Donnerstag, Dezember 28, 2006

der brennende Staubsauger

Morgen ist es wieder soweit, Morgen ist die Zeit des Müssigganges vorbei und es gilt wieder ernst. Zwischen 18 Uhr und 22 Uhr hat die charmante Simulatordisponentin für mich einen Platz in der Geisterbahn reserviert und dann habe ich meinen halbjährlichen Checkflug im virtuellen Raum zu absolvieren. Die Gelehrten meiner Firma meinen im Vorwort des bald hundert A4 Seiten umfassenden Pamphletes, - das man als Vorbereitung von der Homepage herunterladen muss -, dass diese Übung als Standortbestimmung dient. Standortbestimmung für eben diese Gelehrten, für das Bundesamt und nicht zuletzt für sich selber.

Ich fliege jetzt schon über 13 Jahre diese Kisten durch die Atmosphäre und da verstehe ich selbstverständlich auch, dass gerade jetzt, wo meine Firma angeblich das erste Mal in meiner Karriere mit mir Geld verdient, das Können überprüft werden muss.
Mein morgiges Abschneiden am Testflug lässt Rückschlüsse auf die Ausbildung, die Selektion im Speziellen und Verfahren im Allgemeinen zu. Die Resultate werden von Spezialisten ausgewertet und gemäss Richtlinien von ISO 6969 zertifiziert. Selbstverständlich folgt danach ein ausführliches Audit.
Vielleicht können sie sich jetzt erklären, warum ich so nervös bin!

Klar, im vergangenen halben Jahr hatte ich genügend Gelegenheit, mein Können in Ausnahmesituationen unter Beweis zu stellen. Ohne dass ich jetzt gegen die strengen Diskretionsrichtlinien meiner Firma verstosse, kann ich ihnen die Geschichte des brennenden Staubsaugers erzählen.
Als Pilot habe ich natürlich Wohneigentum. Für ein Haus hat es nicht gereicht, dafür bin ich stolzer Besitzer einer Wohnung mit obligatem Kaminofen im Wohnraum. Ab und zu, wenn es die Feinstaubkonzentration in der Luft zulässt, entfache ich ein Feuer und geniesse einen guten Schluck Wein vor der wärmenden Flamme.
Es liegt in der Natur der Sache, dass neben einer leeren Flasche Wein auch etwas Asche im Kamin zurück bleibt. Diese Asche will entsorgt werden und zwar so schnell und einfach wie möglich. Der Griff zum Miele Staubsauger ist schnell getan und noch bevor der Morgenkaffee in der Tasse dampft, ist die Asche aus dem Kamin verschwunden. Soweit die Theorie.
In der Praxis funktionierte mein Plan fast perfekt. Der Ofen war nach Sekunden sauber, aber aus dem Staubsauger entstieg Momente später aus unerfindlichen Gründen ein schwarzer Rauch, der Ungutes ahnen liess.
Zwei Sekunden später stand der Staubbeutel eben dieses Saugers in Flammen und urplötzlich war noch vor dem ersten Schluck Milchkaffee mein Know-how als Katastrophenmanager gefragt. Sofort entfernte ich das brennende Teil vom hölzernen Parkettboden und trug es auf schnellstem Weg auf die Terrasse mit dem hölzernen Rost. Dort wartete zum Glück der Treteimer KNODD (23.95 Fr. in der IKEA) auf meine gefährliche Fracht und rettete den Staubsauger vor einem Flug aus dem ersten Stockwert.

Dieser nicht simulierte Notfall zeigt, wie sich stetiges Üben auszahlen kann. Ein Zwischenfall wie der Geschilderte wünscht sich niemand, trotzdem gibt er einem das Gefühl, dass man alles im Griff hat. Soweit gehe ich also Morgen mit einem guten Selbstvertrauen in die Geisterbahn und blicke fast sorgenlos auf die vier Stunden Turnprogramm. Ob ich die Staubsaugergeschichte meinem Experten vor der Prüfung erzählen soll?

Samstag, Dezember 23, 2006

dieser Abend ist noch nicht heilig


Das Laufband surrt laut, quietscht alle 30 Sekunden und nur das unregelmässige Aufschlagen meiner Schweisstropfen unterbricht das monotone Geräusch des Fitnessgerätes. Die Luft ist schwer und schwül, die Gewitterwolken am Horizont lassen auf etwas Abkühlung heute Abend hoffen und von der Avenua Paulista kommt mir unaufhörlich ein russgeschwängerter Smog entgegen.
Ich glaube kaum, dass diese Fitnesseinheit gesundheitsfördernd ist, doch irgendwie gibt es mir ein gutes Gefühl, wenn der Schweiss bei 32° Celsius in Bächen am Körper herunter läuft. Mir scheint, dass gerade in der Vorweihnachtlichen Zeit Menschen allerorts richtig süchtig sind auf genau dieses gute Gefühl. Die einen erleben es beim Kaufen, die anderen beim Schenken, wieder andere beim Zusammensein mit ihren Liebsten und eine Minderheit wie ich, beim eben beschriebenen inhalieren von Abgaspartikeln.

Auch die Millionenstadt Sao Paulo zieht sich in ihr weihnachtliches Schneckenhaus zurück und es wird deutlich sichtbar, dass die Strassen sich langsam entleeren. Man besinnt sich traditionellen Werten, verbringt endlich wieder etwas Zeit zu Hause und erinnert sich beim Anblick des Geschenkturms unter dem Baum an die Glücksgefühle als Kind, die beim Aufreissen der bunten Pakete das noch kleine Herz in die Höhe springen liess.

Weihnachten sind für mich vor allem Kindheitserinnerungen. Die Grossfamilie kam zusammen, jeder brachte einen Berg Geschenke mit, es wurde gekocht, gelacht, gequatscht und zur Ruhigstellung der Grossmutter die erste Strophe von „Stille Nacht“ gesungen. Geschenkpapiere wurden richtiggehend von den Paketen gerissen und die Grossmutter faltete diese dann wieder liebevoll zusammen. Wer weiss, vielleicht werden sie ja noch mal gebraucht (...). Dumme Sprüche fielen, jeder beteuerte, dass ihm dieser Trubel nichts bedeute, doch man sah den glücklichen Gesichtern deutlich an, wie wichtig dieser Abend allen war.

Jetzt sitze ich an diesem Vorabend des 24. Dezember alleine im Hotelzimmer in Brasilien, werde in ein paar Stunden zusammen mit meinen Kollegen auf die Unzulänglichkeiten des Planungssystems anstossen und Strategien für den heutigen Abend entwerfen. Wir werden uns gegenseitig einreden, dass es keine Rolle spielt, ob man diese Zeit zu Hause verbringt und die letzte Nacht im Moloch Sao Paulo so richtig auskosten und geniessen. Heiligabend ist ja erst Morgen und dann werden wir wieder in einer Aluminiumröhre sitzend die Festlichkeiten überfliegen, uns auf die restlichen Weihnachtsguetzli im eigenen Heim freuen, gegen den Schlaf und die Gewitter kämpfen und im Stillen den einen oder anderen Vers eines Weihnachtsklassikers anstimmen.

Ich lande am Montagmorgen so gegen 11 Uhr in Zürich. Wenn jemand unseren A340 im Anflug entdeckt, könnte er ja vielleicht ganz laut eines der üblichen Weihnachtslieder kantieren. Vielleicht höre ich es, ich hätte Freude – ehrlich!

Freitag, Dezember 22, 2006

Fragen über Fragen

Warum verbringe ich den Heilig Abend in Sao Paulo und nicht zu Hause?
Warum hat die Schenke „zum scharfen Eck“ so eine Anziehungskraft nach der Landung?
Warum habe ich JA gesagt, als der Kapitän die erste Ladung Caipi bestellte?
Warum versagten meine Vorsätze, als die Schnupftabakdose die Runde machte?
Warum bestellte die Freundin des anderen Copiloten ein weiteres Dutzend Caipi?
Warum bin ich immer dabei?
Warum bin ich so labil?
Warum ist es immer so lustig hier in Sao Paulo?
Warum bringt der Kellner schon wieder ein Servierbrett voller Drinks?
Warum will niemand nach einem Nachtflug ins Bett?
Warum sind die Witze, die wir alle schon kennen so lustig?
Warum schlafe ich nicht?
Warum muss ich nächste Woche schon wieder in den Simulator?
Warum kommt der Ober schon wieder an unserem Tisch vorbei?
Warum macht das Klima in Brasilien so durstig?
Warum macht schon wieder diese Schnupftabakdose die Runde?
Warum sind die mitgereisten Polizisten so lustig?
Warum schauen uns alle so komisch an?
Warum regnet es ausgerechnet mir in den Kragen?
Warum mache ich ausgerechnet jetzt einen Blogeintrag?

Warum , warum – WARUM?

Mittwoch, Dezember 20, 2006

mein Körper dankt!



Vierzig Jahre wurde ich dieses Jahr und der neue Jahresring hat sich deutlich über meinen Hüften festgesetzt.
In den vergangenen Dekaden habe ich schon einiges bezüglich Gesundheit getan. Berge raufgerannt, wilde Flüsse runtergefahren, halsbrecherische Snowboardabfahrten überlebt, harte Trainingskilometer auf den Langlaufskis absolviert, mit dem Mountainbike Wanderer erschreckt und als Wanderer Mountainbiker vertrieben, in tausenden von Hotelbetten geschlafen, viel zu lange in unbequemen Cockpitstühlen gesessen, auf harten Crewbunkmatten gedöst, in Hörsälen geschlafen, in Schulzimmern geträumt und viele Filme vor der Glotze gesehen.

Das alles hat mein Körper nicht vergessen und erste Leiden setzten ein. Der Rücken begann zu schmerzen, die Muskeln wurden immer fester und kürzer, die Kondition blieb, aber das Brennen nach einer Anstrengung auch.

Ein Yoga-Meister hat meinem Leiden ein Ende gemacht und des Schreiberlings Körper ist seit er die Yoga-Lektionen besucht wieder fast so geschmeidig, wie anno dazumal im Kinderwagen.
Danke Sébi, danke Mäse, ich habe im 2006 zwei Freunde und ein neues Körpergefühl gefunden!

Anmerkung:
Der Hauptdarsteller des Videos bin natürlich nicht ich, sondern der Maestro himself :-) Informationen zum Studio übrigens HIER: Practicalwellness

Sonntag, Dezember 17, 2006

Oh stille mich Du Fröhliche!


Wer am 3. Advent im Morgengrauen durch die Gassen Manhattans schlendert, begegnet mitunter seltsamen Gestalten. Tief eingehüllt in Decken sitzen die unüblich gepflegt wirkenden Personen auf Campingstühlen, haben Pelzkappen tief ins Gesicht gezogen und warten schön in einer Linie aufgereiht mit einem Becher Kaffee in der Hand vor einem Laden, der offensichtlich an diesem kalten Dezembersonntag noch lange nicht öffnen wird.

Es handelt sich bei diesen Individuen weder um Penner noch um Partygänger, die tragischerweise die letzte U-Bahn verpasst haben, es sind ganz einfach Eltern, die ihrem Schützling das neuste Modell der im Moment angesagten Spielkonsole schenken möchten. Die heiss begehrte Ware ist knapp und wer Mangelware erwerben will, hat einen hohen Preis zu bezahlen. In diesem Fall ist der Preis eine in dieser Saukälte eingefangene Blasenentzündung, die wahrscheinlich die Festtage überdauern wird, aber das kümmert die moderne Mutter von heute wenig. Hauptsache der Schützling ist glücklich und kann am Heiligabend noch realitätsnaher Kollegen am Bildschirm abknallen.

Ich bin froh, dass ich diese Tortur nicht mitmachen muss, ziehe meinerseits die Mütze ins Gesicht und schlendere weiter. An der Ecke Broadway 33nd möchte eine gewisse Victoria ihre Secrets verkaufen. Ich gebe zu, der schön dekorierte Laden übt eine gewisse Anziehungskraft auf mich aus, denn es wird hier Unterwäsche verkauft, die knapp an der Grenze des in Amerika noch zumutbaren liegt. Dennoch ist der Stoff selbstverständlich so gestaltet, dass Victorias Geheimnis verborgen bleibt.
Es liegt in der Natur der Sache, dass die Kreditkarten der Männer in diesem Verkaufslokal sehr, die Männer selber aber auf keinen Fall geduldet sind. Nur wohin mit diesen testosterongesteuerten Kreaturen? Ein findiger Inder hat dieses Problem gelöst und neben dem Unterwäscheladen einen kleinen Videoshop installiert, der Dokumentarfilme für eben diese wartenden Männer zeigt. Weil die Kreditkarten der Familienoberhäupter im benachbarten Laden auf ihre Limits geprüft werden, setzt der Inder auf Bargeld, hat für die überstrapazierten Männer Einzelkabinen installiert und zeigt für ein kleines Entgelt die eben beschriebenen Dokumentarstreifen, die dann Victorias Secret in voller Grösse zeigen.
Ja ich weiss, kein Thema für den dritten Advent, aber mir gefällt einfach die Geschäftsidee des Inders so gut.

Ich streife weiter durch die Strassen Manhattans auf der Suche nach Skurrilem und Schrägem. Es wird heller, Hektik kommt auf und man merkt, dass die Geschäfte am heutigen Grosskampftag für einmal ungewöhnlich früh öffnen. Aus allen U-Bahnschächten strömen die Leute hervor und man sieht ihnen an, dass der heutige Grosseinkauf DER Ernstfall des Jahres ist. Kurze Zeit später erblicke ich die ersten Gestallten, die unter der Last der Einkaufssäcke zu kollabieren drohen und verzweifelt versuchen, ein freies Taxi herbei zu winken.
Nach einiger Zeit bringt mich mein zielloses Schlendern zufällig wieder am Dokumentarfilmladen des Inders vorbei und zu meinem Erstaunen herrscht schon zu kirchlicher Stunde rege Geschäftigkeit. Im Gegensatz zum Nachbarin „Victoria Secret“ verzichtet er gänzlich auf Weihnachtschmuck und setzt lediglich auf das besinnliche Motto: „Oh stille mich du Fröhliche.“
Der Typ ist einfach genial!

