Donnerstag, November 10, 2005

steif wie eine Bockleiter

Es kommt immer häufiger und in regelmässigen Abständen: das Gefühl, dass man irgend etwas substanzielles an seinem Lebensstil ändern sollte.
Ich habe immer auf die Gesundheitsapostel gehört und mich viel und intensiv bewegt. Acht Jahre bin ich mit meinem Kajak wilde Wasser hinuntergefahren, habe jahrein und jahraus unzählige Stunden im feuchten Boot verbracht, trainierte mit klammen Fingern den ganzen Winter durch auf dem Wasser und war am Ende froh, dass ich trotz meines chronisch unterkühlten Kreuzes noch das Siegerpodest besteigen konnte.
Es folgten 15 Jahre Engadin Skimarathon. In engen, viel zu kühlen Dresses skatete ich hunderte von Stunden im Reizklima des Engadins, fror mir dabei fast die Zehen ab und musste dank ebenbürtiger Konkurrenz zum Glück nie das Siegertreppchen erklimmen.
Mit Dreissig habe ich dem Wettkampfsport den Rücken gekehrt und hatte nur einmal beim New York Marathon einen Rückfall.
Seither jogge ich in den Wäldern der Umgebung, erschrecke Rentner auf dem Bike und laufe im Engadin mit ausreichend wärmenden Kleidung auf den Langlaufskiern von Gaststätte zu Gaststätte.
Mit diesem vorbildlichen Lebensstil sollte ich eigentlich der Vorzeigekunde der Krankenkassen sein und mich geschmeidig und fit fühlen. Leider ist es nicht so.

Meine Muskulatur ist seit einigen Jahren am Morgen härter als nach einem Krafttraining bei Kieser Werni, der Rücken schmerzt fast ununterbrochen und die Länge meiner Rumpfmuskulatur hat sich in den letzten Dekaden auffälligerweise der idealen Liegeposition der Fernsehcouch angepasst.
Mein Selbstversuch, die Muskulatur durch übermässigen Fonduekonsum geschmeidiger zu machen muss als gescheitert betrachtet werden.
So stehe ich jetzt einmal mehr an einem Scheidepunkt meines Gesundheitszyklus. Soll ich mich dem Wellnesstrend beugen und mich wochenendweise in schlammige, unappetitliche Bäder setzten und dabei eine kombinierte Hirse-, Dinkel-, Gersten- und Maistinktur inhalieren? Soll ich meine Langlaufstöcke zweckentfremden und wie die lustigen Weiber vom Limmattal debattierend und mit Stöcken bewaffnet durch die Wälder ziehen? Soll ich mein sicherlich schon zwanzigjähriges Gelübde brechen und mit Stretching beginnen? Nein, so stark sind die Schmerzen doch noch nicht.

Die Lösung all meiner Probleme flatterte letzte Woche mit einem Flyer ins Haus. Release Yoga heisst mein neuer Hoffnungsträger. Gestern war die erste Lektion und ich bin begeistert. Damit ich mit meiner Elastizität, die derer einer Bockleiter gleicht nicht allzu blöde dastehe, griff ich zu meiner Geheimwaffe aus vergangener Zeit.
Ein Fondue eine Stunde vor der Lektion sollte die notwendige Geschmeidigkeit geben und die Extraportion Knoblauch sorgte für die bei meiner Masse notwendige Bewegungsfreiheit. Die Lektion war ein Hammer und obwohl Release Yoga deutlich anstrengender ist als das ähnlich klingende Relax Yoga, bin ich restlos begeistert. Ich werde nächsten Mittwoch wieder antreten und hoffe, dass ich in ein paar Jahren im Schneidersitz schwebend das Fernsehprogramm geniessen kann!

Kommentare:

  1. oh....kenn ich:-)das ist in spreitenbach gäll?
    war ich schon mal im yoga,mittlerweilen geh ich in brugg:-)
    ich wünsch dir weiterhin ein sphärisches feeling!
    d

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  2. Soso? Alles Yoga Fans hier? :-) Hat sich niemand im Kurs über den penetranten Knoblauchgeruch beschwert? ;-) Grüsse von der Langlaufstockzweckentfremdenden allerdings nicht debattierenden Shadeva

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