Freitag, Februar 17, 2006

hugging back to life

Die Hauptstadt Kenias, wunderschön auf einer Hochebene liegend, lädt nicht unbedingt zum Stadtbummel ein. Sind die Sicherheitsschleusen der traumhaften Hotelanlage einmal hinter einem, öffnet sich eine Welt, die wenig mit ‚Daktari’ und ‚out of Afrika’ zu tun hat.
Stinkende Vehikel - garantiert ohne Feinstaubfilter - verstopfen die löchrigen Strassen und zwischen den vielen Fahrzeugen suchen sich abenteuerliche Fuhrwerke ihren Weg.
Am sicheren Strassenrand aufgebaut, bieten Händler zwischen herumfliegendem Abfall allerlei Waren an und versuchen dabei ein paar Schilling für die täglichen Mahlzeiten zu verdienen.
Die gemütliche Atmosphäre im Hotel Resort, wo die mindestens sieben Pools trotz Wassermangel in ganz Kenia bis oben gefüllt sind, haben wir gestern für einmal hinter uns gelassen.
Unser Ziel war eine Schule in den Slums von Nairobi, die mit sehr viel Enthusiasmus und wenig finanziellen Mitteln von einem lokalen Lehrer und einem kleinen Grüppchen westlicher Helfer aufrecht erhalten wird.
Barbara, ein Flight Attendant unserer Firma, die mit ihrem enormen, persönlichen und finanziellen Aufwand nicht unwesentlich dazu beiträgt, dass diese Einrichtung noch existiert, fuhr uns in ihrem klapprigen Suzuki zu der Oase inmitten des Armenviertels.

Bei unserer Ankunft genossen die Schüler ihre Pause. Mehr als hundert Kinder rannten auf dem staubigen Boden herum, jagten einem Ball oder einem Mitschüler nach, lachten, sangen, tanzten oder zeichneten mit Ästen Strichmännchen in den Staub.
Als wir Bleichgesichter durch die improvisierte Blechtüre traten, wurden sämtliche Aktivitäten unterbrochen. Jeder wollte unsere Hände schütteln und die fremden Gäste mit dem suahelischen ‚Jambo’ in der Schule begrüssen.
Es war ein unglaublich herzlicher Empfang. Lehrer und Schüler führten uns durch die einfachen Klassenzimmer und zu unseren Ehren wurden Gedichte zitiert und Geschichten erzählt. Als wir in der dritten Klasse vor die Wandtafel traten, sprangen die rund dreissig Kinder auf und stimmten DAS suahelische Begrüssungslied an:

Jambo, Jambo bwana,
habari gani?
Mauri Sana.

Klageni,
Mwakaribishwa,
Kenya yetu,
Hakuna matata,
Kenya nchi


Ich stand mit weichen Knien vor der Klasse, schaute auf dreissig tanzende und händeschwingende Kinder und konnte die Tränen nur mit Mühe verbergen. Unglaublich, wie klein ich mir mit meinen 1.96 Metern plötzlich vorkam.

Zur Schule gehört noch ein Heim für etwas 50 Waisenkinder und das wollte auch besucht werden. Wir zwängten uns zu sechst in Barbara’s Suzuki und holperten ins zehn Minuten entfernte Wohnheim. Nach der interessanten Besichtigung war ich von der Einrichtung tief beeindruckt. Es ist unglaublich, was die Initianten des Projektes zustande bringen, obwohl die Mittel an allen Ecken und Enden fehlen.
So zu Beispiel in der Küche. Wegen der Trockenheit sind die Preise von Gemüse und Früchten so gestiegen, dass sich die ärmere Schicht im Moment fast nur von Ugali (einem trockenen Maisbrei) ernährt. Vitaminmangel ist die Folge und gerade die kleinen Kinder sind von dem besonders betroffen. Eine Banane schlägt im Land der Früchte im Moment mit 5 Schilling (8 Rappen) zu Buche und das sprengt das Budget der meisten Familien und auch dieser Einrichtung. Die Haushaltskasse etwas gefüllt verliessen wir die einfachen Hütten und freuten uns, die tobenden Kinder noch einmal zu begrüssen.

Zum Abschied boten uns die Schüler eine stündige Show mit Theater-, Gesang- und Tanzvorführungen. Zwischen den Vorführungen erzählte mir der Schulleiter die Geschichten und Schicksale einiger der Kinder. Ich fragte ihn, wie er es fertig bringe, in den verstörten Kindern die Lebensfreude wieder zu wecken?

Seine Antwort war sowohl einfach als auch sehr beeindruckend: „We hug them back to life“ – wir bringen sie mit Umarmungen zurück ins Leben.

Kommentare:

  1. wow..... also dieser hat mich wirklich angetan.... schoen zu sehen dass ihr euch so einsetzt.... (wo gibt's denn mehr infos zum Project?)

    Gruss, Andreas (Im Flusi, auf Approach to HTDA05..lol...)

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  2. Danke für Dein Feedback. So viel ich weiss, wird bald eine Homepage in der CH aufgeschaltet. Wenn Du unter 'Children's Garden +Nairobi' suchst, findest Du eine 'alte' www-Seite in Englisch.
    Es ist unglaublich, mit wie wenig Geld (CH-Massstab) man sehr viel bewegen kann. Seit dem Besuch im Heim rechne ich nur noch in Bananen......

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  3. Hallo Herr NFF,

    ich muss sagen "wieder einmal" einer Ihrer Artikel, die wunderbar gelungen (und in diesem Fall wirklich bewegend) sind!

    Auch mich verschlägt es ab und an nach NBO, und für mich sind dadurch Ihre Schilderungen noch ein Stück authentischer geworden als sie es bisher schon waren!

    Bisher habe ich mich immer still über Ihre und die Artikel von Frau Klugscheisser gefreut, und ich wage mich erst jetzt aus meiner Deckung heraus:

    Ich habe mir überlegt, etwas ähnliches, wie Ihr Blog, auch einmal über den Alltag eines Frachtfliegers zu schreiben. Ich hoffe, Sie betrachten dies nicht als "Abkupferei"?

    Ansonsten freue ich mich schon auf Ihre kommenden Einträge!

    Viele Grüße,


    Golfox

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  4. .... dann sehen wir uns im Hotel in NBO!

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  5. Leider nur falls Cpt. NFF ein A300 rating holt....

    Gruss, Andreas (Zurueck von DAR, und in den echten Ferien in Prag)

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  6. Der A300 nach DAR ist nur ein Zwischenschritt. Ich warte, bis wir wieder 747 nach Afrika schicken :-)

    Gruss aus dem Schlatter-Land

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  7. Eine wunderbare Geschichte. War leider schon lange nicht mehr im SWR292, ohne ID sind die Tickets dorthin schon sehr teuer. Nichtsdestotrotz hat mir dieser Beitrag die Erlebnisse, die ich mit Ostafrika verbinde, vergegenwärtigt.

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