Dienstag, Dezember 12, 2006

Bücherberg und nackte Haut

Herrlich warm scheint die südafrikanische Sonne auf unsere Hotelanlage herunter und aus meinem Zimmerfenster habe ich freien Blick auf den Pool, wo sich in äusserst knapper Kleidung Kolleginnen von Swiss, KLM und der Singapore Airlines, - sofern christlichem oder buddhistischem Glaubens -, in der Sonne räkeln und sich gegenseitig mit klebriger Milch einreiben, die ewige Schönheit verspricht.
Meine Wenigkeit hat sich immer noch im Hotelzimmer eingesperrt und ein hoher Stapel Bücher schränkt das Blickfeld auf die Liegewiese ein, die gut und gerne als Werbefotovorlage der Krebsliga dienen könnte.

Der beschriebene Stapel Bücher gehört zu der halbjährlichen Pflichtlektüre, die als Vorbereitung auf die Simulatorchecks studiert werden muss. Wir Piloten haben ja bekanntlich das Vergnügen, dass wir sechs Mal pro Jahr unsere Lizenz verlieren können. Je zwei Mal bei der medizinischen Untersuchung und beim Simulatorcheck, ein Mal bei der Prüfung, wo theoretisches Wissen der Notfallszenarien getestet wird und einmal beim so genannten „Route Check“, wo ein Instruktor im Cockpit mitfliegt und die Arbeit während einem normalen Flug begutachtet. Diese Flüge sind übrigens mitunter die heikelsten, die es gibt. Manchmal werden die ganze Nacht hindurch Fragen gestellt und beim Anflug auf den Heimatflughafen fallen einem die Augen fast von selber zu, weil die Ruhe in den Stunden davor ganz einfach gefehlt hat.
Klar, mit den Jahren kommt die Routine zum Zug und man kennt die Pappenheimer langsam aber sicher bestens. Das Erfolgsrezept schlechthin ist das richtige Setzen der Prioritäten. Dies wiederum lässt mich gerade jetzt daran zweifeln, ob ich das Richtige mache. Vor meinem Fenster ölen sich zwei blonde KLM Hostessen gerade gegenseitig die Beine ein und das lässt mich doch stark daran zweifeln, ob die richtigen Manipulationen bei einem Triebwerksbrand wirklich so immens wichtig sind.

Weiter im Text, nicht ablenken lassen und an die bevorstehenden Checks denken! Ein wichtiger Teil einer jeden Simulatorübung ist die korrekte Kommunikation während der Abhandlung eines Notfalles. Man unterscheidet hier ganz klar zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie, die man selbstverständlich detailliert im Buch beschrieben findet, pflegt man eine Art Diplomatensprache. Die Einhaltung dieser Kommunikationsregeln wird im Simulator dann peinlich genau überprüft und als Prüfling gibt man sich Mühe, diese so korrekt anzuwenden, als wäre man am Neujahrempfang im Bundeshaus. In der Praxis geht das in der Regel wie im richtigen Leben wesentlich unkomplizierter. Beim ersten Aufleuchten einer Warnlampe kommen den zwei Akteuren im Cockpit Kraftausdrücke über die Lippen und danach wird das Problem nicht minder professionell abgehandelt.
Aber eben, am Check geht es um meine Lizenz und da habe ich mich anzupassen, wie der Diplomat bei einem Bittgang in einer fremden Botschaft.

Mein Blick schweift wieder über den Bücherstapel vor meinen Augen, der ganz bestimmt 10 Kilogramm wiegt und für den wir nur um ihn zu transportieren, gestern 3 Liter Kerosin verbraten haben. Die Zeit rinnt durch meine Finger wie die Sonnenmilch der brünetten Inderin im schwarzen Badekleid und ich habe noch keines meiner gestreckten Ziele erreicht. Trotz all der Ablenkung besinne ich mich meiner Zuverlässigkeit und meinem Hang zum Strebertum, stecke meine Nase ganz Tief in das wirklich extrem langweilige Buch und lese Sätze, die ich in der Vergangenheit schon farbig hervorgehoben habe. Im Innersten weiss ich aber, dass ich bis zum Tage des Checks noch einiges an meiner Einstellung ändern muss. Wie schon gesagt, im Simulator geht es um das richtige Setzen der Prioritäten und genau in diesem Punkt habe ich heute auf ganzer Linie versagt!

Montag, Dezember 11, 2006

Afrikanische Nacht

Der Flughafen Zürich bereitet sich auf den Feierabend vor, denn unser Flugzeug ist eines der letzten, das am heutigen Abend den Heimathafen verlässt. Es ist schon nach 23 Uhr, als die Leistungshebel des Airbusses nach vorne geschoben werden und die fast 260 Tonnen langsam Fahrt aufnehmen.
Dies ist für mich der Zeitpunkt der höchsten Konzentration, aber auch gleichzeitig der Anfang einer fast unendlich langen Nacht. Sanft wird der Vogel in eine leichte Linkskurve gelegt und nachdem ich mich überzeugt habe, dass alle Parameter im grünen Bereich liegen, schaue ich mit Wehmut zum Fenster hinaus und betrachte von oben die Lichter meiner Wohngemeinde, die hell durch den schon dichten Nebel schimmern. Dort unten liegen sie, mein weiches Duvet und mein geliebtes Kopfkissen, die ich heute Nacht so sehr vermissen werde.

Gersau wird überflogen, die verlangte Flughöhe zum sicheren Überqueren der Alpen ist erreicht und der andere Copilot zieht sich in seine Schlafkoje zurück. Ruhe kehrt ein und nichtfliegerischen Themen gilt die Konversation im Cockpit, schliesslich erkundigt sich die charmante Küchenchefin der ersten Klasse gerade, was die zwei Herren im Maschinenraum zu dinieren gedenken.
Ich verzichte auf die obligate Passagieransage vom Piloten vom Dienst und weiss, dass mich keiner der Passagiere vermissen wird. Diese geniessen den kostenlosen Rotwein in Mengen, stochern im Essen herum und starren lethargisch auf den kleinen Bildschirm vor ihnen Augen, während sie sich mit der Salatsauce das neue Hemd verkleckern.

Die Insel Lampedusa liegt unter uns, Tripolis kommt näher und das Abenteuer Afrika kann beginnen. Der Herr im Funk schreit unverständlich in sein Mikrofon und man könnte bei den Hintergrundgeräuschen vermuten, dass er sich gerade auf der Toilette erleichtert. Wir drehen leicht nach rechts und werden den Rest des Fluges zwei Kilometer westlich der vorgeschriebenen Route fliegen. Dies ist eine Vorsichtsmassnahme, denn man weiss nie, was einem in Afrika entgegenkommt.
Die Sahara schläft unter unseren Flügeln und die libysch-nigerianische Grenze nähert sich von Minute zu Minute. Am Funk ist der Teufel los. Auf Kurzwelle versuchen wir unsere Position durchzugeben. Der Beamte in Tripolis möchte erfahren wo wir stecken, genauso wie die Herren in N’Djamena und in Brazzaville. Lautes Rauschen schlägt uns entgegen und wenn sich jemand meldet, dann ist es ein hektischer Fluglotse aus Delhi, der auf der gleichen Frequenz einige tausend Kilometer weiter ganz andere Flugzeuge abfertigt.

Kurz vor Dafur verabschiedet sich der Kapitän in seine Schlafpause. Auch in bin müde, muss aber leider noch ein paar Stunden ausharren. Mit kleinen Augen nimmt der andere Copilot Platz auf dem Sitz und schlürft wortlos seine erste Tasse Kaffee. Er braucht jetzt eine halbe Stunde Zeit, um seine Sinne zu ordnen. Ich schaue hinaus in die tiefe Nacht und denke an die Tragödie, die sich zehn Kilometer unter uns abspielt. Seit drei Jahren bringen sich die Konfliktparteien gegenseitig um und es entstand eine humanitäre Katastrophe sondergleichen, um die sich niemand richtig kümmert. Dagegen ist meine persönliche Krise, die mir fast die Augen zufallen lässt, absolut zu vernachlässigen.

Nach der Zentralafrikanischen Republik folgt die Demokratische Republik Kongo. Demokratisch sind sie eigentlich erst seit letzter Woche, als der erste vom Volk gewählte Präsident vereidigt wurde. Nicht lange ist es her, als wir noch unter Flagge der Swissair Kinshasa anflogen und 20 Minuten vor der Landung über Satelitentelefon den Chef vor Ort fragten, ob sie Situation für eine Landung auch wirklich sicher sei.

Ich schaue immer öfters auf die Uhr und zähle langsam die Minuten bis zu meinem Feierabend. Unter uns der Kongo, zweitlängster Fluss Afrikas und scheinbar der wasserreichste des Kontinents. Wir befinden uns jetzt mitten im Herz des schwarzen Kontinentes, genau über dem Äquator und halten Ausschau nach Gewitterwolken und anderen Flugzeugen. Regelmässig werden falls vorhanden die aktualisierten Wettermeldungen aufgezeichnet und die Strategie für den Fall eines „Emergency“ festgelegt.
Es sind Routinearbeiten, - wichtige ausser Frage -, aber Routinearbeiten machen müde. Mir fallen fast die Augen zu und ich hole mir noch einen Becher Kaffee in der Bordküche.

Die Uhr zeigt 7 Uhr MEZ und endlich ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich abgelöst werde. Der Kapitän wird geweckt und die Navigationsgeräte zeigen an, dass keine 200 Kilometer östlich von uns Rwanda liegt. Auch eine Gegend unendlichen Leides, auch eine Tragödie, die fast aus unserem Gedächnis verschwunden ist.
Jetzt steht mir aber meine ganz persönliche Krise für einmal näher und ich verabschiede mich vom Arbeitsplatz. Eine lange und sehr dunkle Afrikanische Nacht geht zumindest für mich zu Ende. Wenn ich in drei Stunden erwachen werde, wird die Sonne schon beachtlich hoch über dem Himmel von Johannesburg stehen. Jambo!

Montag, Dezember 04, 2006

Pippi Langstrumpf


Als ich vor Wochenfrist in Hongkong durch die Strassen zog, prägte der neuerliche Besuch eines amerikanischen Flugzeugträgers das Stadtbild des Inselstaates. Hunderte, ja tausende betrunkener Matrosen zogen mit ganzen Bierkartons unter den Armen durch die Häuserschluchten und hofften das Glück in den dunklen Gassen zu finden.
Dass die jungen Nachwuchskrieger mit vollen (Geld)Säcken den Landgang antraten, sprach sich auch im horizontalen Gewerbe herum und dem Heer amerikanischer Soldaten stand eine Armee leichter Mädchen gegenüber. Ein Aufeinanderprallen der beiden Gruppierungen war nicht zu vermeiden.
Das Ganze habe ich schon vor Jahresfrist erlebt und schon damals floss für meinen Geschmack etwas zuviel Blut und die Stimmung war für meine zarte Seele eindeutig zu aggressiv. Es war auch letzte Woche nicht anders.

Dementsprechend konsterniert war ich, als ich in der Ferne ein Kriegschiff unter fremder Flagge erblickte. «Nicht schon wieder diesen Stress mit ausgehungerten und gewaltbereiten Seemännern in den Nachtlokalen von Wanchai», dachte ich im Stillen und bereitete mich innerlich schon auf einen ruhigen Abend im Hotelzimmer vor.
Je näher das Schiff aber kam und je besser ich die Detail der schwimmenden Festung erkannte, desto friedlicher erschien mir das Boot der fremden Macht.
«Gothenborg» stand mit grossen Lettern unter der blau-gelben Flagge Schwedens und das Boot hatte rein gar nichts zu tun mit den grauen Stahlfestungen der amerikanischen Marine.

Das Holz der Planken knarrte bei jeder Welle, die Takelung schwankte mit dem Wind von links nach rechts, es roch nach IKEA-Ausstellung und ich suchte verzweifelt nach Pippi Langstrumpf, wie sie sich von einem Segel zum anderen schwingt. Im weit zurückliegenden 18. Jahrhundert soll die «Gothenborg» gebaut worden sein und schlug 1745 vor der gleichnamigen Stadt an einem Felsen leck. Jetzt ist sie wieder aufgebaut und jetzt kreuzt sie als Botschafterin Schwedens durch die sieben Weltmeere. Die Fakten habe ich aus dem Internet und dort habe ich auch gelesen, dass dieses alte Segelschiff rein gar nichts mit der "Königlich Schwedischen Kriegsmarine" zu tun hat.
Eigentlich schade, denn mir gefällt der Gedanke, dass ein neutrales Land seinen Wehrwillen mit einem 250-jährigen Windjammer unter Beweis stellt. Ähnliche Rituale kennen wir ja aus der Schweiz, wo wir uns alle Jahre wieder für drei Wochen zu einem Zeltlager treffen und mit altertümlichen Material unter Applaus japanischer Touristen Räuber und Gendarm spielen.

Seltsam, als Pilot kann ich emotionslos an einem antiken Doppeldecker vorbeigehen, bekomme aber bei alten Schiffen jedesmal Fernweh und sentimentale Gedanken steigen in mir auf. «Nimm uns mit Kapitän auf die Reise, nimm uns mit in die weite weite Welt (…)» Scheisse, jetzt läuft mir das Lied von Hans Albers den ganzen Tag nach!

Sonntag, Dezember 03, 2006

Gaumenakrobatik

Zu den grossen Genüssen der Fliegerei gehört zweifellos die auswärtige Nahrungsaufnahme an den Aussenstationen. Wer etwas experimentierfreudig und gegenüber Neuem aufgeschlossen ist, kann sich buchstäblich durch Berge von Köstlichkeiten fressen.
So natürlich auch hier in Hongkong, wo ich nach ein paar Freitagen zu Hause, gestern wieder gelandet bin.

Dem hungrigen Gast in der ehemaligen britischen Kolonie stehen unzählige Garküchen und Restaurants zur Verfügung, die allesamt lokale Spezialitäten aus dem Herkunftsland des Besitzers anbieten.
Natürlich liegt es nahe, fernab der Heimat am östlichen Ende Asiens, sich auf die Angebote aus dem hiesigen Kontinent zu beschränken.
Nur, wo soll man anfangen? Scharfe Suppen oder Curries beim Thailänder gleich um die Ecke? Oder vielleicht wieder einmal ein leckeres «Butter-Chicken» aus dem Norden Indiens? Malayische Garküchen beim Lan Kwai Fong? Vietnamesisch, Tibetisch oder gar Japanisch? Viele Fragen bleiben und das Loch im Bauch wird dabei alles andere als kleiner.

