Freitag, Januar 27, 2006

Stationen eines Schlafes

20:15 Uhr PST* / 05:15 Uhr CET**:
Ankunft im Hotel in Long Beach bei Los Angeles. Die Glieder hängen müde und unkontrolliert vom Körper herunter und dieser verlangt unmissverständlich nach Schlaf. Zimmerschlüssel gefasst, schleife ich mich zum Personenlift und drücke aus Versehen den Notfallknopf. Sekundenbruchteile später meldet sich ein Marine und fragt, ob ich Hilfe brauche. Ich verneine, entschuldige mich für das Malheur und werde danach militärisch zusammengestaucht. Dem Aufzug entstiegen stelle ich fest, dass mein Zimmer wie immer am Ende des scheinbar kilometerlangen Ganges liegt. Ob der mühsam nachgezogene Koffer oder meine Glieder diese disharmonischen Geräusche machen, kann ich beim besten Willen nicht sagen.

21:00 Uhr PST / 06:00 Uhr CET:
Endlich im Bett! Das Licht gelöscht versuche ich der raschen Bildfolge des gezeigten Programmes zu folgen. Nach fünf Minuten merke ich, dass auf Kanal 13 ein spanisches Programm läuft - ich spreche kein Spanisch.
Im Dunkeln taste ich nach der Fernbedienung.

22:09 Uhr PST / 07:09 CET:
Ein Geräusch weckt mich. Wo bin ich? Draussen flimmern die Lichter des Hafens von Long Beach und drinnen flimmert immer noch das spanische Fernsehprogramm. Ich sollte mal pinkeln, bin aber viel zu müde, um aufzustehen.

23:11 Uhr PST / 08:11 Uhr CET:
Die häufigen Lageänderungen im Bett bringen nichts mehr. In keiner Stellung kann ich den Überdruck in der Blase ertragen und stehe auf. Nur nicht das Licht andrehen, sonst werden die schlaftrunkenen Augen geweckt. Nach 2 Metern touchiere ich in meinen Koffer und zertrümmere die rechte Zehe. Während ich mich erleichtere, untersuche ich meinen lädierten Fuss und kann Entwarnung geben. Kein Trümmerbruch, nur eine kleine Errötung.
Die Augen sind nicht mehr schlaftrunken und der Zeh hämmert.

00:45 Uhr PST / 09:45 CET:
Frau Dingsbums vom nebenan kommt nach Hause. Sie nimmt Herrn Dings mit aufs Zimmer und macht Bums. Ich erwache und schaue verwirrt auf das zimmereigene Fernsehgerät. Nein, es läuft kein zahlungspflichtiges Programm auf meinem TV. Ich lege mich wieder hin und warte. Herr Dings scheint vorerst noch auf leistungsfördernde Pillen beim Liebesspiel zu verzichten und die Dauer des Bums mit Frau Nachbarin bewegt sich im helvetischen Durchschnitt.

01:42 PST / 10:42 CET:
Voll in einer REM-Phase steckend träume von meiner Frau, drehe mich auf ihre Seite und falle fast aus dem schmalen amerikanischen Hochbett.

03:13 PST / 12:12 CET:
Ich kapituliere und schwenke den weissen Bettüberwurf. Es ist zu warm, ich habe Durst, hungrig bin ich auch und die Blase rebelliert – wie soll man da nur schlafen?

* Pacific standard time (Lokalzeit in Los Angeles)
** Central European time (Schweizer Lokalzeit)

Kommentare:

  1. Auch wenn es für dich hart war, trotzdem danke für diesen erfrischenden Beitrag

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  2. Danke für die aufmunternden Worte. Nach dem zweiten grande Latte bei www.pollys.com geht es schon wesentlich besser.

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  3. schon abtrünnig oder haben sie keinen orignal Grande Latte in LA :-)

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  4. Sind es nicht manchmal die kleinen Revoluzzer, die das Leben so richtig interessant machen? Wer eine Kaffeerösterei betreibt und nebenbei noch einen leckeren Latte serviert, der gehört einfach unterstützt!
    Da werde ich sogar Starbucks untreu!

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