ich wohl meinen kleinen Schwips rechtfertigen, denn neue Lokale müssen schliesslich entdeckt werden.

Es geht mir gut!

Katie singt von blauen Schuhen und das Feuer auf den Sohlen meiner Füsse brennt kräftig weiter. Warum hört der Mensch im Allgemeinen und der Copilot im Speziellen zu wenig auf seinen Körper? Die Antwort ist relativ einfach. Würde ich konsequent den Signalen meiner Maschine folgen, müsste ich noch heute den Dienst quittieren und mit mir vermutlich tausende Banker, Bürolisten, Beamte und andere Wertschöpfer. Doch muss man immer alles übertreiben und statt in die Kissen zu schnarchen von Bar zu Bar ziehen? Abschliessend beantworten kann ich die Frage vermutlich erst Morgen, wenn um 10 Uhr Lokalzeit der Wecker summt. Doch was mache ich mir Gedanken, schliesslich hat es Spass gemacht und das Wichtigste:

Es geht mir gut!

Ich werde jetzt das Licht löschen und mich zum schlafenden Hongkong gesellen. Noch schnell die letzten Worte tippen und mich verabschieden. Die Augen fallen schon fast von selber zu und der leise summende Motor der Zimmerkühlanlage singt mich in den Schlaf. Auch Katie schweigt und das Brennen auf den Schuhsohlen schwindet. Gute Nacht!

Jetzt geht es mir noch besser!