Gestern Abend fiel die Entscheidungen auf den Klassiker hier in China. «Sichuan Cuisine» sollte es sein und Lokale mit diesem Angebot findet man an jeder Ecke in der ehemaligen Kronkolonie am Südchinesischen Meer.
Trifft die Wahl auf eine der unzähligen Variationen der chinesischen Küche, dann tut man gut daran, die Selektion des Lokales mit Sorgfalt zu treffen. Man sagt den Chinesen nach, dass sie alles was vier Beine hat verspeisen, ausser Stuhl und Tisch im Restaurant. Bei unvorsichtiger Lokalwahl kann es also durchaus vorkommen, dass Tiere den Weg auf die Speisekarte finden, die in unserem Wertesystem entweder als ungeniessbar gelten, oder in Europa als Haustiere gehalten werden.

Die gestrige Wahl kann auch nach Ablauf der kritischen Frist, wo die Nahrung im Magen auf verdauungsfördernde Säfte trifft und sich entscheidet, ob das Essen im Verdauungstrakt verbleibt oder eventuell explosionsartig den europäischen Körper wieder verlässt, als voller Erfolg gewertet werden.
Die «sizzling prawns» waren so frisch, dass sie im ersten Moment fast selber vom Teller liefen und die dazu servierte Sauce bestand hälftig aus Knoblauch und Chillischoten. Dazu brachte der Kellner schmackhafte Bohnen, Nudeln mit Hühnchen aus garantiert nicht biologischer Freilandhaltung und etwas Rindfleisch, neuerlich durchmischt mit Bergen von gerösteten Chilischoten.
Der gratis bereitgestellte Tee floss wegen der scharfen Kost in Strömen und mein Loch im Magen verschwand zu meiner vollsten Zufriedenheit innert Stundenfrist.

Keine Frage, der eigene Geschmack verändert sich aufgrund der langjährigen Gaumenakrobatik in aller Herren Länder enorm. Koche ich selber, erfüllen meine Gerichte schon lange nicht mehr die Kriterien der gewürzarmen Küche und bin ich eingeladen, muss ich die bereitgestellte Pfeffermühle mit Bedacht einsetzen, damit Koch und Gastgeber nicht beleidigt sind.

Eigentlich hat mich der Wandel meiner kulinarischen Vorlieben über die Jahre hinweg nie beunruhigt, schliesslich habe ich in meinem Ernährungsplan einige wichtige Stützpfeiler, die sich in der Vergangenheit überraschenderweise kaum veränderten. Auf Käsefondue im Winter kann ich genauso wenig verzichten, wie auf das Butterbrot mit Schabziger überdeckt, das jeden Morgen in meinem grossen Rachen verschwindet.

Doch kurz vor dem Abflug nach Hongkong passierte etwas, dass mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht. Experimentierfreudig wie ich bin, probierte ich eine neue Entwicklung aus dem Hause Néstle, die Kaffeejunkies aus aller Welt noch glücklicher machen soll.
Die kunstvoll gestaltete Kapsel erhielt eine edle Kaffeemischung aus warmen Gefilden durchsetzt mit Vanillearoma bester Herkunft. Vanillearoma! Man stelle sich das mal vor!
Das Erschreckenste daran: ich mag die Mischung wirklich! Ob ich mir nun Sorgen machen muss?

Sonntag, November 26, 2006

Schnee!

Wenn man in der Adventszeit von Hongkong nach Hause kommt und bei der Anfahrt ins Engadin in Sargans die höheren Temperaturen als in Kowloon misst, dann gibt das schon etwas zu denken.
Eigentlich sollte sich in dieser Jahreszeit am Frühstückstisch die Frage «Snowboard oder Langlauf?» stellen, wenn aber selbst die Schneekanonen die Produktion des wertvollen Rohstoffes verweigern, dann kommen Gäste und Tourismusverantwortliche kräftig ins Grübeln.

Gut, Glückspilze wie ich haben immer ein Paar Wanderschuhe oder Laufschuhe im Keller stehen und geniessen die Wanderwege statt auf knirschendem Schnee auf weichen Lärchennadeln, aber für die weit hergereisten Gäste, die den Kofferraum mit winterlichem Sportsperrmüll gefüllt haben, sind die braunen Hänge eine Katastrophe.
Hört man sich beim vorsaisonalen Brötcheneinkauf am Sonntagmorgen im Hanselmann um, dann bemerkt man doch, dass einige der Einwohner dieses Tals den Mangel an Weiss auf den Hängen fast noch begrüssen.
Eigentlich sind ja nur die Wintersportler auf eine dicke Schneedecke angewiesen und Wintersportler, die sich im Engadin Ferien leisten können, gehören nur dem gehobenen Mittelstand an und genau dieser gehobene Mittelstand gehört nicht zu der Zielgruppe der Galerie- und Haute-Couture-Ladenbesitzer.
Für die Luxusläden gilt also die einfache Formel: je weniger Schnee, desto langweiliger ist es den Gästen, desto länger stehen sie im Laden herum und desto mehr wird sinnlos stilvoll eingekauft.

Nur die milliardenschweren Russen schwimmen hier etwas gegen den Strom. Gerne gesellen sich die Naturburschen und Mädels zum skifahrenden Proletariat auf die Pisten und rutschen wodkagestärkt die eisigen Hänge herunter oder gönnen sich im Pistenrestaurant ein Brötchen, dickbelegt mit Kaviar aus heimischen Beständen. Klar, auch sie konsumieren kräftig und auch sie zeigen sich gerne bei Prada am Lagerfeuer. Aber eben, nur pulverschneeüberzogene Nasen sind glücklich und nur im glücklichen Zustand erträgt Ivan die einkaufsüchtige Ehefrau im Luxusrausch.

Galerie- und Haute-Couture-Läden tun sich gut daran, sich für die Schneeproduktion einzusetzen. Nur genügend Schnee kurbelt die Geschäfte an und nur, wer genügend Schnee bereitstellen kann, darf sich Mitte Januar im Geldbad wälzen.
Die Luxusgilde im Engadin ist unter Druck. Ist der Schnee bis Weihnachten nicht da, werden ihn die Russen in ihren Privatjets selber mitnehmen und dann geht ein grosses, sehr grosses Geschäft flöten!

Freitag, November 24, 2006

Rekorde

«Er sei buchstabensüchtig, lese alles, was ihm in die Hand kommt», gesteht der Schriftsteller Peter Bichsel im Buch seiner gesammelten Kolumnen. Nicht dass ich mich jetzt mit dem treffsicheren Analysten der schweizerischen Gesellschaft vergleichen möchte, aber ich leide an ganz ähnlichen Symptomen.
Ich liebe es Zeitungen zu verschlingen, kann gute Bücher kaum weglegen, gehe nie ohne etwas Lesbares auf das stille Örtchen und lese sogar ab und zu die Publikationen meiner Vorgesetzten im betriebsinternen Postfach.

Klar, der Medienkritiker Zimmermann hat natürlich mit seiner Behauptung in der aktuellen Weltwoche nicht unrecht, dass in jeder Zeitung grundsätzlich das Gleiche steht, aber aus meiner beruflichen Tätigkeit weiss ich, dass man Wichtiges nicht genug wiederholen kann.
Jetzt, kurz vor Jahresfrist, wo der stramme Helvetier eigentlich auf Schnee(*) herumrutschen sollte, häufen sich in den Zeitschriften die Analysen zum aktuellen Jahr.
Rekorde, positive als auch negative, wollen verkündet werden und Rekorde gab es im ablaufenden Jahr zur Genüge!
Der schneereichste März, der feuchteste August, der heisseste Herbst, der tropischste November(*), der nicht kommen wollende Dezember, Rekordgewinne der Firmen, Rekordsaläre der Manager, Rekordstand der Aktienmärkte, grösste Anzahl Privatkonkurse aller Zeiten, Rekorddefizit beim Kurverein St. Moritz, teuerste Scheidung Englands, Massenentlassungen wie noch nie, späteste Saisoneröffnung am Corvatsch(*), die meisten Asse von Roger Federer und viele mehr.

Auch ich habe dieses Jahr Rekorde zu vermelden und einer dieser Rekorde betrifft eine der Publikationen meiner Firma, die ich immer ganz besonders gut studiere. Gestern war wieder Erscheinungstermin meines Einsatzplanes und gestern habe ich einen Rekord gebrochen, der unantastbar schien.
Sieben Freinächte (ohne Silvesterfeier) hat der Planungscomputer für mich vorgesehen und jagt mich dabei durch 36 Zeitzonen. Damit ich die Freude am Fliegen nicht ganz verliere, stehen in der Zeitspanne, wo stramme Helvetier immer noch auf Schnee herumrutschen(*), als Zugabe noch zwei Simulatorprüfungen an.
Bewohner von Altliegenschaften können übriges einmal ausprobieren, wie sich das anfühlt, einen Airliner durch den nächtlichen Himmel zu pilotieren. Man verlasse nach kurzem Schlaf um 3 Uhr in der Früh die warme Bettstadt, nehme dann einen harten Küchenstuhl, bewaffne sich mit einer Taschenlampe aus alten Armeebeständen und einem Kurzwellenradio, setze sich im kalten Keller vor den antiken Sicherungskasten, beleuchte diesen schwach, stelle den Kurzwellenempfänger auf Radio Moskau ein und versuche dann so lange wie möglich wach zu bleiben. Keine Angst, bei Anfängern ist es normal, dass sie nach ein paar Minuten einnicken. Gestandene Airlinepiloten bringen es nach 14 Dienstjahren dank intensivem Training auf Werte jenseits der zehn Stunden!

(*) Schneemangel im Engadin bereitet auch mir im Moment ziemliche Sorgen. Aber keine Angst, ich bin zurzeit mit der Lösung des Problems beschäftigt. Für eine bekannte Vodoo-Priesterin aus dem Engadin bin ich hier in Hongkong auf Einkaufstour. Neben Akupunkturnadeln, Ohrmagneten und getrockneten Seepferdchen, suche ich verzweifelt spezielle Räucherstäbchen (Moxa oder so?) zur Besänftigung von Frau Holle. Es ist noch nicht sicher, dass ich die Stäbchen noch diese Woche ergattere, werde aber nächste Woche wiederkommen. Schnee ist also in Sicht!

Donnerstag, November 23, 2006

Hotelwechsel




Eine der ganz grossen Anforderungen an die Flexibilität der Flugbesatzungen sind Hotelwechsel. Hotelzimmer sind unsere zweite Heimat, Hotelbetten unser Wiegenersatz und Hotellobbies unsere temporäre Wohnstube.
Auch an die Umgebung der Ersatzwohnung hat man sich während den Jahren gewöhnt. Busfahrpläne sind gespeichert, Starbucks Standorte bekannt, Bars eingesoffen, offene WLAN Netze ausgespäht und Einkaufsläden ausprobiert.
Jetzt kommt einer dieser Manager, der einem das Leben sonst schon schwer genug macht, sieht ein Sparpotenzial, setzt es um, steigert den EBB (earning before boni), spekuliert auf eben einen dieser und schwups findet sich der hilflose Copilot in einem fremden Stadtquartier und einem kleineren Hotelzimmer wieder. So geschehen in Hongkong.

Was aus der Sicht des männlichen Copilots unangenehm klingt, ist für die weiblichen Flugbegleiterinnen schlichtwegs katastrophal. Der überwiegende Teil meiner Kolleginnen frönt einer Sportart, die auf der Welt wohl einzigartig ist und exklusiv hier in Hongkong betrieben wird. «Market-Triathlon» nennt sich die kraftraubende Betätigung und besteht, wie es der Name es schon sagt, aus drei Disziplinen. Nach der Ankunft im Hotel geht es auf schnellstem Weg zum «Night-Market», wo Ramsch bis zum Zusammenbruch ergattert wird, am Morgen wartet zum Frühstück der «Stanley-Market» und noch vor dem Abflug ist ein Besuch im «Ladies-Market» ein Muss. Gut durchtrainierte Hardcore-Triathletinnen finden zwischendurch noch Zeit für einen kurzen Höflichkeitsbesuch im «Esprit-Outlet» und/oder im «Giordanos».
Mit dem Standort des neuen Hotels auf der Insel Hongkong wird der Zeitplan der Ausdauershopperinnen gehörig durcheinandergeschüttelt. Fahrtwege verlängern und verteuern sich und dadurch werden das Zeit- und Geldbudget empfindlich geschmälert.

Verglichen mit den oben beschriebenen Problemen sind die Männlichen vernachlässigbar. Ich weiss, dass meine neue Unterkunft in Wanchai steht und ich weiss, dass es in Wanchai von guten Kneipen nur so wimmelt. Die schwierige Entscheidung, ob man nach dem Verlassen des Hotels links oder rechts drehen muss, nehmen mir zwei Kollegen ab und keine fünf Minuten später geniessen wir auch schon die Vorzüge der fast endlosen Happy-Hour, in der das Bier zum halben Preis serviert wird.
Es wird gelacht, getrunken, über Kapitäne gelästert und mit anderen Crews diskutiert. Lokale werden gewechselt, das Bier und die Themen bleiben aber die Gleichen. Weit über Mitternacht hinaus verlasse ich die fidele Runde und mache mich alleine auf den Heimweg. Zielstrebig wie immer steuere ich, überzeugt davon die Navigation fest im Griff zu haben, in die erste Seitenstrasse hinein. Zweimal rechts, dann bin ich da – oder war es links oder gar gerade aus?
Entnervt besteige ich ein Taxi, der Fahrer schmunzelt als ich ihm den Zettel mit der Hoteladresse hinhalte, stellt den Blinker, fährt einmal um den Block und hält nach genau 83 Fahrsekunden vor meiner Bleibe an.
Mit der Erkenntnis, dass die Kneipen eingesoffen sind, der Heimweg aber noch nicht im Griff ist, schlief ich auf der harten Unterlage meines Bettes ein. Wie ich schon gesagt habe, ein Hotelwechsel stellt höchste Anforderungen an die Flexibilität der Flugbesatzungen.

