Mittwoch, Februar 01, 2006

285'000'000

Eine gigantische Zahl, eine faszinierende Zahl und eine Zahl zum Träumen! Zweihundertfünfundachzig Millionen, was könnte man damit nicht alles anstellen! Unser Finanzminister träumt davon, ich träume davon, Franz träumt davon, meine Freunde träumen davon, die Kioskfrau träumt davon und mein Steueramt träumt davon.
Geld mache nicht glücklich, meint eine alte Weisheit. Ich behaupte zumindest im Vorfeld der Ziehung das Gegenteil. Ist das nicht wunderbar, wie viele Leute über allfällige Gewinne philosophieren, sich gegenseitig Glück wünschen und natürlich überzeugt sind, dass gerade sie den Hauptgewinn in den Händen halten?
So geschehen gestern im Kreis 4. Ich kaufte für mich zwei Vollversionen eines Lottozettels für je 16 Franken und als Mitbringsel für einen Freund die Budgetversion von 3.20 Franken. Aus der kleinen Transaktion wurde ein unterhaltsames Gespräch mit einem Rentner, einer Jamaikanerin und dem nicht mehr ganz nüchternen Kioskmann. Die Gewinnscheine mit dem kleinen Einsatz sind diese Tage übrigens das ultimative Geschenk. Das kleine Stück Papier sorgt dafür, dass der Beschenkte zumindest bis Samstag an den Schenker denkt und man vereinbart bei der Übergabe so ganz beiläufig, dass mindestens 10% der Gewinnsumme an den selbstlosen Spender zurückfliessen sollen. Wo gibt es das sonst? Wäre das nicht im laufenden Wahlkampf eine wunderbare Idee für alle Kandidaten? Schickt mir doch ein Euromillionensschein statt der Wahlpropaganda in den Briefkasten. Die Propaganda landet im Altpapier, aber dank dem Lottoschein würde ich Euch garantiert nicht vergessen, zumindest nicht bis zum nächsten Wochenende!

Aus der Geschenkübergabe des 3.20 Fr teuren Lottoscheines am gestrigen Tag wurde ein Mittagessen. Thema am Tisch, natürlich die unglaubliche Summe von 285'000'000 Franken. Der Bauleiter an der Tafel meinte, er würde die Baustelle, die ihm im Moment so Sorgen bereitet, aufkaufen, alle Handwerker auszahlen und als Bauruine verlottern lassen. Der Pilot am Tisch versuchte sich anhand der zu erwartenden Zinseinkünfte ein Bild zu machen, was er beim morgendlichen Studium der Zeitung auf dem Lokus so verdienen würde. Es hat sich übrigens dabei herausgestellt, dass nach Abzug der Steuern und bei einer 5%-Verzinsung der EMS (ein Fachausdruck aus der Fliegerei, bedeutet soviel wie ‚early morning s***’) 20 Minuten dauern muss, damit das Jahresabonnement der NZZ amortisiert ist.
Die Mittagspause neigte sich dem Ende zu und kreative Ideen jagten sich förmlich. Ein ‚jet d’eau’ mit Fernbedienung für alle Heimwehgenfer mitten im Zürichsee fehlte genauso wenig wie ein Eishockeystadion für den EHC Urdorf, das - natürlich mit Mantelnutzung - in einer Nachbargemeinde stehen muss, um den Urdorfer Stapi zu ärgern.

Die Vorfreude hält an und die Lottozettel werden wie ein Schatz gehortet. Ist doch wunderbar, dass so viele Leute dank dieser Lotterie zumindest bis am Wochenende glücklich sind. Sobald die Gewinnzahlen publiziert werden, ist es mit aber mit dem Hochgefühl und dem Glück vorbei. Das gilt leider sowohl für die Millionen von Verlierern als auch für den Hauptgewinner. Ob Geld wirklich glücklich macht, muss dann noch einmal diskutiert werden.

Kommentare:

  1. es macht vielleicht nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein.
    ;-)

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  2. SO! Jetzt bin ich endlich durch. Den ganzen Blog gelesen hab :) Von A bis Z. Unglaublich erfrischender Schreibstil den Sie da haben Herrr nff. Freu mich schon jetzt auf den nächsten Eintrag!

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  3. Besten Dank Herr oder Frau Macerkiste. Ein sehr schönes Bild haben Sie da auf Ihrer Homepage publiziert. Dachte zuerst, dass die Kiste aus der IKEA stammt, kann aber nicht sein. Der Himmel ist etwas zu blau und alle Filialen des schlauen Schweden stecken ja heute im Nebel.

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  4. Herr macerkiste, bitte! :) Und ich fand ihre Gedanken eines Fliegenden auf Grund persönlicher Empfehlung von Herrn Bloggerli.
    Das Bild ist dann übrigens leider nicht von mir… Auch wenn ich erst vor kurzem bei IKEA war und daher noch die notwendigen Rohstoffe zur Produktion an Lager hätte *g* Mit etwas Geduld wird aber aus dem Bild in gewisser Zeit noch etwas mehr…

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  5. also du bist ja viel mehr Zeit HOCH (in den Lüften) als ich und meine HOCHS (gemäss Moodfactor) sind ja auch eher beschränkt aber danke trotzdem oder gerade deswegen :-)

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