Dienstag, November 14, 2006

Schnäppchen

Landauf, landab wird spekuliert, was man mit dem Hauptgewinn in der «Euro Millions» Auslosung vom Wochenende anstellen könnte. Mal ausgenommen von Spitzenmanagern, die bestens vertraut sind mit dreistelligen Millionenbeträgen in der eigenen Schatulle, sind die 288 Millionen für den Grossteil der Bevölkerung eine Zahl, die schwindlig macht.

Es gibt wohl keinen bessern Platz in der Schweiz als St. Moritz, um über mögliche Investitionen nachzudenken. Schlendert man in dieser gottverlassenen Zeit durch die Strassen des Ferienortes im Oberengadin, sieht man allerorts Handwerker und Architekten. Wie jedes Jahr in der Vorsaison werden die Topadressen der Modeläden komplett renoviert und umgestaltet. Einige sind für den Ansturm der Milliardäre und vor allem ihrer Gattinnen und/oder Mätressen gewappnet und präsentieren die ersten Kollektionen in den Schaufenstern. Gesichtet habe ich bei einem Label zum Beispiel eine Jeansjacke, gestylt mit zeitgemässen Rissen in den Ärmeln und einem Pelzkragen aus flauschigem Nerz, die etwas mehr kostet, als mein Arbeitgeber mir jeden Monat auf mein Konto überweisst. Schnäppchen allerorts!

Unten in St. Moritz Bad, wo man ab und zu auch ein paar vereinzelte Einheimische findet, backt seit Menschengedenken ein Kleinunternehmer auch in der Nebensaison jeden Morgen frische Brötchen. Neben dieser Oase für Brotliebhaber hat sich eines der unzähligen Immobilienbüros eingemistet. Im Hochtal herrscht Mangel an Wohnraum und das sieht man auch deutlich an der spärlichen Anzahl Aushängen.
Gerade sechs Angebote hat das Büro im Schaufenster und eines davon sticht ins Auge. Angeboten wird eine 3 ½ Zimmerwohnung (90 m2), die man für lächerliche 36'000 Schweizer Franken als Ferienwohnung eine ganze Wintersaison mieten kann und sich damit zumindest temporär wie einer der Suvretta-Connection fühlt. Bedenkt man, dass die Wintersaison hier im Oberengadin normalerweise ganze fünf Monate dauert, bezahlt man den vernachlässigbaren Betrag von 7'200 Fränkli pro Monat. Ein wahres Schnäppchen, wie man es nur im Engadin findet!
Einem Normalbürger ohne Hauptgewinn im «Euro Millions», kann dieser Betrag etwas Bauchschmerzen bereiten. Für diesen Fall sind im Schnäppchenpreis zwei Nasszellen inbegriffen. An einem kleinen Rechenbeispiel sei gezeigt, dass der Mietpreis gar nicht so übertrieben ist. Die fünf Monate entsprechen etwa 150 Tagen und diese wiederum 3600 Stunden. Eine Stunde in den gemieteten Wänden kostet also läppische 10 Franken. Setzt man sich mit dem oben beschriebenen Bauchweh auf eine der zwei bereitgestellten Toiletten, kostet das Geschäft kaum mehr als in den öffentlichen Einrichtungen im Bahnhof Pontresina.

Schnäppchen finden sich überall, man muss sie nur sehen!

Donnerstag, November 09, 2006

zu blöd für Borat

Ein fester Bestandteil eines jeden Auslandaufenthaltes ist bei mir das Studium der Wochenzeitung «die Zeit». Ich ziehe mich dann mit einem grossen Kaffee bestückt in die hinterste Ecke eines Starbucks zurück und lese gemütlich Zeile um Zeile.
Die Zeitung ist dick und für Schweizer Verhältnisse riesig gross. Müde wird das Auge beim Navigieren über die Seiten und es lohnt sich vor dem anspruchsvollen Feuilletonteil, einen frischzubereiteten Venti-Latte zu organisieren.

Zu meiner Freude hat sich ein intellektueller Schreiberling der Rezension des Filmes «Borat» angenommen. Neugierig bin ich schon auf den Streifen, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich mich nicht total ins Fettnäpfchen setze, wenn ich mein Interesse auch der Öffentlichkeit kundtue.
Umso gespannter war ich, die Meinung eines gebildeten Menschen zu diesem schrägen Film zu hören. Die ersten Zeilen lesen sich mit Unterstützung des warmen Getränkes wunderbar, aber im letzten Drittel komme ich beim Versuch das Geschriebene zu verstehen gehörig ins Stocken.

Der Philosophe schreibt:

Das geht über die psychologische Binse hinaus, dass die Stigmatisierung genau das betrifft, was der Stigmatisierende von sich selbst abspalten will. Und es übertrifft einen nur aufklärerisch interpretierbaren Humor durch Hingabe an die reine Energie erhabenen Slapsticks. Erst von dessen metaphysischer Höhe aus ist ein derart entspannter Blick auf eine Menschheit möglich, die sich gerade in der Idee von der Großartigkeit der kulturellen Differenz dauerhaft einzurichten scheint.


Aha (….). Das muss ich noch mal lesen:

Das geht über die psychologische Binse hinaus, dass die Stigmatisierung genau das betrifft, was der Stigmatisierende von sich selbst abspalten will. Und es übertrifft einen nur aufklärerisch interpretierbaren Humor durch Hingabe an die reine Energie erhabenen Slapsticks. Erst von dessen metaphysischer Höhe aus ist ein derart entspannter Blick auf eine Menschheit möglich, die sich gerade in der Idee von der Großartigkeit der kulturellen Differenz dauerhaft einzurichten scheint.


Ich las es noch drei Mal und verstehe es noch immer nicht! Neidisch bin ich auf den beeindruckenden Wortschatz dieses Genies und bitter ist es, wenn man mitten in Tokyo erfahren muss, dass man scheinbar sogar für diesen Film zu blöde ist!

Mittwoch, November 08, 2006

moderne Kamikaze


Den typischen Schweizer zeichnet aus, dass er in der Ferne alles mit dem in der Heimat vergleicht und zum Schluss kommt, dass die Fremde schon ihren Reiz hat, aber im eigenen Ländle doch alles viel besser ist.
Wer jetzt glaubt, dass Berufsreisende wie ich einer bin, in dieser Angelegenheit grundsätzlich anders ticken, der täuscht sich gewaltig.

Natürlich betrachte ich die störenden Dinge in umgekehrt proportionalem Verhältnis zur Sympathie, die ich zum fremden Land empfinde. So finde ich zum Beispiel in Jeddah praktisch alles ätzend, während ich hier in Japan die Sachen mit sehr viel mehr Verständnis betrachte.

Doch etwas stört mich unheimlich im lebendigen Tokyo und zwar die Radfahrer. Ich meine nicht die überarbeiteten Architekten, die weit nach Mitternacht ihre Runde auf den fast verkehrsfreien Strassen der schlafenden Metropole drehen, ich meine die modernen Kamikaze, die sich kompromisslos durch die Fussgängermassen auf den eh schon überfüllten Gehsteigen kämpfen und mit der altertümlichen Fahrradglocke schrille Warntöne von sich geben.

Nein, sie rasen nicht, sondern schlurfen langsam nahe an der kritischen Kippgeschwindigkeit und mit einer gespielten Lässigkeit von einer Gehsteigseite zur anderen, die für mich eher provokativ wirkt.

Wehe man macht als Fussgänger keinen Platz! Erbarmungslos spürt der Wegblockierer den schlecht gepumpten Reifen in der Kniekehle und das Ohr schmerzt vom gehässigen Kampfschrei.
Wenn der Tourist auch möchte, könnte er ein Sensorium für solche Annäherungen von hinten entwickeln und so den drohenden Konflikten aus dem Weg gehen, schliesslich hat der Radfahrer hier in Nippon das Recht, den Gehsteig zu benützen. Aber ich muss ehrlich sagen: ICH WILL DIESEN ROTZNASEN EINFACH KEINEN PLATZ MACHEN, ICH NICHT! Irgendwo hört die unterwürfige Anpasserei an fremde Kulturen in fremden Ländern auf. Ich erwäge ernsthaft, in Zukunft mit Nordic Walking Stöcken durch Tokyo zu laufen und ab und zu einen dieser Titanstangen zwischen die Speichen der aus meiner Sicht fehlbaren Fahrradlenker zu stecken.

So, das hat gut getan. Jetzt habe ich mir den Frust von der Leber geschrieben und kann wieder genüsslich in die (kulinarische) Welt meines Gastlandes eintauchen.
Apropos Eintauchen, beim Eintauchen eines Sashimi in die Wasabi-Soya Mischung habe ich mir die Sache noch einmal genauer überlegt. Vielleicht ist die japanische Lösung des Problems aus Sicht des Radfahrers doch nicht so schlecht, wenn man mit der Heimat vergleicht. In meinem Wohnort werde ich von den Fussgängern und der Polizei gekreuzigt, wenn ich mit dem Bike den Gehsteig benütze. Halte ich mich aber ans Gesetz und kurve auf der Strasse herum, werde ich bestimmt von einer SUV-fahrenden Hausfrau plattgewalzt.

Ich widme mich den Köstlichkeiten und lasse einmal offen, welche Lösung des Fussgänger-Radfahrer-Dilemmas besser ist.

Dienstag, November 07, 2006

Sesselfurzer HF

Bald muss ich in den halbjährlichen Simulatorcheck und dann sollte ich gegenüber dem Bundesamt wieder Rechenschaft über meine Flugleistungen abgeben. Ein Blick in das Flugbuch zeigt, dass ich in meiner Karriere schon 7692 Stunden sitzend in Cockpits verbracht habe. Gut informierte Leser werde jetzt den Taschenrechner starten, diese stolze Zahl durch Anzahl meiner Dienstjahre teilen und feststellen, dass der Schreiber dieser Zeilen ein fauler Hund ist. Zu meiner Verteidigung könnte ich jetzt argumentieren, dass ich während meiner Karriere vier Umschulungen machte, stundenlang in Simulatoren sass und unzählige Tests am Computer absolvierte. Lieber zitiere ich aber den bekannten Soziologen Ulrich Beck, der am Samstag in der NZZ meine Lebenseinstellung treffend auf den Punkt brachte: »Nie wieder Vollbeschäftigung – wir haben Besseres zu tun!«

Das Bundesamt für Berufsbildung BBT möchte meine Leistungen in der Vergangenheit anerkennen und hat entschlossen, dass Piloten in der Zukunft den Titel einer höheren Fachschule tragen dürfen. Damit soll die berufliche Mobilität der Piloten verbessert werden (…).
Ich bin mir im Moment noch nicht ganz im Klaren, was mit der Steigerung der beruflichen Mobilität gemeint ist? Sollen wir in Zukunft statt einmal in der Woche zwei Mal um den Planeten fliegen?
Erwähnenswert ist sicherlich auch die Tatsache, dass sich das Bundesamt für Berufsbildung dafür einsetzt, dass Luftkutscher endlich ein eidgenössisch anerkanntes Diplom erhalten, während uns die Kollegen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt halbjährlich in die Geisterbahn jagen, damit das weltweit anerkanntes Flugzeugführerdiplom in Form einer Lizenz erneuert wird.

Ich möchte mich nicht beklagen, schliesslich bekomme ich einen neuen Titel geschenkt. Neben dem Ritterschlag zum Sesselfurzer HF, sind vor allem die Weiterbildungsmöglichkeiten im Rahmen der Bologna-Reform sehr interessant. So erhalten die Langstreckenpiloten nach drei Dienstjahren automatisch das angelsächsische Anhängsel MSR (Master of sitting & reading), Swisspiloten werden nach drei Dienstjahren zum MRO (Master of revision of OM B) geschlagen und wer Instruktionsarbeit leistet, bekommt je nach Qualifikation den Titel des MSQ (Master of silly questions).

So sitze ich hier und grüble über die Zahl 7692 nach. So lange bin ich also schon in Sesseln gesessen, die für schnauztragende und 160 cm grosse Franzosen konzipiert wurden. Ich als 196 cm langer Lulatsch habe da natürlich einige Nachteile in Kauf zu nehmen und das spürt vor allem mein geplagter Rücken.
Glauben sie mir, ich habe es schon mit allem probiert. Joggen durch die Wälder, Rudern an Ort, Langlauf im Engadin, Massagen in Bangkok und vielem Anderen. Wirklich geholfen hat bis jetzt nur Yoga. Mein absolut genialer Yogalehrer bringt es immer wieder fertig, das Brett aus meinem Rücken zu entfernen und mir in 90 Minuten geschmeidige Muskeln zu schenken.

Also liebes Bundesamt für Berufsbildung, wenn sie meine berufliche Mobilität verbessern möchten, dann schenken sie mir ein Yoga-Abo und nicht einen Wisch, der im Rundordner verschwindet.

Mittwoch, November 01, 2006

Therapie


In den Freitagen muss ich dringend wieder Mal in die Therapie.

«Hallo alle zusammen. Mein Name ist nff und ich bin Milchkaffeesüchtig!»

«Hallo nff»

Dienstag, Oktober 31, 2006

leichtbekleidete Mädchen

Gut geplant habe ich den heutigen Tag in der Millionenmetropole Tokyo in Angriff genommen. Nach befriedigendem Schlaf von satten sieben Stunden stand ich mit der Sonne auf und zog mit ihr gegen Westen.
Von Narita über Shinjuku zum Okutamake See genoss ich wenig später den Service der japanischen Staatsbahnen und freute mich auf die Wanderung entlang dem Tamagawa River im Westen der Präfektur Tokyo. Ein Faltprospekt, freundlich überreicht vom nationalen Touristenamt, schwärmte in höchsten Tönen von der goldigen Herbststimmung in diesem hügligen Naturreservat. Ich freute mich dementsprechend.
Je näher aber das Ende meiner dreistündigen Bahnfahrt kam, desto schwerer viel es mir, die unzähligen Buchstaben in meinem mitgebrachten Buch zu entziffern. Die Augenlieder wurden schwerer, die Halsmuskulatur bekundete Mühe, den Kopf gerade zu halten und es kam, wie es kommen musste; ich schlief einmal mehr während einer Zugfahrt ein.
Viele Momente später, als der Nacken schmerzte und mich ein Sitznachbar mit seiner Tasche unfreiwillig schupste, erwachte ich endlich aus meinen Träumen und realisierte, dass der Zug in die falsche Richtung fuhr.
Eine neuerliche Umkehr zum Ort meiner Begierde mit der goldenen Herbststimmung schien wegen der abendlichen Verabredung im Herzen von Tokyo unmöglich und so stellte ich ein Alternativprogramm auf die Beine.
Wenn schon nicht durch die Wälder, dann wenigstens durch die Pärke von Tokyo schlendern. Der Yoyogipark mit seinen unzähligen Pfaden bot sich geradezu an und so entstieg ich dem komplizierten S-Bahnnetz an der Station Harajuku.

Ein ungewöhnliches Bild präsentierte sich mir vor dem Eingang zum lebhaften Park. Wo sich sonst ausgeflippte Japanerinnen und Japaner mit schrägen Outfits treffen, standen heute leichtbekleidete und gross gewachsene Mädchen aus allen Herren Ländern herum.
Nach langem Suchen fand sich endlich eine Person, die etwas Englisch sprach und diese erklärte mir, dass heute die Frauen Volleyball Weltmeisterschaft schräg über die Strasse eröffnet wird.
Das musste ich mir doch ansehen! Vor Wochenfrist konnte ich mich überhaupt nicht für den Besuch des Formel 1 GP in Sao Paulo begeistern, aber Frauen Volleyball (…).

So sitze ich jetzt im vollen Stadion umgeben von kreischenden Volleyballbegeisterten und frage mich ernsthaft, warum sich Männer für Autorennen interessieren, wenn es doch diesen ziemlich aufregenden Sport gibt?

Ach übrigens: Im Moment spielt Japan gegen Brasilien. Spielstand? Keine Ahnung!

Montag, Oktober 30, 2006

Hardcore Tokyo

Eine Tokyorotation kann man auf zwei verschiedene Arten überleben. Egal wie das Problem des Schlafens angegangen wird, am Ende steht eine Freinacht mehr auf dem eigenen Konto.
Die Gründe sind schnell erklärt; 8 Stunden Zeitverschiebung, eine Landung in den frühen Morgenstunden Lokalzeit, ein Start einige Tage später zu einer Zeit, in der die europäischen Fliegerkörper dringend Ruhe bräuchten und letztendlich ein faktisch nicht vorhandenes Unterhaltungsprogramm, durch das schlaflose Mitglieder der fliegenden Zunft in der Nacht etwas abgelenkt würden.

Also jetzt zu den zwei Varianten der Überlebensstrategie. Zum Ersten wäre da die Strategie der Warmduscher. Warmduscher - das sind 99% der Crews - fallen nach der Landung um etwa 0900 Uhr Lokalzeit in einen komatösen Tiefschlaf, träumen wirre Sachen und erwachen kurz vor Abfahrt des letzten Busses, der die Hotelgäste in das nahe gelegene Städtchen Narita bringt. Warmduscher sind dann hellwach, wenn sich die Dunkelheit über Japan legt und die ersten Restaurants bereits wieder schliessen. Für die Warmduscher beginnt dann die hektische Phase ihres Tagesablaufes. In den drei noch offenen Restaurants sind die Plätze rar, denn die vereinigten Warmduscher aller Herren Länder wollen sich in den vier Stunden zwischen dem letzten Bus von Hotel in das Städtchen bis zum letzten Bus vom Städtchen ins Hotel verpflegen und allenfalls ein paar Bierchen heben.
Kurz nach Mitternacht beginnt dann die einsame Phase (oder evtl. die Phase des Einsamens) in den Zimmern der Warmduscher. Man isst räumlich getrennt trockene Darvida Kekse und schlürft dazu Instantsuppe aus der Crewschublade.
Das geht gut bis zur letzten Nacht vor dem Abflug. In dieser ominösen Nacht versuchen die Warmduscher mit aller Gewalt, die oben beschriebene Freinacht zu vermeiden. Brav geht man um 23 Uhr ins Bett. Dreht sich wie an der prallen Sonne am Strand von Dubai vorbildlich alle 5 Minuten von einer Seite auf die Andere und hofft, dass der Körper und Geist endlich Schlaf finden. Der Wunsch geht in der Regel ein paar Minuten vor den Weckruf in Erfüllung.
Warmduscher sind keine Japanliebhaber, kennen in diesem Land nur drei Restaurants, meinen Darvida Kekse seien ein typisch japanisches Gericht und sind beim Heimflug nicht immer bestens gelaunt.

Das andere Prozent der Crews lebt nach der «Hardcore-Tokyo-Strategie». Der Leitsatz lautet: «Schlafen, wenn Japan auch schläft». Nach der Landung nimmt der Hardcoretyp eine kalte Dusche und setzt sich in den nächsten Zug nach Tokyo. Tokyo ist eine wunderbare Stadt und hält einem vom Müssiggang ab.
Ich gehöre selbstredend zur Hardcorefraktion. So bin ich heute Morgen subito an den Bahnhof gefahren und habe mich in den Schnellzug mit Destination Hauptstadt gesetzt. Getreu dem Motto « Schlafen, wenn Japan auch schläft», frönte ich nach ein paar Minuten dem Tiefschlaf. Natürlich hat so ein langer Lulatsch wie ich nach 11 Stunden Sitzen im Cockpit und eine weitere im Zug gehörig Rückenschmerzen. Dies wiederum veranlasste mich, im Thermalbad mitten in Tokyo kurz vorbei zu schauen und meinen Hintern in die warmen Tümpel zu setzen. Besonders angetan hat es mir ein 38° warmes Becken gefüllt mit einer gelblichen Flüssigkeit, die scheinbar etwas mit dem Fisch 'Sole' zu tun hat. In diesem Solebad legte ich mich flach ins seichte Wasser, genoss die Temperatur, die bei den Warmduschern zur gleichen Zeit unter dem Duvet herrschte, und nickte prompt dabei ein.
Hustend erwachte ich mit einem salzigen Geschmack im Mund und wusste für einen ganz kurzen Moment nicht, auf welchem Planeten ich mich gerade befinde.
Eine stündige Rückenmassage folgte und frisch wie ein gepelltes Ei verliess ich mit leicht geröteten Augen die Wellnessstätte. Hardcoretypen wie ich müssen damit leben, dass der Körper nach 24 Stunden ohne Schlaf das Gespür für die Sinne verliert und Signale des Organismus nicht mehr so genau interpretieren kann. So sind mir zum Beispiel während der ausgezeichneten Massage wegen 'nicht beherrschen des Überdruckventiles' übelriechende Winde entflohen, was im vollbesetzten Saal doch eher peinlich war.
Auch das Hungergefühl fehlte nach über 12 Stunden ohne Nahrung aus unerfindlichen Gründen und erst, nachdem ich den ersten Teller Gyoza vor mir hatte, knurrte der Magen gut hörbar für den Rest der Gaststätte.
Die gute und sehr erfahrene Wirtin hatte Verständnis und stellte mir 4 Teller mit den Köstlichkeiten vor mein Blickfeld. Im Nu waren die 20 Stück Teigtaschen verschwunden und nur Insider können verstehen, was dies bedeutet.
Man sieht aus diesen Schilderungen deutlich, Warmduscher verpassen einiges in diesem wunderbaren und exotischen Land.
Ich habe meine obligate Freinacht bald hinter mir und freue mich auf die kommenden Nächte, in denen ich mit grosser Wahrscheinlichkeit durchschlafen werde. Die Bettdecke wartet schon auf mich und bald, sehr bald, falle ich in einen Tiefschlaf, während draussen dunkle Nacht herrscht.
Ausgeruht werde ich in ein paar Tagen meine Schicht antreten und von Erlebnissen und Abenteuern aus ganz Japan berichten.
Hardcoretypen sind ausgeschlafene, in Japan viel herumgekommene Individuen, die man an der guten Laune am Tage des Abfluges erkennt. Eine gewisse Schadenfreude ist den Personen aus diesem Kreis nicht abzusprechen. So auch mir, denn grosse Freude bereitet mir jeweils die Frage, die ich beim grossen Wiedersehen vor dem Abflug an die Warmduscherfraktion stelle: «So, gut geschlafen?»
Hardcoretypen werden trotz guter Laune nicht immer geliebt…….

Sonntag, Oktober 22, 2006

BRASIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIL!

"FILIPPO MASSO DOOOOOOOOOOOOO BRASIIIIIIIIIIIIIIIL"

Träume Ich? Wo immer ich mich im Moment befinde, mein Geist ist noch nicht angekommen. Müde wälze ich mich im Bett und versuche weiter zu dösen.

"FILIPPO MASSO DOOOOOOOOOOOOO BRASIIIIIIIIIIIIIIIL"

Schon wieder dieser Schlachtruf aus unbekannter Quelle. Meine verklebten Sehschlitze öffne ich vorsichtig und ein Blick auf die im Moment noch viel zu kleinen Ziffern der Uhr bestätigen, dass der Tag in Sao Paulo langsam zu Ende geht.
Vom draussen klingen laute Gesänge von der Hauptstrasse bis zu meinem Zimmer im 15. Stock und stimmen immer wieder die gleiche Melodie an:

"FILIPPO MASSO DOOOOOOOOOOOOO BRASIIIIIIIIIIIIIIIL"

Langsam erreicht mein Denkzentrum Betriebstemperatur und ich realisiere, dass nicht weit von unserem Hotel der Grand Prix zu Ende gegangen ist. Als Leser der Sportseiten will ich natürlich auch wissen, wie die Raserei in Interlagos ausgegangen ist. Nach langem Graben unter den Bettdecken finde ich die Fernbedienung und bereits der erste Sender hat die Bilder zur Schlacht auf dem Asphalt bereit. Der Kanal zeigt wie eine alte Vinyl-Schallplatte die hängen geblieben ist, immer wieder den Zieleinlauf des roten Blitzes und ein überglücklicher Herr mit kräftiger Stimme kantiert den vielgehörten Kurzsong:

"FILIPPO MASSO DOOOOOOOOOOOOO BRASIIIIIIIIIIIIIIIL"

Aha, Rot ist also nicht automatisch gleich Schuhmacher und ich begreife, dass der kleine Massa wieder einen Schritt mehr aus dem Schatten des übermächtigen Senna getreten ist. Eine Dusche kann nicht schaden und ich schleiche vorsichtig Richtung Bad. Den Fernseher lasse ich an und widme mich behutsam meiner Körperpflege.
Während ich mit der Zahnbürste vorsichtig die oberen Beisserchen bürste, wendet sich das Sportvolk in Brasilien vom Rennsport ab und schwenkt zum Fussball über.
Eine der zahlreichen Profimannschaften der Hauptstadt spielt mediengerecht inszeniert in der Provinz gegen ein anderes Team.
Schon nach wenigen Sekunden wird die Baritonstimme des Sprechers wieder gefordert, denn ein Lokalheld hat die Hauptstädter in Führung geschossen.

"GOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL"

Dies interessiert mich wenig, denn ich habe nach langem Pröbeln die richtige Duschwassermischung gefunden und geniesse den warmen Strahl, während ich mich gründlich einseife.
So eine Dusche wirkt Wunder nach einem langen Nachtflug und einem kurzen Abstecher danach in das 'scharfe Eck'.

"GOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOL"

Schon wieder hat ein Fussballer getroffen. Das Spiel scheint entschieden, noch bevor ich die Haare fertig eingeschäumt habe. Meine Einschätzung teilen unzählige Sportbegeisterte im Hotel, in der Umgebung und in der ganzen Stadt. Langsam und von mir unbemerkt steht eine Masse von Personen vom Sofa auf, schleicht langsam Richtung Toilette, lässt das überzählige Bier ab und drückt unbedacht auf die Taste, die ein paar Liter Wasser in die Kanalisation entlässt.
Der Wasserdruck fällt zusammen, Kaltwasser rinnt spärlicher als das unter Boilerdruck stehende Heisswasser und die Zimmer in den höheren Lagen sind kurzzeitig vom kalten Frischwasserkreislauf unterbrochen.
Ich hechte mit eingeschäumtem Kopf und geschlossenen Augen aus der Dusche, verfluche das Wassersystem in Brasilien und mache dem Fernsehreporter mit einem sehr lauten

"SCHEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIISSE"

gehörig Konkurrenz.

Freitag, Oktober 13, 2006

Volltreffer


Heute ausprobiert:
Mit dem Wanderpass für 29.- (inkl Mittagessen!) auf den Stoos und siehe da, der Nebel war weg :-)

Dienstag, Oktober 10, 2006

sPINner


Vor genau 13 Jahren erhielt ich eine Uniform aus dem Hause «Schild» mit dicken goldenen Streifen und einem Hut, der übrigens nie auf meinen grossen Kopf passte. Diese Uniform war das Eintrittsticket in ein Experiment, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat.
Schnell habe ich gespürt, dass ich anscheinend Glück hatte und in eine ziemlich heile Welt hinein geraten bin.
Meine Kollegen schienen glücklich, hatten ausser einigen Scherereien mit der Ehefrau und ein paar hübschen Mädchen aus dem Experiment keine Probleme, trugen goldene Pins am Revers die sie als Sportwagenfahrer und Mitglieder exklusiver Gilden auszeichnete und zusammen erstiegen wir jeden Morgen eine sauteure Aluminiumröhre, die Menschen an Orte verfrachtete, an denen sie etwas Glück und Abwechslung suchten.
Die Jahre vergingen wie im Fluge, aus den zwei goldenen Streifen wurden deren Drei und auch bei mir häuften sich die Scherereien mit Lebenspartnerin und hübschen Mädchen aus dem Experiment. Kurz, ich integrierte mich prächtig.

Der Versuchsleiter beobachtete meine Fortschritte mit Wohlwollen und als Überraschung stand plötzlich eine viel grössere Aluminiumröhre vor der Garage, ich musste nur noch viel Mal im Monat antreten und statt 127 Glückssucher, verfrachtete ich fortan 400 Probanden in ferne Länder.
Nicht alles wendete sich aber zum Besten. Die hübschen Mädchen in der grösseren Röhre waren deutlich älter als die in der Kleinen, meine Kollegen trugen Pins von Oldtimern statt von schnittigen Sportwagen und die an einer Handtasche einer Kollegin prangerte der Spruch «I'm here to safe your ass, not to kiss it».

Überhaupt nahm das Bedürfnis der Experimentteilnehmer sichtbar zu, Botschaften über kleine Ansteckknöpfe an der Uniform mitzuteilen. Mitgliedschaften in Gewerkschaften wurden ebenso stolz zur Schau gestellt, wie die Nationalität des momentanen Lebenspartners. Man zeigte Solidarität mit allerlei Völkergruppen und stand tapfer Pate, für die im Wochentakt neu erscheinenden Managementslogans.

Von gut informierten Quellen weiss ich, dass die oben beschriebene Pinflut im direkten Zusammenhang mit der langsamen Verschärfung der Rahmenbedingungen im geschlossenen Experiment stehen. Die Leute fühlten sich zunehmend unwohl und spürten die subtilen Foltermethoden der Versuchsleitung immer deutlicher. So werden wir regelmässig in enge Karbäuschen gesperrt, schauen stundenlang ins direkte Sonnenlicht, bekommen dabei Kopfweh, unterhalten uns in einer in einem Buch festgeschriebenen Geheimsprache (fully left – fully right – neutral – CHECKED), müssen danach literweise Gerstensaft trinken damit die Niere nicht zur Kiesgrube wird und verbringen als Abwechslung eine weitere Nacht im stockdunklen Karbäuschen mit Schlafentzug.

Logisch, dass die Teilnehmer aufmüpfig werden und logisch, dass sie diesen Unmut kommunizieren wollen. Aber auch die Experimentsleitung hat die Zeichen der Zeit erkannt und lässt Pins kiloweise an die Teilnehmer verteilen. Fähnchen vom neuen Allianzpartner, Fähnchen vom noch neueren Allianzpartner mit einem Beilagezettel, den Pin des alten Allianzpartners doch bitte zu zerstören, Fähnchen von der neuen Besitzerin, die liebevoll «Mutti» genannt wird, Fähnchen von der nationalen Ferienagentur und für die Experimentsteilnehmer mit den dicken goldenen Streifen als Zugabe ein Flügelsymbol aus Gold, das bitteschön mit Stolz getragen werden soll.

Ohne es zu merken, hat die ganze Pinproduktion die Experimentsleitung in finanzielle Schwierigkeiten gebracht und es musste gespart werden. Vergütungen wurden kleiner und die Folter in den Karbäuschen länger. Produktivitätssteigerung war das richtige Wort dafür.

Und wie haben die Experimentsteilnehmer darauf reagiert? Natürlich mit Pins! Eine Gruppe aus dem Experiment schmückte sich mit einem gelben Band im Knopfloch. Was für eine Provokation bei einer dunkelblauen Uniform, grünem Lidschatten und einem rot-weiss-blauen Foulard! Die nächste Berufsgruppe befestigte eine orange-rote Plakette über das mit Stolz zu tragende goldene Flügelsymbol und beobachtete richtig: «on board».
Nicht besonders grosses Fingerspitzengefühl zeigten die Teilnehmer der Gruppe der kleinen Aluminiumröhren. Sie waren derart stolz auf ihre neuen roten Pins mit der Aufschrift «STOP», dass sie dies der ganzen Welt zeigen wollten und dabei vergassen, ihre Arbeitsgeräte zu besteigen.
Es folgte umgehend eine Aktion einiger der Gruppe der goldenen Flügelträger. In einer Nachtschicht wurde ein dunkelschwarzer Pin mit schlecht sichtbarem Aufdruck «NO» produziert.

So sitze ich noch immer pinlos und leicht resigniert in einem Starbucks in Manhattan und suche Trost in einer grossen Tasse Milchkaffee. Schon geschlagene 13 Jahre mache ich bei diesem Experiment mit, habe mich stets geweigert irgendeine Plastikplakette an meine Uniform zu heften und habe langsam die Schnauze voll von all den sPINnern.

Ach fast vergessen, vorhin bin ich ausgerechnet an einem Pinshop vorbeigelaufen und habe mir fast einen mit der Aufschrift «need new Job» gekauft.

Sonntag, Oktober 08, 2006

die Schlacht am Ballenberg

Das Freilichtmuseum Ballenberg mit seinen Orginalbauten aus allen Teilen der Schweiz, gehört zu den beliebtesten Sonntagsausflügen des Landes. Für läppische 18.- SFr. Eintritt bekommt der Besucher einen Einblick in das Handwerkerleben vergangener Jahrhunderte, trifft auf traumhafte Wanderwege, kann falls gewünscht kleine Ferkel streicheln und lässt sich danach in der museumseigenen Schokoladenfabrik die frischen Köstlichkeiten auf der Zunge vergehen.

Die Bauten faszinieren und ich ertappe mich dabei, dass ich mich trotz eindrücklich dokumentierter Armut in vergangenen Tagen, in die alte Zeit zurücksehne.
Die heimeligen Räume, die historischen Holzbauten und die gemütlichen Sitzgelegenheiten am Kachelofen steigern diese Sehnsucht noch zusätzlich.
Umliegende Berggipfel und die saftigen Wiesen mit grasendem Braunvieh machen die Idylle perfekt und diese Idylle will verteidigt werden.

Wer könnte diesen eidgenössischen Wehrwillen besser beschreiben als der bekannte Schriftsteller Jeremias Gotthelf. Kein Wunder, dass seine Erzählung „das Fähnlein der sieben Aufrechten“ hier in Ballenberg verfilmt wurde.
Heutzutage kämpfen die tapferen Eidgenossen nicht mehr mit Langgewehr und Vorderlader, sondern stellen eine moderne und vor allem sehr teure Milizarmee, die diesen Flecken Land mit Dolchen zwischen den Zähnen verteidigt.

Aus dem Fähnchen von einst ist eine Staffel geworden und diese Ansammlung von gestandenen Eidgenossen demonstriert ihren Wehrwillen mit schnittigen F5-Kampfflugzeugen.
Der Zufall will es, dass das Schützenhaus aus der Gotthelfverfilmung keinen Steinwurf vom Pistenende des Militärflugplatzes in Meiringen entfernt ist.

Es ist knapp nach Ende der Mittagspause, ein unangenehm lautes Donnern lässt die alten Balken im gerade besichtigten Simmentaler Bauernhaus erzittern und der Staub fällt aus den Ritzen zwischen den alten Holzböden über mir.
Ich eile hustend nach draussen und sehe Kampfjets, die von links und rechts über die Gipfel schiessen. In regelmässigen Abständen ertönen Maschinengewehrsalven und hunderte von Geschossen löchern die saftigen Wiesen auf der Axalp.

Mir ist es deutlich zu laut und die Amerikanerin neben mir beobachtet ängstlich die Reaktion der einheimischen Besucher. Ein beruhigendes Nicken Richtung des weitgereisten Gastes genügt, um ihren Puls wieder auf einen nichtlebensbedrohlichen Wert zu senken.

Die Besucherschar stürmt wieder in die Häuser, schliesslich gibt es keinen Grund zur Panik. Beim ohrenbetäubenden Schauspiel handelt es sich lediglich um eine ganz gewöhnliche Übung „der Staffel der sieben Aufrechten“. Oder anders gesagt, der ganz normale tägliche Wahnsinn im wehrhaften Ländchen Schweiz.

Sonntag, Oktober 01, 2006

Sonntagsdienst in den Bergen














Egal welche Zeitzone, egal welcher Kontinent, egal welche Stadt, wenn am Sonntagmorgen der Wecker um 0400 Uhr klingelt, ist die Stimmung nicht die Beste.
Der Regen peitscht an die Hotelscheiben, für einmal schweigen die Autohupen und nur, wer unbedingt muss, reibt sich um diese Uhrzeit die müden Augen.

In São Paulo scheint an diesem Sonntagmorgen keine Seele Lust an der Arbeit zu verspüren. Die Lichter im Hotelgang sind dermassen gedimmt, dass ich aus meinen müden Augen alles herausholen muss, um den Weg zum Lift zu finden.

Rumpelnd erreicht der Aufzug, der so alt ist, dass sein Fabrikat mich an den Namen meiner Nachbargemeinde erinnert, sein Ziel in der Lobby und spuckt mich in einer grossen dunklen Halle aus.
Der Nachtportier döst und erschrickt, als ich mit meinem quietschende Rollkoffer um die Ecke biege. Sein sonst so melodiöses «bõ 'dia» erklingt zu so früher Morgenstunde etwas belegter.

Erwartungsgemäss bin ich der Erste der Crew am improvisierten Frühstückstisch und geniesse die Ruhe vor dem Sturm. Ein leichtes Vibrieren kündigt die Ankunft eines weiteren Fahrstuhles an. Top gestylt, aber auch mit sehr kleinen Sehschlitzen, sucht ein Flight-Attendant in der Finsternis den Kaffeeautomaten.
Ich beobachte sie und weiss genau, was für eine Frage nach der kurzen Begrüssung folgt. Es ist eine Frage, die aus Verlegenheit gestellt wird um die fast peinliche Stille zu durchbrechen und wird nie ehrlich beantwortet. Diese Frage ist intim und trotzdem belanglos, sie wird heute von allen gestellt, die Antwort interessiert aber keinen. Sie ist nett gemeint und nervt enorm um 4 Uhr in der Früh. Ich verabscheue diese Frage, höre sie aber seit 13 Flugjahren viel zu regelmässig.

Das erwähnte Flight-Attendant steuert mit einer dampfenden Tasse voller Kaffee auf mich zu, lächelt freundlich, atmet tief ein und fragt mit einem Strahlen auf dem Gesicht. «So, gut geschlafen?» Ich grinse zurück, begrüsse sie ebenso höflich und antworte wie aus einem Gewehr geschossen: «Ja, super!»
Ich hasse mich für diese Lüge.

Ach ja, gearbeitet habe ich heute auch noch. Der wohl schönste Flug des Streckennetzes stand auf dem Programm und dieser brachte mich von São Paulo über die Anden nach Santiago de Chile. Dies entschädigt für einiges und lässt den harzigen Start in den Sonntag vergessen.

Freitag, September 29, 2006

zum scharfen Eck

Der Flug nach São Paulo ist lang, anstrengend und ermüdend. Verständlich, dass Körper und Geist nach so einem Effort nach Abwechslung schreien. Den Körper zieht es auf dem schnellsten Weg ins Bett, dem Geist ist es nach einer einsamen Nacht hinter schusssicheren Türen aber eher nach sozialen Kontakten.
Obwohl Vertreter der Pilotenzunft das in den letzten Tagen nicht unbedingt bewiesen haben, ist der Geist in Pilotenköpfen nach wie vor vorhanden und siegt in der Regel über den schwächeren fleischlichen Teil.

So kommt es, dass sich ein Teil der Besatzung am frühen Morgen nach einem langen Nachtflug zu einem kleinen Umtrunk im Bistro 'zum scharfen Eck' trifft. Man sitzt draussen auf unbequemen Holzstühlen, trinkt vitaminreichen Saft, geniesst die berühmten 'pão do queijo' und philosophiert über Gott und die Welt.
Ganze Fluggesellschaften wurden dabei schon umstrukturiert, Ehen geschieden, Ehen geschlossen, Gerüchte verbreitet, Wahrheiten dementiert und Dampf in allen Formen abgelassen.

Die aufmerksamen Kellner tänzeln um die Tische und sorgen dafür, dass die redseligen Kehlen nicht trocken bleiben. Kaum ist der zuckerreiche Saft, der trotz des Süssstoffes leicht bitter schmeckt und beim Schlucken etwas kratzt, ausgetrunken, steht auch schon wieder ein Neuer da.
Das Reden fällt immer leichter und die Stories werden mit jedem Nippen am Glas unglaublicher. Räubergeschichten machen die Runde und man lacht über Gegebenheiten, die so sicher nie passiert sind, aber jeder am Tisch dabei gewesen sein will oder zumindest einen kennt, der es mit Sicherheit war.

Spätestens nach dem dritten Vitaminsaft verschwinden die Ersten wortlos und die Stimmung am Tisch kippt schlagartig. Es wird diskret bezahlt und noch diskreter zum Hotel verschoben. Nicht immer gelingt es den Beteiligten, das Zimmer auf dem kürzesten Weg zu erreichen. Ob es wohl am Vitaminsaft liegt?

Am Abend trifft man sich dann wieder im sympathischen Lokal zum Apéro. Mit kleinen Augen wird wortlos am Kaffee genippt und da und dort hört man den Satz 'nie wieder Caipirinhia'. Ich kann mich dem nur anschliessen!

Freitag, September 22, 2006

Wellness im Waldhaus



Nach zwei herrlichen Wochen in den Bergen musste ich meinen Aufenthalt in Japan etwas ruhig angehen. Ich wollte mich weder mit 20 Millionen Einwohnern der Hauptstadt um einen Sitzplatz in der Yamanote Line prügeln, noch die schlaflosen Nächte im trostlosen Narita verbringen.
Der Weg zum Glück war diesmal kurz und schmerzlos. Kaum im superschnellen Shinkansenzug platzgenommen, zeigten sich auch schon die ersten grünen Hügel am Horizont. Nagano hiess mein Ziel und Nagano klingt nach Erholung und Ausspannen.

Etwas ausserhalb der Provinzhauptstadt und nur 20 Gehminuten von der olympischen Halfpipe entfernt, wartete der Hausherr eines schmucken Ryokan auf den exotischen Gast aus der Schweiz. Sein traditionelles Gästehaus, umgeben von Wald und heissen Quellen, war am Hang gebaut und würde in der Schweiz schon wegen seiner Lage mit Bestimmtheit «Hotel Waldhaus» heissen.

Neben der Abgeschiedenheit und der Stille sind die warmen Bäder die Attraktion der Gegend. Mit über 70°C schiesst das Nass aus dem Berg, vermischt sich mit dem klaren Quellwasser und sorgt dafür, dass sich Mensch und Tier in den natürlichen Becken pudelwohl fühlen.

Menschen gibt es in dieser Gegend etwas weniger, Affen dafür umso mehr. Von den Bergen steigen die Viecher, die in der Höhe leben und darum auch «hohe Tiere» genannt werden, herab und wärmen in den heissen Bädern ihre Knochen auf.
Ein Schauspiel, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

Es gehört zu den unangenehmen Seiten von Japan, dass ein Kurzaufenthalter wie ich, wegen der Zeitverschiebung kaum Schlaf findet.
Gerade in einer so hübschen Gegend und einem so gemütlichen Umfeld, ist das weniger ein Problem, als eher ein Vergnügen. Um 4 Uhr in der Früh schlich ich mich aus dem Bett und machte mich im Adamskostüm auf zur heissen Quelle. In waagrechter Stellung liegend, beobachtete ich einsam zwischen dem Dampf hindurch den Sternenhimmel und wunderte mich nicht, dass auch «hohe Tiere» an solchen entspannenden Bädern Freude finden.

Das «Hotel Waldhaus» ist wirklich ein kleines Paradies, dass ich am folgenden Tag ungerne verlassen musste. Die Pflicht rief und ein voller Flieger wartete am Flughafen in Narita auf meinen entspannten Körper und Geist.

So liege ich jetzt im kleinen Ruheraum hinter dem Cockpit, schreibe diesen Bericht und warte ausgeruht auf meinen Einsatz auf dem Pilotensessel. Vor der Pause habe ich noch schnell die Boulevardzeitung «Blick» durchgeblättert und stutzte leicht beim Studium der politischen Seiten.
Der Redaktor äusserte sich kritisch über Wellnessferien im Hotel Waldhaus, empörte sich über extensives Baden hoher Tiere in heissen Quellen und beklagte lauthals, dass dabei nicht fotografiert werden durfte.
Dieser Artikel ist wieder einmal schlecht recherchiert und völlig übertrieben. Erstens war ich nur eine Nacht da, zweitens handelt es sich beim «Hotel Waldhaus» nicht um ein Fünfsternehaus, sondern um ein einfaches Ryokan und drittens kann man dort ganz ungeniert Bilder schiessen.
Wenn der Herr Redaktor unbedingt Fotos von badenden Affen braucht, kann er mich ruhig anrufen!

Samstag, September 16, 2006

meine Uniform

Bald ist es wieder soweit, ich werde die roten Wandersocken und die funktionellen Bikeklamotten gegen den edlen Designerstoff meiner Firma tauschen.
Wäre ich ein verantwortungsvoller Angestellter, hätte ich die Uniform vor meinen Ferien in die Reinigung gebracht und sie würde jetzt in Plastikfolie verpackt auf unseren nächsten Auftritt am nächsten Montag warten.
Aber eben, just als ich in Marineblau gekleidet den Airbus von Miami kommend auf der Piste in Zürich aufsetzte, gab der Sommer ein Comeback und das Bike war plötzlich viel näher als die chemische Reinigung im Zentrum meines Dorfes.

Ja, die Beziehung zu meiner Uniform ist eine Spezielle. Man könnte sogar von Hassliebe sprechen. In den wirren Jahren nach dem Grounding gab es mal eine Zeit - eine sehr kurze Zeit - als die Kassen meiner Arbeitgeberin noch übervoll waren. Die damalige Geschäftsleitung war gerne im Rampenlicht, kleidete sich adrett und wollte den Angestellten genau das Gleiche bieten. Ein einheimischer Näher wurde engagiert und wir kamen zu unserer neuen Dienstkleidung.

Man schrieb das Jahr 2003 und enganliegend war Trumpf. Enge Sakkos, enge Hosen, enge Hemden und enge Hüte lagen voll im Trend. Ich gebe ja zu, diese Mode sieht an den durchtrainierten Bodies der Models, die lässig an einer Espressobar inmitten Mailands stehen ganz gut aus, aber an uns mittelalterlichen Piloten mit unseren während langen Nächten angefressenen Schwabbelbäuchen, gab die topaktuelle Mode Konturen frei, die zumindest ich jahrelang nicht erblickte.
Ach was soll's, Hauptsache ein Label!

Mein liebstes Stück ist der Hut. Die Grösse des Hutes folgt dem Gesetz des abnehmenden Ansehens. Je kleiner das Ansehen, desto grösser der Hut. Da das Ansehen der Pilotenzunft stetig sinkt, werden die Kopfbedeckungen im gleichen Masse wuchtiger. Unser Designer hat ganze Arbeit geleistet. Der Hut gleicht immer mehr dem der Plastgarde des Kreml.
Das wiederum ist nicht mein Problem, denn ich habe eine Hutdispenz. Nicht dass ich allergisch auf die Kopfbedeckung reagiere, aber der Hersteller weigert sich vehement, Kopfumfänge über 62 cm zu berücksichtigen. Meine Hartschale misst 64 cm und so habe ich mir selber eine Hutdispenz ausgestellt.

Das Sakko ist schnittig und wie schon beschrieben, sehr eng anliegend. Grösse und sehr breite goldene Streifen geben dem Träger die notwendige Wichtigkeit. Die Taschen sind zugenäht, damit der unmodische Pilot ja nichts darin deponiert und die Knöpfe halten genau bis zur nächsten Reinigung.

Mein zweitliebstes Stück ist die Krawatte. Den Zweck dieser seidenen Verbindung zwischen den beiden Männerdenkzentren habe ich nie verstanden. Erstens schnürt dieses Teil den Hals unnötig zu und zweitens fällt es beim Essen dauernd in die fettigen Saucen. Kommen sie mir jetzt ja nicht mit Krawattennadeln. Die haben keine Chancen bei den rigiden Sicherheitskontrollen an den Flughäfen.

Wirklich Freude habe ich am Hosengurt. Aus echtem Leder und mit einer Schnalle, die ich das letzte Mal in den alten Western gesehen habe. Und das meine ich jetzt ehrlich, der Gurt gefällt mir wirklich. Kritisch ist das Teil nur bei den oben schon erwähnten Sicherheitschecks. Bevor der grosse Alarm erklingt und sich die Leute auf den Boden werfen, sollte man das massive Metallteil von der Hose nehmen und gesondert auf das Kontrollband legen.

Zum Gurt gehört auch eine Hose. Die Beinkleider sollten bequem und geschmeidig auf der Haut liegen. Der Schneider, der mir die passende Grösse heraussuchte, hatte wenig Ahnung vom Pilotenberuf. Lässig an der Bar stehen tun wir nur im Film, im wahren Leben sitzen wir stundenlang auf unserem Hintern und müssen uns achten, dass die Extremitäten dabei nicht einschlafen. Meine erste Hose passte wie eine zweite Haut, im Stehen versteht sich. Sobald ich mich aber setzte, spannte sich der Stoff über den Quadrizeps bis an die Belastungsgrenze und im Schritt wurde es eng.
Es ging nicht lange, bis ich ein um zwei Nummern zu grosses Modell mein eigen nannte. Ist bequem, sieht aber in Kombination mit dem hautengen Sakko zugegebenermassen etwas skurril aus.

Ja, so ist sie meine Uniform. Montagmorgen wird sie wieder angezogen und in die ferne Welt getragen. Stolz werde ich damit durch die Flughafenhallen wandern wie einst Leonardo Di Caprio im Film und nur am Sicherheitscheck für einen kurzen Moment eine schlechte Figur abgeben. Dann nämlich, wenn der Gurt auf dem Band liegt und ich für einen ganz kurzen Moment verfluche, dass ich die Hosen zwei Nummern zu gross gewählt habe.

Dienstag, September 12, 2006

funghi matto

Wenn es einem Stadtneurotiker im wunderschönen Engadin zu viel wird oder sich das Wetter im Hochtal allzu garstig präsentiert, setzt sich der Patient ins Auto und gondelt südwärts nach Chiavenna.
Beides traf letzten Freitag nicht zu und trotzdem packten wir die Pässe ein und füllten unsere Geldbeutel mit Euroscheinen. Ein Emigrant aus der Schweiz wollte besucht werden, der schon einige Jahre im charmanten Städtchen lebt, eine noch charmantere Frau gefunden hat, in Hausgemeinschaft mit der ganzen Verwandtschaft lebt und zwei lebhafte italienische Knaben auf die Welt stellte.
Einem dieser Knaben wurde meine Frau als Gotte zugeteilt und so kommen wir regelmässig in den Genuss der unbeschreiblichen Gastfreundschaft dieser Familie.

Am zweiten Wochenende im September kocht das schmucke Städtchen förmlich über, denn sämtliche Grottos – und von diesen gibt es unendliche – öffnen ihre Pforten und lokale Spezialitäten werden angeboten und auch zünftig konsumiert. Glücklich, wer vorgängig ein Nachtlager gefunden hat, noch glücklicher, wer wie wir bei guten Freunden nächtigen kann.

Über den Abend und die ersten Schritte am nächsten Morgen möchte ich keine grossen Worte verlieren. Die eiskalte Dusche und der starke Espresso holten mich einigermassen ins Leben zurück und das war beim geplanten Tagesprogramm auch bitter nötig.
Die Kinder wollten zum Grossvater auf die Alp, denn der Steinpilz schoss aus dem Boden wie früher die Schweizer Armee während ihren Manövern.
Erwartungsvoll und leicht geschwächt setze ich mich auf Beifahrersitz und staunte, wie filigran der Familienwagen die steilen Serpentinen in die fast 1000m höher gelegene Alp erklomm. Froh, dass ich die Höhenmeter nicht per pedes absolvieren musste, liess ich das Geschüttel über mich ergehen und war nach langem Fahren hoch erfreut beim Anblick der Gastgeberin im umgebundenen Kochschurz.
Natürlich waren die Alpbewohner über unser Kommen informiert und natürlich blubberte schon ein leckeres Risotto mit frisch gesammelten Steinpilzen auf dem Kochtopf. Frisches Brot und roter Wein, leckerer Käse und scharfe Wasser, allerlei schmackhafte Zutaten und viel Gesprochenes mit einer mir fast unbekannten Sprache, machten das Essen zum Erlebnis.
Den letzten Schluck Grappa noch im Mund, schossen die Männer vom Tisch auf und es wurde zur Pilzjagd geblasen.

Ich folgte schwitzend der Gruppe unter der Führung des Sechsjährigen und hoffte natürlich insgeheim auf den grossen Fang. Schon nach wenigen Metern erblickte ich die erste Pilzkolonie. Begeistert rief ich den Dreikäsehoch und zeigte ihm stolz meinen Fund. «Matto», meinte dieser trocken und ich war erleichtert, als ich erfuhr, dass der Kleine nicht mich, sondern den Pilz meinte. «Funghi matto», also «verrückter Pilz», nennen die Einheimischen die ungeniessbaren Pilze. Giftigen Pilz würde ich nie probieren, aber verrückter Pilz….. Einen Moment zögerte ich und war nahe daran, das Knollengewächs in meinen Sack zu stecken.

Schon bald war ich verzweifelt. Trotz abenteuerlicher Routenwahl durch das Gehölz und über steile Abhänge, fand ich keinen einzigen geniessbaren Pilz. Ich setzte mich erschöpft auf einen moosigen Stein und hielt einen Moment inne. Plötzlich erblickte ich keinen Meter neben mir eine Erhebung auf dem feuchten Waldboden. Brauner Deckel, schöne Form, grüne Lamellen an der Unterseite und einen Geruch, den mich stark an das leckere Risotto vom Nachmittag erinnerte. «None matto», meinte der herbeigerufene Spezialist und klopfte mir anerkennend auf die Schulter.

Einen Pilz hatte ich also gefunden. Als Lohn dafür durfte ich die Ausbeute des jungen Pilzsammlers zu Tal tragen.
Mein ganz persönlicher Pilzexperte hat übrigens am Montag seinen ersten Schultag. Ich frage mich ernsthaft, was die Lehrerin diesem Naturburschen noch alles beibringen kann.

Donnerstag, September 07, 2006

der lange Marsch


Stolze 23,6 km und 800 Höhenmeter Aufstieg stehen heute auf dem Programm, das behauptet zumindest das am Vorabend programmierte GPS. Die Brote sind gestrichen, Ersatzwäsche eingepackt und der Camelbag im Rucksack droht wegen der gebunkerten Flüssigkeit zu bersten. Nichts steht dem Ausflug mehr im Wege, es kann endlich losgehen.

Die ersten Meter bieten navigatorisch wenig Schwierigkeiten. Zuerst geht es am Bäcker vorbei, bei dem ich seit Jahren meine Frühstücksbrote kaufe und danach kreuzen wir den Pfad zur einzigen Bar im Dörfchen, in der das Bier nach Wanderungen wie dieser besonders gut schmeckt.
Trotzdem blickt der männliche Teil der Zweiergruppe fast ununterbrochen auf sein neues Spielzeug und beobachtet mit Herzklopfen, wie die Nadel des Navigationsgerätes genau auf der Kreuzung wo links abgebogen werden muss, nach links springt.

Die ersten Meter jeder Wanderung sind die Schwierigsten. Drücken die Schuhe? Sitzt der Rucksack richtig? Hat man die richtigen Kleider am Leib? Genug gegessen? Richtig ausgeschissen? Das GPS exakt programmiert?
Bis diese Fragen zur eigenen Zufriedenheit beantwortet sind, vergeht einige Zeit und der regelmässige Blick auf das farbige Display des neuen Spielzeuges bestätigt, dass die Wandergruppe bei diesem Kilometerschnitt erst weit nach Sonnenuntergang das Ziel erreicht. Voraussichtliche Ankunftszeit 2047 Uhr.

Der weibliche Teil des Zweierteams kennt diese Probleme nicht und hört auf den eigenen Körper. Im regelmässigen Schritt schreitet sie voran und erklimmt elegant Höhenmeter für Höhenmeter. Sie scheint die Ruhe gefunden zu haben und spielt zufrieden und wortlos den zügigen Schrittmacher.

Der Schweiss rinnt an meinem Kopf herunter und langsam, aber sicher finde ich die innere Ruhe und kann die herrliche Aussicht geniessen. Es geht nicht lange, bis mir die ersten Gedanken durch den Kopf schiessen. Vieles Unerledigte und Unausgesprochene kommt hervor und dem einen oder anderen möchte ich jetzt auf der Stelle gehörig meine Meinung sagen.
Sport ist immer noch die wunderbarste Form, Aggressionen abzubauen und neue Ideen zu entwickeln.

Ich werde unterbrochen, denn mein Schrittmacher erkundigt sich nach dem Weg. Der rosa Zeiger dirigiert uns nach rechts und ein genauer Blick auf die vielen angezeigten Daten bestätigt, dass wir zügig vorankommen. Voraussichtliche Ankunftszeit jetzt 1635 Uhr.

Der Weg wird steiler und die Aussicht immer umwerfender. Mein Kopf ist langsam frei und meine Gedanken hängen lose in den Seilen. Nach einem kräftigen Zug an meinem Trinksystem überholen wir im unwegsamen Gelände einen Mountainbiker, der seinen Drahtesel fluchend auf der Schulter trägt. Zu seiner Verteidigung muss erwähnt werden, dass dieser Pfad im lokalen Führer als 'radikaler Singletrail' beschrieben wird. Für mich ist dieser Biker schlicht ein Idiot. Denn nur Idioten nehmen ein Mountainbike auf eine alpine Bergwanderung mit.
Beim Vorbeigehen grüsse ich freundlich und erwähne nicht, dass es bis zum Passübergang gemäss meinem Navigationscomuter noch genau 398 Höhenmeter sind und es, falls er unsere horrende Geschwindigkeit halten kann, noch genau 71 Minuten dauert.

Der Scheitelpunkt der Wanderung kommt näher und wir beide baden im Meer der Zufriedenheit. Der ganze Körper ist glücklich und zufrieden, schwitzt und nur der Magen schreit ganz still nach etwas Nahrung.

Am himmelblauen Gipfelsee werden die Brote ausgepackt, die Äpfel zerschnitten und das nasse Shirt gewechselt. Das kleine GPS kriegt einen schönen Platz am Schatten und dankt es mit einer angezeigten voraussichtlichen Ankunftszeit von 1622 Uhr.

Frisch gestärkt wird der Abstieg ins andere Tal in Angriff genommen. Der Schritt zum Philosophen ist nicht mehr weit. Das Zufriedenheitsbarometer erklimmt Rekordwerte und jeder Stein am Wegrand verdient es bewundert zu werden. So frei wie jetzt sollte der Kopf immer sein!

Der radikale Singletrail scheint die pedalende Bevölkerung anzuziehen wie der Speck die Fliegen. Wieder eine Gruppe, die ihr Rad die steilen Serpentinen hochträgt und wieder wird von Sportsmann zu Sportsmann freundlich gegrüsst.
Beim Kreuzen der Radwanderer schaue ich kurz auf mein GPS. Der keuchende Biker schaut neidisch zurück und nickt anerkennend in meine Richtung. Voraussichtliche Ankunftszeit: 1647 Uhr.

Die Talsohle ist erreicht und aus dem radikalen Singletrail ist eine mit Subventionen ausgebaute Alpstrasse geworden. Staubig, flach und unspektakulär sucht sich der unbefestigte Pfad seinen Weg Richtung Tal und die sich einsetzende Monotonie schlägt auf unser Gemüt. Das Tempo wird spürbar verschärft, um den Leidensweg zu verkürzen. Voraussichtliche Ankunftszeit: 1616 Uhr.

Das Restaurant ist in Blickweite und mein GPS bestätigt dies zu meiner Freude auch. Schnell ist der passende Tisch gefunden und das erfrischende Getränk bestellt. Der Wandervogel am Tisch nebenan versucht mit Mühe, seine altmodische Wanderkarte im Gegenwind zu falten. Ich lächle ihm zu, ergreiffe mein GPS, schalte es stolz aus und memorisiere die letzte Anzeige des Tages: definitive Ankunftszeit 1621 Uhr.

Mittwoch, August 30, 2006

stirred, not shaken


Der Wind peitscht immer noch Regen an mein Fenster, doch Surfer und Kiteboarder tummeln sich schon wieder am Strand und freuen sich an den ungewohnt sportlichen Wetterbedingungen.
Auch die Hausangestellten unseres Hotels sind seit knapp einer Stunde daran, die Blechverschläge vor den Fenstern wieder abzubrechen. Alles Zeichen, dass Ernesto nördlicher gezogen ist und Miami aufräumen und aufatmen kann.
Ich kann es gleich vorwegnehmen: Während das nicht ganz so spektakuläre Auge des Hurricanes über meinem Hotelzimmer vorbeizog, habe ich tief geschlafen und kann mich nur noch schwach erinnern, dass die Wände etwas gezittert haben.

Als Hurricane-Greenhorn habe ich mich gestern natürlich an die Anweisungen der Behörden gehalten. Brav bin ich am Nachmittag im "Chapter 11 – Inn" geblieben und habe den Mexikanern zugeschaut, wie sie die Blechverschläge an den Fenstern anbrachten und das Hotel verdunkelten wie vor einem Bombenangriff.
An ein Herausgehen war nicht zu denken. Nicht weil der Sturm schon bedrohlich stark war, sondern weil Geschäfte und Restaurants ab 14 Uhr praktisch alle verriegelt waren.
Eine leichte Depression kündigte sich an und die galt es mit Hopfen und Malz zu bekämpfen.

In der Hotelbar waren sich alle einig, dass der tropische Sturm am besten mit etwas Flüssigem im Magen überstanden werden kann und es wurde wacker zugeprostet und konsumiert. Um 17 Uhr dann die politische Einstimmung von ganz oben. Senator Jeff Bush erschien auf allen Sendern und verkündete seinen Schäfchen in patriotischem Tonfall zum Thema Ernesto: "We're all going as a Nation through this crisis…." – es ist auch Wahlkampf in Florida.

Nachdem ich einen Vertreter der präsidialen Zunft erleiden musste, kam Trotzstimmung auf und rebellische Gedanken führten dazu, dass eine kleine Leidengemeinschaft sich gegen alle Behördenempfehlungen widersetzte, das ungeliebte Gebäude verliess, um ein anständiges Lokal zu suchen.
Bereits hinter der dritten Blechverbauung klang es nach einem gemütlichen Fest. Durch den Hintereingang kommend, fanden wir uns schnell inmitten einer geselligen 'Pre-Hurricane-Party'. Während der Regen laut gegen den Blechverschlag trommelte, kauten wir unsere Steaks 'medium-rare', tranken Bier, schauten Footballaufzeichnungen und genossen die lockere Stimmung.
So gegen acht Uhr bekam der Beizer auch kalte Füsse und beendete das fröhliche Treiben abrupt. Irgendwie verständlich, denn auch er wollte seinen Heimweg noch einigermassen sicher antreten und wir akzeptierten den plötzlichen Rauswurf widerstandslos.

Wie schon beschrieben, habe ich den eigentlichen 'Höhepunkt' des Sturmes verpennt und kann jetzt in der 'Post-Hurricane-Phase' versuchen Bilanz zu ziehen.
Zum einen bin ich als Hasenfuss natürlich froh, dass der Sturm einiges schwächer ausgefallen ist, als gestern noch prognostiziert wurde, zum anderen staune ich aber noch heute, was Ernesto für die Leute hier eigentlich wirklich war: ein Medienereignis, Wahlkampf und vor allem eine Party! Zum Glück ist nicht mehr passiert.

Dienstag, August 29, 2006

Ernesto 'Che' Hurricane

Die kubanische Invasion in Form von Regen und starken Winden hat begonnen. Ernesto ist auf seinem Weg und Florida bereitet sich vor. Die Medien haben an jedem noch so kleinen Strand ihre Reporter postiert, die erwartungsvoll warten, bis sich die fast unverwüstlichen Palmen im starken Wind biegen. Die Schlangen vor den Tankstellen erinnern an den Gotthardstau an Ostern und hurricaneerprobte Einwohner decken sich mit Trinkwasser und Nahrung ein.
Die Stimmung der Einwohner schwankt zwischen leichter Vorfreude und sichtbarer Angst. Noch gestern Abend stiegen an der Southbeach an jeder Ecke 'Pre Hurricane Parties' und der nicht ganz jugendfreie Ableger der Sexshopkette 'Hustler' verkaufte fluoreszierende Dildos, um die evtl. stromlose Zeit während des Sturmes für die aufgeschlossene Frau etwas zu verkürzen.

Trotzdem kommt der Zeitpunkt des Sturmeinfalles unweigerlich näher. Die amerikanische Form unseres 'Buchelis' heisst hier schlicht Bob und er stimmt die Zuschauer fast ununterbrochen auf die zu erwarteten Ereignisse ein. Am TV informieren die Behörden, wann welche Strassen und Einrichtungen geschlossen werden und wie lange welche Busse noch fahren. In etwa sechs Stunden stellen einige Airlines ihre Flüge ein und die meisten Restaurants bleiben gemäss Ankündigung heute Abend geschlossen.

Auch ich bin bereit! Sieben Liter Wasser habe ich gebunkert und mit Erleichterung festgestellt, dass selbst die Anzahl frischer Unterhosen genügend ist, um einen längeren Aufenthalt im 'Chapter 11 – Inn' zivilisiert zu überstehen.

So, während ich diese Zeilen verfasste, ist der Wind spürbar stärker geworden und Regen wird in den nächsten Minuten einsetzen. Bob hat Recht behalten und ich hoffe, dass mein temporäres Heimetli, das sich in der 'Evacuation Zone A' befindet, den Winden standhält.

Montag, August 28, 2006

"Chapter 11 - Inn"

Auch Angestellte verarmter Airlines brauchen einmal Abwechslung und Erholung. Das ständige Gejammer bonusverwöhnter Chefs über sinkende Erträge und steigende Kauflust der eigenen Gattinnen zehren an den Nerven der Subalternen und diese brauchen von Zeit zu Zeit etwas Ablenkung.

Zu diesem Zweck haben die unter Gläubigerschutz stehenden amerikanischen Fluggesellschaften und ihre europäischen Pendants ein 1947 erstelltes Gebäude an einem nicht gar so mondänen Strand im Norden von Miami in Anspruch genommen und lassen ihre Angestellten an diesem einmaligen Ort die Beine ausstrecken.

Das Hotel, nennen wir es einmal "Chapter 11 –Inn", "hat alles was das Besatzungsherz erfreut. Die Zimmer haben Meerblick und dank den fingergrossen Spalten zwischen Mauerwerk und Scheibe kann man selbst im 9. Stock noch die Brandung hören.
Der Raum selber ist riesig und mit einem flauschigen grüngrauen Teppich bedeckt. Die Besitzer brachten es nie übers Herz, die im Nachkriegs-Miami so populäre Bodenbedeckung herauszureissen.
Etwas mickrig ist die Nasszelle ausgefallen. Links im Eck montiert ist die Toilettenschüssel aus amerikanischer Produktion. Da 1947 die Wasserspülungen schon Standard waren, unterscheidet sich das Ding unwesentlich von den heutigen Modellen bekannt aus Funk und Fernsehen.
Vor 60 Jahren schienen die Leute aber etwas kleinwüchsiger gewesen zu sein. Das Geschäft verrichten geht nur, wenn die Schlafzimmertüre offen bleibt und sich der Erleichterungswillige leicht nach links gedreht auf die früher einmal weisse Hartplastikbrille setzt.

Dafür ist das Bett riesig. Bedeckt mit einer Knistersteppdecke (100% Polyester) aus dem Wal-Mart um die Ecke, nimmt es einen grossen Teil des Zimmers in Anspruch und lädt zum Verweilen ein.
Liegt man Links, hört man auf einem Ohr das Meeresrauschen, liegt man rechts, hat man freie Sicht auf den etwa ein Kubikmeter grossen Farbfernseher, der 15 spanische und genauso viele amerikanische Programme zeigt.
Angestellten verarmter Airlines scheint die romantische Ader irgendwie abhanden gekommen zu sein. Meerrauschen interessiert kaum, TV Schrott aber umso mehr. So ist die rechte Seite der Matratze ziemlich durchgesessen und riecht irgendwie nach Pizza-Hut.

Ist ja auch egal, schliesslich soll man in einem so traditionellen Sanatorium seine Zeit nicht im Zimmer verbringen! Schon die Lobby bietet einiges. Ein Klavier wartet auf Airlineangestellte, die trotz verdichteter Flugpläne noch Zeit finden, Musikunterricht zu nehmen. Nicht ganz unerwartet bleibt das Tasteninstrument meistens stumm.
Der Treffpunkt und die Attraktion vom "Chapter 11 – Inn" ist der Poolbereich. Von Palmen umgeben liegt das himmelblaue Schwimmbecken unter dem blauen Himmel und empfängt Suizidwillige, die den ganzen Tag an der prallen Sonne liegen und vom braunen Teint und einer nie kommenden Lohnerhöhung träumen.

Für den gesünder lebenden Teil der Flugangestellten hat es einen Getränkeautomaten, der ganz hellfarbige Biere für einen Dollar ausgibt, einen Fitnessraum, einen Gebetsraum für Konvertierte und eine Allesheilerin, die gemäss eigener Werbung Verspannungen, Depressionen, Hautausschläge und andere stressbedingte Symptome heilt.

Auch für die in Trennung Lebenden ist vorgesorgt. Im Raum neben dem Bierautomaten finden sich drei Waschmaschinen und drei Tumbler, damit der einsame Single seine schmutzige Wäsche während des Sanatoriumaufenthaltes reinigen kann. Das Bügeleisen für Ästheten befindet sich übrigens im eigenen Zimmer.

Last, but not least die Verpflegung. Frühstück bestehend aus Kaffee, so dünn wie das Automatenbier, Toast und Bagels aus dem Wal-Mart, werden gratis angeboten. Für den Hunger zwischendurch hat es gleich neben dem "Chapter 11 – Inn" einen Pizza-Hut und am Abend kann der einsame Flugangestellte die Fertigmenüs vom Supermarkt nebenan im zimmereigenen Mikrowellenofen aufwärmen.

Dieses Hotel ist durch und durch eine Win-Win Situation für Angestellte und Management verarmter Airlines. Der Subalterne schont sein privates Budget, das Management spart Kosten, ihr Bonus steigt und die Gattinnen der Führungskräfte freuen sich an den gestiegenen Shoppingbudgets. Fliegen ist so schön!